Europawahl 2019 in Hamburg: Alle Ergebnisse und Sieger - DIE WELT
Europawahl: GroKo leidet, Grüne jubeln
Die Hamburger Grünen haben bei der Europawahl einen fulminanten Wahlsieg gefeiert. Laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis landeten sie in der Hansestadt bei 31,2 Prozent – ein Plus von 14 Punkten gegenüber der Wahl 2014. Die SPD stürzte um 14 Punkte auf 19,8 Prozent ab. Die Wahlbeteiligung lag bei historisch hohen 61,7 Prozent. Nur bei der Wahl zum ersten Europaparlament 1979 waren prozentual mehr Hamburger an die Urnen gegangen.

Für die Hamburger CDU ging es ebenfalls nach unten: 17,7 Prozent bedeuteten Einbußen von 6,9 Prozentpunkten. Mit 7,0 Prozent musste auch die Linke leichte Verluste hinnehmen. Zulegen konnte hingegen die FDP, die mit 5,6 Prozent ein Plus von 1,9 Punkten verbuchte. Die AfD konnte sich um 0,5 Punkte auf 6,5 Prozent verbessern. Die Satire-Partei Die Partei landete mit einem Plus von 2,9 Punkten bei 3,8 Prozent.

Die Sozialdemokraten fallen bei der Wahl auf den dritten Platz. Sie stürzten auf 15,8 Prozent ab. Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel zeigte sich enttäuscht über den Absturz seiner Partei. “Das tut sehr weh. Offensichtlich ordnet man uns beim Klimaschutz keine Kompetenz zu”, erklärte Schäfer-Gümbel, der sich im Herbst aus der Politik zurückziehen wird. “Wir kommen deshalb nicht umhin, innerhalb der deutschen Sozialdemokratie sehr grundsätzlich die Ausrichtung, Aufstellung und Strategie zu klären.”

Bei der Europawahl 2019 verteilten sich die Wahlstimmen in Hamburg folgendermaßen (in Klammern das bundesweite Ergebnis der jeweiligen Partei):

Hamburg stehen in der Förderperiode 2014-2020 insgesamt 133,5 Millionen Euro aus den Struktur- und Investitionsfonds der EU zur Verfügung:

In der vorigen Förderperiode 2007 – 2013 flossen noch 125,5 Millionen Euro aus den Europäischen Struktur- und Investitionsfonds nach Hamburg. Das entspricht einem Zuwachs von 6,37 Prozent.  

Im Größenvergleich der Bundesländer liegt Hamburg mit einer Fläche von 755,1 Quadratkilometern auf Rang 15. 

Sven Simon, CDU-Spitzenkandidat für Europawahl, lobte die hohe Wahlbeteiligung bei der Pressekonferenz auf dem Römerberg. “Das ist ein Erfolg”, sagte er. “Ich will mich jetzt im Europäischen Parlament genau für das einsetzen, das wir beworben haben: nämlich für ein Europa, das schützt.”

Insgesamt leben hier 1.830.600 Menschen. Der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung beträgt 16,2 Prozent (Bundesdurchschnitt: 11,7 Prozent). 

5,3 Prozent der Menschen haben hier keinen Schulabschluss (deutschlandweit: 6,3), 52,8 Prozent erreichen die Hochschulreife (34,6). 

Seine Partei müsse sich “intensiv Gedanken machen, wie unsere Antwort aussieht”, so Bouffier. Das gelte auch für ein verändertes Kommunikationsverhalten in der Bevölkerung. Millionen Menschen hatten zuletzt das Video “Die Zerstörung der CDU” des Youtubers Rezo angeklickt.

Das verfügbare Einkommen für jeden Einwohner beträgt in Hamburg jährlich 24.421 Euro (Rang 1). Deutschlandweit sind es 21.919 Euro. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,3 Prozent (bundesweit: 5,3).

Die Parteien der großen Koalition in Deutschland schnitten nach den Hochrechnungen historisch schlecht ab. Sie erzielten so schwache Ergebnisse wie noch nie zuvor bei einer bundesweiten Wahl. Trotzdem bleiben CDU und CSU zusammen mit 28,9 Prozent stärkste Kraft.

