Fahrdienst Moia startet E-Busse in Hamburg - NDR.de
Volkswagen fährt jetzt mit Sammeltaxis durch Hamburg
Die Busse fahren mit Strom und können per App auf dem Handy gebucht werden – der neue Shuttle-Service Moia macht seit Montag Taxen und dem öffentlichen Nahverkehr in Hamburg Konkurrenz. Der Fahrdienst von Volkswagen hat offiziell den Betrieb aufgenommen.

Der Mitnahmedienst Moia hat seinen Betrieb in Hamburg aufgenommen. Die goldenen Elektro-Sechssitzer bringen Menschen an ihr Wunschziel und nehmen auf dem Weg noch andere Fahrgäste mit.

Hop-On, Hop-Off: Man kennt das Prinzip von Stadtrundfahrten mit Bussen, die Dauerschleifen entlang der Sehenswürdigkeiten großer Metropolen drehen. In den dichtbevölkerten Regionen der Welt wie Asien, Afrika oder Lateinamerika sind Sammeltaxis seit langem fester Bestandteil im Straßenbild. Sie heißen Buschtaxi oder Matatu in Afrika, Colectivo in Südamerika, Marschrutka in Russland und Dolmus in der Türkei. Auch das schnell wachsende China hat das Transportmittel für sich entdeckt. Wesentlicher Unterschied ist, dass bei Moia eine App ständig wechselnde Routen plant, je nachdem, wo die Fahrgäste gerade stehen.

Big Bang im Ridesharing?:Sammeltaxi-App Moia startet in Hamburg

100 elektrisch angetriebene Kleinbusse fahren zunächst auf Hamburgs Straßen – vorausgesetzt, die gold-schwarzen Fahrzeuge werden von Kunden über die Moia-App gebucht. Sie teilt neben dem Fahrpreis den nächstgelegenen Haltepunkt für das Sammeltaxi mit, der höchstens 150 Meter vom eigentlich gewünschten Startpunkt entfernt sein soll. Ein weiterer großer Unterschied zum normalen Taxi: Während der Fahrt können andere Passagiere aus- und zusteigen, die eine ähnliche Strecke zurücklegen wollen.

Wirtschaft 10.04.19 Geplante Lockerungen für Uber Taxifahrer laufen Sturm gegen Scheuers Pläne Auch Hamburg hat bereits mehrere Mobilitäts-Projekte vorzuweisen. Trotz wachsender Konkurrenz gibt man sich bei Moia zuversichtlich. Rund 300 Millionen Euro soll VW bereits in das Projekt gesteckt haben. Es gibt aber auch skeptische Stimmen. Ungewiss ist zum Beispiel, ob eingefleischte Autofahrer tatsächlich bereit sind, längere Fahrzeiten in Kauf zu nehmen, wenn der Shuttle kleine Umwege fährt und Fahrgäste auf der Route ein- und aussteigen. Denn das kostet Zeit.

Weil die Sechssitzer von mehreren Menschen genutzt werden können, verspricht sich die Stadt weniger Verkehr auf Hamburgs Straßen. Kritiker befürchten jedoch sogar mehr Verkehr, weil Menschen von Bus und Bahn auf den bequemen Fahrdienst umsteigen könnten. Auch die Daimler-Tochterfirma mytaxi hat auf Moia reagiert. Bei mytaxi können Fahrten schon länger mit anderen Gästen geteilt werden. Jetzt bekommen Kunden vor Fahrtbeginn einen Festpreis angezeigt, wie ihn auch Moia hat.

Nicht jeder in der Taxibranche steht den Veränderungen jedoch so gelassen gegenüber. Fakt ist: Auf dem Mobilitätsmarkt herrscht harter Verdrängungswettbewerb. Am Mittwoch rief die Taxi-Innung ihre Mitglieder deshalb bundesweit zu Protesten auf. Konkret richtete sich Aktion gegen die geplante Liberalisierung des Fahrdienst-Marktes. Befürchtet wird, dass Angebote wie Berlkönig oder Moia – ähnlich wie früher der US-Fahrdienstanbieter Uber – den klassischen Taxibetrieben Kunden wegschnappen könnte.

Der Fahrpreis liegt etwas höher als bei U-Bahn- und Bus-Tickets und ist etwas günstiger als eine Taxifahrt. Eine Fahrt soll laut Unternehmen im Durchschnitt sechs bis sieben Euro kosten. Moia will an Werktagen von 5 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts fahren, an Wochenenden und Feiertagen durchgehend.

Wirtschaft 11.04.19 Uber-Start in Köln Weigler: Uber verfolgt das gleiche Ziel wie Taxifahrer Ziel ist es, durch das "Pooling" von Menschen den Individualverkehr zu reduzieren und dabei Straßen und Umwelt zu entlasten. Bis Jahresende sind 500 Moia-Busse auf den Hamburger Straßen geplant, sie sollen einen Großteil des Stadtgebietes nördlich der Elbe abdecken. 400 Fahrer sind bereits fest angestellt, bis 2020 sollen es 1600 sein. Ihr Grund-Stundenlohn wird zwölf Euro betragen.

