FC Gießen nach Pokal-Aus: War eine Riesenchance - Gießener Allgemeine
Üstün schießt Baunatal gegen Gießen ins Finale des Hessenpokals | Pokalspiele Hessen
Am Ende ist Markus Müller der tragische Held des FC Gießen. Der Stürmer, der bei seiner Einwechslung in der Verlängerung des Halbfinales im Fußball-Hessenpokal noch mit »Mü«-Rufen gefeiert wurde, vergab zunächst in der 120. Minute beim Stand von 1:1 die letzte Chance im laufenden Spiel. Kurz danach war er es, der den ersten und zugleich entscheidenden Elfmeter verschoss. Der FC Gießen hat das Halbfinale im Baunataler Parkstadion über weite Strecken dominiert, war über 40 Minuten lang in Überzahl – und unterlag trotzdem.

Im Elfmeterschießen war Schluss für die Gießener – der Einzug ins Finale des Hessenpokals und die gleichzeitige Chance auf den DFB-Pokal dahin. »Es war eine Riesenchance in dieser Konstellation«, wusste FC-Geschäftsführer Jörg Fischer. »Und wir haben sie leider vertan. Wir waren im gesamten Spiel nicht so wirklich präsent meiner Meinung nach, haben aus dem Spiel heraus kaum Torchancen herausarbeiten können.«

Auch in den zweiten 45. Minuten ließ sich kein Sieger ermitteln, jedoch musste Baunatal mit einem Mann weniger in die Verlängerung gehen, nachdem Felix Schäfer in der 87. Minute die Gelb-Rote Karte gesehen hatte. Ein numerischer Nachteil, der sich im Ergebnis allerdings nicht niederschlug. Und so wurde aus dem Halbfinale ein echter Krimi, Elfmeterschießen inklusive. Dort hatten letztlich die Baunataler die besseren Nerven und schafften gegen den souveränen Tabellenführer der Hessenliga die Überraschung.

Elfmeterkrimi im Hessenpokal-Halbfinale: KSV Baunatal schafft Überraschung

Trainer Daniyel Cimen wusste, »dass wir zwar mit zunehmender Spieldauer die Kontrolle hatten. Aber den einen Vorwurf, den ich meiner Mannschaft machen muss, ist der, dass wir in über 40 Minuten Überzahl kein Tor zustande bekommen haben.«

Für Baunatal ist nun der erste Triumph im Hessenpokal seit 1983 möglich. Und obendrein die Chance, sich für den DFB-Pokal zu qualifizieren. Eine Chance, die in dieser Saison sogar noch größer ist als sonst. Denn mit dem SV Wehen Wiesbaden steht ein Drittligist im zweiten Halbfinale gegen Hessen Dreieich, der sich auch über die Liga für den Pokal qualifizieren kann, sollte er mindestens Vierter werden. Den Nordhessen genügte dann die Finalteilnahme, um nächste Saison im DFB-Pokal dabei zu sein.  

Über 200 Anhänger des FC Gießen machten die Partie beim Ligakonkurrenten KSV Baunatal zum gefühlten Heimspiel. Lautstark feuerten sie ihr Team über die gesamte Partie an – und zunächst sah alles danach aus, als ob der FC Gießen, in der Liga souveräner Tabellenführer, seiner Rolle gerecht werden würde. Nach 15 Minuten gingen die Gäste verdientermaßen in Führung.

Mit 6:5 nach Elfmeterschießen hat sich der KSV Baunatal im ersten Halbfinale des Hessenpokals gegen den großen Favoriten aus Gießen durchgesetzt. Vor knapp 900 Zuschauern im Baunataler Parkstadion brachte Timo Cecen die Gäste aus Gießen per Foulelfmeter früh in Führung (15.), die Antwort der Hausherren ließ aber nicht lange auf sich warten. Nur fünf Minuten später glich Baunatals Nico Schrader aus.

Damjan Marceta wurde von Baunatals Niklas Künzel völlig unnötig im Strafraum gefoult, sodass Schiedsrichter Joshua Herbert keine andere Wahl blieb, als auf den Punkt zu zeigen. Timo Cecen verwandelte den Strafstoß und brachte Gießen mit 1:0 in Führung. Doch diese hielt nur vier Minuten. Baunatal fand eine Lücke in der FC-Verteidigung, Nico Schrader musste nach einem schön herausgespielten Konter nur noch zum 1:1 (19.) einschieben. »Danach haben wir ein bisschen den Faden verloren«, analysierte Gießens Trainer Daniyel Cimen.

Ein echter Pokalkrimi: Der KSV Baunatal schlägt den FC Gießen im Elfmeterschießen und zieht ins Finale des Hessenpokals ein. Damit ist eine Teilnahme am DFB-Pokal für die Nordhessen ganz nah.

