\
Weltraummission: Wir werden auf dem Mars landen – komme, was da wolle
Die Sonde “Insight” kommt in wenigen Tagen auf dem Mars an. Nasa-Wissenschaftschef Thomas Zurbuchen erklärt, warum man eine extra langweilige Landestelle ausgesucht hat.

Jahrgang 1979, geboren in Halle (Saale). Volontariat bei SPIEGEL ONLINE. Studium der Internationalen Beziehungen in Dresden, Lausanne, Berlin und Oslo. Arbeit u.a. beim MDR-Hörfunk und den Vereinten Nationen. Autor der Sachbücher “Arktisches Monopoly – Der Kampf um die Rohstoffe der Polarregion” (2009) und “Deutschlands verborgene Rohstoffe: Kupfer, Gold und Seltene Erden” (2012) sowie des Wissenschaftskrimis “Kalte Saat” (2016). Seit März 2008 Wissenschaftsredakteur im Hauptstadtbüro von SPIEGEL ONLINE, seit Oktober 2018 Reporter.

Bisher waren gerade einmal 40 Prozent der Marsmissionen erfolgreich — ob die für das Jahr 2020 angesetzte Mission funktioniert, ist daher nicht gewiss. Dennoch sind die Wissenschaftler zuversichtlich und überzeugt davon, dass die Mission ein neues Zeitalter von Marsmissionen einläuten wird, wie die Washington Post berichtet. Außerdem wollen die Wissenschaftler mit dieser Mission die Grundlagen setzen, um bald vielleicht sogar Menschen auf den Mars zu schicken. Der Rover wird sich dabei im Juli 2020 auf den Weg zum Mars machen und voraussichtlich im Februar 2021 landen. Für Anfang 2030 ist eine Rückkehr auf die Erde geplant, die Proben sollen jedoch weitaus früher auf der Erde untersucht werden. Ob damit der große Durchbruch gelingt, bleibt abzuwarten.

Am kommenden Montag um genau 20.53 Uhr Mitteleuropäischer Zeit sollte es soweit sein. Sollte, wie gesagt. Denn ob alles glattgehen wird, vermag niemand zu sagen. Schließlich sind nur rund 40 Prozent aller Forschungssonden, die Menschen jemals zum Mars geschickt haben, auch gut dort angekommen. Europäer und Russen zum Beispiel haben das vor zwei Jahren lernen müssen, als die Landung ihres “Schiaparelli”-Landeroboters spektakulär fehlschlug.

Die Frage, ob einst Leben auf dem Mars möglich war — oder ob es vielleicht sogar noch jetzt Leben auf dem Mars gibt, beschäftigt Forscher schon seit vielen Jahrzehnten. Nun könnten sie jedoch bald eine Antwort darauf bekommen. Mithilfe eines Marsrovers wollen Forscher der Nasa nun den Jezero-Krater auf dem Mars untersuchen — einem Gebiet nahe eines Flussdeltas. Bereits im Jahr 2021 soll der Roboter auf dem Mars landen und dabei Gesteinsproben sammeln, die anschließend auf der Erde untersucht werden, wie die Washington Post berichtet.

Doch wenn diesmal alles so funktioniert wie geplant, soll nun die Nasa-Sonde “Insight” auf dem Roten Planeten aufsetzen. Nach einem knapp sieben Minuten langen furiosen Ritt durch die Marsatmosphäre soll sie anschließend im Gebiet Elysium Planitia unweit des Mars-Äquators den geologischen Geheimnissen im Inneren des Planeten auf die Spur kommen.

“Insight” hat keine Räder, dafür aber ein unter französischer Führung entwickeltes Seismometer an Bord, das die von Marsbeben und Meteoriteneinschlägen ausgehenden Schockwellen aufzeichnet, wenn diese durch den Planeten laufen. Außerdem soll die Sonde auch selbst für Erschütterungen sorgen – und das tiefste je mit menschengemachter Technik in einem anderen Himmelskörper erzeugte Loch fabrizieren.

Dass sie jetzt kein Leben auf dem Mars finden, davon sind die Wissenschaftler jedoch überzeugt. Momentan ist die Oberfläche des Mars zu trocken und zu kalt und weist zu viel Strahlung auf, als dass dort Leben möglich wäre, so Farley. Doch der Mars war nicht immer so eine Wüste, wie er heute ist. Inaktive Vulkane deuten daraufhin, dass es einst Vulkanaktivität gab und Landformationen wie der ausgetrocknete Fluss zeigen, dass man einst Wasser dort finden konnte.

“Marsmaulwurf” nennen die Forscher scherzhaft die dafür in Deutschland erdachte und gebaute Apparatur namens “HP3”. Bis zu fünf Meter tief wird sich das Gerät in den Boden hämmern – um dort Temperatur und Wärmeleitfähigkeit des Untergrundmaterials zu messen. Das dritte Messgerät von “Insight” soll zusätzlich noch die Schwankungen der Polachse des Planeten aufzeichnen.

