Hamburg bleibt braun-weiß
HSV gegen St. Pauli: Hamburg bleibt braun-weiß
Früh wie nie machten sich Fans beider Lager auf den Weg zum Stadion. Bereits zwei Stunden vor Anpfiff sind die Straßen auf dem Weg zum Stadion voll. Mehrere hundert St. Pauli marschierten geschlossen zu den Landungsbrücken. Das Wichtigste: Alles friedlich!

Auch die Brücken zum Stadion sind von der Polizei gesichert, damit keine Gegenstände runtergeworfen werden können.

HSV – St. Pauli. Sonntag steigt das erste Zweitliga-Duell in der Hamburger Fußball-Geschichte. Wer ist die Nummer 1 in der Stadt?

Lewis Holtby, der nach 53 Minuten von Aaron Hunt die Binde übernahm, erklärte: “Der eine Punkt fühlt sich nicht gut an. Hinten standen wir stabil, aber vorne müssen wir konsequenter und kreativer sein. Wir wollten unbedingt gewinnen. Das hat leider nicht geklappt. Ich hätte heute natürlich lieber mit den Fans gefeiert.” In die gleiche Kerbe schlug auch sein Trainer. “Die Enttäuschung überwiegt deutlich, wir wollten hier heute unsere Fans mit einem Heimsieg gegen St. Pauli belohnen – und natürlich uns selbst. Man muss aber auch sagen, dass wir heute nach vorne wenig kreiert haben”, so der 47-Jährige.

Wer ist die Nr. 1 in der Stadt? Für Fans des FC St. Pauli ist das keine Frage von Liga-Zugehörigkeit oder Tabellenplatz. Ein Kommentar.

“Beide Mannschaften haben versucht, zu null zu spielen. St. Pauli stand sehr tief. Es war schwer, da durchzukommen”, gestand Innenverteidiger Rick van Drongelen, der wie in Fürth neben David Bates im Abwehrzentrum agierte. Ganz vorne warf Titz erstmals Fiete Arp rein, der zuvor lediglich zweimal spät als Joker zum Zug gekommen war. Gegen St. Pauli hing der 18-Jährige in der Luft, wurde nicht mit Bällen gefüttert und fiel eigentlich nur durch sein Temperament auf.

Die Polizei fahndet nach 17 Fußball-Krawallos, die am letzten Spieltag der vergangenen Bundesliga-Saison Pyros aufs Spielfeld warfen.

Kaum vorstellbar, was dann losgewesen wäre im mit 57.000 Zuschauern ausverkauften Volksparkstadion, das auch so nach Schlusspfiff die Mannschaft mit Pfiffen verabschiedete. Das 0:0 war in jedem Fall kein Schritt nach vorne: Erstmals ist der HSV unter Trainer Christian Titz nun dreimal in Folge sieglos, dazu kommen drei Spiele in Serie ohne ein eigenes Tor. Und drei Hamburger Derbys in Folge ohne HSV-Sieg? Das hatte es zuvor noch nie gegeben.

Das Derbyfieber vor dem Hamburger Stadtduell zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli (Sonntag, 13.30 Uhr) hat auch Ralf Becker (48) gepackt. Der HSV-Sportvorstand war schwer beeindruckt vom Schulterschluss der Fans mit ihrer Mannschaft am Samstag.

Geschichten der ersten 32 Derby-Jahre: Als eine Eintrittskarte nur 50 Pfennig kostete

Rund 3000 Anhänger pilgerten zum Abschlusstraining in den Hamburger Volkspark, feuerten das Team während der Einheit unentwegt mit Sprechchören und Gesängen an. Becker: Das war eine tolle Einstimmung auf die Partie. Besonders für alle Nicht-Hamburger im Team zeigt das, welche Wertigkeit das Spiel für die Fans hat.