Vor allem in der ersten Hälfte kam Baunatal das ein ums andere Mal gefährlich vor das Tor der Gießener, das im Pokal von Ersatzkeeper Tolga Sahin gehütet wurde. Gießen selbst wurde nur selten gefährlich. Baunatal schaffte es mit einer aggressiven, offensiven 4-3-3-Verteidigung, das sonst gewohnte Kombinationsspiel des FC zu unterbinden.

Dabei hat der Pokal dann doch seine eigenen Gesetze, zum Beispiel, das „es auch in die Verlängerung gehen könnte, das muss man vorher einkalkulieren.“ Man werde heute – wie schon in den letzten Spielen – mit „einem klaren Plan und sicher nicht hop oder top“ das Spiel angehen. Dazu gehöre auch eine gut koordinierte Anreise „mit einem Puffer von einer halben bis dreiviertel Stunde“, um rechtzeitig und entspannt anzukommen. In die Karten spielt Gießen, dass nur Andrej Markovic angeschlagen fraglich ist, „sein Einsatz wird sich nach dem Training entscheiden“, so Cimen gestern. Tim Korzuscheck ist wieder an Bord.

Das änderte sich im zweiten Durchgang zwar etwas, doch wirklich gefährlich wurde es erst in der 85. Minute: Damjan Marcetas Seitfallzieher verfehlte das Tor nur um Zentimeter. Es war die einzige nennenswerte Großchance im zweiten Durchgang. In der 84. Minute, kurz zuvor also, sah Baunatals Felix Schäfer Gelb-Rot, nachdem er im Zweikampf den Ellenbogen ausgefahren hatte.

„Das ist aber vorbei“, sagt Cimen, der die Devise von Spiel zu Spiel schauen sofort als wesentlichen Bestandteil seiner Trainer-Philosophie unterschreiben würde. Auch der Gedanke, dass man mit dem Einzug ins Finale, sollte sich Drittligist SV Wehen-Wiesbaden am übernächsten Mittwoch beim SC Hessen Dreieich durchsetzen, schon so gut wie sicher in der DFB-Pokal-Hauptrunde steht, ist Cimen suspekt: „Das darf nicht in den Köpfen drin sein, weil es die zwei, drei Prozent Konzentration kosten kann“, mahnt der Ex-Profi, denn „in so einem Ko-Spiel kommt es auf Kleinigkeiten an, auf Kleinigkeiten, die funktionieren müssen.“

In der Verlängerung drückte Gießen zwar kontinuierlich, schaffte es aber wie schon in den 90 Minuten zuvor selten, Torchancen zu kreieren. So ging’s ins Elfmeterschießen. Kurz zuvor wurde noch der eigentliche Stammtorhüter Frederic Löhe eingewechselt, um als Matchwinner zu fungieren. Er war bei den ersten drei Strafstößen in der richtigen Ecke, konnte aber keinen Ball halten. Weil Müller der einzige Akteur war, der verschoss, konnten die Baunataler kurz darauf jubeln.

Egal sei, dass das Punktspiel gegen die Nordhessen im September 2018 im Waldstadion „sehr eng war“ und nur mit 1:0 gewonnen wurde. Innenverteidiger Kevin Nennhuber erzielte damals in Minute 73 das goldene Tor mit einem seiner beiden Saisontreffer. Baunatal sei eine Mannschaft, die „in der Liga jeden schlagen kann“. Und Baunatal habe die Klasse auch im Pokal nachgewiesen, damals beim Einzug in die nächste Runde durch den Sieg gegen den Regionalligisten TSV Steinbach. Das aber hat der FC Gießen auch geschafft, bei den legendären Abendauftritten vor beeindruckender Kulisse gegen Eintracht Stadtallendorf und den FSV Frankfurt.

KSV Baunatal: Bielert – Künzel, Pforr, Müller, Schäfer, Möller, Schrader, Blahout, Borgardt, Krengel, Springer.

FC Gießen: Sahin (120. Löhe) – Antonaci, Spang, Nennhuber, Lekaj – Fink – C. Kara (62. Hofmann), Solak (81. Michel), Cecen, Koyuncu – Marceta (98. Müller).

Im Stenogramm: Tore: 1:0 (15., Foulelfmeter) Cecen, 1:1 (19.) Schrader. – Zuschauer: 1200. – Schiedsrichter: Herbert (Nüstetal).

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Der KSV Baunatal hat die Sensation geschafft. Im dramatischen Halbfinale des Fußball-Hessenpokals gewann die Mannschaft von Trainer Tobias Nebe gegen den favorisierten FC Gießen 6:4 (1:1, 1:1) nach Elfmeterschießen.