Im Interview verrät Nasa-Wissenschaftsdirektor Thomas Zurbuchen, welche Erkenntnisse man sich von der Mission erhofft – und warum der kleine Forschungsroboter gar keine Räder braucht.

Mit einem Gewicht von 358 Kilogramm ist InSight leichter als Curiosity (900 Kilogramm). Deshalb erspart man sich zumindest den Sky Crane. Das ist aber noch kein Garant für eine sichere Landung. 2016 sollte Schiaparelli, eine Sonde der ESA und Roscosmos, auf dem Mars landen. Die war ähnlich schwer und groß wie InSight. Bei der Landung sorgte ein Fehler in den Instrumenten dafür, dass der Fallschirm zu früh geöffnet wurde. Als Folge daraus zerschellte Schiaparelli bei der Bruchlandung. Die NASA selbst hat seit 1999 keine Sonde mehr bei einer Marslandung verloren. Der Polar Lander stürzte damals ab, weil die Bremstriebwerke zu früh ausgeschaltet wurden.

Es wird spannend. Wir werden am kommenden Montag auf dem Mars landen – komme, was da wolle, sagt Tom Hoffmann, der Projektmanager der InSight-Mission beim Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Kalifornien. Diese Landung wird glücken, oder nicht. Derzeit ist die Sonde der Gravitationskraft des Mars antriebslos ausgeliefert. Daran können wir nichts ändern, sagt Hoffmann. Niemand könne mehr von der Erde aus eingreifen. Wir können auch keine Extrarunde um den Mars drehen, falls im Landegebiet gerade ein Sandsturm toben sollte.

Die Wettervorhersage für Montagabend rund um die Äquatorgegend des Mars ist also die erste Unsicherheit. Dann geht es darum, dass InSight die Hitze beim Eintritt in die Marsatmosphäre übersteht. Wird sich der Bremsfallschirm öffnen? Und sich später plangemäß ablösen? Wird der Hitzeschild funktionieren? Selbst wenn es hier zu keinen Pannen kommt, wird sich Tom Hoffmann immer noch nicht entspannen können. Der sich dann anschließende freie Fall der Sonde macht mir als Missionsmanager richtig Angst – zu wissen, dass mein Raumschiff in Richtung Boden fällt. Aber die Sonde wird hoffentlich rechtzeitig ihre Bremsraketen zünden.

0 Es wird spannend. Wir werden am kommenden Montag auf dem Mars landen – komme, was da wolle, sagt Tom Hoffmann, der Projektmanager der InSight-Mission beim Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Kalifornien. Diese Landung wird glücken, oder nicht. Derzeit ist die Sonde der Gravitationskraft des Mars antriebslos ausgeliefert. Daran können wir nichts ändern, sagt Hoffmann. Niemand könne mehr von der Erde aus eingreifen. Wir können auch keine Extrarunde um den Mars drehen, falls im Landegebiet gerade ein Sandsturm toben sollte.

Mars-Wetter Eines der größten Hindernisse für die sichere Landung ist die Atmosphäre des Mars. Diese ist weniger als einhundertstel so dicht wie die Erdatmosphäre, aber dicht genug, damit sich eindringende Objekte stark erhitzen. Weil die Atmosphäre dünner ist, muss das Hitzeschild weniger massiv sein als bei einer Raumkapsel, die auf der Erde landen würde. Allerdings bedeutet die dünne Atmosphäre, dass ein Fallschirm auf dem Mars weniger effektiv als auf der Erde ist.

Die Wettervorhersage für Montagabend rund um die Äquatorgegend des Mars ist also die erste Unsicherheit. Dann geht es darum, dass InSight die Hitze beim Eintritt in die Marsatmosphäre übersteht. Wird sich der Bremsfallschirm öffnen? Und sich später plangemäß ablösen? Wird der Hitzeschild funktionieren? Selbst wenn es hier zu keinen Pannen kommt, wird sich Tom Hoffmann immer noch nicht entspannen können. Der sich dann anschließende freie Fall der Sonde macht mir als Missionsmanager richtig Angst – zu wissen, dass mein Raumschiff in Richtung Boden fällt. Aber die Sonde wird hoffentlich rechtzeitig ihre Bremsraketen zünden.

Weltraum-Fans wird die bevorstehende Landung von InSight an die von Curiosity erinnern. Damals wurde die Landung sieben Minuten Terror genannt. Curiosity musste ebenfalls mehrere Schritte exakt ausführen, um in kurzer Zeit viel Geschwindigkeit zu verlieren. Während die Fallschirme geöffnet und die Bremstriebwerke aktiv waren, musste der Rover noch mit einer Halterung, dem Sky Crane, am Ende des Falls heruntergelassen werden, um sicher zu landen.