Schleswig-HolsteinNiedersachsenBremenNordrhein-WestfalenRheinland-PfalzHessenBaden-WürttembergBayernSaarlandBerlinBrandenburgMecklenburg-VorpommernSachsenSachsen-AnhaltThüringen

Für die Hamburger CDU ging es ebenfalls nach unten: 17,7 Prozent bedeuteten Einbußen von 6,9 Prozentpunkten. Mit 7,0 Prozent musste auch die Linke leichte Verluste hinnehmen. Zulegen konnte hingegen die FDP, die mit 5,6 Prozent ein Plus von 1,9 Punkten verbuchte. Die AfD konnte sich um 0,5 Punkte auf 6,5 Prozent verbessern. Die Satire-Partei Die Partei landete mit einem Plus von 2,9 Punkten bei 3,8 Prozent.

“Einfach geil” twitterte der hessische Grünen-Spitzenkandidat für die Europawahl, Martin Häusling, am Sonntagabend. Nach dem vorläufigen Endergebnis ziehen die Grünen an der SPD vorbei und werden mit 20,5 Prozent neue zweitstärkste Kraft.

Europa wählt Deutschland und die Europawahl – alle Ergebnisse im Überblick Wie lief die Europawahl 2019 in Hamburg? Bei der Europawahl 2019 verteilten sich die Wahlstimmen in Hamburg folgendermaßen (in Klammern das bundesweite Ergebnis der jeweiligen Partei):

Auch der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) jubelte via Twitter: “Welch freudiger Abend für @Die_Gruenen in #Europa und #Bremen!”

Hamburg stehen in der Förderperiode 2014-2020 insgesamt 133,5 Millionen Euro aus den Struktur- und Investitionsfonds der EU zur Verfügung:

In der vorigen Förderperiode 2007 – 2013 flossen noch 125,5 Millionen Euro aus den Europäischen Struktur- und Investitionsfonds nach Hamburg. Das entspricht einem Zuwachs von 6,37 Prozent.  

Im Größenvergleich der Bundesländer liegt Hamburg mit einer Fläche von 755,1 Quadratkilometern auf Rang 15. 

Insgesamt leben hier 1.830.600 Menschen. Der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung beträgt 16,2 Prozent (Bundesdurchschnitt: 11,7 Prozent). 

5,3 Prozent der Menschen haben hier keinen Schulabschluss (deutschlandweit: 6,3), 52,8 Prozent erreichen die Hochschulreife (34,6). 

Das verfügbare Einkommen für jeden Einwohner beträgt in Hamburg jährlich 24.421 Euro (Rang 1). Deutschlandweit sind es 21.919 Euro. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,3 Prozent (bundesweit: 5,3).

Schleswig-HolsteinNiedersachsenBremenNordrhein-WestfalenRheinland-PfalzHessenBaden-WürttembergBayernSaarlandBerlinBrandenburgMecklenburg-VorpommernSachsenSachsen-AnhaltThüringen

Die Europawahl ist zum schwarzen Tag für die Parteien der Großen Koalition geworden: Die SPD fuhr am Sonntag auch in Norddeutschland zweistellige Verluste im Vergleich zur Wahl von 2014 ein. Die CDU verbuchte ihr historisch schwächstes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl, verlor sieben bis acht Prozentpunkte und kam lediglich in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern auf Platz eins. In Hamburg hingegen überholten die Grünen die Sozialdemokraten und setzten sich laut vorläufigem Endergebnis mit 31,2 Prozent der Stimmen an die Spitze. In Schleswig-Holstein wurden die Grünen mit 29,1 Prozent ebenfalls stärkste Kraft.

