Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn: \
Erste Besucher kamen bereits vor offizieller Eröffnung | Heilbronn | SWR Aktuell Baden-Württemberg | SWR Aktuell
Rasenwellen wie Riesengurken und eine Million Blumenzwiebeln: Die Bundesgartenschau in Heilbronn zelebriert die Welt der Pflanzen. Doch ein Idyll ist das Ausstellungsgelände nicht.

Farbenprächtig recken sich die Tulpen in den Himmel, außerdem gedeihen auf dem früheren Industriegelände mitten in Heilbronn 5000 Rosenstöcke und 100.000 Stauden. Doch bei der diesjährigenBundesgartenschau (Buga), die nun eröffnet wurde, sollen Pflanzen nicht der einzige Blickfang sein. Die Organisatoren wagen Neues: Die Buga soll keine bunte Blümchenschau sein, sondern eine Stadtausstellung.

Erstmals in der 68-jährigen Geschichte der Veranstaltung leben während der Buga auch Menschen auf dem Ausstellungsgelände. 22 Wohngebäude und eine Jugendherberge stehen dort – 400 Bewohner sind bereits eingezogen, ein Café und ein Kindergarten haben geöffnet.

Vom 17. April bis 6. Oktober 2019 will die Bundesgartenschau in Heilbronn klassische Gartenthemen mit Themen der Zukunft verknüpft. Sie soll die erste BUGA sein, die eine Garten- und Stadtausstellung kombiniert.

“Ein reales Labor”, so nennt Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas den neuen Ansatz. Die Buga widme sich diesmal Zukunftsthemen wie dem autonomen Fahren, der Digitalisierung und Stadtentwicklung. Für die Besucher gibt es in manchen Häusern Musterwohnungen zum Erkunden.

Flächenverbrauch ist beim Blick in die Zukunft der Städte ein drängendes Thema. Die Buga setzt auf verdichtete Bauweise, also viele Wohnungen auf wenig Raum. Das werde auch kritisch hinterfragt, räumt Faas ein. Aber es sei nun mal ressourcenschonend, es bleibe mehr Platz für Grünflächen oder Seen. Der Geschäftsführer betont: “Es geht darum, langfristig zu denken und langfristig zu verändern.” Endet die Buga am 6. Oktober, soll aus der Stadtausstellung ein Wohnquartier werden – mit 3500 Wohn- und 1000 Arbeitsplätzen.

Trotz aller Zukunftsvisionen, die Pflanze steht nach Angaben der Macher weiterhin im Mittelpunkt. Eine Million Blumenzwiebeln und Hunderttausende Frühjahrsblüher wurden auf dem Gelände inmitten von Heilbronn gesteckt und gepflanzt. So entstanden “Gartenwelten aus sechs Regionen und 18 Gartenkabinette als Stätten der Begegnung, zum Entdecken und Erholen”, wie es in einer Mitteilung der Buga heißt.

Mit 13.000 Besuchern am Tag rechnen die Organisatoren, 30.000 könnten es zu Spitzenzeiten werden. Durch Eintrittsgelder müssen der Kalkulation zufolge rund 40 Millionen Euro in die Kassen kommen. Die Kosten für die Buga liegen demnach bei etwa 194 Millionen Euro – die Stadt Heilbronn übernimmt davon rund 94 Millionen Euro, das Land Baden-Württemberg rund 60 Millionen Euro.

Dafür wurde unter anderem das Areal direkt hinter dem Heilbronner Hauptbahnhof – früher Hafen- und Industriegebiet, zuletzt Brachfläche – komplett umgekrempelt. Die Ecke war als schmuddelig verrufen und das Aufräumen gestaltete sich aufwendig. Gut 300 Tonnen Schrott wurden aus dem Boden geholt, 13 Tonnen Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. Nun stehen dort das größte Holzhochhaus Deutschlands sowie ein Pavillon aus Glas- und Kohlestofffasern.

Baden-Württembergs First Lady Gerlinde Kretschmann eröffnet am Mittwoch zwei davon: Zum einen geht es unter dem Motto “Der Koloss von Rhodos” um Rhododendren, zum anderen soll das Jugendsprachen-Schlagwort “#Yolo” blühend umgesetzt werden.

Bei der Eröffnung der Buga am Mittwochvormittag war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anwesend. Man könne die Bundesgartenschau als die Olympischen Spiele der Gärtner bezeichnen, bei der sich auch Laien etwas abschauen könnten, sagte Steinmeier.

Eine Million Blumenzwiebeln wurden für die Bundesgartenschau Heilbronn gesteckt und fast 1000 Bäume gepflanzt. Erstmals in der Geschichte des Formats wird auf dem Gelände neben einer klassischen Gartenschau auch Architektur präsentiert.

Deshalb habe er Hoffnung, sein gärtnerisches Talent noch zu entfalten. Er habe sich “vorgenommen, eines Tages übers Rasenmähen hinaus zu kommen”, sagte er. Bisher ist der Bundespräsident eigenen Angaben zufolge eher “fürs Brot-und-Butter-Geschäft eingeteilt”, wenn es um die Gartenarbeit daheim geht: “Rasenmähen oder Laubsäckeschleppen in aller Regel”.

