Eintracht Frankfurt kämpft um die Königsklasse: \
Frankfurt-Coach Hütter: Müssen alles raushauen
Chelsea in den Beinen, Mainz vor der Brust: Nach dem bitteren Europa-League-Aus an der Stamford Bridge geht es für die Eintracht in der Bundesliga nun gegen Mainz 05. Ein Sieg ist dabei Pflicht.

Die Tränen nach dem brutalen Elfmeter-Drama von London sind gerade erst getrocknet. Doch für Eintracht Frankfurts geknickte Europa-League-Helden steht gleich das nächste enorm wichtige Spiel auf dem Plan. Im eigens wegen des verlängerten europäischen Abenteuers der Hessen auf Sonntag (18 Uhr) verlegten Rhein-Main-Derby treffen die Adlerträger auf den FSV Mainz 05. Im Kampf um die erneute Teilnahme am internationalen Geschäft ist die Eintracht dabei zum Siegen verdammt.

“Wir müssen alles unternehmen, um das Spiel gegen Mainz zu gewinnen”, sagte Trainer Adi Hütter bei der Pressekonferenz am Freitagnachmittag, immer noch angefasst vom großen Europapokalkampf keine 24 Stunden zuvor: “Wir haben bisher eine sehr gute Saison gespielt und wollen diese krönen, damit wir auch in der nächsten international spielen.”

Der sich immer größer fühlte, als er war. Und der nun endlich mal rauskommt aus dem taubengrauen Mittelfeld der Bundesliga. Kein Wunder also, könnte man sagen, dass man sich in Frankfurt mehr über ein Spiel in Lissabon oder London freut als in München oder Dortmund. Aber was die Frankfurter Fans dann abgezogen haben, wie sie ihre Europakarawane inszeniert haben und wie sie selbst dann ihre Europalust nicht verloren haben, als sie von der Hessischen Polizei drangsaliert wurden, damit war dann doch nicht zu rechnen.

Schließlich winkt auf der einen Seite die Krönung einer bislang famosen Saison, während zugleich ein mehr als nur schmerzhafter Absturz droht. Zwei Spieltage vor Saisonende steht die Eintracht auf Platz vier, der zum erstmaligen Einzug in die Königsklasse reichen würde. Aufgrund des engen Rennens um die Europacup-Plätze ist aber auch ein Abrutschen bis auf Rang acht noch möglich – und damit das Verpassen der Europa League. Und nach dem Duell mit Mainz müssen die Frankfurter zum Saisonfinale noch bei Rekordmeister Bayern München antreten.

Ihrem Feuer konnte sich kaum einer entziehen. Wegen der Frankfurter richteten sich alle Augen auf die Europa League, den zweitklassigen Wettbewerb der Uefa, das sonst wenig geliebte kleine Stiefgeschwisterchen der großen Champions League. Am Ende hat sogar die EU-Kommission kapiert, was sie an der Eintracht hat. Der Klub hatte ein Video veröffentlicht, in dem noch einmal Bilder von der verrückten und so von niemandem erwarteten Europatournee des Teams und ihrer Fans gezeigt werden.

Der Druck, der auf der Eintracht lastet, ist also gewaltig. Denn einen “Freifahrtschein für die Champions League”, den man sich laut Sportvorstand Fredi Bobic durch die begeisternden Europapokal-Auftritte im Grunde verdient hätte, gibt es natürlich nicht. Auch nicht für die Eintracht. Obwohl diese die Bundesliga bis einschließlich dem bitteren Halbfinal-Aus im Elfmeterschießen beim FC Chelsea so vorzüglich vertreten hatte.

Mit einer im besten Sinne naiven Begeisterung sind die Frankfurter Fans durch den Kontinent gereist, haben jede Mannschaft, die zu Gast gekommen ist, mit einer Choreografie empfangen, die das Frankfurter Stadion zum Theater der ganz großen Gefühle gemacht hat. Natürlich hat die Mannschaft gut gespielt, sonst wäre sie nicht ins Halbfinale gekommen, aber die Hauptdarsteller dieser Frankfurter Europakampagne waren die Fans.

