Göttingen: Staatsanwaltschaft klagt 19-Jährigen an - NDR.de
Wohnungsnachbarn im Wahn erstochen: 31-Jähriger muss dauerhaft in Psychiatrie | Göttingen
Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat gegen einen 19-jährigen Anklage wegen Totschlags erhoben. Der junge Mann soll Anfang Dezember in der Innenstadt einen 28 Jahre alten Göttinger getötet haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass es gegen Mitternacht zum Streit gekommen war. Dabei soll der Beschuldigte sein späteres Opfer erst geschlagen und dann mit einem Klappmesser erstochen haben. Der Verdächtige sitzt in Untersuchungshaft und schweigt zu den Vorwürfen.

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Zehn Monate nach dem gewaltsamen Tod eines 28-jährigen Sudanesen in einem Wohnkomplex im Göttinger Hagenweg hat das Landgericht Göttingen am Montag das Urteil gegen den mutmaßlichen Täter verkündet.

Der ebenfalls sudanesische Beschuldigte muss dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Der 31-Jährige leide an einer dauerhaften psychischen Erkrankung und stelle aufgrund seiner wahnhaften Störung unbehandelt eine Gefahr für die Allgemeinheit dar, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz.

Das Gericht sah es nach der mehrmonatigen Beweisaufnahme als erwiesen an, dass der 31-Jährige Anfang Juni vergangenen Jahres seinen Wohnungsnachbarn mit einem Messer angegriffen und tödlich verletzt hatte. Nach Überzeugung der Kammer handelte er dabei mit direktem Tötungsvorsatz: „Er hat sich von dem Opfer verfolgt gefühlt und wollte dem ein Ende setzen“, sagte Jakubetz.

In dem Prozess schilderten mehrere Zeugen, die ihn an seinem früheren Aufenthaltsort in einer Flüchtlingsunterkunft in Bad Fallingbostel kennengelernt hatten, dass sich der 31-Jährige in Göttingen stetig verändert habe. Er sei unfreundlicher und abweisender geworden, habe nicht einmal mehr gegrüßt.

Im Juni begegnete der Beschuldigte im Asylbewerberheim im Göttinger Hagenweg einem 28-Jährigen Landsmann, den der 31-Jährige zuvor unter anderem der Vergewaltigung bezichtigt hatte. Er habe sieben Mal mit einem Messer auf sein Opfer eingestochen, sagte der Richter. Ein Stich drang 13,5 Zentimeter tief in den Körper ein, durchtrennte eine Rippe, eröffnete die Brusthöhle und durchstieß das Herz. Trotz notärztlicher Behandlung verstarb der 28-Jährige am Tatort. Zuvor hatte er noch den Vornamen des Beschuldigten genannt.

Der 31-Jährige hatte sich nach der Tat zur Polizei begeben. Dort gab er an, in Notwehr gehandelt zu haben, da der 28-Jährige ihn zuvor mit einem Messer angegriffen habe. Das Gericht glaubte ihm allerdings nicht. Die Art der Verletzungen sprächen gegen diese Version, ebenso der Umstand, dass das Tatmesser nie gefunden wurde. Das Gericht entsprach mit seiner Entscheidung dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte argumentiert, dass die Notwehr-Version des Beschuldigten nicht widerlegt worden sei.  pid

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