Behörde findet hohe Dioxin-Werte im Naturschutzgebiet
Boberger Niederung: Sehr hoher Dioxin-Wert
Im Osten Hamburgs hat die Umweltbehörde im Boden hohe Mengen Dioxin nachgewiesen. Fachleute vermuten einen Zusammenhang mit einem alten Chemiewerk der Firma Boehringer.

Bei einem Dioxin-Fund in einem Naturschutzgebiet in Hamburg ist ein extrem hoher Wert des hochgiftigen Stoffes gemessen worden – das erinnert an den Skandal um die Chemiefirma Boehringer in den Achtzigerjahren.

In der sogenannten Boberger Niederung fand die Hamburger Umweltbehörde 700 Mikrogramm Dioxin pro Kilogramm Boden. Offenbar handelt es sich um die höchste Konzentration des Stoffs, die bisher in Hamburger Boden gemessen wurde. Der gesetzlich festgelegte Grenzwert liegt bei einem Mikrogramm, auf Kinderspielplätzen bei 0,1 Mikrogramm.

Experten vermuten, dass es sich bei dem Fund um Abfall aus der Herstellung von Pflanzenschutzmitteln der Firma Boehringer handelt. Nach den bisherigen Erkenntnissen könnten die Rückstände des Gifts in den Sechzigerjahren in den Boden gelangt sein. Auf einem Luftbild von 1962 fanden sich Hinweise, dass in dem Bereich neben Bauschutt und Abraum illegal Industrieabfälle entsorgt worden sein könnten.

Das Werk von Boehringer in Hamburg Moorfleet war 1984 geschlossen worden. Auf dem Gelände selbst wurden damals Dioxinmengen von 400 Mikrogramm pro Kilo nachgewiesen.

Dioxin gehört zu den stärksten Umweltgiften, jede Belastungsquelle für Mensch und Natur muss umgehend beseitigt werden. Wichtig ist eine umfassende Information der Bevölkerung und eine konsequente Absperrung, da das Gebiet von vielen Spaziergängern, Hundebesitzern und Anglern genutzt wurde, sagt Manfred Braasch, Chef des BUND Hamburg. Am 13. November um 18 Uhr gibt es in der Stadtteilschule Mümmelmannsberg eine öffentliche Infoveranstaltung.

Da bislang nur das Ergebnis einer einzelnen Messung vorliege, sei noch nicht klar, ob es sich um eine punktuelle oder großflächige Belastung handele, sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). Die technisch wie zeitlich aufwendige Auswertung weiterer Proben müsse abgewartet werden. “Erst im Januar wissen wir, wie groß die betroffene Fläche ist”, sagte der Senator. Unabhängig davon handele es sich angesichts “des sehr, sehr hohen Werts” aber schon jetzt um ein “schweres Umweltvergehen”.

Dioxin gehört zu den stärksten Umweltgiften, jede Belastungsquelle für Mensch und Natur muss umgehend beseitigt werden. Wichtig ist eine umfassende Information der Bevölkerung und eine konsequente Absperrung, da das Gebiet von vielen Spaziergängern, Hundebesitzern und Anglern genutzt wurde, sagt Manfred Braasch, Chef des BUND Hamburg. Am 13. November um 18 Uhr gibt es in der Stadtteilschule Mümmelmannsberg eine öffentliche Infoveranstaltung.

Ein vier Hektar großes Gebiet rund um den Fundort ist seit Mitte Oktober abgesperrt. Auch Pilze und Beeren sowie Fische aus zwei am Fundort gelegenen Teichen wurden untersucht. Das Angeln ist bis auf Weiteres untersagt. Dioxine gelangen vor allem über die Nahrung in den Körper und reichern sich im Fettgewebe an. In hohen Konzentrationen ist der Stoff krebserregend.

Bis Mitte der 80er-Jahre stellte das Chemie-Unternehmen in seinem Werk in Hamburg-Moorfleet Pestizide gegen Schädlinge her, verseuchte Boden und Grundwasser, verursachte so einen Umweltskandal. Dioxin wurde im Boden nachgewiesen, außerdem in Pflanzen und in der Milch der Kühe aus der Umgebung. Aktivisten protestierten auf dem Werksgelände, 1984 machten die Behörden das Werk dicht. Für viele Angestellte kam der Schritt viel zu spät.

Den Grenzwert ums 700-fache überschritten: Die Dioxin-Konzentration, die Experten bei Bodenuntersuchungen in der Boberger Niederung emittelt haben, ist “sehr sehr hoch”, wie Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Donnerstag sagte. Das Ergebnis der Einzelmessung ist vor allem für Angler ein Schock, die seit Jahrzehnten in der Nähe des betroffenen Gebiets gefischt haben.

Bis Mitte der 80er-Jahre stellte das Chemie-Unternehmen in seinem Werk in Hamburg-Moorfleet Pestizide gegen Schädlinge her, verseuchte Boden und Grundwasser, verursachte so einen Umweltskandal. Dioxin wurde im Boden nachgewiesen, außerdem in Pflanzen und in der Milch der Kühe aus der Umgebung. Aktivisten protestierten auf dem Werksgelände, 1984 machten die Behörden das Werk dicht. Für viele Angestellte kam der Schritt viel zu spät.

Wie fühlt man sich als Angler, wenn man jahrelang Fische aus einem möglicherweise dioxinverseuchten Teich geangelt und gegessen hat? NDR 90,3 Reporter Karsten Sekund spricht mit Jens Kiesel.

