Taxifahrer demonstrieren in Frankfurt gegen Pläne von Verkehrsminister Scheuer | Frankfurt - fr.de
Von Uber kaufe ich bestimmt keine Aktie
So viele beige Autos gab es am Main noch nie zu sehen. Mehrere Hundert Taxifahrer haben am Donnerstag gegen die geplante Liberalisierung des Personenbeförderungsgesetzes demonstriert und ihre Arbeitsgeräte dafür am Mainkai aufgefahren. Zuvor waren die Taxis in einem Korso vom Rebstockgelände Richtung Römer gefahren, was nicht jedem gefiel. Denn auf der Mainzer Landstraße ist wegen einer Baustelle auf der Camberger Brücke schon ohne viele Taxis Dauerstau.

So gehörte der Römerberg auf dem sich die Taxifahrer um 14 Uhr versammelten, zunächst noch Brautpaaren und Touristen. Hans-Peter Kratz, 1. Vorsitzender der Taxi-Vereinigung, bat auf der Bühne um Geduld. „Es sind noch 500 Kollegen auf dem Weg hierher, wir warten noch zehn Minuten.“ Eine geschäftsmäßige Übertreibung, denn viele Kollegen schwänzten die Demonstration. Zwar war der große Halteplatz vor dem Hauptbahnhof gähnend leer, weil er bestreikt wurde, aber am Südausgang warteten viele Taxifahrer. „Das bringt doch eh nichts, wir haben keine Lobby“, so ein Fahrer, der sich das Geschäft nicht nehmen lassen wollte, weil er ohnehin nur selten fahre.

Frankfurt: Demo und Fahrzeug-Korso zum Rathaus: Taxi-Wut UBER alles

Die Taxifahrer auf dem Römer haben sich derweil mit Schmährufen gegen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und den US-amerikanischen Fahrdienst Uber bei Laune gehalten. Scheuer will die Rückkehrpflicht für private Fahrdienste aufheben. Damit könnten diese, wie auch die Taxifahrer, Kunden auf der Strecke aufnehmen. Das passiere im Grunde schon jetzt, es werde nur nicht kontrolliert, monieren die Taxifahrer. „Wo ist das Ordnungsamt?“, lautet die Frage auf dem Schild eines Demonstranten.

Fast 600 Taxis steuerten im Hup-Korso den Römer an. Staus an etlichen Ecken, das Mainufer dicht.Hunderte Taxifahrer machten vorm Rathaus ihrem Ärger Luft, demonstrierten gegen die aus ihrer Sicht unlautere Konkurrenz privater Fahrdienste wie Uber. Uber muss weg! Scheuer muss weg!, waren häufig gebrüllte Parolen.

Der übergeordnete Chef des Ordnungsamts, Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU), ist nicht weit weg, er ist auch auf den Römerberg gekommen und bietet den Taxifahrern Gespräche an. Die Forderungen der Taxifahrer greifen ihm zu kurz. „Wir sind mitten in einer digitalen Revolution, nur gegen Scheuer und Uber zu schimpfen, reicht da nicht.“

Beifall bekam Hans-Peter Kratz (61), Vorsitzender der Taxi-Vereinigung, als er auf der Römerberg-Bühne stärkere Kontrollen der Mietwagen forderte und von Uber organisierten, systematischen Rechtsbruch anprangerte.

Frank liegt damit auf der Linie seiner Parteikollegen in Wiesbaden. Im dortigen Landtag waren die Forderungen der Taxifahrer auf Antrag der Linken am Donnerstag Thema einer Aktuellen Stunde. Die CDU fordert die Taxifahrer auf, selbst neue digitale Mobilitätsangebote zu schaffen. Der Vorstoß von Scheuer ginge grundsätzlich in die richtige Richtung. Da sind SPD, Grüne und Linke anderer Ansicht. Das Gesetz novelliere nicht die Beförderung von Personen, sondern die Gewinnspanne von Uber und Co., finden die Grünen, ähnlich wie die SPD, die sich kämpferisch gibt. „Eine Aufhebung der Rückkehrpflicht wird es mit uns nicht geben.“ Janine Wissler vor der Linken fragt: „Warum macht man sinnvolle Regeln für die einen, wenn man anderen erlaubt, sie zu unterlaufen.“ Die Linke zeigte übrigens die größte Anteilnahme für Taxifahrer und war auch auf dem Römerberg präsent.

Buh-Rufe gabs für Ordnungsdezernent Markus Frank (50, CDU), obwohl er Qualität und Sicherheit als großen Stärken der Taxi-Branche lobte.

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Herr Islamcevic, Sie fahren seit mehr als 19 Jahren Taxi. Können Sie als Ein–Wagen-Betrieb gut davon leben?

Seit 2005 bin ich selbständig. Großen Luxus kann ich mir nicht leisten. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Da reicht es für einen kleinen Urlaub im Jahr.

Als ich im Jahr 2000 anfing, bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, Samstag und Sonntag zu fahren. Da hatte ich unter der Woche genug erzielt. Nun mache ich in manchen Wochen täglich 12 bis 14 Stunden, sogar sieben Tage die Woche. Mein Umsatz ist ähnlich geblieben, dafür arbeite ich deutlich mehr.

Die Anzahl der Fahrzeuge ist unverändert, aber die Wartezeiten sind 20 Prozent länger. Wenn ich einen Tag am Flughafen bin, komme ich auf vier bis fünf Fahrten in zehn bis zwölf Stunden. In der Stadt sind zehn bis zwölf Fahrten am Tag auch schon in Ordnung.

Zu Messen kommen weniger Besucher, weil sich das Sortiment übers Internet abrufen lässt. Viele Kunden sind früher beruflich zu siebt nach Amerika geflogen, die haben wir zum Flughafen gefahren. Heute gibt es eine Videokonferenz.

Leider! Nach so einer langen Zeit will ich eigentlich nicht an ein Ende denken. Aber die Situation ist ungewiss.