Eintracht Frankfurt jubelt trotz Klatsche in München - hessenschau.de
Eintracht Frankfurt: Trainer Adi Hütter – So bestehen wir bei Bayern
Die Eintracht gerät in München unter die Räder – und kann sich nach dem Abpfiff trotzdem freuen. Durch die Mainzer Schützenhilfe landen die Hessen noch auf Platz sieben und schaffen damit zumindest die Teilnahme an der Europa-League-Quali.

Jubel bei der Frankfurter Eintracht. Die Hessen haben trotz einer 1:5-Klatsche beim Rekordmeister Bayern München die Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation geschafft. Dabei konnte sich die Hütter-Elf ausgerechnet beim Rhein-Main-Rivalen FSV Mainz 05 bedanken, der nach einem 0:2-Rückstand gegen Hoffenheim noch 4:2 gewann. Dadurch belegt die Eintracht in der Endabrechnung noch Platz sieben.

Viele weitere Chancen folgten gegen eine Eintracht, die seltsam körperlos spielte. Im Spiel nach vorne leistete sich Frankfurt zu leichte Ballverluste, das Mittelfeld war kaum existent, die Abwehr wirkte mitunter völlig orientierungslos. Die Gäste mussten sich bei Torwart Kevin Trapp bedanken, dass das Spiel nicht früher entschieden war. Das vermeintliche 2:0 durch Serge Gnabry (26.) wurde nach Videobeweis wegen einer Abseitsstellung zurückgenommen, Jonathan de Guzman traf bei einem Rettungsversuch die eigene Latte (31.).

“Wir sind froh und danken Mainz, dass wir die Chance haben, nächstes Jahr noch Europa League zu spielen. Wir hätten es über die Saison gesehen nicht verdient gehabt, Achter zu werden”, erklärte Eintracht-Verteidiger Martin Hinteregger nach der deftigen Pleite, bei der Kingsley Coman (4. Minute), David Alaba (53.), Renato Sanches (58.), Frank Ribery (72.) und Arjen Robben (78.) mit ihren Toren für die siebte FCB-Meisterschaft in Folge gesorgt hatten. Den Ausgleich für die Eintracht hatte Sébastien Haller (50.) zwischenzeitlich erzielt.

Trotz 1:5 bei Bayern – Eintracht in Europa

Mit Anpfiff hatte der FCB das Zepter in die Hand genommen und brannte in der ersten Viertelstunde ein Offensiv-Feuerwerk ab. Allein Kevin Trapp im Kasten der Hessen war es zu verdanken, dass die Partie vor 75.000 Zuschauern in der Münchener Arena nicht schon frühzeitig entschieden war. Keine vier Minuten waren gespielt, als es dennoch erstmals im Frankfurter Tor klingelte. Coman schob nach feiner Kombination zum 1:0 für den Rekordmeister ein.

Die Emotionen schlugen schon vor dem Anpfiff vor 75.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena hoch. Ribery und Robben hatten schon beim Aufwärmen Tränen in den Augen. Noch von der Bank aus erlebten die Oldies, wie mit Coman einer ihrer Erben zuschlug. Der Franzose schloss einen schnellen Angriff über Lewandowski und Thomas Müller aus 15 Metern ab. Es war der erste Torschuss der Bayern.

Anschließend verhinderte Trapp mit tollen Paraden unter anderem gegen den freistehenden Robert Lewandowski, der David Abraham im Strafraum tunnelte, Schlimmeres für die Frankfurter, die in der Abwehr völlig neben sich standen. Einzig Trapp und der schwachen Chancenverwertung der Bayern war es in den ersten Minuten zu verdanken, dass es nicht schon 2:0 oder 3:0 für die Elf von Trainer von Niko Kovac stand.