Zuletzt ein 0:0 in Fürth, davor ein 0:5 gegen Regensburg: HSV-Trainer Christian Titz stand heute im Derby gegen den FC St. Pauli unter maximalem Druck. Gereicht hat es nur für ein Remis.

Über acht Jahre spielt Fiete Arp (18) jetzt beim HSV. Für ihn ist das Derby gegen St. Pauli ganz besondere Motivation.

Man merkt: Beim ersten Duell seit siebeneinhalb Jahren steht für beide Klubs unglaublich viel auf dem Spiel. Beide wollen die Partie unter keinen Umständen verlieren. Ergebnis: viel Kampf, viel Leidenschaft – aber kaum Chancen. Für den HSV vergibt Hwang die beste Chance (60./aus fünf Metern vorbei). St. Pauli schafft in der Nachspielzeit fast das 0:1, aber Pollersbeck entschärft bei einem Konter einen Sahin-Schuss aus 45 Metern gerade so (90.+2.).

Nächster Dämpfer: HSV verpasst Sieg im Derby gegen St. Pauli

HSV gegen St. Pauli: Wie sicher ist das Derby? Hat Arp bei seinem Post nicht nachgedacht? Wer fliegt für Hwang? Wer stürmt bei Pauli?

Immerhin: Beim Risiko-Spiel bleibt es vor und während der 90 Minuten in der Stadt und im Stadion weitestgehend ruhig. Lediglich ein HSV-Fan wurde wegen Passiv-Bewaffnung und Pyrotechnik im Auto in Gewahrsam genommen. Vor Anpfiff fackelten die St.-Pauli-Anhänger einige Bengalos ab.

Endlich wieder ein Hamburger Duell, nach siebeneinhalb Jahren Pause – und dann das: St. Pauli ist mit einem 0:0 weiter der letzte Derbysieger. Der HSV wirkt verunsichert, Lewis Holtby platzte später der Kragen.

Die Negativ-Serie des HSV geht weiter! Der Absteiger bleibt zum dritten Mal in Folge ohne Tor, wartet in dieser Zeit auf einen Sieg. Und seit 16 Jahren auf einen Pflichtspiel-Erfolg gegen St. Pauli! In der Zwischenzeit gab es drei Duelle – 1:1, 0:1 und jetzt 0:0.

Das Derby in Hamburg: 1800 Polizisten und ein paar Idioten

Jahrgang 1978, studierte Rechts-, Politikwissenschaft & Soziologie in Hamburg und Hagen. Journalistenschule in Berlin. Anschließend Redakteur bei sportal.de, Redakteur und CvD bei sportdigital in Hamburg, Autor für verschiedene Print- und Online-Medien. Seit Februar 2015 freie Mitarbeit, seit Juli 2017 Redakteur im Sportressort von SPIEGEL ONLINE.

Seit Wochen ausverkauft. Vierstellige Ticketpreise auf dem Schwarzmarkt. Bürgermeister im Stadion. Fan-Ansprache beim HSV-Abschlusstraining. Fan-Marsch der St. Pauli-Anhänger zum Volksparkstadion. 5,50 Euro (!) für ein großes Bier.

St. Paulis Trainer machte nach dem Derby überhaupt keinen Hehl aus seinem destruktiven Plan. “Wir wollten den fußballerischen Schlagabtausch vermeiden”, sagte Markus Kauczinski. Die Taktik der defensivstarken Gäste ging auf, für die 57.000 Zuschauer wurde es allerdings ein zäher Zweitliga-Sonntagnachmittag.

Nach dem Spiel lästert St.-Pauli-Profi Christopher Buchtmann (26) beim NDR: Natürlich ist man zufrieden, wenn man einen Punkt im Volksparkstadion holt. Du bist hier, wie alle so schön sagen, beim großen HSV. Davon habe ich heute nicht so viel gesehen.

