Hamburger SV - Viel Lärm um nichts
HSV gegen St. Pauli: Hamburg bleibt braun-weiß
Pfiffe, Frust, Enttäuschung. Schnarch-0:0 gegen St. Pauli – nach dem Abpfiff war beim HSV nicht mehr viel von Derby-Freude zu spüren.

Drei Spiele sieglos, 293 Minuten kein Tor – und gegen St. Pauli nicht mal ein ernsthafter Schuss auf die Kiste. Unfassbar, wie wenig der HSV mit der teuersten Truppe der Zweitliga-Geschichte (28,5 Mio für Gehälter) hinbekommt.

Nach dem 0:0 gegen den FC St. Pauli trat Pollersbeck vor die Kameras. Und die Miene des Hamburger Torhüters sprach eigentlich schon Bände, die Worte verdeutlichten seine Gemütslage nochmal: “Es ist enttäuschend, wir wollten auf jeden Fall gewinnen. Ich persönlich gebe mich mit dem 0:0 nicht zufrieden. Das ist mehr als nur ein Spiel, da bin ich enttäuscht, dass wir 0:0 spielen”, so der 24-Jährige am “Sky”-Mikrofon. Die Fans hätten ihn und seine Mitspieler beim Abschlusstraining “unglaublich motiviert”, wofür er gerne etwas zurückgezahlt hätte. Zumindest verhinderte Pollersbeck in der Nachspielzeit bei einem frechen Versuch von Cenk Sahin aus 40 Metern eine mögliche Niederlage.

Sport-Vorstand Ralf Becker (48): Ich weiß nicht, ob es überhaupt eine klare Torchance gab. Wir haben uns das anders vorgestellt. Am Ende ist das 0:0 verdient. Damit sind wir natürlich nicht zufrieden.

Viel Wirbel um nichts! Der HSV und St. Pauli trennen sich beim lange erwarteten Hamburger Stadt-Derby mit einem trostlosen 0:0.

Nach Schnarch-Derby: St.-Pauli-Profi lästert über den großen HSV

Findet Christian Titz (47) noch den Weg aus der Krise? Die Zweifel wachsen. Auch intern. Die Partie Freitag in Darmstadt (zuletzt drei Niederlagen in Serie) dürfte für den Trainer schon die letzte Chance sein. Trend, Formkurve und aktuelle Verfassung machen wenig Mut. Nicht nur wegen der drei Sieglos-Partien (vor Pauli das 0:5 gegen Regensburg, 0:0 in Fürth).

Kaum vorstellbar, was dann losgewesen wäre im mit 57.000 Zuschauern ausverkauften Volksparkstadion, das auch so nach Schlusspfiff die Mannschaft mit Pfiffen verabschiedete. Das 0:0 war in jedem Fall kein Schritt nach vorne: Erstmals ist der HSV unter Trainer Christian Titz nun dreimal in Folge sieglos, dazu kommen drei Spiele in Serie ohne ein eigenes Tor. Und drei Hamburger Derbys in Folge ohne HSV-Sieg? Das hatte es zuvor noch nie gegeben.

Bei den bisherigen acht Auftritten hat der HSV selten überzeugt. Der Dreier in Sandhausen (3:0) war ungefährdet, gegen Bielefeld (3:0) holten die Hamburger ihren zweiten klaren Erfolg. Sonst war es meist dünn.

Bereits am Freitag (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) wartet die unangenehme Aufgabe beim SV Darmstadt 98. Titz fordert schon jetzt: “Wir müssen schnellstmöglich schauen, dass wir im nächsten Spiel jetzt auch mal in Führung gehen, dass auch die Leichtigkeit des Offensivspiels zurückkommt.” Wenn das nicht gelingt, könnte der Rückstand auf Spitzenreiter Köln (aktuell fünf Zähler) noch weiter anwachsen.

► Nach der Regensburg-Klatsche veränderte der Coach die Ausrichtung. Seitdem agiert er mit zwei Abräumern im Mittelfeld. Mit Orel Mangala (20) und Vasilije Janjicic (19), dafür musste Titz-Stammkraft Matti Steinmann (23) raus.

Hamburger SV und der FC St. Pauli spielen remis

Der Zug ging auf. Jetzt steht der HSV defensiv deutlich stabiler. Allerdings: Im neuen 4:2:3:1-System geht nichts mehr nach vorne. Titz: Die Leichtigkeit im Offensivspiel ist uns abhanden gekommen.

