Heilbronn  Der Challenge Triathlon mitten in Heilbronn ist ein Fest für alle: Sportler, Fans und Zuschauer. Die Innenstadt zeigt bei diesem Großereignis überraschende Qualitäten.

“Rollender Start” im Heilbronner Neckar: Die Schwimmer gehen stürzen sich grüppchenweise in den nur rund 16 Grad kalten Fluss. Foto: Andreas Veigel

Sebastian Kienle und Daniela Bleymehl gewinnen erneut die Challenge Heilbronn

Als Lokalmatador Sebastian Kienle als Sieger erstaunlich frisch und locker über den roten Teppich das Ziel erreicht, gibt es auf dem Heilbronner Marktplatz am Sonntagmittag kein Halten mehr. Sebi klatscht das Publikum ab. Fast wäre die La-Ola-Welle über die Zuschauertribünen geschwappt, die man sonst nur aus Sportstadien kennt.

Anfangs sah es auch in den Laufschuhen nach einer klaren Sache für Philipp aus, die dann allerdings bald große Probleme bekommen sollte. Leicht humpelnd und sich an den Knöchel greifend ging es plötzlich für die 32-Jährige nur noch im Fußgängertempo voran. Wenig später war der Wettkampf für Philipp beendet.  Bleymehl ging so kampflos in Führung und konnte dadurch überlegen ihrem dritten Heilbronn-Sieg (4:18:08) in Serie entgegenlaufen. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Es war eine große Motivation, um mein persönliches Triple zu kämpfen und ich bin stolz, dieses Ziel erreicht und einen weiteren Titel in Heilbronn gewonnen zu haben. Außerdem ist es schön zu sehen, dass ich im Vergleich zu meinem Saisonauftakt Anfang April in besserer Form bin und optimistisch in die nächsten Wochen gehen kann," bilanzierte Daniela Bleymehl im Ziel.

Euphorisierte Athleten, jubelnde Fans: Heilbronn kann auch Spitzensport. Der Triathlon ist der Beweis dafür. Die ganze Innenstadt bildet die Topkulisse für ein mitreißendes Großereignis, das mehr als 2000 Profis und Amateure auf der Strecke und viele tausend Zuschauer als Zaungäste dieses Spektakels in ihren Bann zieht.

Bei den Frauen kam eine Vierergruppe mit Titelverteidigerin Daniela Bleymehl, Topfavoritin Laura Philipp, Saskia Käs und der Britin Chantal Cummings nahezu zeitgleich aus dem Neckar. In der langen Wechselzone spielte Laura Philipp ihre Laufstärke aus und schob als Leaderin ihr Rad über den Wechselbalken, direkt verfolgt von Daniela Bleymehl.  Als Duo fuhren sie nun der Konkurrenz schon auf den ersten Radkilometern deutlich davon, bevor sich Philipp in den Hügeln des Zabergäus von der Titelverteidigerin lösen konnte. Die Heidelbergerin fuhr anschließend einen deutlichen Vorsprung auf ihre Erdinger Alkoholfrei-Teamkollegin heraus und hatte so alle Trümpfe in der Hand, um zum dritten Mal nach 2015 und 2016 auf dem Heilbronner Marktplatz zu triumphieren.

Schon früh am Morgen ab 7.45 Uhr, als sich die Triathleten in das nur rund 16 Grad kalte Wasser am Theaterschiff in den Neckar stürzen, schauen überraschend viele Menschen zu. Das ganze Wettkampfwochenende über ist die Innenstadt so voll wie selten zuvor. Die Atmosphäre ist entspannt, locker. Das Publikum genießt die Atmosphäre. "Es ist ganz schön was los in der Stadt", beschreibt zum Beispiel der Böckinger Jürgen Mugele die Szenerie. "Live bei so einem Sportereignis dabei zu sein, ist besser als daheim die Sportschau im TV zu sehen", erklärt der 69-Jährige. Monika Österreich (61) aus Donaueschingen, deren Mann beim Triathlon am Start ist, lobt die Infrastruktur. "Man ist überall nah dran am Geschehen."

Nur 15,7 Grad warm war das Wasser des Neckars nach den letzten kühlen Maiwochen. Entsprechend groß dürfte die Motivation der Athleten gewesen sein, so schnell wie möglich den Neo gegen das Zeitfahrrad einzutauschen. Als erstes durften dies Lokalmatator Florian Angert und Horst Reichel, die mit einer kleinen Lücke vor den Topfavoriten um Sebastian Kienle, Andi Dreitz und Maurice Clavel auf die Radstrecke gingen. Mit dabei in der Favoritengruppe war von Anfang an auch Ruben Zepuntke.  Der 26-jährige gebürtige Düsseldorfer, der bisher als Profiradfahrer unterwegs war, überraschte bereits vor 14 Tagen als Dritter auf der Kurzdistanz in Buschhütten.

