Nordhausen überrumpelt Carl Zeiss Jena - MDR
Sensation im Thüringen-Pokal: Wacker Nordhausen haut Carl Zeiss Jena raus
Nur noch ein Schritt fehlt Wacker Nordhausen bis zur ersten Teilnahme am DFB-Pokal seit 22 Jahren. Der langjährige Erfurter Carsten Kammlott und Joy Lance Mickels machten die Hoffnungen des Favoriten FC Carl Zeiss Jena auf eine Thüringenpokal-Titelverteidigung zunichte. Nordhausen gewann vor 2.480 Zuschauern im heimischen Albert-Kuntz-Sportpark clever und verdient mit 2:0 (1:0).

Während Cheftrainer Heiko Scholz auf Seiten der Gastgeber die identische Startaufstellung ins Rennen schickte, die vor wenigen Tagen Regionalliga-Primus Chemnitzer FC bestens Paroli geboten hatte, wechselte FCC-Coach Lukas Kwasniok im Vergleich zum jüngsten Auswärtssieg in Rostock munter durch. Unter anderem stand Raphael Koczor anstelle von Jo Coppens im Tor. Phillip Tietz und Dominic Volkmer fehlten angeschlagen, Maximilian Wolfram und Kapitän René Eckardt saßen anfangs nur auf der Bank.

Es war das vorweggenommene Endspiel im Thüringenpokal. Im Halbfinale empfing Wacker Nordhausen Drittligist Carl Zeiss Jena und schlug dem Titelverteidiger ein Schnippchen.

Die vielen Umstellungen setzten den Gästen sichtbar zu. Die nicht eingespielten Jenaer brauchten, um ins Spiel zu kommen, während Nordhausen von Beginn da war. Wacker stand defensiv kompakt und setzte in der Offensive umgehend Ausrufezeichen. Im ersten Versuch wurde Carsten Kammlott noch rechtzeitig geblockt (6.), zehn Minuten später schlug er jedoch eiskalt zu. Oliver Genausch hatte einen langen Ball in den Strafraum geschickt mit dem Kopf an die Sechzehmetergrenze zurückgelegt, von wo aus der FSV-Angreifer trocken und flach ins linke Eck verwandelte (16.).Nur Augenblicke zuvor war Genausch noch aus spitzem Winkel an Koczor gescheitert. Dieser Wirkungstreffer saß. Die Blau-Gelb-Weißen zwangen Heimkeeper Jan Glinker erst in der 25. Minute zum ersten Eingreifen, als Jannis Kübler nach Manfred Starkes Direktpass eine versuchte Eingabe in Richtung Torlinie abgerutscht war.

Doch dabei blieb es nicht – der FC Carl Zeiss wurde besser, druckvoller, konstruktiver. Florian Brügmann fasste zuerst Mut, aber Glinker reagierte glänzend gegen den 17-Meter-Versuch des Außenverteidigers (38.). An diesem “Hallo-Wach” nahm sich kurz darauf Fabian Tchenkoua zweimal ein Beispiel.Zunächst pflanzte er eine ansatzlose Bogenlampe aus gut und gerne 25 Metern an den Querbalken, kurz darauf vereitelte wiederum der exzellent aufgelegte Glinker Tchenkouas verdeckten Drehschuss (40./42.). Trotzdem hätten die Jenaer unmittelbar vor der Pause beinah erneut bedröppelt aus der Wäsche geschaut, wenn Genau die halbohe Eingabe von Joy Lance Mickels nicht knapp verpasst hätte (44.).

Jena kam mit zwei Neuen (Eckart und Wolfram) und Nordhausen mit dem größeren Offensivdrang aus den Kabinen. Mickels versagten in Folge eines sehenswerten Zusammenspiels mit Kammlott aus guter Strafraumposition die Nerven – der Angreifer schob freistehend rechts vorbei (48.). Zwar erarbeitete sich der Drittligist in der Folge die Ballbesitzhoheit zurück – wirklich dauerhaft in Verlegenheit brachte die Kwasniok-Elf die weiterhin stabile Wacker-Hintermannschaft dabei aber nicht. Starkes Risikoschuss flog hoch in den Nordhäuser Abendhimmel (62.).