Mit dem Shuttle-Fahrdienst Moia gibt es ein neues Angebot in Hamburg: Mehrere Fahrgäste sollen sich Fahrten teilen. Konkurrenz für Taxis – oder eine sinnvolle Ergänzung?

Bis Jahresende sollen rund 500 Fahrzeuge auf den Hamburger Straßen unterwegs sein. Das Unternehmen plant, dann einen Großteil des Stadtgebietes nördlich der Elbe abzudecken. Entsprechend soll die Zahl der Fahrer von 400 auf 1.000 aufgestockt werden. Von den Angestellten wurden laut Moia rund 120 vom Arbeitsamt vermittelt.

Wie beim Carsharing ist das Herz des Dienstes eine Handy-App. Startpunkt und Wunschziel werden eingetippt, kurz darauf meldet die Software, wann und wo das Zwischending zwischen Taxi und Bus ankommen wird. Ein Punkt auf einer Stadtkarte zeigt an, wie sich das Fahrzeug nähert. Fahrgäste bezahlen per App. Sechs bis sieben Euro soll eine Fahrt im Schnitt kosten, also deutlich weniger als eine Fahrt mit dem Taxi.

Die Taxi-Betreiber sehen den schärfer werdenden Wettbewerb vorerst gelassen. Thomas Lohse, Vorstandsmitglied bei Hansa Funktaxi, verwies darauf, dass sein Unternehmen als bundesweit erste Taxizentrale geteilte Fahrten schon seit 3. Dezember 2017 angeboten habe. “Das ist ein alter Hut.”

Der von Volkswagen betriebene Fahrdienst Moia startet am Montag seinen Betrieb in Hamburg. Die gold-schwarzen Elektro-Sechssitzer können per App gebucht werden.

Praktisch basiert das Ridesharing-Konzept auf einem "dynamischen Pooling-Algorithmus", der Routen berechnet, auf denen Fahrgäste mit ähnlichem Ziel ein- und aussteigen können. Dazu hat Moia mehrere tausend virtuelle Haltepunkte im Stadtgebiet festgelegt, in Hannover sind sie den Angaben zufolge in der Regel nie weiter als 250 Meter vom Kunden entfernt.

Erfahrungen hat Moia bereits in Hannover gesammelt. Dort sind jedoch noch umgebaute benzingetriebene Transporter im Einsatz. Ein Konsortium aus der Universität der Bundeswehr München (UniBW) und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) soll über die kommenden zwei Jahre die Wirkungen des sogenannten Ridesharing auf die städtische Mobilität untersuchen, teilte das Unternehmen mit. Dazu zählen auch Carsharing-Dienste oder Fahrrad-Leihstationen.

Die Zuverlässigkeit soll auch mit strenger Erziehung der Fahrgäste sichergestellt werden. Wer sich eine Moia-Fahrt bestellt, kann über die App zwar angeben, in welchem Zeitraum er starten möchte, doch dann muss er pünktlich am vorgegebenen Treffpunkt sein. Denn während ein Taxi wartet (und dabei den Taxameter weiterlaufen lässt), fährt ein Moia nach spätestens zwei Minuten weiter zum nächsten wartenden Fahrgast. Schließlich muss ein extra ausgetüftelter Fahrplan eingehalten werden, der bis zu sechs Kunden bedient, die in ungefähr derselben Gegend starten und in ungefähr dieselbe Richtung gebracht werden wollen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Social Movement. Dafür sollen die geteilten Fahrten mit durchschnittlichen sechs bis sieben Euro spürbar billiger als Taxis sein.

Für mehr Mobilität stehen in Hamburg des weiteren zur Verfügung: Car2Go/DriveNow (Carsharing von BMW und Daimler), Ioki (On-Demand-Angebot Deutsche Bahn), Clever Shuttle (Ridepooling) und BlaBlaCar (Mitfahrzentrale). In der Switchh-App bündelt Hamburg Mobilitätsangebote: von U- und S-Bahnen über Leih-Fahrräder, Mietwagen, Car-Sharing bis hin zu Sammeltaxis. Der Benutzer soll so mit einer Anwendung in seinem Smartphone den schnellsten und günstigsten Weg finden, seine Mobilität in der Stadt sicherzustellen, ohne ein eigenes Auto zu benutzen.

Besonders ungewöhnlich fühlt sich eine Moia-Fahrt jedenfalls nicht an. Beim Starttermin konnte man testweise nur eine Runde durch die HafenCity drehen, die als 30er-Zone nicht wirklich viel an Fahrerlebnis hergibt. Immerhin kann man in die Busse – Moia ist ein Tochterunternehmen von VW – einigermaßen gemütlich einsteigen, hat viel Platz und eine USB-Buchse an jedem Platz. “Wir haben Autofahrer gefragt, wieso sie lieber im eigenen Pkw im Stau stehen, als den Bus zu nehmen”, sagt Ziegenmeyer. “Die häufigsten Antworten lauteten: Weil ich meine Privatsphäre möchte und nicht auf zu engem Raum mit vielen Menschen fahren oder über fremde Beine klettern will. Dementsprechend haben wir den Innenraum der Fahrzeuge gestaltet.”

