Perverser Fußballtrainer aus Göttingen filmt Frauen heimlich beim Duschen
Kamera in Dusche: Fußballtrainer filmte Frauenteam
Eine Frauen-Fußballmannschaft ist in Sieboldshausen im Kreis Göttingen beim Duschen gefilmt worden. Nun gibt es einen Verdächtigen. Ausgerechnet dessen Frau hatte die versteckte Kamera entdeckt.

Aktualisiert um 18.35 Uhr. Bei dem Verdächtigen handelt sich offenbar um einen Fußballtrainer. Der Fall hatte im Oktober für Aufsehen im Kreis Göttingen gesorgt.

Fußballtrainer von eigener Frau als Voyeur enttarnt

Der Mann soll über einen längeren Zeitraum hinweg heimlich Filmaufnahmen in der Dusche eines Frauenteams gemacht haben, um seine voyeuristischen Neigungen zu befriedigen. Der Mann habe die Tat zugegeben, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen am Donnerstag. Ein vergleichbarer Fall sei seiner Behörde bisher nicht bekannt geworden.

Der 47-jährige Trainer eines Herren-Bezirksligisten, der früher selbst bei einem Fußball-Drittligisten gespielt hat, soll im Sporthaus eines anderen Clubs eine Kamera installiert haben, um gezielt Fußballerinnen beim Duschen zu filmen. Dabei handelt es sich um das Team, in dem auch die Ehefrau des 47-Jährigen spielt. Die versteckt angebrachte Kamera war dann ausgerechnet von der Frau des Verdächtigen entdeckt worden.

Die inzwischen sichergestellten Videos seien noch nicht vollständig ausgewertet worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Deshalb sei noch unklar, wie viele Frauen betroffen sind. Gegen den 47-Jährigen wurden Ermittlungen wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen" eingeleitet. Für Verstöße gegen den Paragrafen 201a des Strafgesetzbuches drohen bis zu zwei Jahre Haft oder Geldstrafe.

Der 47-Jährige sagte dem Göttinger Tageblatt, er habe schon seit längerer Zeit eine voyeuristische Neigung. Er nehme mittlerweile psychologische Hilfe in Anspruch. Seine Ämter und Funktionen im Fußball hat der Mann niedergelegt. In einer Pressemitteilung hat der Vorstand des Bezirksligisten bekanntgegeben, dass der Trainer entlassen worden sei.

Die Spanner-Affäre zieht weite Kreise bis in die Spitze des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV). Hans-Dieter Dethlefs, Vorsitzender des Fußball-Kreises Göttingen-Osterode, hat über den Sachverhalt mit der NFV-Spitze um den Vorsitzenden Günter Distelrath, NFV-Direktor Bastian Hellberg und Justitiar Walter Burghardt gesprochen. „So etwas muss publik gemacht werden“, sagt Dethlefs. „Erfreulich, dass derjenige so schnell gefasst wurde“, so Dethlefs. „Das ist eine Erleichterung für die Beteiligten.“ Der Fußball-Verband könne unterstützend tätig werden. Dethlefs sprach auch von einer Anlaufstelle für Beteiligte beim Verband.

Nach seinen Gesprächen mit den NFV-Oberen wird klar, dass es einen vergleichbaren Fall beim NFV noch nie gegeben hat. „So etwas war noch nie da“, sagt Dethlefs. Auch im Fußball-Bezirk Braunschweig habe man unter anderem mit dem Vorsitzenden Egon Trepke über die „Spanner-Affäre“ gesprochen, sagt Jörg Zellmer, Vorsitzender des Bezirks-Spielausschusses. 

„Den Klub kann man nicht an den Pranger stellen“, sagt der stellvertretende Bezirksvorsitzende Gerhard Dix. Er schloss aber nicht aus, dass betroffene Gast-Vereine noch etwas unternehmen werden. „Die Frauen haben sich belästigt gefühlt“, sagt Dix. Die Polizei arbeite das jetzt ab. „So einen Fall hatten wir noch nicht. Eine einmalige Geschichte.“ Gut, dass es so schnell aufgeklärt worden sei.

