Finale in München: Eintracht drohen Kaderumbruch und Millionen-Einbußen - hessenschau.de
Die Eintracht verneigt sich vor Sebastian Rode
Für Eintracht Frankfurt geht es am letzten Spieltag beim FC Bayern um die Rettung der Saison. Von Platz vier bis acht ist alles möglich, ein Abrutschen hätte weitreichende Folgen für Verein, Spieler und Fans.

Schon wieder ein Endspiel, schon wieder gegen den FC Bayern: Die Frankfurter Eintracht beendet am Samstag (15.30 Uhr) mit einem Auswärtsspiel in München die Saison und muss sich noch einmal zu einer Topleistung aufraffen. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter droht eine grandiose Saison kurz vor dem Ziel an die Wand zu fahren. Es steht nicht weniger auf dem Spiel als die zukünftige Ausrichtung des Vereins.

Die Ausgangslage im Kampf um die Champions League und sogar um die internationalen Plätze war für Eintracht Frankfurt im Laufe dieser Saison schon deutlich besser. Nach zuletzt nur zwei Punkten aus fünf Ligapartien droht vor dem letzten Spieltag sogar der Absturz auf Rang acht und damit angesichts des Saisonverlaufs eine herbe Enttäuschung. Dass es am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) ausgerechnet zu Bayern München geht, macht die Sache nicht leichter. So stehen sechs schlechte Omen einem guten gegenüber.

Nachdem die Eintracht zuletzt am 6. Spieltag keinen der vorderen sieben Plätze belegt hatte, könnte am 34. und letzten Spieltag genau das eintreten und die Hessen wieder aus den internationalen Rängen rutschen. Platz acht nach dieser Saison wäre eine große Enttäuschung. Unrealistisch ist das aber nicht.

Punktlos in München: Nur beim FCB verlor die Eintracht die letzten neun Auswärtsspiele. Nur einmal blieb Frankfurt bei einem Verein auswärts länger ohne Punkte: von 1978 bis 1991 gab es 14 Niederlagen hintereinander beim FCB. Überhaupt glückten der Eintracht nur drei Siege in 47 Auswärtsspielen beim FCB, der letzte am 18. November 2000, als man unter Trainer Felix Magath mit 2:1 im Olympiastadion gewann. In diesen 47 Gastspielen spielte die Eintracht nur zweimal zu Null.

Sollte die Eintracht, derzeit Sechster, in München verlieren und gleichzeitig Hoffenheim in Mainz sowie Wolfsburg gegen Augsburg gewinnen, wäre der Absturz perfekt. Sollte nur einer der beiden direkten Konkurrenten drei Punkte holen, würde die Eintracht auf Platz sieben abrutschen. Hieße: Die Saison startet in der Qualifikation für die Europa League.

Schwarze Serie: Seit 15 Bundesliga-Spielen ist die Eintracht gegen Bayern sieglos, dabei gab es drei Remis und zwölf Niederlagen bei 5:35 Toren. Nur einmal hatte Frankfurt in der Bundesliga eine längere Sieglosserie gegen einen Verein, ebenfalls gegen Bayern (17 Spiele zwischen 1983 und 1991). In elf der letzten 13 Bundesliga-Duelle mit Bayern München blieb die Eintracht torlos.

Bei einem Remis hingegen wäre Frankfurt Platz sechs und damit die Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League nicht mehr zu nehmen. Eine Punkteteilung in München, die Schande von Gijon lässt grüßen, würde übrigens auch den Bayern sicher zum Titelgewinn reichen.

Schlecht auf Augenhöhe: Seit dem 2:1-Sieg gegen Leipzig am 23. Spieltag 2017/18 gewann Frankfurt nicht mehr gegen ein Team, das vor dem Spiel besser als Rang 8 platziert war (4 Remis, 9 Niederlagen). In einer “Europa”-Tabelle der derzeit besten sieben Teams der Liga ist die SGE mit nur acht Punkten aus elf Spielen Letzter – Bayern mit 22 Punkten hinter Dortmund (28) Zweiter.