Carsten Kammlott macht es trocken ins linke Eck und Joy Lance Mickels behält in der Nachspielzeit die Nerven. Seht hier noch einmal jene beiden Tore, die Nordhausen den Einzug ins Thüringenpokal-Finale bescherten.

Folgerichtig musste Carl Zeiss in der anbrechenden Schlussphase Räume preisgeben, in die Nordhausen Nadelstiche setzen konnte. Mickels entwischte Justin Schau im Konter, zog von halblinks ab, verfehlte den Kasten aber knapp (72.). Anschließend hob Tobias Becker einen gefühlvollen Freistoß aus dem Halbfeld in die Gefahrenzone, den Kammlott per Volley allerdings nicht voll traf – Koczor konnte abwehren (75.). Weitaus gefährlicher war da schon Mickels Risikoabschluss, der keinen halben Meter über das Gestänge zischte (76.).Was die Jenaer auch probierten, sie fanden einfach kein Mittel mehr, um zurückzuschlagen. Stattdessen belohnte sich Mickels doch noch für seine auffällige Partie. Glinkers langer Abschlag fiel über Umwege dem pfeilschnellen Angreifer vor die Füße, der diesmal die Nerven behielt (90.+3). Einen bitteren Beigeschmack hatte dieser Treffer trotzdem – Jenas Dennis Slamar verletzte sich im Zweikampf mit dem Torschützen wohl schwer.Den zweiten Finalisten spielen am kommenden Wochenende (Sa., 20.04., 14 Uhr, im Livestream auf www.sport-im-osten.de) der Landesklasse-Vertreter Blau-Weiß Büßleben und Thüringenligist FSV Preußen Bad Langensalza aus.

Lukas Kwasniok (Jena): “Unter dem Strich haben wir einen verdienten Sieger gesehen, weil wir es nicht geschafft haben, das Spiel in der ersten Halbzeit als Pokalspiel anzunehmen. Mit dem Rückstand wurde es dann noch schwieriger. Wir haben in der Pause mit zwei Wechseln umgestellt, aber richtig gefährlich sind wir nach vorn kaum geworden. Unsere Aufgabe ist es jetzt, uns zu schütteln und uns auf Wehen Wiesbaden vorzubereiten.”

Heiko Scholz (Nordhausen): “Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, die heute viel gelaufen ist. Es hat Spaß gemacht in einem fast ausverkauften Stadion. Am Ende haben wir verdient gewonnen. Dennoch sind wir erst im Finale und haben noch nichts erreicht, können aber stolz darauf sein, einen Drittligisten geschlagen zu haben.”

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@ JenaAlles egal oder? Hauptsache die Südkurve bleibt…@Nordhausen Danke für die grandiose Unterstützung der Ultras Nordhausen…Ich war wirklich überrascht, wie bedingungslos die Mannschaft nach vorne gepeitscht wurde über 95 Minuten..

Da hat man die "Refugees welcome"-Fans mal so richtig "bereichert". Nämlich mit Erfahrung.Guten Tag.

Der Auftritt unseres FCC gestern Abend enttäuscht maßlos. Rückfall in schlimmste Zeiten, die fast schon vergessen waren. Keinerlei Körperspannung, kein Gegenhalten, nicht die Spur von Kampf. Statt geil darauf zu sein im DFB-Pokal spielen zu können nur rumgegurke und völlig ideenlos. Als fairer Sportsmann bleibt nur Nordhausen zu gratulieren. So stellt man sich engagiertes Fußball spielen vor. Mir wird himmelangst wenn ich an die nächsten Spieltage in Liga 3 denke.Unsere ach so tollen Ultras und Konsorten sollten sich mal Gedanken über die finanzielle Situation unseres Vereins machen und ihren Kopf einschalten. Kein Wunder, daß diese Idioten so "beliebt" im ganzen Paradies sind. Ihre regelmäßigen Sammelaktionen für die wahnsinnig tollen Choreos zur Finanzierung der Kindergeburtstage in der Südkurve schaden dem ganzen Verein. Warum keiner aus den Entscheidungsgremien etwas dagegen sagt bzw. unternimmt, ist Null nachvollziehbar. Stadionverbot für die Idioten. Nur der FCC

@5: Mal den Teufel mal nicht an die Wand:-) Wacker mit seinen 500 Zuschauern in der 3. Liga wird es nie geben! Die Geschichte wiederholt sich: Vor 22 Jahren im DFB-Pokal gegen 1. FC Köln und Traíner Daum dachten die auch, sie wären die größten, verloren 1:7 daheim und wenig später war man Insolvent. Nur der RWE!!!

