Dioxinfund in Boberg: Untersuchung läuft mit Hochdruck
Boberger Niederung: Dioxinwert in Naturschutzgebiet 700-fach überschritten
Nach dem Fund von krebserregendem Dioxin im Naturschutzgebiet Boberger Niederung hat Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Donnerstag erste Ergebnisse der Bodenuntersuchungen mitgeteilt. Die Dixion-Konzentration liegt demnach in dem betroffenen Gebiet bei 700 Mikrogramm pro Kilogramm. Schon ab einem Mikrogramm müssen Behörden Schutzmaßnahmen ergreifen. Da bislang nur das Ergebnis einer einzelnen Messung vorliege, sei noch nicht klar, ob es sich um eine punktuelle oder großflächige Belastung handele, so Kerstan. Ergebnisse weiterer Proben sollen im Januar vorliegen. Unabhängig von der Größe des Gebiets handele es sich schon angesichts des jetzt vorliegenden “sehr, sehr hohen Wertes” um ein “schweres Umweltvergehen”.

Ein weiteres Ergebnis: Der Verdacht gegen den Chemiekonzern Boehringer erhärtet sich, wie Kerstan berichtete. “Man kann Dioxine ganz gut zuordnen. Die haben einen gewissen Fingerabdruck, insofern können wir schon sagen, in Hamburg können solche Rückstände nur auf dem Boehringer-Gelände angefallen sein.” Höchstwahrscheinlich handele es sich um Rückstände aus der Pflanzenschutzmittelproduktion, die aus dem nahegelegenen Moorfleeter Werk von Boehringer stammen.

Die Dioxion-Konzentration im betroffenen Gebiet im Naturschutzgebiet Boberger Niederung liegt bei 700 Mikrogramm pro Kilogramm. Der Verdacht gegen den Chemiekonzern Boehringer erhärtet sich.

Im Verdacht steht die Firma Boehringer. Das Pharma-Unternehmen hatte bis 1984 sein Werk in Moorfleet. Das gefundene Dioxin ist ein Abfallprodukt aus der Produktion von Pflanzenschutzmitteln, laut Umweltbehörde sei das Gift in dieser Art nur bei Boehringer angefallen. Die zuständige Wasserschutzpolizei hat Anzeige gegen Unbekannt gestellt.

Extrem hoher Dioxin-Wert in der Boberger Niederung gemessen

Inwieweit Besucher der Boberger Niederung gefährdet sind, sei derzeit unklar, sagte Kerstan: “Gesundheitliche Gefährdungen entstehen, wenn man aus dem Gebiet Pilze oder Beeren oder aus den Teichen Fische gegessen hat. Wenn sie denn belastet sind – das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.”

Die Wasserschutzpolizei habe Anzeige gegen unbekannt erstattet, sagte Kerstan. Die Staatsanwaltschaft ermittele wegen schwerer Umweltvergehen. Seine Behörde habe auch die Firma Boehringer Ingelheim schriftlich von dem Vorgang in Kenntnis gesetzt, meinte der Senator.

Dioxin entsteht z. B. bei Verbrennungsprozessen und ist hochgiftig! Die Verbindung von Chlor und Kohlenwasserstoff kann bei Menschen schwere Gesundheitsschäden verursachen, u. a. am Nerven- und Immunsystem, ist krebserregend und baut sich in der Umwelt nur sehr langsam ab.

Die Untersuchung von Bodenproben aus der Boberger Niederung hat alarmierende Ergebnisse ergeben. Die Umweltbehörde hatte dort Spuren des Giftes Dioxin gefunden.

Ein vier Hektar großes Gebiet rund um den Fundort ist seit Mitte Oktober abgesperrt. Da Dioxin besonders gefährlich ist, wenn es mit der Nahrung in den Körper gelangt, wurden auch Fische aus zwei am Fundort gelegenen Teichen untersucht. Das Angeln ist bis auf weiteres untersagt. Am kommenden Dienstag sollen die Anwohner bei einer Veranstaltung in der Stadtteilschule Mümmelmannsberg über die Lage informiert werden.

Die Konzentration an Dioxin ist die höchste, die jemals in Hamburg festgestellt wurde: 700 Mikrogramm pro Kilogramm. Der gesetzliche Grenzwert in Parkflächen liegt bei gerade einmal einem Mikrogramm.