Deutschlandweit landete die SPD laut vorläufigem amtlichen Endergebnis bei 15,8 Prozent der Stimmen, bei der letzten Europawahl 2014 machten noch 27,3 Prozent ihr Kreuzchen bei den Sozialdemokraten. CDU und CSU kommen zusammen auf 28,9 Prozent, ein Minus von gut sechs Prozentpunkten gegenüber 2014. Die Grünen können definitiv feiern: Sie verdoppelten nahezu ihr Bundes-Ergebnis von 2014 und erreichten diesmal 20,5 Prozent. Auch AfD und FDP gewannen gegenüber der letzten Wahl hinzu, die Linke verlor. Die Wahlbeteiligung lag im Bund bei 61,4 Prozent, 2014 waren es 48,1 Prozent.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht in dem Einbruch seiner Partei bei der Europawahl auf Bundes- und Landesebene einen Tiefschlag. Es handele sich um einen der schlimmsten Abende in der SPD-Geschichte, sagte Weil, der auch niedersächsischer SPD-Chef ist, im NDR Fernsehen. “Die SPD hat wirklich eine ganze Menge Baustellen”, sagte Weil. “So einen Abend möchte ich nicht noch mal erleben.”

Ralf Stegner, SPD-Bundesvize und SPD-Fraktionschef im Kieler Landtag, sagte kurz nach der Wahlprognose: “Das ist ein enttäuschendes Ergebnis für uns.” Die Personaldebatten hätten den Sozialdemokraten während des Wahlkampfes sehr geschadet. Sollte die SPD erstmals bei einer bundesweiten Wahl hinter den Grünen liegen, wäre das bitter, sagte Stegner.

“Sehr bitter” – das war auch die Formulierung, die Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Chefin Manuela Schwesig für das Abschneiden ihrer Partei wählte. Zugleich warnte sie vor unüberlegten Reaktionen. “Ich sehe, dass beide große Volksparteien, CDU und SPD, zusammen viel Vertrauen verloren haben. So wie schon bei der letzten Bundestagswahl. Und das muss der Großen Koalition in Berlin zu denken geben”, sagte die SPD-Landesvorsitzende im Nordosten.

Die schleswig-holsteinische SPD-Chefin Serpil Midyatli sprach von “erschreckenden ersten Zahlen”. “Unsere Themen waren offenbar nicht die, die bei dieser Wahl mobilisiert haben.” Das SPD-Profil sei in wichtigen Fragen offensichtlich nicht ausreichend scharf und das Vertrauen in die Partei bleibe ausbaubar.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther bezeichnete das Wahlergebnis als eine schwere Niederlage für seine Partei, die CDU. Bei einem Ergebnis von bundesweit unter 30 Prozent gebe es nichts zu beschönigen, sagte Günther. “Es ist offenkundig, dass es unserem Wahlkampf nicht gelungen ist, bei den für die Menschen entscheidenden Themen sichtbar zu werden.” Am eklatantesten sei dies beim Thema Klimaschutz. Hier sei die Union ohne Antworten geblieben.

Vor allem in diesem Punkt sieht auch Niedersachsens CDU-Landeschef Bernd Althusmann Defizite bei seiner Partei. Nötig sei ein respektvoller Umgang mit der offensichtlich bei vielen jungen Menschen vorhandenen Kernfrage, wie es mit dem Thema Klimaschutz weitergeht. Die CDU habe auf das Kritik-Video des YouTubers Rezo nicht geschickt reagiert.

“Wir müssen besser kommunizieren, was bisher erreicht wurde in der Klimaschutzpolitik”, sagte der Spitzenkandidat der niedersächsischen CDU, David McAllister. Offenkundig seien gerade viele junge Menschen zu den Grünen abgewandert. Trotz des enttäuschenden Ergebnisses habe die CDU ihren Beitrag geleistet, dass die Europäische Volkspartei im neu gewählten Parlament wieder die stärkste Fraktion wird.

“Das Ergebnis ist kein schönes”, sagte Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Vorsitzender Vincent Kokert NDR 1 Radio MV. Die große Koalition in Berlin werde offenbar als zerstritten wahrgenommen. “Wir dringen bei den Menschen einfach nicht mehr durch. Da gibt es die Erwartung nach Veränderung”, so Kokert weiter. Das führe auch dazu, dass die Grünen so massiv zulegen konnten. Es sei gut, dass MV “weit hinter dem liegt, was man sonst im Osten so wählt”.

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Robert Habeck, sagte: “Sicherlich hat die Klimafrage zum ersten Mal in einem bundesweiten Fall so eine dominante Rolle gespielt, dass die Zögerlichkeit der Großen Koalition negativ gewirkt hat.”

