Linton Maina im Interview: Ohne Steven Cherundolo wäre ich nicht mehr bei ...
Linton Maina im Interview: Ohne Steven Cherundolo wäre ich nicht mehr bei Hannover 96
Von seinem Lieblingsverein Hertha BSC kam nichts, auch Leipzig wollte ihn nicht. Aber Hannover 96. Dem großen Moment am vorigen Freitag, als Linton Maina beim 2:1-Sieg gegen Wolfsburg im siebten Spiel – mit dem Schienbein – sein erstes, gleich so wichtiges Bundesliga-Tor erzielte, folgte am Mittwoch der Schreck. Vorzeitig musste der Youngster das Nachmittagstraining abbrechen. Der 19-Jährige war mit Keeper Leo Weinkauf zusammengeprallt. Doch nach den Untersuchungen folgte die Entwarnung: Der DFB-U-20-Nationalspieler erlitt “nur” eine schmerzhafte Prellung an der Wade. Vor der Einheit hatte sich Maina erstmals ausführlich den Medien gestellt. Dort sprach der gebürtige Berliner über…

“Mein Vater lebt zwar in Berlin, zu ihm habe ich aber nur ab und zu Kontakt. Meine Mama hat mich und meine ältere Schwester allein großgezogen, sie ist ganz wichtig für mich. Sie hat alles für uns gegeben. Auch wenn wir nicht reich waren, kam es mir vor, als ob wir es sind. Sie ist heute bei jedem Spiel da. Ich probiere, ihr so viel wie möglich zurückzugeben. Das kann man nicht nur mit Geld machen, aber zum Beispiel mit meinem ersten Tor. Das war für sie viel schöner als jeder Geldschein. Auch mein früherer Trainer in meinem ersten Verein Pfefferwerk Berlin, Lucio Geral, war und ist sehr wichtig für mich. Er ist wie ein großer Bruder.”

“Mein Zuhause und meine Heimat ist Berlin, Prenzlauer Berg. Dort habe ich als Kind jeden Tag mit Freunden auf dem Bolzplatz direkt an meiner Schule gespielt bis es dunkel war.” …den Abschied aus der Heimat: “Die Plätze meiner Vereine in Berlin, Pfefferwerk Berlin und Empor SV, waren nicht weit von uns zu Hause entfernt. In Berlin hatten auch Vereine wie Tennis Borussia, Zehlendorf oder der BFC Dynamo Interesse an mir. Ich war damals Hertha-Fan, aber von Hertha habe ich nichts gehört, da kam nichts. Dann spielte ich mit der Berliner Auswahl beim Ländervergleich in Duisburg. Da hat mich Christoph Dabrowski (Ex-Profi, dann Jugendtrainer und heute Coach der U 23 in Hannover, d. Red.) gesehen und nach Hannover eingeladen. Er unterstützt mich seit dem ersten Tag bei 96. Ich habe lange überlegt, ob ich aus Berlin raus will. Ich war auch bei RB Leipzig im Probetraining, aber die wollten nicht. Dann habe ich mich für Hannover entschieden und bin jetzt froh darüber.”

“Als ich nach Hannover kam, gab es die Akademie in der heutigen Form noch nicht. Wir wohnten im Internat in Elze, 45 Minuten außerhalb, sind zum Training nach Hannover gefahren worden. Elze war schon etwas anders als Berlin. Viel kleiner, aber gut: Ich konnte mich ganz auf den Fußball konzentrieren. Als das Leistungszentrum in der Eilenriede fertig war, war ich dann einer der ersten Bewohner der Zimmer dort.”

“Anfangs bin ich nur an freien Wochenenden mal von Hannover nach Berlin gefahren. Fußball bei 96 hat Spaß gemacht. Im zweiten Jahr sind wir mit der U 17 abgestiegen, es war ein schwieriges Jahr mit viel Heimweh. Wenn damals Steven Cherundolo nicht mein Trainer gewesen wäre, wäre ich wohl nicht mehr hier. Ich habe mir ein paar Sachen geleistet, die nicht gehen. Er hat zu mir gehalten, mich aufgebaut.”

“Ich habe mich anfangs mit meiner Ruhe selbst etwas von der Mannschaft ferngehalten. Ich hatte etwas Muffensausen. Dabei bin ich von jedem einzelnen super aufgenommen worden.”

“Ihlas Bebou ist auch so ein ruhiger Mensch. Zuerst dachte ich, er spricht gar kein Deutsch! Mit Ihlas verstehe ich mich inzwischen richtig gut. Wir wohnen jetzt in Hannover nebeneinander, waren mit unseren Freunden zusammen im Urlaub und unternehmen auch so in der Freizeit viel miteinander. Wir können über dieselben Sachen lachen, tragen die gleichen Klamotten und hören dieselbe Musik.”

“Das sind Ronaldinho, Lionel Messi. Auf jeden Fall auch Neymar. Damals bei Hertha auch Marcelinho.”

“Den Vergleich mit Leroy Sané mag ich nicht so, auch wenn es eine Ehre ist. Ich bin Linton Maina und möchte auch nicht Mini-Sané genannt werden. Wir sind zwar unter demselben Trainer André Breitenreiter Bundesligaspieler geworden. Vom Spielertyp sind wir aber komplett unterschiedlich. Nur weil wir dieselben Haare haben, sollte man uns nicht vergleichen.”