Das kann Heilbronns Erster Bürgermeister Martin Diepgen nur unterstreichen: " Man kann als Zuschauer von einem Platz aus alle drei Disziplinen des Triathlons beobachten: die Schwimmer, die Radler und die Läufer." Die Veranstaltung würde gut zu Heilbronn passen, "der Stadt, durch die der Neckar fließt".

Unter dem Tempodiktat des Titeltitelverteidigers und des Ex-Radprofis konnte wenig später Angert nicht mehr folgen, der nach 50 Kilometern bereits fast zwei Minuten zurücklag. Der Rest der Verfolger wurde zu diesem Zeitpunkt vom Schweizer Philipp Koutny angeführt, der allerdings schon fast sechs Minuten Rückstand aufwies.  Auf dem schnellen Rückweg in Richtung Heilbronn waren es wiederum Kienle und Zepuntke, die sich an der Spitze abwechselten, während Dreitz abwartend an Position drei, mit den bei Challenge Rennen geforderten 20 m Abstand, folgte.  

Gerhard Ritter war selbst mehrfach Teilnehmer beim hep Challenge Triathlon powered by Audi, wie die Veranstaltung offiziell mit Sponsorennamen heißt. Dem Heilbronner blutete ein wenig das Herz, nicht dabei zu sein. Denn er weiß aus Erfahrung, "was für ein emotionaler Moment das ist, durchs Ziel zu kommen". Der Triathlon verwandele Heilbronn in eine junge Sportstadt, der Spirit der Stadt würde sich in diesem Ereignis gut wiederspiegeln.

Schon auf dem Hinweg von Heilbronn ins Zabergäu wurde Angert bald gestellt. Anschließend war es ein Quartett mit Kienle, Zepuntke, Dreitz und Angert, die sich als Spitzengruppe formierten, wobei das Tempo von Kienle und Zepuntke vorgegeben wurde.  Nicht mehr dabei war zu diesem Zeitpunkt Maurice Clavel, der das Rennen wegen eines Raddefektes früh aufgeben musste.

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Erst mit deutlichem Abstand folgten Els Visser (NED/4:28:16) und Corina Hengartner (SUI/4:30:40) auf den Rängen zwei und drei. Die Lokalmatadorin Katharina Wolff (4:35:08) folgte auf Rang vier und holte sich so DM-Silber.

Auch bei den Teilnehmern bekommt der Triathlon fast nur gute Noten. Moritz Eyer kommt ursprünglich aus Obersulm, lebt jetzt in Berlin. Der Wettkampf sei für den 35-Jährigen eine gute Gelegenheit gewesen, nach Hause zu kommen. Eyer lobt die Fans an der Strecke: "Das Publikum ist toll. Wahnsinn, was da abgeht. Die Leute machen Party." Teilnehmer Frank Motzer hat das auch so erlebt: "Das Publikum ist perfekt. Die Leute sind begeistert und klatschen Athleten ab, die sie gar nicht kennen."

Allerdings schüttet der 51-jährige Heilbronner auch etwas Wasser in den Wein: "Die Wechselzone in der Badstraße war brutal lang." Und das Wasser im Neckar sei "frisch" gewesen, so zwischen 15 und 16 Grad. "Da bekommt man am Anfang trotz Neoprenanzug Schnappatmung." Einige Triathleten kritisierten auch, dass auf dem Boden in der Wechselzone Steinchen und Zweige nicht weggeräumt waren. Ein Handicap, wenn die Athleten nach dem Schwimmen barfuß zu ihren Rädern eilen.

Das Fazit von Kai Sauser, der zusammen mit seinem Bruder Rik und ihrer Villingen-Schwenninger Eventagentur den Triathlon veranstalten, fällt so aus: "Perfekt. Wir hatten Glück mit dem Wetter. Es war ein super spannendes Rennen."

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Einigen Triathleten war der Start um 7.45 Uhr, eine Stunde eher als sonst, dann doch etwas zu früh am Morgen. Die Veranstalter hatten den Beginn vorverlegt, um das Zeitfenster für die Straßensperrungen vor allem auf der Radstrecke im Zabergäu schnell wieder schließen zu können. Außerdem nahm man Rücksicht auf ein Feuerwehr-Jubiläumsfest in Stetten am Heuchelberg. Die Wechselzone in der Badstraße war einigen Athleten zu lang und zu weit weg vom Schwimmausstieg. Früher befand sich die Wechselzone auf einem Parkplatz hinter dem Hauptbahnhof. 

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