Schützenfest im Waldstadion: FC Gießen feiert 9:0 Sieg gegen FC Ederbergland
FC Gießen schnürt Neunerpack
Gießen. Der Auftritt beim Titelfavoriten in der Fußball-Hessenliga ging für den FC Ederbergland mächtig in die Hose. 

Mit 0:9 (0:5) ging die Elf von Trainer Vladimir Kovacevic beim FC Gießen regelrecht unter – und war mit dem Ergebnis am Ende sogar noch gut bedient. "Vielen Dank für diese Lehrstunde", war Kovacevic bedient.

Denn hätte Gießen seine Chancen noch konsequenter genutzt, dann hätte die Niederlage sogar weitaus höher ausfallen können. Einzig Torhüter Philipp Hartmann erreichte bei den Gästen im Ansatz Normalform und verhinderte mehrmals weitere Gegentore.

Auch wenn Gießen finanziell und personell in einer anderen Liga spielt, der FCE machte es dem Favoriten viel zu einfach. Eigentlich wollte Kovacevic auf eine verstärkte Defensive setzen. Der Ederbergländer Trainer schickte eine Fünferabwehrkette und drei Sechser ins Rennen. Doch das gewünschte engmaschige Netz vor dem eigenen Strafraum konnte Ederbergland nicht aufbauen, die Gäste standen dafür viel zu weit weg von ihren Gegenspielern. Zahlreiche Konzentrations- und individuelle Fehler taten ihr übriges.

Zumal Gießen schon nach elf Minuten in Führung ging, Timo Cecen verwandelte einen von Cihan Duman verursachten und berechtigten Handelfmeter. In der Folge ging das Spiel nur noch in die Richtung des FCE-Tores. Bis zur 35. Minute konnte Ederbergland den knappen Rückstand halten, doch in den zehn Minuten vor der Pause fing sich der FCE vier weitere Gegentore durch Damjan Marceta (34., 38.), Markus Müller (36.) und Michael Fink (45.).

Nach dem Seitenwechsel waren wenige Sekunden gespielt, da schlug Tim Korzuschek für Gießen erneut zu. Brian Mukasa (67.) und erneut Fink (69.) ließen beim 0:8-Zwischenstand für die Gäste Schlimmes befürchten. Johannes Hofmann (89.) setzte den Schlusspunkt unter einen aus FCE-Sicht komplett gebrauchten Tag.

Historisch war der letzte Samstagnachmittag im September auf jeden Fall: Das 9:0 (5:0) des FC Gießen gegen den bemitleidenswerten FC Ederbergland ist definitiv der höchste Sieg der zugegeben noch jungen Vereinsgeschichte. Ob das Offensivspektakel mit neun Treffern für einen Rekord in der jüngeren Hessenliga-Geschichte taugt, konnte auch Klassenleiter Jürgen Radeck ad hoc nicht beantworten: "Das ist wirklich selten, neun Treffer gab's in den letzten Jahren aber das ein oder andere Mal", sagte Radeck. Erst letzte Saison schlug der damalige SC Teutonia Watzenborn-Steinberg den OSC Vellmar mit 9:1.

Wie auch immer: Der zehnte Saisonsieg im elften Ligaspiel zeigte einmal mehr, dass die Gießener in der Hessenliga im Grunde eine Ausnahmestellung haben. Vor zwei Wochen sagte Neu-Isenburgs Trainer Peter Hoffmann: "Ich denke nicht, dass wir uns in der nächsten Saison wiedersehen." Man kann angesichts der Gießener Gnadenlosigkeit vor dem gegnerischen Tor davon ausgehen, dass sich manche Hessenliga-Trainer das sogar wünschen.

"Meiner Mannschaft hat man heute angemerkt, dass wir zuletzt spielfrei hatten und wir einfach Lust auf das Spiel hatten. Was soll man sonst noch sagen?", meinte Trainer Daniyel Cimen. "Wenn du nach einer halben Stunde 3:0 führst, hast du schnell ein gutes Gefühl. Solche Ergebnisse sind außergewöhnlich. Aber es zeigt, dass die Jungs in einen Spielfluss kommen, wenn das erste Tor fällt. Dann ist es für den Gegner schwer zu verteidigen."

Trotz Fünferkette bei gegnerischem Ballbesitz war der Gast aus Ederbergland quasi 90 Minuten überfordert. Nach zehn Minuten bekam Gießen einen zweifelhaften Handelfmeter zugesprochen, den Timo Cecen flach zum 1:0 verwandelte. Das Torfestival war eröffnet, Damjan Marceta nach einer Traumkombination über Johannes Hofmann und Ricardo Antonaci erhöhte per Kopf auf 2:0 (33.), Markus Müller (35.), erneut Marceta (37.) und Michael Fink (45.) legten zum 5:0 zur Pause nach. Es war die pure Dominanz: 10:0 Abschlüsse, 7:0 Ecken, 5:0 Tore.

Die Ansage von Cimen zur Halbzeit: "In der zweiten Hälfte die Null halten. Wenn es vorne läuft, machst du hinten mal einen Schritt weniger. Es war uns wichtig, zu Null zu spielen." Das gelang. Oben drauf gab's noch vier weitere Tore, Tim Korzuschek (46.), Brian Mukasa (68.), Fink (70.) und Hofmann (89.) stellten auf 9:0.

Gießens neuer Fußballclub verteidigt damit die Tabellenspitze und seinen Drei-Punkte-Vorsprung vor dem ersten und im Grunde auch einzigen echten Verfolger, Bayern Alzenau. Dieser gewann sein Heimspiel gegen Neu-Isenburg ebenfalls deutlich.

Dass beim FC Gießen derzeit alles ins Bild passt, bewies auch das warme Herbstwetter, bei dem 1086 Zuschauer den Weg ins Waldstadion fanden. Klassenleiter Jürgen Radeck nötigte das Respekt ab, er erwähnte zudem: "Wir stehen nach elf Spieltagen in der Hessenliga bei 54 000 Zuschauern. Das ist ein sensationeller Wert." Den größten Teil zu dieser Zahl steuerte der FC Gießen bei, für den es am Mittwoch in der englischen Woche beim FC Eddersheim weitergeht.

Im Stenogramm: Tore: 1:0 (10., Handelfmeter) Cecen, 2:0 (33.) Marceta, 3:0 (35.) Müller, 4:0 (37.) Marceta, 5:0 (45.) Fink, 6:0 (46.) Korzuschek, 7:0 (68.) Mukasa, 8:0 (70.) Fink, 9:0 (89.) Hofmann. – Zuschauer: 1086. – Schiedsrichter: Berger (Wehretal).

Es ist angerichtet: Am Samstag steigt das Topspiel der Fußball-Hessenliga im Waldstadion zwischen dem FC Gießen und Hessen Kassel. Die Heimmannschaft im Porträt.

Der FC Gießen gibt knapp zwei Monate nach seiner Gründung ein äußerst gelungenes Bild in der Fußball-Hessenliga ab. Dazu zählt die Zuschauerresonanz und starke heimische Leistungen.

Es läuft für den FC Gießen: Im ersten Auswärtsspiel in Hadamar feiert die Mannschaft von Trainer Daniyel Cimen den dritten Saisonsieg. Cem Kara macht beim 3:1-Erfolg den Unterschied.

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