Eintracht Frankfurt - Finale der anderen Art - Süddeutsche.de
Bundesliga: 0:2! Mainz 05 stößt Eintracht Frankfurt von Platz vier
Nächster Rückschlag in der Bundesliga: Eintracht-Torwart Kevin Trapp hechtet zu spät, als Anthony Ujah (in Rot) zum 2:0 für Mainz trifft.

Frankfurt fürchtet nach der 0:2-Niederlage gegen Mainz um den Lohn einer starken Saison. Nun braucht es einen Punkt in München für die Qualifikation für die Europa-League-Gruppenphase. Theoretisch ist sogar noch die Königsklasse drin.

Johannes Aumüller, Jahrgang 1983 und aufgewachsen in Trier, Geschichts- und Slawistikstudium in Trier, Moskau und München. Seit 2008 in diversen Funktionen bei der SZ, aktuell zuständig vor allem für Sportpolitik und Osteuropa. Interessiert sich für alle Länder, die östlich von Berlin und/oder am Kaspischen Meer liegen, vor allem Russland und Iran – weiß aber noch nicht, ob der schönste Ort der Welt der Rote Platz in Moskau, der Meidan-e Imam in Isfahan oder doch der Trierer Hauptmarkt ist.

Auch gegen Mainz hatte die SGE, der ein Punkt zur sicheren Europa-League-Qualifikation gereicht hätte, zunächst die besseren Chancen. Besonders über Ante Rebic und Filip Kostic lief in den ersten 30 Minuten viel nach vorne. Doch die Chancenverwertung brachte Frankfurt um den Lohn. Unkonzentriertheiten in der Defensive sorgten dann für den Rest. Nach dem 0:2-Rückstand durch einen Doppelpack von Anthony Ujah (53., 57.) fehlten die Lösungsmöglichkeiten. “Es waren sehr unnötige Gegentore. Ich habe mich sehr über das Defensivverhalten geärgert. Wir hatten überhaupt keine Organisation”, bemängelte Hütter.

Europa, das weiß jeder Frankfurter, ist ein wunderbarer Kontinent, in dem wunderbare Städte wie Mailand, Lissabon oder London liegen, in denen wunderbare Klubs wie Inter, Benfica oder der FC Chelsea beheimatet sind und gegen die Eintracht Frankfurt wunderbare Dramen abliefern kann. Aber manchmal kann Europa noch ein bisschen mehr sein. Zum Beispiel ein Kontinent, in dem Städte wie Plowdiw, Qostanai oder Ventspils liegen, in denen nicht ganz so wunderbare Klubs wie Botew, Tobyl oder schlicht FK beheimatet sind – und gegen die Eintracht Frankfurt vielleicht trotzdem bald spielen muss.

Doch der Ärger über die verpasste Chance verflog bei allen Beteiligten schnell. Stattdessen zeigten sie sich optimistisch, auch am kommenden Samstag beim FC Bayern bestehen zu können. “Dass es ein schweres Spiel wird, steht außer Frage. Aber heute waren wir der Favorit und haben verloren, kommende Woche ist Bayern der Favorit”, meinte Simon Falette, der am Sonntag einen gebrauchten Tag erwischte (kicker-Note 5). Auch sein Nebenmann im Abwehrzentrum, Martin Hinteregger, pflichtete ihm bei: “Es kann noch alles passieren. Viele Ergebnisse waren zuletzt kurios.”

Als die Frankfurter Spieler am Sonntagabend ihr 24. und letztes Pflicht-Heimspiel dieser Saison mit einem 0:2 gegen Mainz abgeschlossen hatten, da feierte sie das Publikum noch einmal kräftig für ihre Auftritte in den zurückliegenden Monaten. Aber die meisten Eintracht-Profis empfanden doch eher Enttäuschung und Leere, weil sie mit Blick auf die Qualifikation für die neue Europa-Saison eine große Chance vergeben hatten. “Das ist sehr, sehr ärgerlich”, sagte Trainer Adi Hütter.