90 Minuten verteidigte St. Pauli konzentriert. 90 Minuten mühte sich der Hamburger SV nach Kräften, klare Abschlusssituationen herauszuspielen oder – mit zunehmender Spieldauer – zumindest irgendwie zu erzwingen. “Wir wussten, sie haben damit Probleme”, sagte St. Paulis Christopher Buchtmann. Ein fußballerisch enttäuschendes Stadtderby endete mit dem einzig angemessenen Ergebnis: 0:0.

Auch wenn es keinen Sieger gab: St. Pauli bleibt “Stadtmeister”. Das ist natürlich kein richtiger Titel – außer für den Klub, der ihn gerade tragen darf. Exakt 2783 Tage lang darf sich der FC St. Pauli schon so nennen, mindestens bis zum zweiten März-Wochenende 2019 bleibt Hamburg weiter braun-weiß. Im Februar 2011 hatte Gerald Asamoah im Volkspark das Derby zugunsten der Gäste entschieden.

Aber: Auch St. Pauli trägt seinen schlechten Teil dazu bei. Trotzdem können die Kiez-Kicker (seit drei Spielen ungeschlagen) besser mit dem Punkt leben.

HSV gegen den FC St. Pauli: So lief das Hamburger Stadtderby

Bis heute war das übrigens der letzte Bundesliga-Sieg des FC St. Pauli, der damals im Anschluss nur noch einen einzigen Punkt aus den verbleibenden zwölf Saisonspielen holte, als Tabellenletzter abstieg und den HSV damals schamvoll im Fußball-Oberhaus zurückließ.

Lewis Holtby (28): Wir sollten jetzt nicht alles infrage stellen. Das wäre absoluter Nonsens. Wir müssen die Ruhe bewahren und die Fresse halten.

Mancher behauptet gar, allein dieses Tor erkläre die Vehemenz, mit der der HSV in den Folgejahren auf den Abstieg hingearbeitet habe. Um irgendwie die Chance zu bekommen, sich diesen Titel zurückzuholen. Wo waren Sie, als Asamoah traf? Wer es mit einem dieser beiden Klubs hält, kann auf diese Frage ohne Bedenkzeit antworten.

Foto: imago/Claus Bergmann Hamburg – Dämpfer im Derby, wieder kein Sieg: Der Hamburger SV hat seinen Negativlauf auch im 100. Stadtduell gegen den FC St. Pauli nicht gestoppt. Die Mannschaft von Trainer Christian Titz musste sich im Heimspiel gegen den Erzrivalen mit einem 0:0 begnügen und blieb in der zweiten deutschen Liga zum dritten Mal hintereinander sieg- und torlos. Zuletzt gab es bei Greuther Fürth ein 0:0, davor ein 0:5 zuhause gegen Regensburg.

Die Neuauflage am Sonntag wird niemandem im Gedächtnis bleiben, auch wenn der Rahmen erstklassig war. St. Paulis Philipp Ziereis: “Es war absolut geil, die Stimmung war überragend.” Zumindest, bis die 57.000 Zuschauer begriffen hatten, für welche Art Fußball sie teure Eintrittskarten erworben hatten. Andererseits, wer zum Derby geht, den locken vor allem die Emotionen.

Nervös war die Stimmung gewesen in der Stadt. Ein Überfall auf eine Gruppe von HSV-Fans, die eine Choreografie bastelte, in der Stadt aufgehängte Strohpuppen im St. Pauli-Look. Ein Stinkbombenangriff am S-Bahnhof Bahrenfeld, wo die Mehrheit der Gästefans ankam. Einiges normale Derby-Folklore, einiges leider auch darüber hinaus. Die Polizei war mit 1500 Kräften im Einsatz, gemessen an den Befürchtungen blieb es aber ruhig. Auch abseits des Rasens.

Es war vor allem in der erste Hälfte mehr ein Spiel, das keiner verlieren wollte, als eins, das jemand gewinnen wollte. “Beide Mannschaften waren damit beschäftigt, kein Tor zu kassieren”, sagte Khaled Narey. Dem desaströsen HSV-Auftritt gegen Regensburg folgten nun zwei betont seriöse torlose Remis.

