König von Kassel: der neue Documenta-Geschäftsführer Wolfgang Orthmayr Bild: dpa

Die Documenta in Kassel sucht einen Geschäftsführer. Jetzt soll ein Musikmanager überbrücken, der offenbar keine Erfahrung in der Kunstwelt hat.

Wolfgang Orthmayr vorübergehend Documenta-Geschäftsführer

Folgende Leistungen bietet Wolfgang Orthmayr laut Profil auf einer Karriereplattform an: Werbung, Marketing & Sales, strategische Beratung, Retail-Expertise, Vertrieb. Und das sucht Wolfgang Orthmayr aktuell: Anregung, gute Leute, neue Business-Kontakte, gerne auch Aufregung, spannende Netzwerke und neue Business-Inhalte.

Dass Orthmayr neue Business-Inhalte sucht, können wir verstehen, begleitete er doch als Geschäftsführer der World of Music-Kette und einem zweijährigen Intermezzo bei der Schweiz-Abteilung der Sony BMG den Niedergang der CD, bevor er kaufmännischer Geschäftsführer der Stage Entertainment wurde, wo er für das Management von Musicals wie Rocky, König der Löwen oder Das Wunder von Bern zuständig war, also auch nicht immer das neueste Ding. Jetzt hat Orthmayr gefunden, was er suchte, denn wie die Stadt Kassel am Montag bestätigte, wird der Manager aus der dritten Reihe der neue Geschäftsführer der Documenta. Und das ist kein nachgereichter Aprilscherz, wie er zuletzt dem Kunstmagazin Monopol mit der Meldung gelungen war, der Volksbühnen-Intendant Chris Dercon werde künstlerischer Leiter der nächsten Documenta.

Der Musikmanager Wolfgang Orthmayr wird vorübergehend Geschäftsführer der Documenta in Kassel. Der 58-jährige Hamburger habe zum 1. April diese Aufgabe übernommen, teilte am Montag die Stadt Kassel als Gesellschafter der weltweit renommierten Ausstellung für moderne Kunst mit. Orthmayr war in den vergangenen Jahren unter anderem bei einer Firma für Musicals, bei Sony Music und der Musikhandelskette World of Music tätig. Die scheidende Documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff war in die Kritik geraten, als ein Defizit der Documenta im Ausstellungsjahr 2017 bekannt wurde. Nach jüngsten Angaben beträgt es 5,4 Millionen Euro. (dpa)

Nun ist ein Geschäftsführer kein künstlerischer Leiter, er ist nicht für die Inhalte verantwortlich, sondern für deren Finanzierung. Insofern kann natürlich theoretisch auch ein Gemüselogistiker zum Manager der bedeutendsten Kunstausstellung der Welt werden. Allerdings bekommt man in der Kunstwelt, wie in den meisten Branchen, in der Regel nicht deshalb eine leitende Stelle, weil man spannende Netzwerke sucht, sondern weil man welche mitbringt. Orthmayrs Vorgängerin Annette Kulenkampff leitete zum Beispiel sechzehn Jahre lang den renommierten Kunstbuchverlag Hatje Cantz, bevor sie für das Chaos von Adam Szymczyk durch das Feuer ging und dann vom Land Hessen und der Stadt Kassel für die Folgen einer Reihe von Unwägbarkeiten und Unvorsichtigkeiten fallengelassen wurde, in die alle Verantwortlichen sehenden Auges hineingesteuert waren: Ein wahrscheinliches Defizit von fünf Millionen Euro, das in der Documenta-Geschichte nichts Neues war und auf dessen Ausgleich sich Stadt und Land schon geeinigt hatten, bevor der Vorgang an die Regionalzeitung Hessische/Niedersächsische Allgemeine gespielt und zum Skandal gemacht wurde, worauf übrigens der zuständige Chefredakteur gehen musste.

Der Musikmanager Wolfgang Orthmayr (58) wird neuer Geschäftsführer der documenta in Kassel. Er habe die Aufgabe ab dem 1. April vorübergehend übernommen, sagte Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) als Aufsichtsratsvorsitzender der documenta gestern. Orthmayr tritt damit die Nachfolge der Kunsthistorikerin Annette Kulenkampff an. Orthmayr war laut Mitteilung in den vergangenen Jahren unter anderem bei einer Firma für Musicals, bei Sony Music und der Musikhandelskette World of Music (WOM) tätig.

Wolfgang Orthmayr übernimmt bei der deutschen Stage Entertainment den Posten…

Orthmayr leitet die documenta-Geschäfte

Die Kunsthistorikerin Kuhlenkampff war mit für die documenta 14 verantwortlich, deren Defizit nach jüngsten Angaben 5,4 Millionen Euro beträgt. Die Stadt Kassel und das Land Hessen als Gesellschafter sicherten nach Bekanntwerden des Defizits die Zahlungsfähigkeit der documenta mit einer Bürgschaft, kündigten aber auch personelle, strukturelle und finanzielle Konsequenzen an. Im November kündigte die Stadt das Ausscheiden Kulenkampffs an, verlor aber kein Wort über die finanziellen Probleme.

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Orthmayr soll keine Dauerlösung sein: Ohne die jetzige Interimslösung wäre es zeitweise zu einer Vakanz in der Geschäftsführung gekommen, teilte die Stadt Kassel mit. Man wolle den Posten nach einer Übergangsphase langfristig mit einer Person besetzen, die einschlägige Erfahrungen und Kompetenzen im Bereich des Kulturmanagements vorweisen könne.

Die scheidende documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff war in die Kritik geraten, nachdem ein Defizit der documenta im Ausstellungsjahr 2017 bekannt wurde. Nach letzten Angaben beträgt das 5,4 Millionen Euro. Die Stadt hatte im November angekündigt, dass der Vertrag mit Kulenkampff vorzeitig zum 1. Juni 2018 “einvernehmlich” aufgelöst werde. Eigentlich hätte sie noch bis Mitte 2019 Geschäftsführerin der Kunstschau bleiben sollen.