Gelsenkirchen: DFB hofft auf volle Schalke-Arena beim Länderspiel
Zuschauermangel bei Länderspielen – In Leipzig leuchten leere Sitzränge
Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken Von Robert Peters Am Ende sollen es dann doch 35.288 Zuschauer gewesen sein. Diese Zahl rief jedenfalls der Stadionsprecher im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes beim Länderspiel gegen Russland in Leipzig aus. Das ist bei einer Kapazität von knapp 42.000 Plätzen noch immer nicht zu viel, aber es ist immerhin ein bisschen mehr, als nach dem sehr schleppenden Vorverkauf anzunehmen war. Der DFB konnte sich vor allem glücklich schätzen, dass eine Menge Russen und Russlanddeutsche die Besucherzahl nach oben trieben.

Was die Stammkundschaft betrifft, erhärtet auch Leipzig den Befund: Die Zeiten, da ein Länderspiel bei den zahlenden Fans ein Selbstläufer ist und die Stadien regelmäßig an ihre Grenzen bringt, sind vorbei.

Der Umbruch sei von Löw weiter vorangetrieben worden. “Das heißt, dass man zwar auf erfahrene Spieler zurückgreifen muss, aber auch, dass Stück für Stück die Spieler eingebaut werden, die maßgeblich das Gerüst der Mannschaft bei der EM 2020 bilden werden”, sagte Grindel: “Insofern bin ich mit der Entwicklung sehr zufrieden. Wenn es auf diesem Weg weitergeht, bin ich einverstanden.”

Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer, der immer wieder gern genannt wird, zog zumindest in Leipzig nicht. Die Karte ist nicht immer ein Luxusgut. Für die Begegnung mit Russland waren Tickets zu Preisen von 18 Euro im Angebot, Kinder zahlten lediglich zehn Euro. Aber beim Thema Kinder nähert man sich dem ersten Problem. Welche verantwortungsbewussten Eltern muten es einem (Schul-) Kind zu, sich die Nacht für einen Stadionbesuch um die Ohren zu schlagen? Anstoßzeiten um 20.45 Uhr gehen an der Basis vorbei. Der DFB entschuldigt sich mit dem Hinweis auf Vorgaben der internationalen Verbände. Und die Nationalelf-Verantwortlichen entschuldigen sich mit dem Hinweis auf die Vermarkter im eigenen Verband, die mit der immer noch wichtigsten Mannschaft den gesamten DFB finanzieren. Das bleibt ein hoffnungsloser Fall. Länderspiele zu familienfreundlichen Zeiten wird es nicht mehr geben. So richtig laut räumen es die Verbandsoberen nicht ein, sie sind froh, wenn darüber nicht zu energisch nachgedacht wird.

“Es wäre schon gut, wenn wir die nötigen Punkte sammeln, um in Topf eins der Auslosung zu landen”, sagte Grindel, der am Freitag rund 150 Schülern aus dem Buch “Wir sind Champions” vorlas: “Das ganze Jahr 2019 wird von den Quali-Spielen bestimmt, und wenn wir da den einen oder anderen leichten Gegner hätten, würde das Joachim Löw mehr Möglichkeiten geben, Dinge auszuprobieren.”

Der wesentliche Grund aber für die anhaltende Stadionflucht der Fans liegt in den Vorstellungen der Nationalmannschaft. Deren Kapitän Manuel Neuer hat in großmütiger Selbstbezichtigung festgestellt: “Wir haben in diesem Jahr nicht alles getan, dass die Stadien ausverkauft sind.” Das ist fein beobachtet. Und es bezieht sich nicht allein auf die wenig erheiternden Vorstellungen auf dem Rasen, sondern auch auf die Darstellung des Teams außerhalb.

Für DFB-Präsident Reinhard Grindel ist das Ergebnis im letzten Länderspiel des Jahres am Montag in der Nations League gegen die Niederlande (UEFA Nations League: Deutschland – Niederlande ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) eher zweitrangig.

Große Lücken im Oberrang: In Leipzig war das Stadion wieder einmal nicht voll bei einem Länderspiel.

“Das Wichtige ist das Gesicht, das die Mannschaft zeigt und dass wir eine Entwicklung sehen”, sagte der 57-Jährige am Freitag in der Sepp-Herberger-Grundschule in Weinheim: “Obwohl ich mir natürlich die nötigen Punkte wünsche.”

Saskia Aleythe, Jahrgang 1986, Redakteurin im Sport. 2018 ausgezeichnet mit dem Online-Preis des Verbandes deutscher Sportjournalisten. Aufgewachsen in Dessau, älter geworden beim Journalistik-Studium in Leipzig und Hamburg. Ist nach freier Mitarbeit für Spiegel Online nach München gekommen. Musste sich mit elf Jahren zwischen Handball und Aerobic entscheiden und hat eine gute Wahl getroffen – auch wenn sie von ihrem Team einmal bei einem Auswärtsspiel auf dem Bahnhof vergessen wurde. Fährt seitdem lieber Rad.

Auch im Spiel gegen den Erzrivalen in Gelsenkirchen erwartet der Präsident nach dem überzeugenden 3:0 (3:0) gegen Russland am Donnerstagabend “den einen oder anderen jüngeren Spieler, der sich zeigen und bewähren kann”.