Becker: Nach dem Regensburg-0:5 wollten wir in Fürth gut stehen, wenig zulassen. Das haben wir geschafft. Wenn das aber bedeutet, dass wir vorne keine Chancen mehr haben, haben wir auch ein Problem. Wir brauchen einen Mittelweg, müssen vorne mehr kreieren. Da müssen wir schon ehrlich sein.

Aber: Auch St. Pauli trägt seinen schlechten Teil dazu bei. Trotzdem können die Kiez-Kicker (seit drei Spielen ungeschlagen) besser mit dem Punkt leben.

Pauli-Profi Christopher Buchtmann schießt gegen Hamburger SV

► Titz hat ein Star-Problem. Lässt der Trainer nur noch mit drei offensiven Mittelfeld-Spielern agieren, ist die Sache eigentlich einfach: außen zwei schnelle Flügel-Stürmer (wie Hwang und Narey), dazu ein Spielmacher im Zentrum.

Lewis Holtby (28): Wir sollten jetzt nicht alles infrage stellen. Das wäre absoluter Nonsens. Wir müssen die Ruhe bewahren und die Fresse halten.

Heißt allerdings: Aaron Hunt (32) oder Lewis Holtby (28) – Kapitän oder Kumpel, einer müsste auf die Bank. Das wollte Titz aber zwei Mal umgehen, stellte Hunt auf den Flügel und wechselte ihn jeweils früh aus. Gegen Pauli nach 53, in Fürth nach 62 Minuten.

Mit Hunt und Holtby hat der HSV ein Geschwindigkeits-Problem. Im Derby war Hee-Chan Hwang (22) in der Offensive der einzige HSV-Profi mit Tempo. Den Südkoreaner holte Titz aus sportlichen Gründen nach 65 Minuten runter. Turbo Narey schmorte über eine Stunde auf der Bank.

Man merkt: Beim ersten Duell seit siebeneinhalb Jahren steht für beide Klubs unglaublich viel auf dem Spiel. Beide wollen die Partie unter keinen Umständen verlieren. Ergebnis: viel Kampf, viel Leidenschaft – aber kaum Chancen. Für den HSV vergibt Hwang die beste Chance (60./aus fünf Metern vorbei). St. Pauli schafft in der Nachspielzeit fast das 0:1, aber Pollersbeck entschärft bei einem Konter einen Sahin-Schuss aus 45 Metern gerade so (90.+2.).

► Im Sturm hat der Trainer so lange gewechselt, bis gar nichts mehr geht. Hunt, Pierre-Michel Lasogga (26), Hwang und gegen Pauli Fiete Arp (18). Vier unterschiedliche Spitzen in acht Spielen. Anfangs (Lasogga-Hattrick gegen Heidenheim, Hwang in Dresden) ballerten die Joker Hamburg noch zum Sieg.

Inzwischen ist das Problem ein anderes: Die Angreifer bekommen überhaupt keine Bälle mehr. Titz räumt ein: Das Spiel nach vorne ist uns schwergefallen. Uns hat die Durchschlagskraft gefehlt.

Becker: Das Kernproblem ist, dass wir keine Chancen herausgespielt haben. Wir tun uns schwer, Tor-Möglichkeiten zu kreieren. Wir müssen schauen, dass wir uns da verbessern. So, wie wir das gemacht haben, war es nicht gut.

Seit Wochen ausverkauft. Vierstellige Ticketpreise auf dem Schwarzmarkt. Bürgermeister im Stadion. Fan-Ansprache beim HSV-Abschlusstraining. Fan-Marsch der St. Pauli-Anhänger zum Volksparkstadion. 5,50 Euro (!) für ein großes Bier.

Vor Derby gegen St. Pauli: HSV-Trainer Titz unter Druck – Polizei alarmiert

Zusätzliches Problem für ihn: Die, die ihm nach dem Abstieg den Vertrag (läuft bis 2020) gaben, haben keinen Einfluss mehr.

Promi-Auflauf im Volkspark. Zum Stadtderby kamen die VIPs zahlreich. Und machten wie die Fans nach dem Schlusspfiff lange Gesichter.

Das erste Stadt-Derby seit sieben Jahren. Am 8. Spieltag der Zweiten Liga empfing der Hamburger SV den FC St. Pauli. Die Gästefans zündeten vor Anpfiff Bengalos, bei den HSV-Anhängern gab es Anfang der zweiten Hälfte ein paar Fackeln.

Nächste HSV-Nullnummer im Derby gegen St. Pauli

HSV-Verteidiger Rick van Drongelen und Torwart Julian Pollersbeck bekamen sich in der zweiten Hälfte im Derby gegen Pauli in die Haare.