Eine Resthoffnung besteht auch noch auf die Champions League: Wenn Leverkusen (in Berlin) und Gladbach (gegen Dortmund) ihre Spiele nicht gewinnen, ist auch Platz vier noch drin. Bei einem Remis der Eintracht müssten beide verlieren. Bei einem Frankfurter Auswärtserfolg dürften beide höchstens einen Punkt holen.

Der Fluch von 2018: Schon in der Vorsaison rutschte die Eintracht am letzten Spieltag noch auf Platz 8 ab. Damals verlor die SGE am letzten Spieltag mit 0:1 auf Schalke, während ausgerechnet Bayern sein Heimspiel gegen Stuttgart mit 1:4 verlor. Die Qualifikation zum internationalen Geschäft glückte jedoch anschließend mit dem DFB-Pokalsieg über die Bayern.

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Wichtige Stütze in dieser Saison, nun droht eine lange Pause: Sebastian Rode von Eintracht Frankfurt Bild: dpa

Und der PSG hat seine Fühler zudem nach Verteidiger Evan Ndicka ausgestreckt, der im Sommer für sechs Millionen Euro aus Auxerre kam. Zuletzt ist der junge Franzose, 19, etwas in Ungnade gefallen. Sein Wert wird aktuell auf 22 Millionen Euro taxiert. Darüber hinaus ist die Zukunft von Martin Hinteregger, vom FC Augsburg nur ausgeliehen, und Sebastian Rode, der nach seinem dritten Knorpelschaden ohnehin erst mal wieder auf die Beine kommen muss, ungewiss. Hinteregger hat freilich keinen Hehl daraus gemacht, dass er gerne in Frankfurt bleiben würde. Die Eintracht müsste ihn für rund zehn Millionen Euro auslösen, auch Filip Kostic ist vom HSV nur ausgeliehen, allerdings läuft der Leihvertrag noch ein weiteres Jahr. Die Ablösesumme ist fest taxiert, 4,5 Millionen Euro.

Er brachte den Frankfurtern Struktur und Reife. Bitter, dass der Mittelfeldspieler nicht nur beim Saison-Finale fehlen wird, sondern auch darüber hinaus. Für den Bundesligaklub steht nun vieles auf dem Spiel.

Dazu wirkt die Eintracht aktuell einfach überspielt, aufgezehrt von 49 Pflichtpartien. Es sieht nicht danach aus, als könnte sie sich noch einmal zu solch einer Willensleistung zusammenreißen, die sie insbesondere durch die internationalen Spiele getragen hat. Und am Ende könnte diese Mannschaft, die mit so viel Power und Freude durch Europa geeilt ist, die als einzige die deutsche Fahne bis fast zum guten Schluss hochgehalten hat und die zeitweise zum beliebtesten Klub Deutschlands aufgestiegen war, am Ende könnte diese Mannschaft mit leeren Händen dastehen. Das wäre extrem bitter, außerordentlich ärgerlich, man könnte es fast als Hohn empfinden – aber es ist Sport. Und da zählen nur Ergebnisse.

Das Lob hätte nicht größer ausfallen können. Er verkörpert, was uns in dieser Saison auszeichnet, sagte Trainer Adi Hütter über Sebastian Rode, nachdem der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler den Treffer zum 2:0 über Benfica Lissabon erzielt hatte, der die Frankfurter Eintracht ins Halbfinale der Europa League brachte. Sebastian Rode, der unermüdliche Antreiber, der dynamische Dauerläufer, der verbissene Störenfried gegnerischer Ambitionen, verlässlicher Helfer der Kollegen nicht nur zwischen den Strafräumen, sondern auch in den Strafräumen.

