City-Hof darf abgerissen werden - NDR.de
City-Hof darf abgerissen werden
Das Gelände des ehemaligen Bezirksamtes Mitte wurde in den frühen Morgenstunden umzäunt. Denn: Die Behörde für Stadtentwicklung hat die Abrissgenehmigung für die vier Hochhäuser am Klosterwall (Baujahr 1958) erteilt. Nun sollen die vorbereitenden Arbeiten beginnen.

Gegen die Abriss-Pläne für die denkmalgeschützten Häuser gab es heftigen Protest, nach BILD-Informationen sollen die Verantwortlichen eine Haus-Besetzung befürchtet haben, stellten deswegen heute die Absperrungen auf.

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Der Denkmalstatus und die befürchteten Abriss-Auswirkungen auf den Welterbe-Titel des benachbarten Kontorhausviertels hatten lange für Verwirrung gesorgt.Der Abriss soll rund ein Jahr dauern: Weil die Häuser nicht gesprengt werden können, werden sie Stein für Stein abgetragen.

Die Tage der hässlichen City-Hochhäuser von 1958 sind gezählt. Wenn alles klappt, kreist schon ab Juli die Abrissbirne!

Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt: Ich begrüße diese Entscheidung, die zu einer städtebaulichen Weiterentwicklung mit einem erheblichen Anteil an neuen Wohnungen und zu einer weiteren Belebung der Innenstadt führen wird. Mit der künftigen Gestaltung des Areals werden wir uns behutsam auseinandersetzen.

Die unter Denkmalschutz stehenden City-Hochhäuser in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs werden abgerissen. Die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen hat den Abbruch der Gebäude aus den 1950er-Jahren genehmigt. Das teilte die Behörde am Mittwoch in Hamburg mit.

Seit vielen Jahren wird um die Zukunft der vier denkmalgeschützten City-Hochhäuser nahe des Hamburger Hauptbahnhofs gestritten. Nun rückt der Abriss des 1950er-Jahre-Ensembles mit dem offiziellen Namen “City-Hof” näher. Die Stadt hat die Abbruch-Genehmigung erteilt.

Geplant ist ein Neubau mit Büros, Wohnungen und einem Hotel. Dieses Bild zeigt den überarbeiteten Entwurf vom Januar 2018. Das Grundstück liegt in der Pufferzone zum Kontorhausviertel, das von der UNESCO – zusammen mit der Speicherstadt – in die Liste der Welterbestätte aufgenommen worden ist.

Auf diesem Bild ist das geplante Hotel – zum Hauptbahnhof hin – zu sehen. Es soll nach Angaben des Bauherrn ein Vier-Sterne-Hotel mit etwa 210 Zimmern werden.

Zudem soll es künftig einen breiten Durchgang zwischen Johanniswall und Klosterwall geben. Hier ist der bisherige Durchgang des City-Hofs zu sehen.

Auch der Zugang zur U-Bahn-Station Steinstraße am Deichtorplatz wird anders gestaltet. Der Zugang wird dann Teil des Neubaus sein.

Sollte der Neubau wie geplant kommen, wird es diesen Blick vom Klosterwall auf das Chilehaus und das UNESCO-Weltkulturerbe Kontorhausviertel nicht mehr geben. Der Deichtorplatz in der Mitte soll teilweise überbaut werden.

So sieht der geplante Neubau am Klosterwall aus. Die mehrspurige Straße bringt viel Lärm mit sich. Dennoch sind zum Klosterwall hin neben Büros auch Wohnungen vorgesehen. Die Schlafzimmer sollen aber zum ruhigeren Innenhof liegen.

Auf dieser Gegenüberstellung ist gut zu erkennen, wie der City-Hof (oben, helle Fassade) den Blick vom Steintorwall auf das dahinterliegende Kontorhausviertel ermöglicht – und wie der geplante Neubau den Blick komplett verstellen würde.

Den Burchardplatz zwischen dem jetzigen City-Hof und dem Kontorhausviertel will die Stadt künftig attraktiver gestalten. Der Parkplatz soll wegfallen. Im Neubau soll eine Tiefgarage mit mindestens 140 Stellplätzen entstehen.