Der HSV und St. Pauli trennen sich nach viel Brimborium im Vorfeld schiedlich und auch langweilig mit 0:0. St. Pauli feierte trotzdem.

Finanz-Chef Frank Wettstein (44), damals Allein-Vorstand, kümmert sich wieder um die Zahlen. Bernhard Peters (58), der Direktor Sport, arbeitet auf Abruf. Es geht nur noch um die Trennungs-Modalitäten.

Der neue Boss Bernd Hoffmann (55) hätte Titz wohl gar nicht mit einem Kontrakt für die 2. Liga ausgestattet.

Und direkt nach der Partie ließ das auch ein Pauli-Profi den großen Rivalen spüren. Christopher Buchtmann äußerte sich und ärgerte mit seiner Aussage sicher zahlreiche HSV-Anhänger. Vielleicht sogar auch Spieler?

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Nach dem 0:0 im Hamburger Stadtderby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli hat sich Pauli-Spieler Christopher Buchtmann zum Spiel geäußert – eine klare Spitze gegen den Rivalen! 

HSV-Startelf-Debüt? Fiete Arp geht auf St. Pauli los

Endlich wieder ein Hamburger Duell, nach siebeneinhalb Jahren Pause – und dann das: St. Pauli ist mit einem 0:0 weiter der letzte Derbysieger. Der HSV wirkt verunsichert, Lewis Holtby platzte später der Kragen.

HSV – St. Pauli: Fans reisen getrennt ab

Jahrgang 1978, studierte Rechts-, Politikwissenschaft & Soziologie in Hamburg und Hagen. Journalistenschule in Berlin. Anschließend Redakteur bei sportal.de, Redakteur und CvD bei sportdigital in Hamburg, Autor für verschiedene Print- und Online-Medien. Seit Februar 2015 freie Mitarbeit, seit Juli 2017 Redakteur im Sportressort von SPIEGEL ONLINE.

St. Paulis Trainer machte nach dem Derby überhaupt keinen Hehl aus seinem destruktiven Plan. “Wir wollten den fußballerischen Schlagabtausch vermeiden”, sagte Markus Kauczinski. Die Taktik der defensivstarken Gäste ging auf, für die 57.000 Zuschauer wurde es allerdings ein zäher Zweitliga-Sonntagnachmittag.

90 Minuten verteidigte St. Pauli konzentriert. 90 Minuten mühte sich der Hamburger SV nach Kräften, klare Abschlusssituationen herauszuspielen oder – mit zunehmender Spieldauer – zumindest irgendwie zu erzwingen. “Wir wussten, sie haben damit Probleme”, sagte St. Paulis Christopher Buchtmann. Ein fußballerisch enttäuschendes Stadtderby endete mit dem einzig angemessenen Ergebnis: 0:0.

Auch wenn es keinen Sieger gab: St. Pauli bleibt “Stadtmeister”. Das ist natürlich kein richtiger Titel – außer für den Klub, der ihn gerade tragen darf. Exakt 2783 Tage lang darf sich der FC St. Pauli schon so nennen, mindestens bis zum zweiten März-Wochenende 2019 bleibt Hamburg weiter braun-weiß. Im Februar 2011 hatte Gerald Asamoah im Volkspark das Derby zugunsten der Gäste entschieden.

Bis heute war das übrigens der letzte Bundesliga-Sieg des FC St. Pauli, der damals im Anschluss nur noch einen einzigen Punkt aus den verbleibenden zwölf Saisonspielen holte, als Tabellenletzter abstieg und den HSV damals schamvoll im Fußball-Oberhaus zurückließ.

Mancher behauptet gar, allein dieses Tor erkläre die Vehemenz, mit der der HSV in den Folgejahren auf den Abstieg hingearbeitet habe. Um irgendwie die Chance zu bekommen, sich diesen Titel zurückzuholen. Wo waren Sie, als Asamoah traf? Wer es mit einem dieser beiden Klubs hält, kann auf diese Frage ohne Bedenkzeit antworten.

Die Neuauflage am Sonntag wird niemandem im Gedächtnis bleiben, auch wenn der Rahmen erstklassig war. St. Paulis Philipp Ziereis: “Es war absolut geil, die Stimmung war überragend.” Zumindest, bis die 57.000 Zuschauer begriffen hatten, für welche Art Fußball sie teure Eintrittskarten erworben hatten. Andererseits, wer zum Derby geht, den locken vor allem die Emotionen.