Der blonde Südhesse, bei der Eintracht groß geworden und dann fünf Jahre bei den Spitzenklubs Bayern München und Borussia Dortmund unter Vertrag, war im Winter auf Leihbasis vom BVB in die Heimat zurückgekehrt. Eine umstrittene Entscheidung, denn der Hesse war in der Fremde immer wieder durch schwere Verletzungen zurückgeworfen worden. Aber in Frankfurt lief es bestens. Rode brachte der Eintracht die Struktur und Reife, die sie befähigten, auf eine gute Vorrunde und eine noch bessere Rückrunde zu setzen.

Er war derjenige, der in dieser mit ihrer Wucht und Entschlossenheit ganz Deutschland begeisternden Mannschaft nicht nur immer hurra brüllte, sondern zwischendurch mal ein Heureka oder auch nur ein Moment mal einstreute. Lohn der guten Taten: In der Liga rückte die Eintracht bis auf Rang vier vor, in der Europa League erreichte sie das Halbfinale.

Dass es Interessenten für dessen Sturmkollegen Ante Rebic und Sebastien Haller gibt, vor allem aus England, ist ebenfalls keine Überraschung. Gerade Haller ist als sogenannter „target man“, als Schlüssel- oder Zielspieler, einer, der jeder Mannschaft guttut und der sie weiterbringen würde. Der Eintracht indes kam die sechswöchige Verletzungspause des Stoßstürmers freilich nicht ungelegen, der Mann geriet da ein wenig aus dem Fokus. Haller will die Eintracht unbedingt halten, bei Jovic überwiegen dann doch wirtschaftliche Überlegungen. Bei Rebic scheint alles offen.

Am vergangenen Sonntag wiederholte Trainer Hütter seine Verneigung vor Seppl, wie sie ihn in Frankfurt liebevoll nennen, aber in einem ganz anderen, einem ganz bitteren Zusammenhang. Dass Seppl für die Eintracht stehe, hatte der Österreicher seiner Bekanntgabe der Diagnose von Rodes Verletzung vorausgeschickt, die er sich im Halbfinal-Rückspiel in London gegen den FC Chelsea zugezogen hatte: Knorpelschaden im Knie. Eine Verletzung, die dessen Karriere beenden könnte, aber zumindest eine Pause von mehr als einem halben Jahr erforderlich macht.

Eintracht-Vorstand Fredi Bobic verfolgt derlei mehr oder weniger intensive Abwerbeversuche einigermaßen routiniert. Man sei auf jeden erdenklichen Fall vorbereitet, sagt er, man habe seine Hausaufgaben erledigt und ausreichend talentierte, aber auch gute Spieler in der Hinterhand. Auch im kommenden Jahr werde die Eintracht ein schlagkräftiges, neues Team auf die Beine stellen, Geld, das durch die Verkäufe generiert wird, wäre ja vorhanden. Aber natürlich weiß er: Der Anreiz, erneut in der Europa League spielen zu können, würde die Kaderplanung um ein Vielfaches erleichtern.

Die Nachricht tat genauso weh wie das unglückliche Scheitern gegen Chelsea im Elfmeterschießen und die anschließende 0:2-Heimniederlage gegen Mainz 05, die die Frankfurter – mit Rode auf der Tribüne statt auf dem Spielfeld – gerade zu verdauen hatten. Der Eintracht könnte es jetzt wie seiner Leitfigur ergehen – dass eine großartige Saison mit einer schmerzhaften Enttäuschung endet.

Von Platz vier auf Rang sechs sind die Frankfurter am vorletzten Spieltag schon zurückgefallen. Verlieren sie auch noch ihr letztes Bundesligaspiel bei Bayern München am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky), könnte nicht nur die Champions League verspielt sein, sondern auch noch die neuerliche Teilnahme an der Europa League. Das wäre ein schon tragisch zu nennendes Ende des glanzvollsten Frankfurter Fußballjahres seit Jahrzehnten. Aber die Eintracht rettete auch schon 2018 ihre Saison im letzten Spiel gegen die Bayern. Damals war es das Pokalfinale. Die Mentalität, sich noch einmal aufzuraffen, hat die Mannschaft, genauso wie Rode. Er will sich auch nach der vierten schweren Knieverletzung seiner Karriere wieder herankämpfen.