Nach einem Sieg wie dem gegen Russland stellt sich auch Reinhard Grindel gerne vor die Presse. Das 3:0 war kaum eine halbe Stunde alt, als der DFB-Präsident im Leipziger Stadion beschwingt über die schönen Szenen der verjüngten Nationalmannschaft sprach, die sich grade abgespielt hatten. Und weil es eh schon Thema der letzten Tage war, äußerte sich Grindel dann auch zum Thema Zuschauerzahlen. Der 57-Jährige sagte: “Ich habe gerade gehört, dass es sich in Gelsenkirchen gut entwickelt hat”, er meinte die Vorverkäufe für das Nations-League-Spiel am Montag, “ich glaube schon, dass wir ziemlich ans Ausverkauft herankommen.”

Ich habe gehört, dass sich das in den letzten Tagen in Gelsenkirchen schon positiv entwickelt hat, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel mit Blick auf die abschließende Nations-League-Partie am Montag (20.45 Uhr/ARD) in der Schalke-Arena. Da es für Deutschland noch um den Klassenverbleib gehen könnte, glaubt Grindel daran, dass wir ziemlich an ausverkauft rankommen. Von den 53 000 zur Verfügung stehenden Tickets waren am Freitagnachmittag 39 000 verkauft.In der 42 000 Zuschauer fassenden Leipziger Red Bull Arean hatte es auf den Rängen große Lücken gegeben. Der DFB gab als offizielle Zuschauerzahl 35 288 an. Wir hoffen, dass wir den Zuschauern ein bisschen Spaß gemacht haben und ein paar mehr nach Gelsenkirchen ins Stadion kommen werden, sagte Kapitän Manuel Neuer. Für Thomas Müller war das 3:0 auch ein klares Zeichen an die Fans: Wir haben genau das geschafft, was wir mal wieder erreichen wollten: Tore schießen und das Publikum mitnehmen. dpa

Dass man in Leipzig nicht an das Prädikat “ausverkauft” herankommen würde, hatte sich zu Beginn der Woche bereits abgezeichnet, gerade mal 30 000 Karten konnte der Verband im Vorverkauf loswerden. Dass der Stadionsprecher schließlich von 35 300 Fans in er Arena sprach, überraschte dann schon fast angesichts der zahlreichen leeren Sitzschalen, die im Oberrang leuchteten.

Lieber Herr GrindelEin schönes Bild von Ihnen und Herrn Koch.Dazu kann ich Ihnen nur noch empfehlen: Klären Sie ihr Verhältnis zwischen Kommerz, Authentizität und Definition der Sportart überhaupt. Nationsligaue, Länderligaue, Superliguaue, Furzligue, Scheissligue,, Schämpionslig, Dönercup, Euroliig , Supercup. supersupercup, supersupersupersupercup, Wenn Sie damit durch sind, können Sie sich ja auch noch mal Gedanken machen zum Thema Fairness

42 000 Zuschauer fasst das Leipziger Stadion bei Länderspielen. Doch für die geringere Fanbegeisterung haben sie sich Erklärungen zurecht gelegt beim DFB. Grindel sagte auch, in Bezug auf die Anstoßzeiten: “20.45 Uhr während der Woche ist für viele Familien schwierig. Wir hatten heute knapp 36 000, das ist das, was RB bei vergleichbaren Spielen auch hat.” Womit er die Stoßrichtung der DFB-eigenen Interpretation vorgab.

Nach dem 3:0-Sieg der jungen deutschen Nationalmannschaft gegen Russland hoffen Spieler und Verantwortliche auf wieder mehr Fan-Zuspruch im nächsten Spiel gegen Holland.

Dass eine deutsche Nationalmannschaft im Fußball die Arenen nicht mehr voll kriegt, bedeutet freilich noch keine Staatskrise – es ist aber doch ein Indikator dafür, dass man sich auch als aufmerksamkeitsverwöhnter Kicker nicht völlig vom Leistungsprinzip lösen kann. “Man kann nicht erwarten, dass die Fans uns in dieser Situation die Bude einrennen”, hatte Bundestrainer Joachim Löw schon am Mittwoch selbstkritisch gesagt: “Das liegt teilweise auch an unseren Leistungen in diesem Jahr.”

Fußballfans wollen Tore sehen, davon hatte es in diesem Jahr nicht allzu viele gegeben. Umso zufriedener war dann auch der eingewechselte Thomas Müller, der zwar selber nichts zum Torekonto hinzufügen konnte, aber seine Teamkollegen hervorhob. Leroy Sané, Niklas Süle und Serge Gnabry netzten ein – drei Tore, die Müller gefielen. “Wir haben genau das erreicht, was wir wollten: Auch mal wieder Tore schießen und das Publikum mitnehmen”, sagte der Bayern-Stürmer. Das bedankte sich mit ein paar Runden Laola trotz ausgedünnter Ränge, zu Beginn der Partie hatten noch hauptsächlich russische Fans das Stadion mit Leben gefüllt.

Am Montag gegen die Niederlande wird es um noch mehr gehen als um einen Sieg fürs Selbstbewusstsein. Nach dem 0:3 Anfang Oktober in Amsterdam erwartet die deutsche Mannschaft einen sehr viel stärkeren Gegner. Um neue Fannähe zu demonstrieren, hatte sich der DFB zuletzt volksnah gegeben, Autogramm-Viertelstündchen und Schulfragestunden abgehalten, das könnte ja auch nützlich sein, will man Eintrittskarten verkaufen. Sollten die 54 000 Plätze im Schalker Stadion am Montag tatsächlich besetzt werden, wäre das eine recht schnelle Wiedergeburt deutscher Fanliebe nach einem Sommer der Enttäuschungen.