Weitgehend friedliches Geschehen rund um Hamburger Derby - hamburg.de
St. Pauli – HSV: Höllen-Drohung vor Hamburg-Derby
Hamburg (dpa/lno) – Vor und nach dem Hamburger Stadtduell zwischen den Fußball-Zweitligisten Hamburger SV und FC St. Pauli hat ein Großaufgebot der Polizei Zusammentreffen der rivalisierenden Fanlager verhindert. Es sei bis nach dem Schlusspfiff weitgehend ruhig geblieben, sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Von möglichen Verletzten war zunächst nichts bekannt. Die Partie endete aus Sicht des gastgebenden FC St. Pauli 0:4.

Vor Beginn des Spiels hatten einige HSV-Fans versucht, den Gästeeingang des Stadions zu stürmen. Einzelne Anhänger wollten rund eineinhalb Stunden vor Anpfiff eine Polizeikette vor dem Eingang durchbrechen, wie eine Sprecherin sagte. Die Beamten hätten die Fans jedoch mit Pfefferspray und Schlagstöcken zurückhalten können.

Und auch sonst geht es heiß her: Schon vorm Stadion wird der HSV-Bus mit braun-weißen Farbbeuteln und einigen Bierflaschen beworfen. Als die Teams den Platz betreten, fliegen nach einer gigantischen Choreographie der St. Pauli-Fans Raketen aus den Blöcken des Kiezklubs. Nach 5 Minuten die erste Spielunterbrechung von Schiri Brych, weil HSV-Anhänger Pyro in Vereinsfarben abfackeln.

FC St. Pauli – Hamburger SV: Wasserwerfer und Pyro vor Stadt-Derby

Vor dem Stadion überprüften Beamte insgesamt 157 Zuschauer im Zusammenhang mit gefälschten Karten, wie die Polizeisprecherin sagte. Sie durften danach wieder gehen, erhielten aber keinen Zutritt zum Stadion. Laut Polizei wurde ein Auto in diesem Zusammenhang durchsucht, der Verdacht habe sich aber nicht bestätigt. Von drei Fans beschlagnahmten Einsatzkräfte Böller.

Das brisante Aufeinandertreffen der beiden Hamburger Clubs selbst musste am Sonntag gleich mehrfach kurzzeitig unterbrochen werden, weil Pyrotechnik beziehungsweise Rauchböller gezündet wurden. Als HSV-Anhänger nach dem zwischenzeitlichen 2:0 erneut zündelten, schickte Schiedsrichter Felix Brych die beiden Mannschaftskapitäne Sami Allagui (FC St. Pauli) und Gotoku Sakai (Hamburger SV) in deren Fankurven, um mäßigend auf die Anhänger einzuwirken. In der 82. Minute unterbrach der Schiedsrichter das Spiel für mehrere Minuten und schickte die Spieler in die Kabine. Noch in der Nachspielzeit musste die Partie ein weiteres Mal kurzzeitig unterbrochen werden.

Anfang der 2. Hälfte die zweite Pyro-Unterbrechung. Nach dem 2:0 von Narey (53.) die dritte, als Schiri Brych genug hat, beide Trainer zu sich bittet und die Kapitäne Richtung Fan-Blöcke schickt, um die Anhänger zur Vernunft zu bringen. Doch die Zündler machen weiter.

Am Vormittag waren rund 3000 HSV-Anhänger gemeinsam von der Moorweide am Bahnhof Dammtor losgezogen. Einige Teilnehmer des Marsches hatten nach Angaben der Polizei immer wieder Pyrotechnik gezündet. In Höhe der Feldstraße stoppte die Polizei den Marsch mit einem Wasserwerfer und Polizeiketten für rund sieben Minuten. Die Gruppe drohte auf 700 St.-Pauli-Anhänger zu treffen, wie die Polizeisprecherin weiter mitteilte. Die Fußballfans sollen sich gegenseitig provoziert haben. Eine Polizistin sei von einer Flasche getroffen worden, blieb jedoch unverletzt.

Nach mehrfachen Zünden von Pyrotechnik und vermummter Fans hat die Polizei den Fan-Marsch gestoppt. Polizeisprecher Timo Zill zu BILD: Hier haben wir eine Fan-Kneipe des FC St.Paulis. Hier ist es zu gegenseitigen Provokationen gekommen. Das heißt wir müssen hier nochmal sehr, sehr klar trennen.

Bereits am Vorabend des Derbys hatten 2000 Einsatzkräfte der Polizei vor allem auf St. Pauli starke Präsenz gezeigt. Sie hatten ein Aufeinandertreffen von 300 HSV-Fans und 300 St.-Pauli-Unterstützern verhindert.

Die Reeperbahn wurde am Sonntag laut Einsatzplan zur Trennlinie: Die HSV-Fans mussten im südlichen Bereich St. Paulis und die St.-Pauli-Anhänger im nördlichen Teil bleiben. Das Rückspiel wurde von der Polizei als “Risikospiel” eingestuft, die strikte Trennung der Fanlager hatte bereits beim Hinspiel Ende September gut funktioniert.

Teroddes Antworten an Modeste – Darmstadt atmet auf

Am Sonntag ist es wieder soweit: Das Hamburger Derby zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV steht an (13.30 Uhr live Sky und BILD-Ticker).