Der Fall erinnert an den Dioxin-Skandal um die Chemiefirma Boehringer in den 1980er-Jahren. Weil das Dioxin auf dem Werksgelände in Moorfleet nicht beseitigt werden konnte, musste die betroffene Fläche über viele Jahre aufwendig versiegelt werden. Das Gelände gilt auch heute noch als eine der bekanntesten Dioxin-Altlasten in Deutschland.

Das Naturschutzgebiet Boberger Niederungen: Ausflugsziel und Erholungsgebiet im Osten Hamburgs nahe der Bille. Ausgerechnet dieses Idyll erschüttert ein besorgniserregender Fund.

Im Boden des Hamburger Naturschutzgebiets Boberger Niederung ist Dioxin gefunden worden. Die Umweltbehörde vermutet einen Müllskandal und hat das Gebiet gesperrt. Der Boden wird untersucht. (15.10.2018) mehr

Umweltsenator Jens Kerstan (52, Grüne): Egal wie groß die Fläche am Ende sein wird: Schon jetzt ist das ein schweres Umweltvergehen.”

Im Boden des Hamburger Naturschutzgebiets Boberger Niederung ist Dioxin gefunden worden. Die Umweltbehörde will nun untersuchen, wie stark die Verseuchung mit dem krebserregenden Stoff ist. (12.10.2018) mehr

Am Dienstag, den 13. November, lädt die Umweltbehörde zu einer Info-Veranstaltung ein, 18 Uhr in der Stadtteilschule Mümmelmannsberg.

Orchideen unter freiem Himmel und Dünen wie am Meer in Hamburg? Ein Ausflug in das Schutzgebiet Boberger Niederung zeigt, wie die Natur in der Großstadt Nischen findet. mehr

Es soll nur eine Stichprobe sein, die die Mitarbeiter der Umweltbehörde in der grünen Idylle von Boberg neben einer Böschung aus dem Boden holen. Reine Routine – regelmäßig suchen die Experten der Umweltbehörde Hamburgs Erdreich ab. Nach Schwermetallen, nach Arsen oder Quecksilber. Doch als die Zuständigen die Proben im Labor untersuchen, werden sie stutzig: Zwar finden sie keine Schwermetalle. Dafür entdecken sie in den Erdklumpen Hinweise auf Dioxin.

Es folgen aufwendige Tests, Ende September hat die Umweltbehörde schwarz auf weiß, was die Chemiker im Labor bereits befürchtet haben: Die Dioxinbelastung liegt bei mehr als 720 Mikrogramm pro Kilogramm. Enorm hoch, sagt Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne).

Seit Ende Oktober ist der Fundort nun weiträumig abgesperrt, in Schutzanzügen entnehmen Spezialisten weitere Proben. Vier Hektar Fläche werden akribisch untersucht, vom Rand aus arbeitet sich das Bodenerkundungsteam systematisch zur Mitte vor.

Denn noch ist das Ausmaß der Verseuchung unklar. Ist der Boden nur punktuell vergiftet? Oder eine ganze Grünfläche mit dem krebserregenden Stoff belastet? Egal wie groß die Fläche am Ende sein wird: Schon jetzt ist das ein schweres Umweltvergehen. Deshalb laufen die Ermittlungen durch uns und die Polizei nach dem Ursprung des Dioxins auf Hochtouren, sagt Jens Kerstan.

Das Dioxin, so erklären es die Experten, könne in verschiedenen Zusammensetzungen vorkommen. So ergebe sich eine Art chemischer Fingerabdruck, der die Quelle verrate. Und bei dem Gift in Boberg, da sind sich die Zuständigen sicher, handelt es sich um ein Abfallprodukt aus der Pflanzenschutzmittelproduktion.

Und in dieser Zusammensetzung sei es nach bisherigem Kenntnisstand in Hamburg nur im Boehringer-Werk, das wenige Kilometer entfernt liegt, angefallen, sagt Jens Kerstan. Wie es in die Boberger Niederung gekommen ist, wissen wir nicht. Ein Luftbild aus dem Jahr 1962 lege allerdings die Vermutung nahe, dass in dem Areal Industrieabfall illegal abgekippt wurde.

Bis Mitte der 80er-Jahre stellte das Chemie-Unternehmen in seinem Werk in Hamburg-Moorfleet Pestizide gegen Schädlinge her, verseuchte Boden und Grundwasser, verursachte so einen Umweltskandal. Dioxin wurde im Boden nachgewiesen, außerdem in Pflanzen und in der Milch der Kühe aus der Umgebung. Aktivisten protestierten auf dem Werksgelände, 1984 machten die Behörden das Werk dicht. Für viele Angestellte kam der Schritt viel zu spät.