Und das, obwohl sie die gesamte Verlängerung in Unterzahl spielten. Den entscheidenden Elfmeter verwandelte Fatih Üstün. Damit stehen die Baunataler im Finale und dürfen weiter von der Teilnahme am DFB-Pokal träumen.

Im Duell der Hessenligisten waren die Baunataler im Parkstadion von Beginn an voll da. Sie standen in der Abwehr gut und ließen gegen den großen Favoriten zunächst nichts zu. Dennoch mussten sie in der Anfangsviertelstunde gleich zwei Schockmomente verdauen. Erst ging Jonas Springer in der neunten Minute humpelnd vom Feld – für ihn kam Florian Heussner. Dann lagen die Hausherren plötzlich 0:1 zurück: Eigentlich besteht in der 14. Minute keine große Gefahr für das KSV-Tor. Aber Baunatals Niklas Künzel tritt im Laufduell Damjan Marceta unglücklich in die Hacken. Der Gießener fällt hin. Strafstoß. Richtige Entscheidung, unnötiges Foul. Timo Cecen verwandelt sicher unten rechts zur 1:0-Führung (15. Minute). Es war die erste Chance des Spiels.

Aber die Baunataler beeindruckte die unglückliche Anfangsphase nicht. Sie machten weiter das, was ihr Trainer Tobias Nebe vor dem Halbfinale von ihnen gefordert hatte: Sie liefen mehr als Gießen. Sie kämpften. Und sie spielten vor allem mutig. Die Belohnung ließ nicht lange auf sich warten. Thomas Müller spielt einen starken Pass in die Gasse. Manuel Pforr legt quer, und Nico Schrader schiebt ein. 1:1 (20.).

Das gab natürlich Rückenwind. Und die Baunataler machten weiter. Die Nordhessen waren in der ersten Hälfte optisch überlegen und ließen den Ball gut laufen. So kam der KSV zu den Distanzschüssen von Müller (23.), Pforr (24.) und Patrick Krengel (39.). Die beste Chance auf das 2:1 hatte Müller: Nach einer präzisen Flanke von Felix Schäfer nahm der Stürmer den Ball mit der Brust prima mit, scheiterte mit seinem Schuss aber aus kurzer Distanz an FCG-Torhüter Tolga Sahin (41.).

Und was war mit den favorisierten Gästen? Die Baunataler hatten Gießen ganz gut im Griff. Gefährlich wurde es nur, wenn die Gastgeber Fehler machten. Wie bei einem Fehlpass vom ansonsten starken Maximilian Blahout. Wie beim Distanzschuss von Gießens Cem Kara, als KSV-Torhüter Pascal Bielert den Ball prallen ließ, dann aber hervorragend den Nachschuss von Marceta parierte (28.). So stand es zur Pause 1:1.

Nach dem Seitenwechsel steigerte sich Gießen, hatte nun mehr Ballbesitz. Aber es war ein Duell auf Augenhöhe. Weil die Baunataler weiter kämpften. Weil sie nur wenig zuließen – bis auf den Schuss von Barbaros Koyuncu ins Außennetz (72.). Und weil sie weiter zielstrebig nach vorn spielten. Aber Schäfer (66.) und Pforr (75.) verpassten das 2:1.

Dann der nächste Schock für den KSV: Der schon mit Gelb verwarnte Schäfer trifft im Kopfballduell Michael Fink mit dem Arm ins Gesicht. Schiedsrichter Joshua Herbert zeigt ihm die Gelb-Rote Karte (85.).

In der Schlussphase gab es noch zwei Chancen. Der Kopfball von Gießens Marceta ging knapp am Tor vorbei (86.). Auf der anderen Seite wurde Müllers Schuss im Strafraum abgeblockt (90.). Es blieb beim 1:1. Verlängerung.

In dieser waren die Gießener in Überzahl nun überlegen. Aber die Hausherren hielten weiter dagegen. So waren die Gäste nur nach Eckbällen gefährlich. Und die Verlängerung blieb torlos.

Im Elfmeterschießen hielt Bielert gleich den ersten Schuss von Markus Müller. Die Baunataler Schützen Krengel, Künzel, Pforr, Möller und eben Üstün trafen. Damit war der 6:4-Sieg und der nächste Pokalcoup des KSV perfekt.

Geburtsjahr: 1985. Ich habe 2007 bei der HNA angefangen. Nach meiner Zeit als Freier Mitarbeiter und Volontär bis April 2014 war ich drei Jahre lang als Sportredakteur bei der Werra-Rundschau tätig. Seit Mai 2017 bin ich Redakteur in der Sportredaktion in Kassel.