Es ist DAS Derby der 2. Liga: Der FC St. Pauli empfängt den HSV. Mit einem Heimsieg könnten die Paulianer an den Hamburger SV heranrücken. Der Dino hingegen will Taballenführer Köln nicht aus den Augen verlieren. 

HSV gegen St. Pauli: Hamburgs Derby-Helden erinnern sich

St. Pauli lässt zu jedem Heimspiel einen Kunstdruck anfertigen. Dieses Mal ist er ein bisschen kriegerisch ausgefallen. Man sieht einen riesigen Totenkopf mit fiesem Grinsen, der auf einen kleinen, eingeschüchterten Dino hinabblickt. Es steht geschrieben: Hell is here (dt. Die Hölle ist hier).

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Wenn es im Derby rappelt, könnte es an zwei Naturgewalten liegen. An St. Paulis Alex Meier und an Hamburgs Pierre-Michel Lasogga.

Das Hamburger Zweitliga-Derby bricht alle Rekorde. In 60 Länder wird der Kampf der Stadt-Rivalen St. Pauli und HSV übertragen.

In ihrem Rewe-Supermarkt spielen sie in einem Team: Doch wenn es um das Derby am Sonntag geht, werden aus Partnern Rivalen …

Der HSV ist Derbysieger in Hamburg: Am Millerntor gelang dem Absteiger ein klarer 4:0 (1:0)-Sieg, den Lasogga mit einem Doppelpack und Narey auf den Weg brachten. Douglas Santos traf in der 89. Minute per Fernschuss zum Endstand. Durch den Dreier bleibt die Wolf-Elf (50 Punkte), die Kapitän Hunt durch Verletzung verlor, an Spitzenreiter 1. FC Köln (51) dran. St. Pauli ist nach einem Stadtduell, das mehrfach wegen Pyrotechnik unterbrochen werden musste, Vierter im Klassement und hat vier Punkte Rückstand auf den Dritten Union.

Der Kunstdruck war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft (Preis: 59 €). Der Klub schreibt auf seiner Homepage: Das Motiv zum ersten Derby seit Bestehen der Heimspiel-Prints wurde im Rahmen eines öffentlichen Votings aus verschiedenen Entwürfen ausgewählt.

Holger Stanislawki (49) ist der letzte Derby-Sieger als Trainer (1:0/2011). Heute besitzt er einen REWE-Markt: Vor einem Derby schläfst du schon Tage lang nicht mehr gut, wirst überall darauf angesprochen – im Supermarkt und beim Bäcker. Das sind einfach die geilsten Spiele. Als ich 2011 als Trainer ins Derby ging, hatte Pauli gefühlt 100 Jahre lang nicht mehr gewonnen. Da bedarf es außergewöhnlicher Maßnahmen, um den Gegner zu überraschen. Deswegen hatte ich damals auf Pliquett und nicht auf Kessler als Torwart gesetzt. Bene ist durch und durch Paulianer, für den gab es nichts Größeres. Den Einsatz hatte er sich verdient. So eine Überrumpelungstaktik kann ich auch Kauczinski nur empfehlen. Ich hab so viel als Spieler erleben dürfen. Nur ein Derbysieg blieb mir verwehrt, obwohl ich sechs Anläufe hatte. Das ärgert mich schon noch…”

Der Entwurf stammt von dem argentinischen Künstler César Jara, der ansonsten vor allem Poster und CD-Art für Punk- und Rockbands gestaltet. Er ist Mitglied bei den Piratas del Sur, dem offiziellen St.-Pauli-Fanklub in Buenos Aires.

Mit seinem Elfer zum 1:0 entschied Harald Spörl (52) am 24.11.1995 das Derby gegen St. Pauli ganz allein: Es war damals ein sehr ausgeglichenes Spiel gegen den Lokalrivalen. Wir hatten Glück, einen Elfer kurz vor der Pause zu bekommen, den ich dann verwandelte. Der Druck lag klar bei uns. Wenn wir verloren hätten, wären wir die Voll-Deppen der Stadt gewesen.

St. Pauli – HSV: Vorabend des Derbys bleibt ruhig

Ob das Poster die Stimmung vorm Derby noch zusätzlich anheizt? Auch so werden mindestens 1800 Polizisten den Kiez und das Millerntor-Stadion sichern. Vor und nach dem Spiel sowie in der Spielstätte wird eine strikte Trennung der Fanlager erfolgen.

HSV-Kapitän Thomas von Heesen (57) machte beim 6:0-Pokal-Triumph über St. Pauli am 19.11.1986 gleich drei Tore: Es war ein Fußballfest vor 60.000 Zuschauer. Der Lokalrivale hatte in jenem Spiel nicht die Spur einer Chance. Ernst Happel kam nach Abpfiff in die Kabine, sagte nur trocken: Meine Herren, ich danke. Mehr Lob habe ich nie wieder von ihm gehört.

HSV-Trainer Hannes Wolf (37): Solange es nur die Stimmung ist, mache ich mir keine Sorgen. Es soll aber friedlich sein und nicht in Gewalt umschlagen.

Pauli-Trainer Markus Kauczinski (49): Wir freuen uns darauf, mit den Fans ein Fest zu feiern. Natürlich spürt man, dass in der Mannschaft das Kribbeln steigt.