In Halle ist zukünftig ein spezielles Fahrzeug “Felix” für den Transport von Frühchen und kranken Säuglingen im Einsatz.

Halle (dpa) l Halle bekommt einen speziellen Baby-Notarztwagen. Die Björn Steiger Stiftung stellt das Fahrzeug mit dem Namen “Felix” der Stadt und den Hilfsorganisationen zur Verfügung. Ziel ist, Frühchen und kranke Säuglinge sicher und schonend ans Ziel zu bringen. Das Fahrzeug werde die Universitäts-Kinderklinik sowie die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara ansteuern, hieß es vor der feierlichen Übergabe an diesem Dienstag.

Im wenig entfernten Leipzig gibt es einen solchen besonderen Notarztwagen schon seit April 2017. Er verfügt über ein spezielles Dämpfungssystem, um Vibrationen, Bodenwellen und Schlaglöcher auszugleichen. Die Babys werden quer zur Fahrtrichtung transportiert, was den Angaben zufolge für die Neugeborenen wesentlich sicherer ist. In Leipzig hatte das Spezialfahrzeug den Angaben der Steiger Stiftung im ersten Jahr 181 Einsätze absolviert.

Schlagwörter zum Thema: Sachsen-Anhalt | Baby | Frühgeborene | Frühchen | Kinderarzt | Notfälle |

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Etwa jedes elfte Kind kommt zu früh zur Welt. Der Transport der Frühchen ist heikel, häufig müssen sie in Spezialkliniken verlegt werden. In und um Halle können Frühchen nun sicher und schonend transportiert werden – mit einem Geschenk einer Stiftung: dem 250.000 Euro teuren Baby-Notarztwagen "Felix".

Schlaglöcher dringen nicht zum Kind durch, es wird für mehr Sicherheit quer zur Fahrtrichtung transportiert und die Temperatur des Brutkastens kann ohne Probleme angepasst werden: Ein Baby-Notarztwagen, der genau das kann, ist am Dienstag in Halle übergeben worden.

Der Notarztwagen “Felix” wird künftig im Süden-Sachsen-Anhalts bei Frühchentransporten oder Verlegungen in Spezialkliniken im Einsatz sein. Er kostet rund 250.000 Euro, wobei Wagen und Wartung ausschließlich aus Spenden finanziert werden: Er ist ein Geschenk der Björn Steiger Stiftung aus Baden-Württemberg.

Der Notarztwagen ist komplett auf die Bedürfnisse von zu früh geborenen Kindern ausgelegt. So löst zum Beispiel jegliche Geräuschkulisse bei Frühchen immensen Stress aus, erst recht beim Autofahren. “Auf Frühchen-Stationen gilt die Regel, dass es nicht lauter als 60 Dezibel werden darf – und das ist Flüsterton”, sagte Pierre-Enric Steiger von der Björn Steiger Stiftung MDR SACHSEN-ANHALT. “Dieses Level erreichen wir tatsächlich in diesem Fahrzeug. Es ist ganz speziell schallgedämpft.” Zudem gibt es zusätzlich eine Dämpfung unter dem Kind, sodass Schlaglöcher komplett abgefedert werden – “dass das Kind wie auf einer Wolke getragen während der Fahrt transportiert werden kann.”

Dem Stiftungs-Präsidenten Pierre-Enric Steiger liegt das Schicksal von Kindern besonders am Herzen, seit sein Bruder Björn im Alter von acht Jahren gestorben ist – was hätte verhindert werden können. Ein Auto fuhr seinen Bruder auf dem Heimweg vom Schwimmbad an. “Er war gar nicht schwer verletzt, aber er hat einen Schock erlitten und hat eigentlich Sauerstoff oder eine Infusion gebraucht. Es hat damals eine Stunde gedauert, bis ein Krankenwagen kam, der medizinisch aber gar nicht ausgestattet war”, so Pierre-Enric Steiger. Auf dem Weg ins Krankenhaus sei sein Bruder dann verstorben.

Er war gar nicht schwer verletzt, aber er hat einen Schock erlitten und eigentlich Sauerstoff gebraucht.

Der Unfall fand bereits 1969 statt. Die Eltern der beiden Söhne haben noch im selben Jahr die Stiftung gegründet und nach dem verstorbenen Sohn benannt.

Die Stiftung Die Björn Steiger Stiftung hat das Ziel, die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind beispielsweise die Einführung des bundesweiten, kostenfreien Notrufs 110/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Straßen, die Einführung des Sprechfunks im Krankenwagen und der Aufbau der Luftrettung. Quelle: Björn Steiger Stiftung

Der neue hallesche Baby-Notartzwagen wird die Universitäts-Kinderklinik Halle sowie die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara ansteuern. So können Frühchen und kranke Säuglinge sicher ans Ziel gebracht werden, ohne, dass gleich ein Hubschrauber zum Einsatz kommen muss. Die Vorteile des Babynotarztwagens kennt Dr. Ludwig Patzer, Chefarzt der Kinderklinik im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara: “Er ist natürlich geräumiger. Es können mehr betreuende Ärzte bzw. Kinderkrankenschwestern mitfahren.” Zwar sei ein Hubschrauber schneller, “aber er fliegt nicht bei jedem Wetter und hat ein viel höheres Schwingungsverhalten”. Das kann wieder gefährlich für die kleinen Patienten werden.

In Leipzig, Chemnitz und Oldenburg sind die hochmodernen “Felix”-Notarztwagen schon im Einsatz. 2018 wurden sie nach Angaben der Björn Steiger Stiftung für insgesamt 332 Fahrten gebraucht. Dabei legten sie rund 34.500 Kilometer zurück. Halle ist nun der vierte Standort, von dem aus das südliche Sachsen-Anhalt angesteuert werden soll, aber auch Spezialkliniken in Niedersachsen und Sachsen.

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