Wegen des geplanten Abrisses ist der City-Hof seit dem Sommer 2018 komplett geräumt. Alle Mieter mussten in den zurückliegenden Monaten ausziehen.

Für den Hamburger Galeristen Kai Erdmann endete die Zeit im City-Hof im Frühjahr 2018. Er wäre gerne geblieben.

Auch für die Buchhandlung im City-Hof kam mit den Neubau-Plänen das Aus. Das Antiquariat gab es über Jahrzehnte hinweg an dieser Stelle.

Buchhändler Torsten Bernhardt hatte das Geschäft von seinem Vater übernommen. Für den Umzug musste er 24.000 Bücher packen. Den Siegerentwurf für den Neubau hält Bernhardt für “beliebig und anbiedernd”.

Monika Barberi und ihr Vater Lieto führten seit 1985 einen Weinhandel mit italienischen Spezialitäten im Erdgeschoss des City-Hofs. Ihre Stammkunden bedauern das Ende des Ladens.

Das Bezirksamt Hamburg-Mitte ist Ende Mai 2018 ausgezogen. Es war mit seinen rund 1.000 Mitarbeitern der mit Abstand größte Mieter in den Hochhäusern.

So haben die City-Hochhäuser kurz vor der Fertigstellung im Jahr 1958 ausgesehen. Die helle Fassade wirkt elegant und modern. Die hellen Keramik-Platten wurden aus Dänemark geliefert.

Er hat den City-Hof entworfen: der Hamburger Architekt Rudolf Klophaus. Sein Markenzeichen war die Zigarre. Klophaus hat nur noch das Richtfest erlebt, aber nicht mehr die Fertigstellung seiner Hochhäuser am Klosterwall. Er starb im Juli 1957. Seine Tochter Lieselotte Klophaus sagt, der Bau sei ein ganz wichtiges Projekt für ihren Vater gewesen.

Der Bau der City-Hochhäuser galt als etwas Besonderes. Es waren die ersten Hochhäuser, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der Hamburger Innenstadt errichtet worden sind. Diese Aufnahme zeigt die Baustelle im Jahr 1956.

Architekt Rudolf Klophaus wollte für die Fassade der City-Hochhäuser eigentlich roten Backstein verwenden. So erzählt es Lieselotte Klophaus. Aber der damalige Oberbaudirektor Werner Hebebrand habe sich dann – als Kontrast zum Kontorhaus-Viertel – eine helle Fassade gewünscht. Das Bartholomay-Haus (ganz rechts, dunkle Klinker-Fassade) stammt ebenfalls von Rudolf Klophaus.

An dieser Stelle ist noch Original-Fassade aus den 50er-Jahren zu sehen. Die quadratischen, hellen Leca-Platten sind 1977 hinter grauen Eternit-Platten versteckt worden, weil es Probleme mit den Fugen gab. Seitdem haben die City-Hochhäuser ihren Look, den viele Hamburger hässlich finden.

Die Passage im City-Hof bot schon seit vielen Jahren einen trostlosen Anblick. Seit 2006 gehört der Stadt Hamburg das Grundstück. Sie hat aber nichts für den Erhalt der Gebäude getan. Der Komplex steht seit 2013 unter Denkmalschutz.

“Abbruch der Moderne”: Abriss-Gegner bringen im Herbst 2018 diesen Schriftzug an der Fassade an. Ihre letzte Hoffnung: Dass die UNESCO durch die Neubau-Pläne den Welterbe-Status des benachbarten Kontorhausviertels gefährdet sieht. Aber im März 2019 teilt die Stadt Hamburg mit: Der Welterbe-Status sei nicht gefährdet. Der Abriss könne beginnen.