Kingsley Coman (4.), David Alaba (53.) und die eingewechselten Renato Sanches (58.) sowie Ribery (72.) per Traumtor und Robben (78.) sicherten den überlegenen, aber lange wenig effektiven Münchnern mit ihren Toren die Meisterparty. Der ebenfalls eingewechselte Sebastien Haller glich für die insgesamt enttäuschende Eintracht zwischenzeitlich aus (50.).

Zu diesem Zeitpunkt war – abgesehen von einem Kullerball von Jonathan de Guzman, der für Simon Falette in die Startelf gerückt war – von den Frankfurtern im Spiel nach vorne nichts zu sehen. Und die Eintracht war nun erst recht gefordert, nachdem die Konkurrenz aus Wolfsburg und Hoffenheim in Führung gegangen und damit die Hessen in der virtuellen Tabelle auf Platz acht und damit aus den Europacup-Rängen gerutscht war.

Von einer Steigerung der Frankfurter in der Folge war aber nichts zu sehen. Die Hütter-Elf ließ die Bayern munter kombinieren und stand auch in der 26. Minute Spalier, als Serge Gnabry blank per Flachschuss zum vermeintlichen 2:0 traf. Glück für die Eintracht, dass der Treffer wegen einer Abseitsstellung nicht gegeben wurde. Und Fortuna war auch wenig später im Bunde: Eine Hereingabe der Bayern in den Strafraum lenkte de Guzman im Grätschen an den Querbalken, kurz darauf parierte der bis dahin starke Trapp gegen den durchgebrochenen Thomas Müller. So blieb es zur Pause beim schmeichelhaften 0:1 aus Frankfurter Sicht.

München – Bayern München hat im Herzschlagfinale der Bundesliga die Nerven bewahrt und schwebt völlig losgelöst im siebten Meisterhimmel. Der Rekordchampion setzte sich beim Showdown um die Schale verdient 5:1 (1:0) gegen eine schwache Eintracht durch und sicherte sich damit zum 29. Mal den Titel.

Mit Wiederbeginn kam Haller für de Guzman und sorgte sogleich für großen Jubel im Frankfurter Lager. Im Anschluss an eine Ecke traf der aufgerückte Abraham die Latte, den Abpraller vollstreckte Haller (50.) zu seinem 15. Saisontreffer. Die Freude und der damit verbundene Sprung zurück in die Europacup-Ränge währte aber nur ganze drei Minuten: Einen Schuss von Müller ließ Trapp nach vorne abklatschen, Alaba staubte zur erneuten Führung der Bayern ab. Und es kam noch schlimmer: Sanches erhöhte nur fünf Minuten später auf 3:1 und ließ Trapp mit seinem Schuss erneut nicht gut aussehen.

In München ging es für die Bayern um die Meisterschaft und für die Eintracht ums internationale Geschäft. Wir haben den Live-Ticker zum Nachlesen.

Spätestens jetzt waren die Bayern-Fans im Titelfeier-Modus, während der Frankfurter Anhang ausgerechnet den Mainzern die Daumen drücken musste. Da spielte auch das 4:1 des FCB durch Ribery nach gut 70 Minuten keine Rolle mehr aus Sicht der Eintracht, die nach dem Anschlusstreffer des FSV gegen in Unterzahl spielende Hoffenheimer auf das 2:2 der Rheinhessen hofften. Und tatsächlich, die Mainzer glichen aus – aber das Tor wurde zurückgenommen. Robben setzte indes mit dem 5:1 den Endstand in München, wo die Frankfurter am Ende doch noch jubeln durften. Die Mainzer drehten in einem verrückten Schlussspurt noch die Partie zum 4:2 und schossen damit die Frankfurter zurück in die Europacup-Ränge.