Stattdessen spüren die Frankfurter in der Liga den heißen Atem der Verfolger. Der Eintracht drohte zuletzt im Endspurt etwas die Puste auszugehen. Für spektakuläre Europacup-Festtage konnten sich die Spieler zwar stets noch motivieren, im Alltag machte sich aber immer mehr die Verschleißerscheinung bemerkbar. Keines der letzten vier Ligaspiele gewannen sie.

Geschenke haben die Frankfurter auch am Wochenende keine zu erwarten. Obwohl seine Mannschaft den Klassenerhalt bereits vor drei Wochen perfekt gemacht hatte, forderte Mainz-Trainer Sandro Schwarz, dass seine Schützlinge “noch einmal alles rausfeuern an Leistung, an Mentalität”. Zumal die Rheinhessen nach den jüngsten Auftritten beim regionalen Rivalen noch etwas gut zu machen haben. Die letzten drei Gastspiele in Frankfurt hatte Mainz allesamt 0:3 verloren.

Klar, da gibt es auch die einfache Geschichte. Die Geschichte eines Klubs, der nicht allzu viele Trophäen gesammelt hat in seiner Vereinsgeschichte. Der 30 Jahre nach dem letzten Erfolg im Vorjahr den DFB-Pokal mal wieder gewonnen hat. Der normalerweise nicht dabei ist, wenn es um die Qualifikation für die europäischen Wettbewerbe geht.

Die Tränen vom Europa-League-Aus sind gerade erst getrocknet. Doch der Endspurt in der Liga wartet nicht. Im Derby gegen den FSV Mainz 05 am Sonntag (18 Uhr, LIVE! bei kicker.de) muss Eintracht Frankfurt die jüngste Krise beenden, um nicht in einer Woche mit leeren Händen dazustehen. Stattdessen soll mit einem Sieg ein großer Schritt in Richtung Champions-League-Qualifikation gemacht werden.

Das Finale haben die Frankfurter nun verpasst. Dort spielen mit Arsenal und dem FC Chelsea zwei englische Klubs. Auch im Champions-League-Endpiel streiten sich mit dem FC Liverpool und Tottenham Hotspur zwei Teams aus England. Ausgerechnet, mag man sich denken in Zeiten des ewigen Brexits.

Das große Ziel ist so nahe. Zwei Spiele trennt die Elf von Adi Hütter noch davon, die grandiose Saison zu krönen und erstmals in der Vereinsgeschichte in die Champions League einzuziehen. Doch das Momentum haben die Hessen nicht auf ihrer Seite. Der kräftezehrenden Saison mit bereits 48 Pflichtspielen musste im Liga-Alltag zuletzt bereits Tribut gezollt werden. Nur zwei Punkte aus vier Spielen – mit dem 1:6 in Leverkusen als Negativhöhepunkt – stehen zu Buche. Aktuell noch auf Platz vier, könnte Frankfurt noch durchgereicht werden und am Ende gar die Europa-League verpassen.

Der FC Chelsea konnte besser Elfmeterschießen beim Halbfinale in London. In Erinnerung bleiben wird die Saison des noblen FC Chelsea wohl nicht allzu lange, auch wenn er das Endspiel gewinnen sollte. In Erinnerung bleiben wird Eintracht Frankfurt – wegen der Liebe ihrer Fans zu Europa.

„Wir müssen in den letzten zehn Tagen jetzt alles raushauen, denn es geht um wahnsinnig viel.“Adi Hütter

Es war eben echte Liebe. Zur Eintracht, zum Fußball und zu Europa, das die Fans so selbstverständlich durchstreift haben, als würde Charkiw gleich hinter dem Taunus liegen, als könnte man mit der S-Bahn nach Nikosia fahren.

