Hartz-IV-Betrug – 121 000 Euro durch Kontrollen gespart
Hartz-IV-Betrug – 121 000 Euro durch Kontrollen gespart
Der Rechtsanwalt Thomas Lange hat ein klares Feindbild: Der Jurist zieht massiv gegen die Jobcenter zu Felde. Und überschüttet sie mit Widersprüchen gegen Hartz-IV-Entscheidungen. Mit massiven Folgen: Thomas Lange wurde aus der Rechtsanwaltschaft ausgeschlossen. Ein einmaliger Fall in Deutschland.

Die Aufsicht wirft Rechtsanwalt Thomas Lange vor, zu viele Klagen geführt zu haben, wie die Welt am Sonntag berichtet. Dabei ging es gegen Hartz-IV-Entscheidungen der Jobcenter. Lange erhob Widerspruch gegen die Bescheide. Im nächsten Schritt überzog Lange die Sozialgerichte mit Klagen. Den Kampf für seine Mandanten steuert Lange aus seinen Kanzleien im brandenburgischen Calau, in Celle, Finsterwalde, Grossräschen, Bremerhaven und Wolgast. Schon seit dem Jahr 2010 hat er Hartz IV als lukratives Geschäftsfeld entdeckt.

Wenn in den Verfahren alles gutging, bekam der Mandant Geld vom Amt und Anwalt Lange sein Honorar aus der Staatskasse. Der Hartz-IV-Spezialist bereitete sich offensichtlich gut vor, seine Erfolgsquote lag zeitweilig bei 40 Prozent.

Langes Aktivitäten – oder seine Erfolge? – stießen bei Standeskollegen auf massive Kritik. Dass der Anwalt mit Wohnort in Nähe des Spreewaldes massenhaft Rechtsmittel einlegte, widerspreche den anwaltlichen Standesprinzipien, monierten manche

In den Medien galt Lange als Behörden-Lahmleger, weil Gerichte gegen die Flut seiner juristischen Invektiven nicht mehr ankamen. Außerdem polemisierte Lange gegen Richter und Behörden.

Fast 28 000 Menschen in Hagen leben von Hartz IV – ein knappes Zehntel kommt aus Südosteuropa. Foto: Jens Büttner