München: Ulreich – Kimmich, Süle, Hummels, Alaba – Goretzka (37. Sanchez), Thiago – Gnabry (67. Robben), Müller, Coman (61. Ribery) – Lewandowski       Frankfurt: Trapp – Abraham, Hasebe, Hinteregger – de Guzman (46. Haller), Fernandes – da Costa, Kostic – Rebic, Jovic  Tore: 1:0 Coman (4.), 1:1 Haller (50.), 2:1 Alaba (53.), 3:1 Sanchez (58.), 4:1 Ribery (72.), 5:1 Robben (78.)   Gelbe Karten: Thiago, Ribery – Hasebe, Hinteregger                                 Schiedsrichter: Stegemann (Niederkassel) Zuschauer: 75.000

Eintracht Frankfurt wird zu einer Geldstrafe von der UEFA verurteilt. 34.000 Euro soll die SGE zahlen. Sie ist nicht die einzige, die bestraft wird.

Direkt in seiner ersten Saison schaffte es Eintracht-Trainer Adi Hütter (49), gegen fast jeden Gegner zu punkten.

Nur Bayern fehlt ihm noch. Im Super-Cup gab es ein 0:5-Debakel, in der Hinrunde eine 0:3-Pleite. Hütter: Für mich persönlich wäre es schön, wenn man sagen kann, ich habe gegen jeden Verein aus der Bundesliga gepunktet. Aber gegen Bayern ist das schwerer, als gegen andere.

Viel wichtiger noch: Es wäre der letzte noch fehlende Punkt, um sicher wieder in Europa dabei zu sein. Hütter: Es geht um unglaublich viel. Ich erwarte einen heißen Tanz, in dem wir noch mal über unsere Grenze gehen müssen.

Hütter erklärt, wie er bei Bayern bestehen und mit einem Sieg sogar für eine große Sensation sorgen will.

Schon seit Montag schottete er seine Mannschaft ab, bereitete sie streng geheim aufs große Liga-Finale vor. Wir wollten einfach unsere Ruhe haben, meinte Hütter, der zuletzt auch angefressen war, weil seine Mannschaft Europa nicht längst klar gemacht hat. Natürlich waren wir sauer, dass wir in den letzten drei Heimspielen nur einen Punkt gemacht haben. Das war ärgerlich, die Enttäuschung da.

Nach dem dramatischen Euro-Aus beim FC Chelsea hatte er wieder eine komplette Trainingswoche, setzt auch auf den Endspiel-Charakter: Die Situation ist vergleichbar. Es geht wieder gegen eine Mannschaft auf Champions-League-Niveau. Wir brauchen eine Leistung wie in London, nur dann können wir bestehen. Da haben wir uns gut behauptet, gutes Gegenpressing und unser Gesicht gezeigt.

Mit anderen Spielideen war Hütter (auch mangels entsprechendem Personal wie in Leverkusen) gescheitert, deswegen ist auch in München sein Plan: Wir müssen mutig nach vorne spielen. Natürlich wird Bayern das Spiel in der Hand haben, sie sind auch Favorit. Trotzdem gibt es Möglichkeiten, ihnen weh zu tun.

Sieht auch Weltmeister Thomas Berthold so: Du musst den Bayern auf den Füßen stehen, sie aggressiv angehen. Und wenn du hinter ihre Abwehr kommst, in die Lücken reinstößt, tust du ihnen weh. So wie es vor einem Jahr im Pokalfinale gelungen ist. Das haben ja viele Spieler noch in Erinnerung. Auch die Bayern!?

Der erste Neue ist ein Alter! Eintracht hat Filip Kostic (26/Leihe vom HSV) fest verpflichtet. Der Links-Verteidiger bleibt bis 2023.

Hütter: Die Bandbreite ist für uns zwischen Platz vier und acht am größten. Natürlich kann das Szenario eintreten, dass wir Achter werden. Aber damit beschäftige ich mich nicht. Ich glaube bis zur letzten Minute daran, dass wir es schaffen, wieder international dabei zu sein. Man hat gesehen, was das in Frankfurt bedeutet.

Alles andere als eine erneute Europacup-Qualifikation hätte Eintracht nach dieser Saison auch nicht verdient.

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