Kassel: Razzia in der Kasseler Innenstadt – Polizei überprüft 142 Personen am Kriminalitätsbrennpunkt - Metropolnews
Messer, Drogen, Festnahme: Razzia in 40 Kasseler Lokalen
Polizei, Zoll und Ordnungsamt haben am Montagabend die erste große Razzia in diesem Jahr am Stern in der Kasseler Nordstadt gemacht. 

Aktualisiert um 14.15 Uhr. Dafür wurde um 18.30 Uhr die Jägerstraße abgesperrt. Mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei kontrollierten Beamte der Polizeidirektion Kassel fünf Läden, darunter Restaurants und ein Wettbüro.

In den Lokalitäten wurden die Papiere von etwa 40 Personen kontrolliert, auf der Straße mussten etwa 100 Personen ihre Ausweise vorlegen, teilte Polizeisprecher Matthias Mänz mit. 

Ein Mann wurde mit Handschellen in ein Polizeiauto abgeführt. Es bestehe der Verdacht, dass ein offener Haftbefehl gegen ihn vorliegt. Zudem hätten Zoll und Ordnungsamt in den Läden „gewerberechtliche Beanstandungen“ festgestellt, so der Polizeisprecher. 

Die Beamten stellten zudem insgesamt fünf Verstöße gegen das Betäubungsmittel- oder Arzneimittelgesetz sowie das Waffen- oder Aufenthaltsgesetz fest. In einem Restaurant erschnüffelte ein Drogenspürhund eine kleine Menge Marihuana. Außerdem stellten sie elf gefährliche Gegenstände wie Messer und Baseballschläger sicher.

„Ich finde das sehr ungerecht. Ich wollte nur etwas zu essen kaufen, jetzt komme ich nicht weg. Dabei muss ich um 19 Uhr an die Arbeit“, schimpft ein 21-Jähriger aus Kassel. Es ist kurz nach 19 Uhr und der Student hat seinen Chef bereits benachrichtigt, dass er später kommen wird. Er steht mit vielen anderen jungen Männern mit Migrationshintergrund auf der Jägerstraße und muss warten, dass seine Personalien kontrolliert werden. „Hier ist kein einziger Deutscher. Ich fühle mich diskriminiert“, sagt er. „Nur weil ich nicht aus einer höheren Schicht bin, darf ich hier nicht weg.“

Am Montagabend um 18.30 Uhr hat die Polizei die Jägerstraße in der Nordstadt an beiden Seiten mit Streifenwagen zugeparkt. Hier ist kein Durchkommen mehr. Seit rund einem Jahr findet mal wieder eine groß angelegte Razzia statt. Die Polizeidirektion Kassel wird von Beamten der Bereitschaftspolizei, dem Zoll und Mitarbeitern des Ordnungsamtes unterstützt. Fünf Läden, darunter ein Wettbüro und Restaurants, sollen genauer unter die Lupe genommen werden, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz. Die Polizei will zeigen, dass sie den Kriminalitätsschwerpunkt Stern weiter im Auge hat und die Drogen- und Beschaffungskriminalität bekämpft.

In der Vergangenheit haben hier viele körperliche Auseinandersetzungen stattgefunden. Erst vor vier Wochen war ein Mann in der Jägerstraße mit einem spitzen Gegenstand lebensgefährlich verletzt worden.

Dass rund um den „Stern“ mit Drogen gehandelt wird, davon wollen die vielen jungen Männer, die am Montagabend darauf warten müssen, kontrolliert zu werden, nichts wissen. „Von 100 Leuten hat hier vielleicht einer Drogen dabei“, behauptet ein 24-jähriger Mann. „Die tun ja so, als ob wir in Frankfurt oder Paris wären“, schimpft er. Solch eine Razzia sei in Kassel nicht erforderlich. „Ich will nicht wissen, wie viel Geld da drauf gegangen ist.“

„Das ist unfassbar“, schimpft ein 21-Jähriger aus Spangenberg. „Ich war nur im Supermarkt einkaufen. Jetzt will ich nach Hause, um das Essen zuzubereiten.“ Sie hätten großen Hunger, sagen die jungen Männer. Schließlich sei Ramadan und sie dürften erst nach Einbruch der Dunkelheit etwas essen. Fastenbrechen sei um 21.30 Uhr, erzählen sie.

Nicht alle sehen den Polizeieinsatz so kritisch, wie die jungen Männer, die mit vollen Plastiktüten mit Lebensmitteln in der Jägerstraße stehen. „Ich finde sehr gut, dass die Polizei etwas für unsere Sicherheit tut. Schließlich ist hier in den letzten Jahren sehr viel passiert“, sagt ein 35-jähriger Kunde eines Friseursalons.

Um 21 Uhr, noch vor dem Fastenbrechen, beendet die Polizei die Razzia. Bis dahin wurden laut Polizeisprecher Matthias Mänz die Identitäten von 142 Personen (fast ausschließlich Männer) festgestellt. 100 hielten sich auf der Straße auf, der Rest in den Läden.

Und wie sieht das Fazit aus? Zwei der Personen seien in laufenden Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft zur Ermittlung ihres Aufenthalts gesucht worden. Gegen einen 52-Jährigen mit türkischer Staatsangehörigkeit lag ein Haftbefehl vor. Er war bereits vor mehreren Jahren wegen einer räuberischen Erpressung in Kassel zu 555 Tagen Freiheitsstrafe verurteilt worden, hatte sich aber seitdem offenbar im Ausland aufgehalten. Er sitzt nun in Haft, so Mänz.

In einer Lokalität fand ein Rauschgiftspürhund der Polizei ein Tütchen mit einer kleineren Menge Marihuana. In diesem Fall wurde ein Verfahren wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet. Bei einem in Kassel wohnenden 18-Jährigen aus Syrien fanden Beamte mehrere verschreibungspflichtige Tabletten. Wie sich herausstellte, hatte er diese offenbar in einem Krankenhaus in Bad Wilhelmshöhe gestohlen. Gegen ihn wird nun wegen eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und Diebstahls ermittelt.

In einer anderen Gaststätte stellten die Beamten mehrere Waffen sicher – darunter eine Spielzeug-Schusswaffe, einen Baseballschläger und einen Dolch. In diesem Fall wird nun ein Verstoß gegen das Waffengesetz geprüft, so der Polizeisprecher.

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Kassel – Bei einer Razzia in mehreren Restaurants und einem Wettbüro in Kassel hat die Polizei mehrere Gesetzesverstöße festgestellt und einen Menschen festgenommen.

Gegen den Mann habe ein Haftbefehl vorgelegen, berichtete eine Sprecherin am Dienstag. Die Beamten stellten zudem insgesamt fünf Verstöße gegen das Betäubungsmittel- oder Arzneimittelgesetz sowie das Waffen- oder Aufenthaltsgesetz fest. Außerdem stellten sie elf gefährliche Gegenstände wie Messer und Baseballschläger sicher.

Der 18. Dezember 1979. Christiane J. (15) traf ihren Mörder auf einem Weihnachtsmarkt. Jetzt, 40 Jahre später, gab es eine Festnahme.

Die Polizei hatte bei ihrer Aktion am Montag rund 40 Menschen in den Lokalen und 100 Menschen auf der Straße überprüft – in einer Gegend nahe der Kasseler Innenstadt, die als Kriminalitäts-Brennpunkt gilt und vor allem durch Gewalttaten und Drogenkriminalität immer wieder in die Schlagzeilen gerät.