Monatelang hatte sich die Entscheidung hingezogen. Am Ende stand die Frage im Raum, ob ein Abriss des City-Hofes den Welterbestatus von Speicherstadt und Kontorhausviertel gefährdet. Dafür war extra eine Expertenkommission von ICOMOS International, dem Beratergremium der UNESCO, nach Hamburg gekommen. Jetzt teilten Baubehörde und die Kulturbehörde mit: ICOMOS bedauere in seinem Abschlussbericht zwar einen möglichen Abriss des Ensembles im Sinne des Denkmalschutzes, stelle jedoch keine Gefährdung des Welterbestatus fest.

“Ich begrüße diese Entscheidung, die zu einer städtebaulichen Weiterentwicklung mit einem erheblichen Anteil an neuen Wohnungen und zu einer weiteren Belebung der Innenstadt führen wird”, teilte Bausenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) mit. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, hieß es von Kultursenator Carsten Brosda (SPD). “Es wird weiter unsere Aufgabe sein, mit hoher Sensibilität die kommenden Entwicklungen zu begleiten.” Dabei werde man in engem Austausch mit der UNESCO und ICOMOS bleiben.

Die vorbereitenden Maßnahmen für den Abriss haben bereits begonnen. Im Mai sollen die Abbrucharbeiten starten, die etwa ein Jahr dauern. Ein Investor will auf dem Gelände Wohnungen, Büros, eine Kita und Läden in einem Gebäude mit rötlicher Backstein-Fassade bauen. Nach dem aktuellen Zeitplan soll im Herbst 2020 die Grundsteinlegung erfolgen. Die Fertigstellung ist für 2023 geplant.

Gegen die Pläne gibt es seit Längerem Protest. Die Kritiker befürchten, der Neubau könnte Sichtachsen versperren und somit den “universellen Wert” des Weltkulturerbes Kontorhausviertel und Speicherstadt beeinträchtigen.

Der City-Hof ist einer der markantesten Nachkriegsbauten in Hamburg. Die vier Türme, auch City-Hochhäuser genannt, wurden von 1956 bis 1958 erbaut. Die Pläne stammen von dem Hamburger Architekten Rudolf Klophaus (1885-1957). Der City-Hof galt bei seiner Fertigstellung als moderner Bau: Es waren die ersten Hochhäuser in der Innenstadt nach 1945. Sie stehen seit 2013 unter Denkmalschutz. Der Stadt gehört das Grundstück seit 2006.

“Mit der Abrissgenehmigung will der Senat Fakten schaffen, bevor der Wahlkampf beginnt”, sagte Kristina Sassenscheidt vom Denkmalverein Hamburg. Bis jetzt habe die UNESCO jedoch nur erklärt, dass ein Abriss des City-Hofs keine Gefährdung des Welterbestatus darstellt. “Sie hat aber nicht der geplanten Neubebauung zugestimmt, die nachgewiesenermaßen wichtige Sichtachsen und Durchblicke zum Welterbe verbauen würde”, kritisierte Sassenscheidt.

Marco Alexander Hosemann von der Initiative City-Hof sagte NDR.de: “Die Entscheidung hinsichtlich der Entwicklung des Standortes darf nicht allein auf Grundlage der Frage getroffen werden, welche Folgen der Abriss des City-Hofs für die Welterbestätte hätte. Ich bin mir sicher, dass die UNESCO dem Neubau in seinen aktuell geplanten Ausmaßen keine Zustimmung geben wird.”

Auch die Opposition in der Hamburger Bürgerschaft kritisierte die Entscheidung scharf. “Die überstürzte Entscheidung des Senats zum Abriss der City-Höfe ist ein Trauerspiel für den Denkmalschutz und die politische Kultur in Hamburg”, sagte Dietrich Wersich, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Für Heike Sudmann von den Linken bleibe der Senat seiner Linie treu, den City-Hof um jeden Preis abzureißen. Der Denkmalschutz werde mit Füßen getreten. Nach Ansicht der FDP setzt sich der Senat mit seiner Entscheidung über große Bedenken aus der gesamten Fachwelt hinweg.

Die vier denkmalgeschützten City-Hochhäuser am Klosterwall dürfen endgültig abgerissen werden. Die Stadtentwicklungsbehörde hat die Genehmigung erteilt. Volker Frerichs berichtet.

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