“Man kann den Eindruck haben, dass auch die Leichtigkeit im Offensivspiel abhandengekommen ist”, sagte Trainer Christian Titz, dem klar ist, dass nach nur zwei Punkten aus den vergangenen Spielen wieder gemurrt wird. 14 Punkte, vorübergehend Platz drei, noch ist die Saison lang. Es bleibt die Erkenntnis: Der HSV hat auch in der zweiten Liga Probleme, sich gegen tiefstehende Gegner klare Torchancen herauszuspielen. Wer aufsteigen will, muss allerdings Spiele gewinnen.

Lewis Holtby war nach dem Spiel wütend. Er war der einzige Spieler, den auch noch die Journalisten in der dritten und vierten Reihe in der Interviewzone verstanden. Nach drei torlosen Spielen jetzt gleich wieder alles in Frage stellen? “In einem Spiel bist du der Heilsbringer, und dann wird wieder draufgehauen”, sagte Holtby, der monierte, dass “viel Negatives von außen kommt, und das macht mich so aggressiv”. Der HSV habe schließlich viele junge Spieler, “und die kriegen das doch alles mit.” Und jetzt? “Ruhe bewahren, Fresse halten, weiter arbeiten”, so Holtby.

Hamburg-Derby endet im Remis:Polizei zufrieden, HSV frustriert

Geduld, die Tore würden schon fallen, glaubt HSV-Torwart Julian Pollersbeck. “Wir haben da vorn fünf oder sechs Wahnsinnsleute”, so Pollersbeck, der seinem Team mit einer Rettungstat in der Nachspielzeit zumindest einen Punkt bewahrt hatte: “Das sah spektakulärer aus, als es war.” Cenk Sahin hatte aus 35 Metern gelupft und fast wäre sein Ball just in jenem Tor gelandet, in das Asamoah vor sieben Jahren getroffen hatte.

2011, war der HSV noch eine große Nummer, hatte wirklich Wahnsinnsleute und immerhin zweimal in Folge in einem europäischen Halbfinale gestanden. Die Rollen waren klar verteilt, in einer Mannschaft startete Ruud van Nistelrooy, in der anderen – bei allem Respekt – Ralph Gunesch. Erstaunlich ist vor allem, dass die Erwartungshaltung beim HSV unverändert hoch ist. Ein Sieg war fest eingeplant. St. Pauli hat dabei nur einen Punkt weniger geholt in dieser Saison.

Nullnummer im Volkspark: Ein Derby zum Vergessen

“Probiert es noch so verzweifeifelt (sic!), unsere Größe ist in Stein gemeißelt.” Das stand auf der Choreografie in der Nordkurve. Darüber thronten die größten Helden der Vereinsgeschichte, mit all den Trophäen, die der Klub in einem anderen Jahrtausend mal gewonnen hat. Wer in der Gegenwart keine Identität findet, sucht halt in der Vergangenheit. So kommt man nie in der zweiten Liga an. Vielleicht bekommt man so aber immerhin mehr als nur eine weitere Chance, die Stadtmeisterschaft zurückzugewinnen.

Hamburger SV – FC St. Pauli 0:0 Hamburg: Pollersbeck – Sakai, Bates, van Drongelen, Santos – Janjicic, Mangala – Hwang (65. Narey), Holtby, Hunt (53. Ito) – Arp (72. Lasogga) St. Pauli: Himmelmann – Dudziak, Ziereis, Avevor, Buballa – Flum (83. Zehir), Knoll – Sahin, Buchtmann, Möller Daehli (76. Neudecker) – Diamantakos (73. Veerman) Schiedsrichter: Markus Schmidt Gelbe Karten: Arp, Janjicic / Buchtmann, Sahin, Flum Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)