Heilbronn – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) eröffnen am Mittwoch die Bundesgartenschau (Buga) in Heilbronn.

Steinmeier nannte die Stadt Heilbronn beim Thema Wohnungsnot ein Vorbild. Es brauche “beherzte Kommunen, Investoren, Bauherren und Stadtplaner, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind”. Die Städte dürften nicht zum “sozialen Kampfplatz um das Wohnen werden”, mahnte der Präsident. Mit Blick auf die Bundesgartenschau sagte er: “Hier hat das funktioniert, weil die Grundstücke nicht an den Meistbietenden verkauft wurden, sondern an denjenigen mit dem besten Konzept.” Es sei “nicht um kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern um langfristige Maximierung von Lebensqualität” gegangen.

Während der Dauer der Ausstellung leben Menschen in den Gebäuden, 400 sind bereits eingezogen. Die Bundesgartenschau in Heilbronn geht bis zum 6. Oktober.

In einem ökumenischen Festgottesdienst zur Eröffnung der Bundesgartenschau haben die christlichen Kirchen den Schutz der Umwelt angemahnt. Die Schau zeige die Farbenvielfalt der Schöpfung, sei offen für Begegnung und Gemeinsamkeit, erklärte der evangelische Landesbischof Frank Otfried July. Naturschutz sei notwendig, “damit auch in Zukunft alle Menschen Leben schmecken können”. Darüber hinaus solle die Bundesgartenschau ein “Fest des Friedens” werden.

Auch der Bischof der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, betonte die besondere Verantwortung der Menschen für die Natur. “In dieser Verantwortung sind wir aufgefordert, die Schöpfung zu bewahren und der Natur dankbar das zurückzugeben, was sie uns schenkt”, erklärte er. Dies könne “durch einen Lebensstil, der Natur, Umwelt und Klima nicht zerstört”, erreicht werden.

Zu dem Festakt (11 Uhr) auf dem Experimenta-Platz erwarten die Veranstalter rund 2000 geladene Gäste, teilte eine Sprecherin am Dienstag mit.

Information: Die Buga 2019 endet am 6. Oktober. Erwachsene zahlen 23 Euro Eintritt, junge Erwachsene bis 25 Jahre 8 Euro. Kinder bis 15 Jahre dürfen kostenlos hinein. Die Dauerkarte kostet 110 Euro für Erwachsene, 50 Euro für junge Erwachsene.

Die ersten Besucher erkunden bereits das Ausstellungsgelände – die Tore der Bundesgartenschau sind seit 9 Uhr geöffnet.

Er ist der allererste Besucher der Bundesgartenschau in Heilbronn: Wolfgang Harter. Er begleitet seinen Sohn zum Landschaftsgärtner-Cup Baden-Württemberg auf dem BUGA-Gelände.

Eine Million Blumenzwiebeln wurden gesetzt, tausend Bäume gepflanzt, 100.000 Stauden und 5.000 Rosenstöcke – Heilbronn will zum Anziehungspunkt für Gartenfreunde aus ganz Deutschland werden. Bis zum Ende der Bundesgartenschau am 6. Oktober rechnen die Veranstalter mit rund 2,3 Millionen Besuchern.

Regionen, Verbände, Vereine aus Baden-Württemberg präsentieren sich und ihre Schwerpunkte, wie etwa die Universität Stuttgart mit ihren bionischen Pavillons oder auch das Umweltministerium des Landes mit einem Ausstellungsbeitrag komplett aus Recyclingmaterial.

Früher glich das rund 40 Hektar große Gelände – ein Bahnareal – einer Industriebrache: Eine Mineralölfirma, Schrotthändler, Altpapierhändler waren hier angesiedelt. Für rund 200 Millionen Euro wurde es umgestaltet. Wobei die Gartenschau selbst nur knapp ein Drittel der Summe kostet.

Für Heilbronn ist die BUGA der Motor für ein Städtebauprojekt. Dort entsteht ein neues Stadtviertel mitten in der Innenstadt. Die ersten 22 Häuser in ökologischer Bauweise sind fertig und sollen zeigen, wie urbanes Wohnen in Zukunft aussehen kann.

Eintrittspreise: Tageskarte 23 Euro für Erwachsene, Kinder bis 15 Jahre zahlen keinen Eintritt, Ermäßigung für Senioren und junge Erwachsene

Anreise: Bahn: Hauptbahnhof Heilbronn / Stadtbahn: Haltestelle Neckarturm,Kurt-Schumacher-Platz / Regiobuslinien: 620, 631, 641, 642, 644, 645, 651, 660, 661, 662 und 683 von den Haltestellen NeckarTurm, Hauptbahnhof und/oder Wollhausplatz aus erreichbar

SWR-Special: Berichte und Veranstaltungen Der SWR auf der BUGA 2019 in Heilbronn Der SWR ist Medienpartner und damit mittendrin bei der Bundesgartenschau (BUGA) 2019 in Heilbronn. Hier finden Sie die gesammelten Artikel, Veranstaltungshinweise und Wissenswertes rund um die BUGA in Heilbronn.  mehr…