Tote in Kasseler Wohnheim Unispace: Es gibt Anzeichen für Gewaltverbrechen
Anzeichen auf Gewaltverbrechen in Wohnheim
Nach dem Leichenfund im Unispace am Ostring in Kassel gibt der Staatsanwalt Andreas Thöne am Freitagmorgen bekannt: Es gibt Anzeichen für ein Gewaltverbrechen.

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert, zuletzt um 9.43 Uhr - Thöne nannte bisher keine weiteren Einzelheiten. Im Lauf des Tages sollen die Leichen einer Frau und eines Mannes, die am Donnerstag in dem Wohnheim gefunden worden sind, obduziert werden, um die Todesursache zu klären. 

Die beiden Toten aus dem Studentenwohnheim in Kassel waren nach Angaben der Ermittler 19 Jahre alt. Es gibt Anzeichen für ein Gewaltverbrechen, sagte Staatsanwalt Andreas Thöne am Freitagmorgen in Kassel.

Bisher war nur sicher, dass die Frau 19 Jahre alt gewesen ist und in dem Wohnheim lebte. Nun gaben die Ermittler gegenüber der dpa bekannt: Auch der tot aufgefundene Mann war 19 Jahre alt. Er war nicht in der Wohnung gemeldet. In welchem Verhältnis die beiden zueinander standen, ist noch unklar.

Einzelheiten nannte er nicht. Eine Obduktion solle im Laufe des Tages die Todesursache klären. In welchem Verhältnis die Studentin und der junge Mann zueinander standen, war zunächst noch unklar.

Am Donnerstag sind die beiden Leichen in einem Appartementhaus am Ostring 80 im Kasseler Stadtteil Wesertor gefunden worden. Polizei und Staatsanwaltschaft machten am Donnerstag keine weiteren Angaben. Ein Gewaltdelikt könne nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Man ermittele in alle Richtungen.

Bei der toten Frau handele es sich um die Bewohnerin der Wohnung in dem neugebauten, vierstöckigen Wohnheim am Ostring, erklärte der Sprecher. Die Identität des Mannes sei noch nicht ermittelt.

Der Tatort, der im dritten Stock des Gebäudes liegen soll, war am Donnerstagnachmittag zu Spurensicherung abgesperrt worden. Die Arbeiten würden noch bis in die Nacht andauert, hieß es am späten Abend. 

“Aufgrund der Spurenlage schließen wir eine Gewalttat nicht aus”, sagte ein Polizeisprecher, ohne weitere Details zu nennen. Die Spurensicherung dauerte noch bis spät in die Nacht an.

Vor dem Haus ließ nur ein Polizeifahrzeug darauf schließen, dass dort etwas Schlimmes passiert sei. Viele Bewohner zeigten sich bestürzt. Einige hatten noch nichts von der Tat mitbekommen oder davon erfahren, als die Polizei an ihren Wohnungen geklingelt habe.

Kassel – In einem Kasseler Studentenwohnheim sind am Donnerstagnachmittag die Leichen einer jungen Frau und eines Mannes entdeckt worden.

In dem Haus im Stadtteil Wesertor wohnen überwiegend Studenten. Der Unispace-Komplex mit 240 Appartements war vor gut einem Jahr fertiggestellt worden. Die Immobilie liegt unmittelbar an der vierspurigen Ihringshäuser Straße in unmittelbarer Nähe zur Universität und zum Klinikum. Gegenüber befinden sich mehrere Einkaufsmärkte, Imbisse und eine Tankstelle.

Zur Auffindungssituation machte die Polizei keine Angaben und verwies auf die laufenden Ermittlungen.

Was genau in dem großen Wohnkomplex passiert ist, weiß am späten Nachmittag noch kaum jemand. Vereinzelt halten sich Studenten im Eingangsbereich des Appartementhauses Unispace auf, draußen lassen lediglich zwei Polizeiautos vage darauf schließen, dass im Inneren des Appartmenthauses etwas passiert sein muss. „Die Polizei hat bei mir geklingelt und gefragt, ob ich was gehört habe. Aber seit ich heute Nacht um 2 Uhr nach Hause kam, war eigentlich alles ruhig“, sagt ein Bewohner des Hauses. 

Man habe ihm gesagt, dass der Tatort in der Wohnung über seinem Appartement liegen soll. Von den Nachbarn höre man sonst kaum etwas, da müsse jemand schon die Musik richtig laut aufdrehen. Hunderte Briefkästen reihen sich im Untergeschoss aneinander, alle namenlos. Im Unispace scheint man eine Appartement-Nummer zu sein: Bewohner berichten von generell wenig Kontakt unter den Mitbewohnern. Alles sei sehr anonym. Wenn man den Nachbarn auf dem Flur treffe, dann grüße man freundlich. 

Laut Ermittlern könne ein Verbrechen nicht ausgeschlossen werden. Die genauen Umstände sind laut Polizei noch unklar.