Nach dem 28. Spieltag war die Fußballwelt in Frankfurt noch rosig. Mit vier Punkten Vorsprung auf die Europa-League-Plätze steuerte die Elf von Trainer Adi Hütter auf die Königsklasse zu. Doch in den folgenden fünf Partien blieben nur magere zwei Zähler hängen. “Jetzt haben wir den Showdown in München. Wir sind selbst schuld an dieser Situation. Aber nichtsdestotrotz haben wir noch die Chance, uns wieder zu qualifizieren. Diese müssen wir jetzt anpacken”, zeigte sich Hütter gleich nach der Niederlage im Rhein-Main-Derby wieder optimistisch.

Die Eintracht hat ja nicht nur eine starke Europapokal-, sondern auch eine starke Bundesliga-Spielzeit absolviert. Viele Spieltage lag sie unter den besten sechs Teams der Tabelle, die vergangenen sechs Wochen gar auf einem Champions-League-Platz. Jetzt ist die Eintracht Sechster, einen Punkt braucht es für die Qualifikation für die Europa-League-Gruppenphase, theoretisch ist gar noch die Königsklasse drin. Aber weil der Gegner am letzten Spieltag FC Bayern heißt und die Verfolger Wolfsburg (gegen Augsburg) und Hoffenheim (in Mainz) leichtere Gegner haben, muss die Eintracht einen weiteren Absturz befürchten.

Sollte Hoffenheim in Mainz gewinnen und Wolfsburg gleichzeitig gegen Augsburg siegen, würde Frankfurt bei einer Niederlage auf den achten Platz abrutschen und damit leer ausgehen. Ein Punkt würde reichen, um zumindest die Europa League zu sichern. “Wir brauchen den Punkt und werden dementsprechend mutig nach vorne agieren”, kündigte Hütter an. “Wir haben gegen den FC Chelsea gezeigt, dass wir gegen eine Weltklassemannschaft bestehen können. Jetzt brauchen wir wieder eine Topleistung.”

Rang acht würde bedeuten, dass der Europapokal 2019/20 gänzlich ohne Frankfurt stattfindet. Und Rang sieben, dass vor einer erneuten Europa-League-Teilnahme der über mehrere Runden notwendige Gang durch die Qualifikation anstünde – inklusive solcher Reisen wie nach Plowdiw oder in andere europäische Orte mitten in der Saison-Vorbereitung.

Noch ist nichts verloren, doch nach dem 0:2 gegen Mainz droht Eintracht Frankfurt im letzten Moment alles zu verspielen. Ausgerechnet beim FC Bayern sind die Hessen nun zum Punkten verdammt – und glauben an ihre Chance.

“Wir haben alle gesehen, wie geil es ist, durch Europa zu fliegen und internationale Spiele zu bestreiten. Das wollen wir nächstes Jahr unbedingt wieder erleben”, sagte Abwehrspieler Martin Hinteregger, der Leihspieler aus Augsburg, der wohl in Frankfurt bleibt. Sein Trainer Adi Hütter flüchtete sich in die Bemerkung, dass im Fußball alles möglich sei – aber er sagte auch, dass sie “selbst schuld” seien. Nur ein Punkt aus den vergangenen drei Heimspielen, das sei einfach zu wenig.

In der Tat waren es nicht gerade unbezwingbare Gegner, Frankfurt spielte 1:3 gegen Augsburg, 0:0 gegen Hertha und nun 0:2 gegen Mainz. Dabei war die Niederlage am Sonntag keine zwangsläufige, weil die Frankfurter zumindest in der ersten halben Stunde allen Dauerstrapazen zum Trotz ordentlich agierten. Aber später ließen sie nach, die Defensive war zweimal bei Einwürfen ungewohnt unaufmerksam – so sorgte Anthony Ujah mit einem Doppelschlag (53./57.) für den Mainzer Sieg.

Trainer Hütter muss sich nun bis zum Samstag einiges einfallen lassen. Direkt nach dem Spiel gegen Mainz sagte er auf die Frage, warum er trotz des schweren Gegners zuversichtlich sei, den nötigen Punkt zu holen, nur trotzig: “Weil wir ihn brauchen.” Aber eine Lehre der Saison ist, dass der Abruf einer Energieleistung in einem Spiel als klarer Außenseiter die Rolle war, die der Eintracht am besten behagte. Und das Spiel beim FC Bayern kann sie nun so angehen, als bestritte sie doch noch, wenn auch auf andere Art, ein Europapokal-Finale.