Jahrelang hatten sie ohne Schutzanzüge mit dem Gift hantiert, viele erkrankten in den Folgejahren an Krebs. Eine Studie aus dem Jahr 2011 belegt, dass die Boehringer-Mitarbeiter im Zeitraum von 1980 bis 2007 eine im Vergleich zum Hamburger Durchschnitt signifikant erhöhte Sterblichkeitsrate hatten. Ingesamt zeigt sich eine erhöhte Mortalität aufgrund von Krebserkrankungen, heißt es darin.

Bis heute hat die Stadt mit dem Erbe der Giftfabrik zu kämpfen. Auf dem ehemaligen Fabrikgelände an der Andreas-Meyer-Straße in Moorfleet schlummern noch immer tonnenweise Gift im Boden. Die Behörden haben rund um das Betriebsgelände eine Art Schutzkapsel bauen lassen, einen 1,5 Kilometer langen und bis zu 50 Meter tiefen Betonwall, der das Gift einschließt.

In den nächsten Jahrzehnten sollen Spezialunternehmen außerdem das Grundwasser reinigen, sollen die Schadstoffe aus der sogenannten Fahne entfernen. Boehringer hat sich freiwillig verpflichtet, die Maßnahme zum Großteil zu finanzieren.

Nach dem Dioxin-Fund in Boberg stehe man mit der Umweltbehörde im engen Kontakt, sagt eine Unternehmenssprecherin auf WELT-Nachfrage. Man warte die Ergebnisse der weiteren Proben ab – noch sei nicht abschließend geklärt, woher das Gift stamme. Wir nehmen das sehr ernst und werden in jeder Hinsicht kooperieren, sagt sie.

Die Umweltbehörde rechnet allerdings erst für Januar mit den Ergebnissen der Untersuchung – wissenschaftlich sei der Nachweis von Dioxin sehr aufwendig, heißt es. Erst dann will sich Senator Jens Kerstan zu Maßnahmen äußern. Da Dioxin über Nahrung in den Organismus gelangt, wurden die Pilze in der Umgebung abgeerntet, außerdem hat die Behörde das Angeln in zwei benachbarten Fischteichen verboten.

Dioxin gehört zu den stärksten Umweltgiften, jede Belastungsquelle für Mensch und Natur muss umgehend beseitigt werden. Wichtig ist eine umfassende Information der Bevölkerung und eine konsequente Absperrung, da das Gebiet von vielen Spaziergängern, Hundebesitzern und Anglern genutzt wurde, sagt Manfred Braasch, Chef des BUND Hamburg. Am 13. November um 18 Uhr gibt es in der Stadtteilschule Mümmelmannsberg eine öffentliche Infoveranstaltung.

In jedem Fall, sagt Braasch, müsse der Verursacher dingfest gemacht werden. Denn es könnten schnell Entsorgungskosten von 50 bis 100 Millionen Euro zusammen kommen.

0 Anzeige Es soll nur eine Stichprobe sein, die die Mitarbeiter der Umweltbehörde in der grünen Idylle von Boberg neben einer Böschung aus dem Boden holen. Reine Routine – regelmäßig suchen die Experten der Umweltbehörde Hamburgs Erdreich ab. Nach Schwermetallen, nach Arsen oder Quecksilber. Doch als die Zuständigen die Proben im Labor untersuchen, werden sie stutzig: Zwar finden sie keine Schwermetalle. Dafür entdecken sie in den Erdklumpen Hinweise auf Dioxin.

Es folgen aufwendige Tests, Ende September hat die Umweltbehörde schwarz auf weiß, was die Chemiker im Labor bereits befürchtet haben: Die Dioxinbelastung liegt bei mehr als 720 Mikrogramm pro Kilogramm. Enorm hoch, sagt Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne).

Seit Ende Oktober ist der Fundort nun weiträumig abgesperrt, in Schutzanzügen entnehmen Spezialisten weitere Proben. Vier Hektar Fläche werden akribisch untersucht, vom Rand aus arbeitet sich das Bodenerkundungsteam systematisch zur Mitte vor.

Denn noch ist das Ausmaß der Verseuchung unklar. Ist der Boden nur punktuell vergiftet? Oder eine ganze Grünfläche mit dem krebserregenden Stoff belastet? Egal wie groß die Fläche am Ende sein wird: Schon jetzt ist das ein schweres Umweltvergehen. Deshalb laufen die Ermittlungen durch uns und die Polizei nach dem Ursprung des Dioxins auf Hochtouren, sagt Jens Kerstan.

