Rocker-Prozess in Hagen gestartet - WDR Nachrichten
Prozess in Hagen: Bandido (31) soll auf Rocker-Rivalen gefeuert haben
Video starten, abbrechen mit Escape Rockerkrieg in Hagen vor Gericht | 01:53 Min. | Verfügbar bis 25.03.2020 | Von Franz Altrogge

Wegen versuchten Mordes und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr hat am Montagvormittag (25.03.2019) vor dem Hagener Landgericht der Prozess gegen ein Mitglied der Rockergruppe “Bandidos” begonnen. Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Die wichtigste Zeugin fehlte zu Prozessbeginn wegen einer depressiven Angststörung.

Das Gericht hatte hohe Sicherheitsauflagen verfügt. Rockersymbole im Gerichtsgebäude und einige hundert Meter um das Gebäude herum waren verboten. Es gab penible Einlasskontrollen und Durchsuchungen der Besucher.

Audio starten, abbrechen mit Escape Hagener Rockerkrieg vor Gericht WDR Studios NRW | 25.03.2019 | 00:25 Min.

Die Szenerie im Herbst 2018 sah nach einem regelrechten Bandenkrieg aus. Drei Mitglieder der “Freeway-Riders” fuhren Mitte Oktober in einem Auto auf einer Hagener Schnellstraße. Der Angeklagte und ein bisher unbekannter Komplize sollen sie mit einem Cabrio überholt und vier Schüsse abgegeben haben.

Die Insassen blieben unverletzt. Die Schüsse sollen ein Racheakt gewesen sein. Nur eine Woche zuvor sollen Mitglieder der “Freeway-Riders” auf “Bandidos” vor einem Café geschossen haben.

Nach Angriff in Herne – Fünf Rocker festgenommen | mehr Polizei durchsucht mit Großaufgebot Rocker-Vereinsheim | mehr Neuer Abschnitt Stand: 25.03.2019, 12:36

Hagen – Der Bandido-Rocker (31) gibt im Gericht den Saubermann: Er trägt ein gebügeltes, weißes Hemd, gleich vier Verteidiger sollen beweisen, dass er auch eine blütenweiße Weste hat.

Denn das sieht die Staatsanwaltschaft ganz anders: Die Anklage gegen Abdulla Ü. lautet auf versuchten Mord! Unter starkem Polizeischutz hat am Montagmorgen in Hagen ein erster Prozess um den Rockerkrieg zwischen Bandidos und den Freeway-Riders begonnen.

#Rocker-Prozess in #Hagen +++ Strenge Sicherheitskontrollen auch vor dem Sitzungsaal. pic.twitter.com/876qPayAKJ

Der Angeklagte (millimeterkurze Haare, Vollbart, Bandido-Tätowierung am Handgelenk) soll am 13. Oktober 2018 in Hagen mit einem Komplizen einen Mordanschlag verübt haben.

Laut Anklage fuhr das Duo in Hagen mit einem Mercedes-Cabrio über den Autobahnzubringer. Als die beiden einen BMW sahen, in dem verfeindete Riders-Rocker saßen, griff einer der beiden Männer zur Waffe. Aus dem fahrenden Auto wurden mindestens vier Schüsse abgegeben. Einer traf den Tankdeckel, verletzt wurde niemand, so der Staatsanwalt.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot am Gericht erschienen, um auf Übergriffe von Rockern vorbereitet zu sein.

Die Mordkommission konnte den Komplizen nicht ermitteln. Abdulla Ü. machte vor Gericht von seinem Schweigerecht Gebrauch. Er bestreitet die Tat, sagt Reinhard Peters (66), einer seiner Anwälte.

Doch dummerweise konnten Polizisten dank der Kriminaltechnik Schmauchspuren an ihm sichern – das dürfte beweisen, dass zumindest in seiner Nähe eine Waffe abgefeuert worden ist. Und außerdem gibt es da noch eine Zeugin.

Michelle G. (29) saß im BMW und will den Angeklagten erkannt haben. Eigentlich sollte sie am Montag schon aussagen. Doch wegen einer schweren Angststörung war sie krankgeschrieben. Der Richter teilte mit, dass mit einer Aussage der Zeugin demnächst aber zu rechnen sei.

Ein SEK hat am Dienstagmorgen in Hagen Carlo T. (44), den Chef der dortigen Bandidos, festgenommen. Es geht um versuchten Totschlag!

Gegen den Mann auf der Anklagebank besteht übrigens noch ein weiterer Untersuchungs-Haftbefehl: Er soll noch in eine weitere Rocker-Auseinandersetzung verstrickt sein.