Zumindest indirekt betroffen ist Grone/Sieboldshausens Gegner Tuspo Weser Gimte, der am 7. Oktober mit 2:1 bei der SG gewann. Tuspo-Trainer Siggi Hüpsel: „Wir waren eine Woche, nachdem die Sache bekannt wurde, da.“ Man wisse natürlich nicht, wie lange die Kamera zuvor bereits installiert gewesen sei. Hüpsel hat mit seinem Frauen-Team darüber gesprochen. „Die Mädels waren schockiert“, berichtet Hüpsel von einem „komischen Gefühl“. Man werde sich aber vorbehalten, gegebenenfalls noch per Anzeige tätig zu werden, falls Tuspo-Spielerinnen in den Fall involviert sind. 

Hüpsel besprach sich zudem auch mit Ingo Brodka, dem Trainer vom VfL Olympia Duderstadt, der eine Woche vor Tuspo in Sieboldshausen spielte. Das für den 18. November angesetzte Duderstädter Punktspiel bei der SG wird, so Kreisfußball-Chef Dethlefs, verlegt.

Indirekt ist auch der Bovender SV in den Fall involviert. Dazu BSV-Fußball-Abteilungsleiter Daniel Vollbrecht: „Wir werden mit dem Frauen-Team sprechen. Zwar haben wir in dieser Saison dort während des Kamera-Einsatzes nicht gespielt, dennoch wollen wir alle Eventualitäten ausschließen, dass möglicherweise in der einen oder anderen Saison zuvor gefilmt worden ist.“ Man müsse bei dem Beschuldigten, der auch zwei Jahre die BSV-Männer trainiert hat, aber das Sportliche und Menschliche trennen.

Auch die SG Denkershausen/Lagershausen ist am 20. August Gegner von Grone/Sieboldshausen gewesen, gewann 5:4. Trainer Niklas Beisse: „Als das rauskam, war es natürlich Gesprächsthema. Als wir da gespielt haben, war die Sache aber noch nicht bekannt. Wir wollen das möglichst schnell vergessen und uns auf Fußball konzentrieren.“

Das betroffene Damen-Team der SG Grone/Sieboldshausen spielt in der Kreisliga Göttingen-Osterode. Ihre Gegnerinnen in der Klasse:

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Baujahr 1967. Seit 1990 bei der HNA, seit 2012 in der Göttinger Lokalredaktion tätig. In meiner Freizeit engagiere ich mich für das THW

*1961 in Hameln. Nach dem Studium in Göttingen lange HNA-Berichterstatter in Nordhessen. Seit 2011 Leiter der Göttinger Redaktion.

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Den Tag der Deutschen Einheit 2018 werden die Fußballerinnen der SG Grone/Sieboldshausen (Landkreis Göttingen) nicht so schnell vergessen. Grund ist allerdings nicht der Sieg über ihre Gegnerinnen aus Duderstadt, sondern eine versteckte Kamera, die nach dem Spiel in den Duschen des Sporthauses entdeckt wurde. Knapp einen Monat nach dem Vorfall wurde der Verantwortliche nun ermittelt: Dabei handelt es sich um einen Fußballtrainer aus dem Landkreis. Der 47-Jährige habe die Tat gestanden, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen bestätigte. Zuvor hatte das “Göttinger Tageblatt” berichtet.

Im Landkreis Göttingen hat ein Fußballtrainer heimlich Filmaufnahmen in der Dusche eines Frauenteams gemacht. Der 47-Jährige wurde von seiner Frau enttarnt und hat die Tat gestanden.

Bei den Filmaufnahmen handelt es sich um keinen Einzelfall. Mehrere Videos wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft sichergestellt. Wie viele Fußballerinnen gefilmt worden sind und über welchen Zeitraum die Aufnahmen gemacht wurden, steht aber noch nicht fest. Das Material werde derzeit ausgewertet, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Gegen den 47-Jährigen wurden Ermittlungen wegen “Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen” (§ 201a des Strafgesetzbuches) eingeleitet. Ihm drohen demnach bis zu zwei Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Der Beschuldigte selbst erklärte gegenüber dem “Göttinger Tageblatt”, dass es ihm leid tue und er mittlerweile psychologische Hilfe in Anspruch nehme. Zudem kündigte er an, von allen Ämtern im Fußball zurückzutreten.

Aufgeflogen war der Mann durch die eigene Ehefrau: Die Spielerin eines betroffenen Teams hatte die Kamera entdeckt. Auf den Bildaufnahmen hatte sie anschließend ihren Ehemann identifiziert.