Glückwunsch nach NDH. Jetzt noch Büssleben und es wird ein geiles Fussballfest im einzig tauglichen Stadion im Freistaat. Die 2 glücklichen bis geschenkten Siege haben Lobeda schon wieder von ausreichender Qualität träumen lassen. Da spielen die Lizenzschwierigkeiten auch keine Rolle mehr. RWG

Nun ist es amtlich! Auch mit dem viel kritisierten "Oma"- Aussehen steht Heiko Scholz mit seinen Jungs im Thüringer Pokalendspiel und muss dann nur noch die hohe Hürde gegen einen 6- bzw. 7-klassigen Gegner überwinden, der auch in die DFB-Hauptrunde einziehen möchte, um evtl. dort u.a. gegen Bayern München antreten zu dürfen. Für Jena gilt wohl nach dieser erbärmlichen Leistung ohne jegliche eigene Torchance scheinbar nur noch der Klassenerhalt in der 3. Liga! Interessant waren dabei auch die äußeren ungewöhnlichen äußeren Bedingungen mit dem unmittelbar vor Spielbeginn manuellen Bewässern der Spielfläche, der seitlich tiefstehenden grellen Sonne in der ersten Halbzeit und der direkt vor der Hauptkamera postierte Lichtmast, einschl. des breiten Stromversorgungskastens, der ständig – mehr als alle Aktiven – im "Brennpunkt" stand…..

Glückwunsch zum verdienten Sieg an Wacker. Geht so voll in Ordnung. Unsere Mannschaft muss sich jetzt schütteln und am Samstag wieder voll für den Ligabetrieb fit sein. Danke MDR für den livestream. Sport frei an alle Fußballfans. NUR DER FCC

Keine Überraschung in Rudolstadt: Der FSV Wacker Nordhausen ist durch einen ungefährdeten Sieg beim Oberligisten FC Einheit in die Vorschlussrunde des Thüringenpokals eingezogen.

Die Pokalspiele zwischen dem ZFC Meuselwitz und dem FC Carl Zeiss Jena sind immer umkämpft und eng. Das war auch diesmal so. Allerdings waren die Höhepunkte rar und das Tor des Tages fiel spät.

Wenn der FC Carl Zeiss Jena so weitermacht, geht noch etwas in Sachen Klassenerhalt in der 3. Liga. Die Thüringer sind zwar noch immer Vorletzter, aber einige Zeichen stehen gut.

Der Bund wird für den Ausbau der Sportflächen und die Sanierung des Sozialgebäudes im Albert-Kuntz-Sportpark in Nordhausen Geld zur Verfügung stellen. Es handelt sich um einen siebenstelligen Betrag.

Nordhausen/Jena. In Nordhausen grassiert das Pokalfieber. Fußball-Viertligist Wacker will am Mittwochabend vor über 2000 Fans gegen den FC Carl Zeiss Jena ins Finale des Thüringenpokals einziehen und damit seine mäßige Saison retten. Doch der Drittligist selbst hat seine Schwächephase überwunden.

Das ist ganz klar Jena als das höherklassige Team, sagt Wackers Trainer Heiko Scholz . Jena hat jetzt mal ein Lebenszeichen mit seinen zwei Siegen abgegeben. Doch wir sind der aussichtsreiche Außenseiter, wenn wir auf die Leistung gegen Chemnitz noch Tore drauflegen. Es wird ein 50:50-Spiel, sagt der Ex-Nationalspieler. Für seinen Kollegen Lukas Kwasniok spielt es gar keine Rolle, wer der Favorit ist. Es geht darum, das Spiel zu gewinnen.

Wacker hat gegen Jena im Pokal noch nie gewonnen. Im FDGB-Pokal hieß es 1976 im Albert-Kuntz-Sportpark 1:6, weil Hartmut Molata in den letzten 15 Minuten noch drei Tore machte. Nach dem Mauerfall hatte Carl Zeiss 1995 im Halbfinale mit 2:1, 1999 im Finale mit 3:1, 1999 im Viertelfinale mit 9:8 nach Elfmeterschießen und 2016 im Halbfinale mit 2:0 die Nase vorn.