Die Hamburger Landesvorsitzende der Grünen, Anna Gallina, sprach von einem sensationellen Erfolg. “Unser historisch bestes Ergebnis bei einer Europawahl ist gleichzeitig der Auftrag für die historisch größte Aufgabe: die Bewältigung der Klimakrise”, sagte sie. Die Grünen wollten den Auftrag annehmen, “denn es ist höchste Zeit zu handeln, in Europa und in Deutschland”. Nun müsse auch die Bundesregierung “ihre Blockade in Sachen Klimaschutz endlich überwinden”, sagte Gallina. “Das ist das klare Signal der vielen jungen Menschen, die heute gewählt haben und die jeden Freitag auf die Straße gehen.”

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin, Katharina Fegebank (Grüne), wertete das Ergebnis als “kraftvolles Signal für europäischen Zusammenhalt”. Den Grünen sei es gelungen, klare Positionen mit Zuversicht zu vermitteln. “Genau das hat offenbar überzeugt. Und das ist auch die Haltung, mit der wir 2020 in die Hamburger Bürgerschaftswahl gehen wollen.”

Niedersachsens Grünen-Fraktionschefin Anja Piel sagte: “Das ist jetzt ein klarer Arbeitsauftrag, in Brüssel und Straßburg genauso wie in Berlin und Hannover für ein starkes, ökologisches und soziales Europa zu kämpfen, aber vor allem endlich für Lösungen bei den großen Problemen.” Gerade dort blockierten die großen Koalitionen in Berlin und Hannover. “Sie brauchen mehr Druck, und den werden wir Grünen jetzt überall machen: ob bei Klimaschutz, Agrarwende, Energiewende, Mobilität, Pflege oder sozialem Zusammenhalt.”

Der niedersächsische FDP-Chef Stefan Birkner äußerte sich enttäuscht: “Das ist hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben”, sagte Birkner im NDR Fernsehen. Nichtsdestotrotz: Der Landesverband werde mit dem derzeitigen Landtagsabgeordneten Jan-Christoph Oetjen künftig wohl einen Vertreter im Europäischen Parlament haben.

Die Linke im Nordosten musste rund sechs Prozentpunkte Verlust wegstecken. “Die Umfragewerte hatten ein solches Ergebnis schon erwarten lassen. Wir haben es einfach nicht geschafft, unsere Ziele für den sozio-ökologischen Umbau der Gesellschaft so zu vermitteln, dass wir damit die Menschen erreichen”, stellte Landeschef Torsten Koplin fest.

Einschließlich der EU-Ausländer waren nach Angaben des Bundeswahlleiters in Niedersachsen rund 6,3 Millionen Menschen wahlberechtigt, in Schleswig-Holstein 2,3 Millionen, in Mecklenburg-Vorpommern 1,3 Millionen. In Hamburg konnten nach Angaben des Landeswahlleiters rund 1,3 Millionen Menschen abstimmen.

Neben der Europawahl wählten die Norddeutschen am Sonntag auch regional: bei den Kommunalwahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, bei den Bezirkswahlen in Hamburg und der Bürgerschaftswahl in Bremen. Zudem wurden in sechs schleswig-holsteinischen Städten und Gemeinden die Bürgermeister neu gewählt.

Die Grünen sind wohl auch in Hamburg bei den Europawahlen stärkste Kraft die Freude war groß. Die SPD hingegen verlor drastisch – hier herrschte Fassungslosigkeit. Video (03:05 min)

Bei der EU-Wahl haben SPD und CDU deutlich Stimmen verloren, die Grünen legen deutlich zu. Die Landesvorsitzenden aller Landtags-Parteien sprachen am Wahlabend bei Hallo Niedersachsen. Video (07:26 min)

Die Spitzenkandidaten Delara Burkhardt (SPD), Niclas Herbst (CDU) und Rasmus Andresen (Grüne) sprechen im Landeshaus mit Julia Stein. Von der FDP äußert sich Wolfgang Kubicki. Video (05:34 min)

Am Sonntag haben Bürger der Europäischen Union zum neunten Mal das Europäische Parlament gewählt. Ergebnisse und Hintergründe zur Europawahl bei NDR.de. mehr