Der VW-Fahrdienst Moia transportiert mit Elektrobussen Passagiere, die sich zuvor per Smartphone-App einen Platz reserviert haben. Ab April sollen zunächst 100 Fahrzeuge in Hamburg unterwegs sein. (09.01.2019) mehr

Mit einem Autokorso haben Hunderte Hamburger Taxifahrer gegen eine Öffnung des Fahrdienstmarkts demonstriert. Die Taxi-Branche fürchtet um ihre Existenz und warnt vor Jobverlusten. (10.04.2019) mehr

In der Testphase wurden im aktuellen, rund 200 Quadratkilometer großen Bediengebiet nördlich der Elbe auch jene mehr als 10.000 vordefinierten Treffpunkte ermittelt, an denen die Moia-Fahrzeuge ihre Fahrgäste aufnehmen und aussteigen lassen. “Wir bekamen von der Stadt einen Kriterienkatalog”, sagt Ziegenmeyer, “beispielsweise, dass diese virtuellen Haltestellen nicht zu nah an Bushaltestellen liegen dürfen oder nicht zu dicht an eine Ecke. Die Maßgabe war, den Verkehr nicht zu behindern.” Dann marschierten Teams jeden einzelnen Punkt ab, um seine Tauglichkeit sicherzustellen.

100 Sammeltaxis von Moia fahren jetzt durch Hamburg. Bald sollen es 500 sein. Innovativ und umweltfreundlich findet das Tochterunternehmen von Volkswagen das Angebot. Die Taxifahrer haben Angst.

Das Volkswagen-Tochterunternehmen Moia hat nach einer dreimonatigen Testphase am Montag in Hamburg offiziell seinen Betrieb aufgenommen. Es ist die erste Millionenstadt, in der wir unser innovatives Angebot für eine umweltfreundliche, geteilte Mobilität auf die Straße bringen, sagte Moia-Vorstandschef Ole Harms. Moia setzt in Hamburg im ersten Schritt etwa 100 selbst entwickelte Elektro-Kleinbusse als Sammeltaxis ein. In den kommenden zwölf Monaten soll die Flotte schrittweise auf 500 Fahrzeuge aufgestockt werden.

Moia sammelt bereits seit dem vergangenen Sommer in Hannover Fahrgäste ein, von Januar an wurde es auch in Hamburg getestet. “In Hannover benutzen wir noch benzingetriebene Autos, deshalb mussten die Fahrer hier angelernt werden, wie es ist, elektrisch zu fahren”, sagt Moia-Sprecher Christoph Ziegenmeyer. “Aber wir wissen jetzt zum Beispiel auch, dass die Ladekapazitäten selbst bei kaltem Wetter für eine ganze Tagesschicht ausreichen.”

Das Geschäftsmodell von Moia ist einfach: Mehrere Menschen teilen sich einen VW-Bulli – Pooling oder Ridesharing nennen das die VW-Manager. Kunden bestellen ein Fahrzeug über eine App, und eine Software fasst dann die Fahrgäste mit vergleichbaren Zielen zusammen. Die Haltestellen ergeben sich aus den Kundenwünschen und sollen nie weiter als 150 Meter von einem Fahrgast entfernt liegen.

Ridesharing bieten auch die Hansa-Taxis an, und das bereits seit Ende 2017. Trotzdem sieht Thomas Lohse, Vorstandsmitglied bei Hansa Funktaxi, dem neuen Mitbewerber gelassen entgegen. “Es gehen immer noch knapp 90 Prozent der Taxibestellungen telefonisch ein”, sagte Lohse der dpa. Moia hingegen kann nur via App gebucht werden.

Ein Moia-Bus soll in wenigen Minuten kommen, wenn man ihn braucht – deshalb werden viele Kunden und viele Fahrzeuge benötigt. Bis zu fünf Personen finden in den Elektro-Bussen Platz – Moia rangiert damit wie eine Art Sammeltaxi zwischen den öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Straßenbahn und einem Taxi. Wir bieten eine Alternative zum eigenen PKW, sagte der Manager für das operative Geschäft, Robert Henrich. Indem ähnliche Fahrten gebündelt werden, erhöhe Moia die Effizienz des Straßenverkehrs.

Die Fahrpreise sollen im Schnitt bei sechs bis sieben Euro liegen – abhängig von der Entfernung und von der Nachfrage. Während der Fahrt können andere Passagiere aus- und zusteigen, die eine ähnliche Strecke zurücklegen wollen.

In Hamburg will Moia an Werktagen von 5 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts fahren, an Wochenenden und Feiertagen durchgehend. Bis zum Ende des Jahres sollen die dann ungefähr 500 Moia-Fahrzeuge einen Großteil des Stadtgebietes nördlich der Elbe abdecken. Hier entwickeln und perfektionieren wir unser System, das wir von Hamburg aus in die Welt bringen wollen, sagte Vorstandschef Harms. Erste Erfahrungen mit dem Ridesharing hat Moia schon in Hannover gesammelt.