“Heute ist die Enttäuschung noch erlaubt”, sagte Hütter am Freitag nach der Rückkehr aus London. “Morgen interessiert das aber niemanden mehr. Wir müssen in den letzten zehn Tagen jetzt alles raushauen, denn es geht um wahnsinnig viel.” Nach dem Duell gegen die Rheinhessen wartet am letzten Spieltag der FC Bayern, der die Meisterschaft dann schon sicher haben könnte. Und selbst bei zwei Siegen könnte der Traum von der Königsklasse noch platzen, denn die punktgleichen Leverkusener haben durch den klaren Erfolg im direkten Duell am vergangenen Wochenende in puncto Torverhältnis mächtig aufgeholt. Fünf Treffer hat die Eintracht noch gut. International haben die Hessen in diesem Jahr mehrmals gezeigt, dass sie mit Drucksituationen umzugehen können. Das gilt es nun auf das Tagesgeschehen zu adaptieren.

Aber der Fußball zeigt, dass Europa mehr ist als die EU. Das Finale der Europa League findet übrigens in Baku statt. Wie gerne hätten die Eintracht-Fans ihre herzerwärmende Tour in Aserbaidschan beendet.

Zum entscheidenden Faktor könnte am Sonntag das Publikum in der heimischen Arena avancieren, die mit 51.500 Zuschauern zum sechsten Mal in dieser Spielzeit ausverkauft ist. Der Schnitt von 49.700 bedeutet einen neuen Bundesliga-Rekord für die Eintracht. “Die Fans werden uns wieder tragen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen ihnen und der Mannschaft ist grandios. Das wird am Sonntag ein wichtiger Baustein sein”, prophezeite Hütter. Eine Szene vom Donnerstagabend an der Stamford Bridge hob der 49-Jährige besonders hervor: Es rührte ihn, wie Martin Hinteregger nach seinem verschossenen Elfmeter von den Fans zu sich geholt und wieder aufgebaut wurde. Der Moment steht auch symbolisch für die geschlossene Einheit, die die Eintracht aktuell abbildet.

.@Eintracht Frankfurt is more than a football team. Eintracht is Europe.Thanks for this video and for your commitment to the EU. 🇪🇺💙⚽️ pic.twitter.com/NFCjgJ2HaP

Video: Gegnercheck | Eintracht Frankfurt – Mainz 05

Gegen die Nullfünfer, vor deren körperbetonten Spiel und der variablen Offensive Hütter warnte, müsse man “den Kampf von der ersten Minute annehmen.” Insbesondere Jean-Philippe Mateta (13 Tore), Robin Quaison (7) und Karim Onisiwo (7), die alleine 27 der 40 Mainzer Saisontore erzielten, gelte es in Schach zu halten. Wer auf Frankfurter Seite dafür verantwortlich sein wird, ließ der Österreicher am Freitag noch offen. “Die Karten werden wieder neu gemischt. Sicherlich werde ich rotieren. Einige sind in den 120 Minuten über ihre Grenzen gegangen”, kündigte Hütter an.

Es ist Liebe. Mehr muss ein Fußballfan nicht sagen, wenn er erklären soll, dass er wieder mal weinen musste über seinen Herzensklub. Aus Freude. Aus Trauer. Egal.

So könnte auch Sebastian Haller, der gegen Chelsea nach knapp vierwöchiger Verletzungspause sein Comeback beinahe mit dem vielleicht entscheidenden Treffer hätte krönen können, nach fünf Ligaspielen ohne Einsatz wieder zum Zug kommen. “Es hat mich unheimlich gefreut, dass er in dieser Saison nochmal zum Einsatz gekommen ist. Er wirkt körperlich und geistig schon wieder sehr frisch und ist sicherlich ein Thema für das Spiel”, so Hütter. Sicher fehlen wird hingegen Sebastian Rode. Doch wie lange der 28-Jährige nach seiner Knieverletzung aus dem Europa-League Spiel ausfallen wird ist noch unklar. Die genaue Diagnose soll im Laufe des Samstags gestellt werden.

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