“Ich bin ganz ehrlich: Einen Plan B, was ich außer Fußball hätte machen können, hatte ich nie wirklich. Dadurch, dass ich langsam an die Bundesliga herangeführt wurde, konnte ich mich auf gewisse Weise gut auf das, was jetzt passiert, vorbereiten. Es ist daher ein stückweit bereits normal, aber dennoch ein tolles Gefühl. Es ist auch schön, erkannt zu werden. Das ist keine Belastung für mich. Und so viele kommen ja auch nicht und wollen ein Foto.”

“Ich bin froh, hier zu sein. An etwas Anderes denke ich jetzt im Moment gar nicht. Ich spiele auch in der Nationalmannschaft mit dem Herzen für Deutschland, bin Deutscher und hier aufgewachsen. Für Kenia zu spielen, weil mein Vater von dort stammt, käme nicht von Herzen. Ich war auch noch nie dort und kann die Sprache nicht.”

“Das erste Bundesligaspiel in Dortmund (per Einwechslung am 18. März 2018, d. Red.) war schon etwas Krasses. Ein schönes Erlebnis. Nach dem Wolfsburg-Spiel nun und meinem ersten Tor, das mir ausgerechnet mein Freund Ihlas aufgelegt hat, bin ich erst einmal über das Wochenende nach Berlin gefahren. Ich konnte schlecht einschlafen, war ziemlich aufgewühlt, musste alles erst einmal realisieren. Auch, dass mir dieses Tor keiner mehr nehmen kann.”

“Meine Mutter und viele Freunde haben es mir geschickt, dadurch habe es ich oft noch einmal angesehen. Ein- oder zweimal habe ich es mir selbst auch noch einmal angeguckt. Und festgestellt, dass ich den Ball wirklich gar nicht richtig getroffen habe?”

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Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht 96-Jungstar Linton Maina über seinen Weg von Berlin nach Hannover, die Dankbarkeit für seine Mutter und die wichtige Rolle von Ex-96er Steven Cherundolo für seinen weiteren Weg bei den Roten.

Schreck-Moment: Linton Maina brach am Mittwoch das Training nach einem Tritt gegen das Schienbein ab, er war mit Torwart Leo Weinkauf zusammengeprallt – zum Glück nur eine Prellung. Zuvor gab er Auskunft über sein erstes Bundesligator beim 2:1 gegen Wolfsburg und über seine Pläne. Das sagt der 19-Jährige über …

Beim Ländervergleich in Duisburg habe ich für Berlin gespielt. Dabei hat mich Christoph Dabrowski beobachtet und zu 96 geholt. Vorher war ich bei RB Leipzig zum Probetraining, die wollten mich aber nicht. Ich war zwar früher Hertha-Fan, aber von dem Verein hat sich keiner gemeldet. Ich habe dann noch überlegt, ob ich wirklich raus wollte aus Berlin, bin aber froh, dass ich mich für Hannover entschieden habe. Für mich gab es keinen Plan B, ich habe alles auf die Karte Fußball gesetzt.

Meine Mama und mein damaliger Trainer Lucio bei Pfefferwerk, der wie ein großer Bruder für mich ist.

Meine Mutter ist alleinerziehend, sie hat alles für mich und meine ältere Schwester gegeben. Ich bin am Prenzlauer Berg groß geworden. Ich hatte keine schwierige Kindheit. Wir waren zwar nicht reich, aber mir kam es so vor. Mama ist auch fußballverrückt. Sie arbeitet beim Verein Pfefferwerk und hat da auch mal Trainingseinheiten beaufsichtigt. Mein Vater kommt aus Kenia, er war dort früher Tänzer. Er wohnt auch in Berlin. Ich liebe Berlin, ich bin immer wieder froh, da hinzufahren.

Ich werfe mein Geld nicht aus dem Fenster und versuche, meiner Mutter so viel wie möglich zurückzugeben. Dabei geht es gar nicht um Geld, Momente wie das erste Tor sind für sie viel schöner als jeder Geldschein.

Es war anfangs gar nicht so schwer, im ersten Jahr bin ich auch an den freien Wochenenden kaum nach Hause gefahren. Das zweite Jahr war schwieriger, da hatte ich viel Heimweh und war fast an jedem Wochenende in Berlin. Wenn Steven Cherundolo damals nicht mein Trainer gewesen wäre, wäre ich wohl nicht mehr bei 96. Ich habe mir da ein paar Sachen geleistet, die nicht gehen, aber er hat trotzdem zu mir gehalten. Danach war dann Christoph Dabrowski mein Trainer, was sehr gut für meine Entwicklung war.

Ich habe mich anfangs sehr zurückgehalten. Und es ist ganz selbstverständlich, dass man als jüngerer Spieler die Bälle vom Platz trägt. Ich hätte nie gedacht, dass man so gut aufgenommen wird. Ich hatte mir ausgemalt, dass die viel älter sind und dass dann auf einmal so ein großer und breiter Philipp Tschauner vor mir stehen wird (lacht) – da hatte ich schon ein bisschen Muffensauen. Aber das hat sich schnell gelegt.