Eintracht Frankfurt verliert gegen Mainz 05 und muss weiter ums europäische Geschäft kämpfen. Coach Adi Hütter richtet den Blick sofort auf das letzte Saisonspiel bei Bayern München. (Quelle: Omnisport)

"Auf Showdown in München vorbereiten": Eintracht-Trainer Hütter blickt nach der Niederlage gegen Mainz schon auf das Saisonfinale gegen die Bayern. (Quelle: Omnisport)

Eintracht Frankfurt ist nach der Fortsetzung seiner Sieglos-Serie einer der großen Verlierer des 33. Spieltags. Gegner Mainz schockte die Hessen in kürzester Zeit gleich doppelt.

Drei Tage nach dem bitteren Halbfinal-Aus in der Europa League verlor Eintracht Frankfurt am 33. Spieltag der Fußball-Bundesliga gegen den FSV Mainz 05 mit 0:2 (0:0). Als Tabellensechster könnte die SGE in einer Woche noch aus den internationalen Rängen rutschen.

Anthony Ujah (53./57.) schockte mit seinem Doppelpack die Frankfurter, die in der Liga seit nunmehr fünf Spielen auf ein Erfolgserlebnis warten. Mit diesem hätte die Eintracht gegen clevere Mainzer den Einzug in die Europa League klarmachen und sogar seine Chancen auf die Champions League erhöhen können.

Auch deshalb gab der Großteil der 51.500 Zuschauer in der ausverkauften WM-Arena vor dem Anpfiff das Ziel für den Saisonendspurt aus, als sehnsüchtig vom “Europacuuuuup” gesungen wurde. Der Ohrwurm, der die Hessen auf ihren so berauschenden internationalen Reisen in den vergangenen Monaten begleitet hatte, taugte am Sonntag zumindest in der Anfangsphase auch als Motivationsspritze.

Anthony Ujah jubelt: Der Mainzer Stürmer traf gegen Eintracht Frankfurt doppelt. (Quelle: Thomas Frey/dpa)

Video: Pressekonferenz nach SGE – Mainz

Luka Jovic (3.) und Danny Da Costa (6.) besaßen früh die Möglichkeit zur Führung der Eintracht, die in dieser Saison nicht mehr auf Mittelfeldspieler Sebastian Rode (Knorpelschaden im Knie) zurückgreifen kann. Spätestens nach 18 Minuten hätten die Gastgeber zwingend führen müssen, Stürmer Ante Rebic schoss den Ball jedoch freistehend vor dem Mainzer Torhüter Florian Müller in den Oberrang.

In der offen geführten Partie suchten zwischen all den aussichtsreichen Angriffen der Frankfurter auch die mutigen Gäste immer wieder ihr Glück in der Offensive. Die beste Möglichkeit für die Mainzer im ersten Durchgang besaß Pierre Kunde Malong (21.) – weil dessen Distanzschuss gefährlich von Frankfurts Abwehrspieler Simon Falette abgefälscht wurde.

Bis zur Pause war Frankfurt die leicht überlegene Mannschaft, Torchancen blieben in dieser Phase aber die Seltenheit. Das lag auch an vielen kleineren Fouls, die den Spielfluss nach den unterhaltsamen ersten Minuten entschieden störten.

Nach dem Seitenwechsel deutete zunächst alles auf eine Druckphase der Frankfurter hin, ehe Ujah den in der Rückwärtsbewegung schlampigen Favoriten bestrafte. Von Jean-Philippe Mateta geschickt in Szene gesetzt, beförderte der Nigerianer den Ball gefühlvoll an SGE-Keeper Kevin Trapp vorbei ins Tor. Wenig später nutzte er die fehlende Ordnung in Frankfurts Defensive erneut eiskalt aus.

Eintracht-Trainer Adi Hütter brachte postwendend frische Kräfte, unter anderem den in den vergangenen Wochen wegen einer Bauchmuskelverletzung schmerzlich vermissten Angreifer Sebastien Haller. Ohne die Unterstützung seiner augenscheinlich müden Teamkollegen kam aber auch der Franzose nur schwer in Tritt. Tatsächlich waren die Mainzer nach einer guten Stunde dem dritten Treffer näher als Frankfurt dem Anschluss.

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