Das Dioxin, so erklären es die Experten, könne in verschiedenen Zusammensetzungen vorkommen. So ergebe sich eine Art chemischer Fingerabdruck, der die Quelle verrate. Und bei dem Gift in Boberg, da sind sich die Zuständigen sicher, handelt es sich um ein Abfallprodukt aus der Pflanzenschutzmittelproduktion.

Und in dieser Zusammensetzung sei es nach bisherigem Kenntnisstand in Hamburg nur im Boehringer-Werk, das wenige Kilometer entfernt liegt, angefallen, sagt Jens Kerstan. Wie es in die Boberger Niederung gekommen ist, wissen wir nicht. Ein Luftbild aus dem Jahr 1962 lege allerdings die Vermutung nahe, dass in dem Areal Industrieabfall illegal abgekippt wurde.

Bis Mitte der 80er-Jahre stellte das Chemie-Unternehmen in seinem Werk in Hamburg-Moorfleet Pestizide gegen Schädlinge her, verseuchte Boden und Grundwasser, verursachte so einen Umweltskandal. Dioxin wurde im Boden nachgewiesen, außerdem in Pflanzen und in der Milch der Kühe aus der Umgebung. Aktivisten protestierten auf dem Werksgelände, 1984 machten die Behörden das Werk dicht. Für viele Angestellte kam der Schritt viel zu spät.

Boehringer Ingelheim 31 Jahre nach Dioxin-Skandal wird saniert Jahrelang hatten sie ohne Schutzanzüge mit dem Gift hantiert, viele erkrankten in den Folgejahren an Krebs. Eine Studie aus dem Jahr 2011 belegt, dass die Boehringer-Mitarbeiter im Zeitraum von 1980 bis 2007 eine im Vergleich zum Hamburger Durchschnitt signifikant erhöhte Sterblichkeitsrate hatten. Ingesamt zeigt sich eine erhöhte Mortalität aufgrund von Krebserkrankungen, heißt es darin.

Bis heute hat die Stadt mit dem Erbe der Giftfabrik zu kämpfen. Auf dem ehemaligen Fabrikgelände an der Andreas-Meyer-Straße in Moorfleet schlummern noch immer tonnenweise Gift im Boden. Die Behörden haben rund um das Betriebsgelände eine Art Schutzkapsel bauen lassen, einen 1,5 Kilometer langen und bis zu 50 Meter tiefen Betonwall, der das Gift einschließt.

In den nächsten Jahrzehnten sollen Spezialunternehmen außerdem das Grundwasser reinigen, sollen die Schadstoffe aus der sogenannten Fahne entfernen. Boehringer hat sich freiwillig verpflichtet, die Maßnahme zum Großteil zu finanzieren.

Nach dem Dioxin-Fund in Boberg stehe man mit der Umweltbehörde im engen Kontakt, sagt eine Unternehmenssprecherin auf WELT-Nachfrage. Man warte die Ergebnisse der weiteren Proben ab – noch sei nicht abschließend geklärt, woher das Gift stamme. Wir nehmen das sehr ernst und werden in jeder Hinsicht kooperieren, sagt sie.

Die Umweltbehörde rechnet allerdings erst für Januar mit den Ergebnissen der Untersuchung – wissenschaftlich sei der Nachweis von Dioxin sehr aufwendig, heißt es. Erst dann will sich Senator Jens Kerstan zu Maßnahmen äußern. Da Dioxin über Nahrung in den Organismus gelangt, wurden die Pilze in der Umgebung abgeerntet, außerdem hat die Behörde das Angeln in zwei benachbarten Fischteichen verboten.

Dioxin gehört zu den stärksten Umweltgiften, jede Belastungsquelle für Mensch und Natur muss umgehend beseitigt werden. Wichtig ist eine umfassende Information der Bevölkerung und eine konsequente Absperrung, da das Gebiet von vielen Spaziergängern, Hundebesitzern und Anglern genutzt wurde, sagt Manfred Braasch, Chef des BUND Hamburg. Am 13. November um 18 Uhr gibt es in der Stadtteilschule Mümmelmannsberg eine öffentliche Infoveranstaltung.

In jedem Fall, sagt Braasch, müsse der Verursacher dingfest gemacht werden. Denn es könnten schnell Entsorgungskosten von 50 bis 100 Millionen Euro zusammen kommen.