Faktencheck war zwar nicht das Wort des Jahres 2011, aber damals ein emotional besetzter Begriff. Beim Faktencheck saßen Befürworter und Gegner einer zweiten Straßenbrücke über den Rhein zwei Tage im Karlsruher Stephanssaal einander gegenüber. Argumente für und wider wurden ausgetauscht, um alle Interessierten auf den gleichen Sachstand zu bringen.

Damals war auch das erste Mal von jenem Spezialbeton die Rede, der Skeptikern bezüglich einer Sanierung der vorhandenen Rheinquerung den Wind aus den Segeln nehmen sollte. Ein viel diskutierter Gedanke war seinerzeit folgender: Wenn die vorhandene Brücke saniert werden muss, ohne dass eine zweite da ist, entsteht Chaos pur zwischen der Pfalz und Baden.

Der Superbeton, dem Experten des Regierungspräsidiums auf die Spur kamen und dem die damalige Verkehrs-Staatssekretärin in Stuttgart, Gisela Splett (Grüne), viel Charme attestierte, sollte folgendes ermöglichen: eine Ertüchtigung der bestehenden Rheinbrückenfahrbahn bei nur wenigen Wochenenden mit Vollsperrung.

So kommt es nun. Es hat zwar gedauert, aber was damals nicht Wenigen einigermaßen abenteuerlich erschien, wird acht Jahre später wenn auch mit etwas Geholpere Realität. Zwei Wochenendsperrungen sind jetzt erforderlich, um auf der Fahrbahn Richtung Wörth den Spezialbeton aufzubringen, zwei weitere Wochenendsperrungen sind es im September, wenn die Fahrbahn Richtung Karlsruhe an der Reihe ist. Technisch kompliziert ist das Rezept für diesen hochfesten Beton. Das mussten die Fachleute im Sommer vergangenen Jahres erfahren. Der Start für die Brückensanierung musste verschoben werden, weil die Probegüsse für den Beton nicht das gewünschte Ergebnis erzielten.

Jetzt soll die Fahrbahn von 300 Metern Länge an zwei Wochenenden einen neuen Belag erhalten. Acht Zentimeter stark, elf Meter Fahrbahnbreite – das macht nach offiziellen Angaben 120 Kubikmeter und etwa 30 Lkw-Fahrten. Hergestellt wird der Beton unterhalb der Brücke. Mit Spezial-Lkw wird er am Wochenende auf die Brücke geschafft. Das Wetter ist nicht von ganz großer Relevanz, denn über der Baustelle sorgt ein Zelt für trockene Verhältnisse. Außerdem wird geheizt. Entscheidend – und das ist der Grund für die Vollsperrung – ist, dass die Brücke in der Zeit, in der der Beton aufgebracht wird und härten soll, frei von Erschütterungen ist.

Indes sind die insgesamt vier Vollsperrungen – zwei je Fahrbahnseite – für badisch-pfälzische Grenzgänger negativer Höhepunkt einer von ihnen seit Jahren kritisierten Politik. Schon seit Jahren rufen sie nach einer zweiten Brücke, die für Entlastung hätte sorgen können, wenn die notwendige Ertüchtigung der vorhandenen fällig ist. Das ist jetzt der Fall. Die Planfeststellungsbeschlüsse für die zweite Straßenbrücke liegen vor. Allerdings gibt es Klagen dagegen. Die Sanierung läuft. Seit November vergeht kaum ein Tag, an dem nicht morgens der Rückstau weit in die Pfalz, und abends auf Karlsruher Seite bis Entenfang, Kühler Krug oder gar Höhe Bahnhof reicht.

Wer auch immer an den beiden kommenden Wochenenden über den Fluss will, muss einen Umweg in Kauf nehmen. Wer von Wörth nach Karlsruhe will, hat mehrere Möglichkeiten. Option A: die Rheinbrücke Germersheim im Zuge der B35, Umweg rund 60 Kilometer. Option B: Staustufe Iffezheim im Zuge der B500, Umweg rund 60 Kilometer. Option C: Fähren Leimersheim/Leopoldshafen oder Neuburg/Neuburgweier. Option D: öffentlicher Nahverkehr. DB Regio und AVG bieten an den Sperr-Wochenenden einen verdichteten Verkehr an, der fast alle halbe Stunde eine Verbindung über den Fluss anbietet.#

Gesperrt ist die Rheinbrücke Karlsruhe von Samstag, 13. April, null Uhr, bis Montag, 15 April, fünf Uhr. Die zweite Sperrung erfolgt von Karsamstag, 20. April, null Uhr, bis Ostermontag, 22. April, fünf Uhr.

Staus vorprogrammiert Rheinbrücke wird zweimal voll gesperrt teilen auf Whatsapp teilen auf Facebook teilen auf Twitter teilen auf SMS teilen per Mail teilen Die Karlsruher Rheinbrücke wird an den nächsten beiden Wochenenden für den Verkehr voll gesperrt. Dann soll der Spezialbeton für die neuen Fahrbahnen eingebaut werden.

Der Spezialbeton ist dreimal so fest wie normaler Beton. Er wird zunächst auf der nördlichen Brückenhälfte aufgebracht. Geschützt vor der Witterung laufen die Arbeiten unter einem gut 300 Meter langen Baustellenzelt.

Um Erschütterungen zu vermeiden, wird die komplette Brücke gesperrt. Die Arbeiten beginnen in der Nacht von Freitag auf Samstag um Mitternacht und dauern voraussichtlich bis Montagfrüh um fünf Uhr. Am Osterwochenende kommt dann die nächste Vollsperrung, um den restlichen Beton auf der zweiten Brückenhälfte aufzubringen. Nach den Plänen des Regierungspräsidiums Karlsruhe soll die gesamte Sanierung der Rheinbrücke Ende des Jahres abgeschlossen sein.