Nervös war die Stimmung gewesen in der Stadt. Ein Überfall auf eine Gruppe von HSV-Fans, die eine Choreografie bastelte, in der Stadt aufgehängte Strohpuppen im St. Pauli-Look. Ein Stinkbombenangriff am S-Bahnhof Bahrenfeld, wo die Mehrheit der Gästefans ankam. Einiges normale Derby-Folklore, einiges leider auch darüber hinaus. Die Polizei war mit 1500 Kräften im Einsatz, gemessen an den Befürchtungen blieb es aber ruhig. Auch abseits des Rasens.

Magdeburgs erster Sieg:HSV und St. Pauli einigen sich auf Remis

Es war vor allem in der erste Hälfte mehr ein Spiel, das keiner verlieren wollte, als eins, das jemand gewinnen wollte. “Beide Mannschaften waren damit beschäftigt, kein Tor zu kassieren”, sagte Khaled Narey. Dem desaströsen HSV-Auftritt gegen Regensburg folgten nun zwei betont seriöse torlose Remis.

“Man kann den Eindruck haben, dass auch die Leichtigkeit im Offensivspiel abhandengekommen ist”, sagte Trainer Christian Titz, dem klar ist, dass nach nur zwei Punkten aus den vergangenen Spielen wieder gemurrt wird. 14 Punkte, vorübergehend Platz drei, noch ist die Saison lang. Es bleibt die Erkenntnis: Der HSV hat auch in der zweiten Liga Probleme, sich gegen tiefstehende Gegner klare Torchancen herauszuspielen. Wer aufsteigen will, muss allerdings Spiele gewinnen.

Lewis Holtby war nach dem Spiel wütend. Er war der einzige Spieler, den auch noch die Journalisten in der dritten und vierten Reihe in der Interviewzone verstanden. Nach drei torlosen Spielen jetzt gleich wieder alles in Frage stellen? “In einem Spiel bist du der Heilsbringer, und dann wird wieder draufgehauen”, sagte Holtby, der monierte, dass “viel Negatives von außen kommt, und das macht mich so aggressiv”. Der HSV habe schließlich viele junge Spieler, “und die kriegen das doch alles mit.” Und jetzt? “Ruhe bewahren, Fresse halten, weiter arbeiten”, so Holtby.

Geduld, die Tore würden schon fallen, glaubt HSV-Torwart Julian Pollersbeck. “Wir haben da vorn fünf oder sechs Wahnsinnsleute”, so Pollersbeck, der seinem Team mit einer Rettungstat in der Nachspielzeit zumindest einen Punkt bewahrt hatte: “Das sah spektakulärer aus, als es war.” Cenk Sahin hatte aus 35 Metern gelupft und fast wäre sein Ball just in jenem Tor gelandet, in das Asamoah vor sieben Jahren getroffen hatte.

2011, war der HSV noch eine große Nummer, hatte wirklich Wahnsinnsleute und immerhin zweimal in Folge in einem europäischen Halbfinale gestanden. Die Rollen waren klar verteilt, in einer Mannschaft startete Ruud van Nistelrooy, in der anderen – bei allem Respekt – Ralph Gunesch. Erstaunlich ist vor allem, dass die Erwartungshaltung beim HSV unverändert hoch ist. Ein Sieg war fest eingeplant. St. Pauli hat dabei nur einen Punkt weniger geholt in dieser Saison.

“Probiert es noch so verzweifeifelt (sic!), unsere Größe ist in Stein gemeißelt.” Das stand auf der Choreografie in der Nordkurve. Darüber thronten die größten Helden der Vereinsgeschichte, mit all den Trophäen, die der Klub in einem anderen Jahrtausend mal gewonnen hat. Wer in der Gegenwart keine Identität findet, sucht halt in der Vergangenheit. So kommt man nie in der zweiten Liga an. Vielleicht bekommt man so aber immerhin mehr als nur eine weitere Chance, die Stadtmeisterschaft zurückzugewinnen.

Hamburger SV – FC St. Pauli 0:0 Hamburg: Pollersbeck – Sakai, Bates, van Drongelen, Santos – Janjicic, Mangala – Hwang (65. Narey), Holtby, Hunt (53. Ito) – Arp (72. Lasogga) St. Pauli: Himmelmann – Dudziak, Ziereis, Avevor, Buballa – Flum (83. Zehir), Knoll – Sahin, Buchtmann, Möller Daehli (76. Neudecker) – Diamantakos (73. Veerman) Schiedsrichter: Markus Schmidt Gelbe Karten: Arp, Janjicic / Buchtmann, Sahin, Flum Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)