Der gemeinsame Aufenthaltsraum? Meistens leer. „Es war immer alles ruhig, ich habe mich hier nie unsicher gefühlt“, ergänzt der Student. Seit einem Jahr wohne er hier, wie die meisten anderen auch. Das Unispace sei vor allem bei Menschen beliebt, die ihre Ruhe haben wollen. Es gibt einen hausinternen Waschsalon, hier treffe man manchmal jemanden. Überwiegend wohnen hier Studenten, aber vereinzelt sollen auch ältere Personen wie Ärzte des nahegelegenen Klinikums eine Wohnung am Ostring angemietet haben. 

Niklas, Student im dritten Semester, berichtet von einer WhatsApp-Gruppe von Bewohnern, über die kommuniziert wurde, dass im Haus etwas passiert sei. Gegen 14.30 Uhr sei die erste Nachricht eingegangen. „Es wurde geschrieben, dass im Haus Polizisten sind, und nach und nach kamen dann mehr Infos“, berichtet er und wirkt – wie die meisten hier – irritiert. 

Über die App habe man erfahren, dass ein Flur im dritten Stock von der Polizei abgesperrt worden sei. Auch auf der Online-Plattform Jodel gaben sich Bewohner ratlos. „Weiß jemand, was am Unispace los ist?“, ist dort mehrfach zu lesen. Im Eingangsbereich des Wohnheims befragen Beamte am frühen Abend Bewohner. Die meisten kommen gerade erst von der Uni oder von der Arbeit. Sie sind bestürzt und können nicht glauben, dass sich möglicherweise eine Gewalttat ereignet haben soll. 

Am Abend bestätigt die Polizei, dass es sich bei der toten Frau um eine 19-jährige Bewohnerin handelt. Die Identität des zweiten Toten sei noch unklar. Auch wisse man nicht, ob er ebenfalls im Wohnheim gewohnt habe. Obduktionen möglicherweise schon am Freitag sollen Klarheit bringen. Noch sind viele Fragen offen.

Das Unispace-Gebäude befindet sich auf dem Areal, wo einst der alte Reitstall lag. Er wurde Anfang der 20. Jahrhunderts gebaut. Bis 1976 wurde der Gebäudekomplex als Reitstall genutzt. 1977 wurden die Räumlichkeiten zum Selbsthilfezentrum. Doch das blieb nur von kurzer Dauer. Das Areal – und teilweise die Ruine – stand viele Jahre ungenutzt leer. Anfang der 2000er hatten diverse Autohändler das Gelände zur Unterbringung ihrer Fahrzeuge genutzt. Seit etwa einem Jahr ist das Unispace-Zentrum bewohnt.

Geboren 1985. 2011 als Volontärin zur HNA gekommen, seit 2015 Redakteurin in der Stadtredaktion Kassel, dort zuständig für Kassel Live.

Jahrgang 1988. In Dortmund geboren und aufgewachsen. Seit 2015 bei der HNA, zunächst als Volontär, derzeit als Redakteur in der Online-Redaktion.

Geboren 1988 in Kassel, aufgewachsen im Schwalm-Eder-Kreis. Seit 2016 in der Online-Redaktion der HNA. In ihrer Freizeit trainiert sie Thaiboxen, schreibt Romane, liebt den nordhessischen Zungenschlag, Schnucke und Grünen Kuchen.

Jahrgang 1993, geboren in Gelnhausen. Ab 2014 Germanistik-Studium in Frankfurt. Seit 2018 Volontär bei der HNA.

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Anzeichen auf ein Gewaltverbrechen: Eine junge Frau und ein junger Mann wurden am Donnerstagnachmittag tot in einem Kasseler Studentenwohnheim aufgefunden. (Symbolbild) Bild: dpa

Einen Tag nach dem Fund zweier Toten in einem Studentenwohnheim im Kassel gibt es Anzeichen auf ein Gewaltverbrechen. Das gab die Staatsanwaltschaft heute bekannt.

In einem Studentenwohnheim sind am Donnerstagnachmittag die Leichen einer Bewohnerin und eines Mannes gefunden worden. Nach Angaben der Ermittler waren die beiden Toten aus dem Studentenwohnheim in Kassel 19 Jahre alt. Es gibt Anzeichen für ein Gewaltverbrechen, sagte Staatsanwalt Andreas Thöne am Freitagmorgen in Kassel. Einzelheiten nannte er nicht. Eine Obduktion solle im Laufe des Tages die Todesursache klären. In welchem Verhältnis die Studentin und der junge Mann zueinander standen, war zunächst noch unklar.

Die beiden Leichen wurden am Donnerstagnachmittag in dem Appartement der Studentin in einem neuen Wohnheim entdeckt. Wer sie fand und unter welchen Umständen, sagte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht. Der Mann war nicht in dem Wohnheim gemeldet. Die Spurensicherung hatte bis in die Nacht zum Freitag gedauert.