Das ist nur Statistik, aber auch wenn Wacker noch nie gewonnen hat, wollen wir das am Mittwoch ändern, sagt Scholz . Sein Jenaer Trainerkollege will die riesengroße Fußball-Geschichtskiste gar nicht erst anrühren: Spielt man Mittwochabend Pokal in Nordhausen , braucht man keinen Aufhänger, bemerkt der 37 Jahre alte Fußball-Lehrer.

Wacker hat Jena in Rostock noch einmal beobachten lassen. Das war gut, denn sie haben sich zuletzt auch taktisch stabilisiert, spielen Dreierkette, wenn sie angreifen, Fünferkette, wenn sie verteidigen. Wir haben das alles auf Video für die Mannschaft vorbereitet. Es sollte keine Überraschungen geben, sagt Scholz . Daraus macht auch Lukas Kwasniok keinen Hehl: Man bleibe sich treu. Darauf kann sich Nordhausen auch einstellen, sagt Jenas Trainer.

Für Lukas Kwasniok ist der Pokal genauso wichtig wie die Liga. Weil wir im Fluss bleiben wollen, sagt er. Die Chancen, auf einen Bundesligisten in der ersten DFB-Hauptrunde zu treffen, machen jedem Fußballer Beine, sagt Scholz , der mit Germania Windeck zweimal das große Pokal-Spiel erreichte. Wir spielten gegen Bayern München vor 50.000. Das vergisst man nicht – und gegen Hoffenheim, sagt Scholz .

Wir freuen uns auf dieses Spiel, gehen es voller Lust an und sehen es nicht als Belastung, sagt Kwasniok. Es mache dabei keinen Unterschied, dass es hier im Pokalwettbewerb weitergeht oder um Ligapunkte am Wochenende. Auch Scholz spricht lieber vom Genießen des Spiels. Druck hast du immer. Aber klar, es ist ein wichtiges Spiel. Schon im Januar, als ich kam, wurde davon geredet. Es ist unsere große Chancen, ins Finale einzuziehen und Pokalsieger zu werden, sagt der gebürtige Görlitzer.

Ich weiß nicht, wie viel es für den Pokalsieg gibt. Aber mit einem tollen Gegner in der ersten Runde ist das für jeden Verein finanziell hochinteressant, sagt Scholz . Kwasniok entgegnet, dass die Euro, die bei einem Klassenerhalt ins Vereinssäckel fließen, deutlich mehr sind als jene, die durch den Pokal gewonnen werden können. Für ihn als Trainer sei das aber schnuppe – er will auch Pokalsieger werden.

Wacker hat zuletzt zwei Elfer verschossen. Unser Pech vom Punkt sollte damit eigentlich abgearbeitet sein, sagt Scholz .

Julian Günther-Schmidt ist zurück in Jena , trainiert mit dem Athletikcoach noch extra und soll im Laufe der Woche zur Mannschaft stoßen. Die Signale sind durchaus positiv, erklärt Kwasniok, dass man den Angreifer in dieser Saison noch einmal sieht. Für Nordhausen ist er aber keine Option, sagt Kwasniok. Für die Partie heute sehe es allerdings bei Abwehrspieler Dominic Volkmer und Phillip Tietz nicht rosig aus, die beide noch mit Blessuren aus dem Rostock-Spiel zu kämpfen haben. Ebenfalls fehlen wird Dominik Bock , der zuletzt krank war. Wacker muss derweil auf Felix Müller wegen Gelbsperre verzichten. Dafür rückt Maurice Pluntke wieder auf die Innenverteidiger-Position. Man darf durchaus die Chemnitz-Besetzung erwarten.

Im zweiten Halbfinal-Duell spielen Blau-Weiß Büßleben (Landesklasse) und Verbandsligist Preußen Bad Langensalza um den erstmaligen Einzug ins Finale. Beide Mannschaften lieferten in ihren Ligen erfolgreiche Generalproben ab. Während die Gastgeber gegen Sondershausen II 5:1 die Oberhand behielten, stürzte Bad Langensalza Spitzenreiter Geratal vom Thron.

Für Büßleben bietet sich indes eine historische Chance: Noch nie stand ein Siebtligist im Thüringer Pokalendspiel. Anpfiff ist Samstag, 14 Uhr, in dem Erfurter Vorort, wo 600 Zuschauer erwartet werden.