Die Umweltbehörde rechnet allerdings erst für Januar mit den Ergebnissen der Untersuchung – wissenschaftlich sei der Nachweis von Dioxin sehr aufwendig, heißt es. Erst dann will sich Senator Jens Kerstan zu Maßnahmen äußern. Da Dioxin über Nahrung in den Organismus gelangt, wurden die Pilze in der Umgebung abgeerntet, außerdem hat die Behörde das Angeln in zwei benachbarten Fischteichen verboten.

“Wir haben leider sehr mulmige Gefühle”, sagte Jens Kiesel vom Anglerverein, der die angrenzenden Teiche nach eigenen Angaben seit 1963 gepachtet hat. Es sei in den vergangenen Jahrzehnten dort sehr viel geangelt worden. “Karpfen, Schleie und Aale – alles Fische, die im Grund wühlen. Und jetzt hoffen wir inständig, dass die Belastung der Tiere nicht so hoch ist.”

Die Umweltbehörde rechnet allerdings erst für Januar mit den Ergebnissen der Untersuchung – wissenschaftlich sei der Nachweis von Dioxin sehr aufwendig, heißt es. Erst dann will sich Senator Jens Kerstan zu Maßnahmen äußern. Da Dioxin über Nahrung in den Organismus gelangt, wurden die Pilze in der Umgebung abgeerntet, außerdem hat die Behörde das Angeln in zwei benachbarten Fischteichen verboten.

Ein vier Hektar großes Gebiet rund um den Fundort ist seit Mitte Oktober abgesperrt. Da Dioxin besonders gefährlich ist, wenn es mit der Nahrung in den Körper gelangt, werden auch die Fische aus den nahe gelegenen Teichen untersucht. Das Angeln ist bis auf Weiteres untersagt. Inwieweit Besucher der Boberger Niederung gefährdet sind, sei derzeit noch unklar, sagte Kerstan: “Gesundheitliche Gefährdungen entstehen, wenn man aus dem Gebiet Pilze oder Beeren oder aus den Teichen Fische gegessen hat. Wenn sie denn belastet sind – das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.” Die Untersuchungen seien aufwendig und benötigten viel Zeit. “Wir werden leider bis Januar brauchen.”

Bei der Herstellung von Pflanzenschutzmitteln entstandene Gift könnte vom Chemiekonzern Boehringer kommen. Polizei ermittelt.

Da bislang nur das Ergebnis einer einzelnen Messung vorliege, sei noch nicht klar, ob es sich um eine punktuelle oder großflächige Belastung handele, so Kerstan. Am kommenden Dienstag sollen die Anwohner bei einer Veranstaltung in der Stadtteilschule Mümmelmannsberg über die Lage informiert werden.

Die Dioxion-Konzentration im betroffenen Gebiet im Naturschutzgebiet Boberger Niederung liegt bei 700 Mikrogramm pro Kilogramm. Der Verdacht gegen den Chemiekonzern Boehringer erhärtet sich. Video (02:03 min)

Unabhängig von der Größe des Gebiets handele es sich schon angesichts des jetzt vorliegenden “sehr, sehr hohen Wertes” um ein “schweres Umweltvergehen”, sagte der Umweltsenator.

Ein Verdacht gegen den Chemiekonzern Boehringer habe sich erhärtet. “Man kann Dioxine ganz gut zuordnen. Die haben einen gewissen Fingerabdruck, insofern können wir schon sagen, in Hamburg können solche Rückstände nur auf dem Boehringer-Gelände angefallen sein”, sagte Kerstan. Höchstwahrscheinlich handele es sich um Rückstände aus der Pflanzenschutzmittelproduktion, die aus dem nahegelegenen Moorfleeter Werk von Boehringer stammen. Die Wasserschutzpolizei habe Anzeige gegen unbekannt erstattet.

Manfred Braasch vom BUND Hamburg nannte die hohen Dioxin-Werte “erschreckende Neuigkeiten”. “Wenn es sich bewahrheitet, dass die Dioxin-Werte flächendeckend so hoch sind, muss man hier umgehend das Erdreich abtragen”, sagte er im Gespräch mit NDR 90,3.

Der Fall erinnert an den Dioxin-Skandal um die Chemiefirma Boehringer in den 1980er-Jahren. Weil das Dioxin auf dem Werksgelände in Moorfleet nicht beseitigt werden konnte, musste die betroffene Fläche über viele Jahre aufwendig versiegelt werden. Das Gelände gilt auch heute noch als eine der bekanntesten Dioxin-Altlasten in Deutschland.

Nach dem Dioxin-Fund im Hamburger Naturschutzgebiet Boberger Niederung ist ein sehr hoher Wert des hochgiftigen Stoffs gemessen worden. Der Verdacht gegen den Chemiekonzern Boehringer erhärtet sich. (08.11.2018) mehr

Im Boden des Hamburger Naturschutzgebiets Boberger Niederung ist Dioxin gefunden worden. Die Umweltbehörde vermutet einen Müllskandal und hat das Gebiet gesperrt. Der Boden wird untersucht. (15.10.2018) mehr

Im Boden des Hamburger Naturschutzgebiets Boberger Niederung ist Dioxin gefunden worden. Die Umweltbehörde will nun untersuchen, wie stark die Verseuchung mit dem krebserregenden Stoff ist. (12.10.2018) mehr

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