Tausende Schüler bei Fridays-for-Future-Demos in Hessen - hessenschau.de
Weltweit Schüler-Demos am Freitag: Deutsche finden Klima-Proteste gut
Diesen Freitag könnte die "Friday for Future"-Demo in Frankfurt so groß wie nie werden – Schüler erwarten über 10.000 Teilnehmer. Trotz des ungemütlichen Wetters ist der Andrang groß.

Update, 16:34 Uhr: Während auf Twitter aktuell Gerüchte kursieren, dass sich zwischen 15 000 und 20 000 Teilnehmer auf der Demonstration für eine bessere Klimapolitik engagiert haben, weichen diese Zahlen doch sehr stark von den Aussagen der Polizei Frankfurt ab.

Seit vielen Wochen geht das nun schon so, auch in Deutschland. Die Rechtslage ist klar: Hierzulande gibt es Schulpflicht. In den meisten Bundesländern gilt sie, bis die Jugendlichen etwa 18 sind. Systematisches Schwänzen ist also nicht ein witziger Schülerstreich, sondern Rechtsbruch. Wer anfängt, Blaumachen für den guten Zweck durchgehen zu lassen, kann da schnell argumentativ auf heikles Gelände kommen. Denn: Was ist der gute Zweck? Und: Wer entscheidet darüber? Natürlich müssen diese Gesetze mit Augenmaß durchgesetzt werden. Es gibt Situationen, in denen die Schulpflicht mit anderen geschriebenen oder ungeschriebenen Regeln konkurriert. Und selbstverständlich muss es – zum Beispiel – möglich sein, dass Kinder wegen der kranken Oma zu Hause bleiben. Aber: Wie oft, wie lange ist Daheimbleiben in Ordnung? Wie etwa würde die Öffentlichkeit reagieren, wenn in deutschen Städten Jugend-Demos gegen offene Grenzen angemeldet würden, stichelte neulich der Berliner Tagesspiegel.

Wir haben noch einmal nachgefragt: Eine Pressesprecherin der Polizei Frankfurt beruft sich auf die bereits vorher veröffentlichte Teilnehmer-Anzahl von 6000 Demonstranten.

Update, 15:20 Uhr: Mittlerweile ist der Protestzug auf dem Frankfurter Römerberg angekommen. 

Immer wieder freitags gehen Schüler und Studenten zu Tausenden auf die Straße um einen Ruck beim Klimaschutz einzufordern. Unterricht? Schulpflicht? Egal, es gibt Wichtigeres im Leben, sagen sich die jungen Leute, die heute an Demos in 170 Städten in Deutschland teilnehmen. Sie befinden sich in großer Gesellschaft. Denn weltweit werden diesmal 1650 Aktionen erwartet. Sie alle folgen dem Vorbild der Schwedin Greta Thunberg, die jetzt sogar für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde. Die Nominierung allein besagt zwar noch wenig über die Erfolgsaussichten der 16-Jährigen, ist aber immerhin ein Signal.

Der Römer in Frankfurt am Main. Es ist voll und es kommen mehr und mehr. #FridaysForFuture pic.twitter.com/TQjA6cJqRD

Dort gibt es Solidaritätsbekundungen von Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD): "Ich teile die Ziele der protestierenden Schülerinnen und Schüler", schreibt er auf Facebook und veröffentlicht ein Video, dass die Friday for Future-Demo aus dem Frankfurter Römer hinaus filmt. 

Das deutsche Ziel, bis 2020 bei den Treibhausgasen 40 Prozent weniger als 1990, wurde schon aufgegeben. Nun also geht es in die Verlängerung, und hier muss diese Koalition liefern. Der Ausstieg aus der Kohle soll bis 2038 berechenbar gelingen, da will die Regierung handeln. Jetzt muss ein Gesamtpaket her. Gestern haben die Spitzen von Union und SPD endlich ein Verfahren vereinbart, mit dem ein Klimakabinett das vorbereitet werden soll. Noch in diesem Jahr soll das Klimaschutzgesetz kommen.

Schüler und Studenten demonstrieren für bessere Klimapolitik

Und er spricht eine überraschende Einladung aus. "Es wäre großartig, wenn auch die Mit-Initiatorin, Greta Thunberg, einmal nach Frankfurt kommen würde", schreibt Feldmann in seinem Facebook-Post. 

Die Meinung kann man vertreten. Und sicher ist es sehr erfreulich, wenn Jungendliche und junge Erwachsene nicht als Zuschauer des politischen Geschehens, sondern als Akteure der Demokratie begreifen. Nur: Wer politisch Verantwortung trägt, sollte die Schüler-Demos nicht gönnerhaft loben, sondern sie durch einen schnellen politischen Kraftakt überflüssig machen. Denn hier geht es schließlich nicht um ein einmaliges Signal der jungen Leute, sondern um eine permanentes Ritual.

Update, 15. März, 15:00 Uhr: Die zweite Kundgebung in Frankfurt, die am Hauptbahnhof startete, hatte kurzzeitig eine Kreuzung komplett blockiert und damit den Straßenbahn-, sowie Autoverkehr lahmgelegt.

Wir jungen Menschen können nicht die Hausaufgaben einer ganzen Republik machen, sagt Luisa Neubauer. Die 22-jährige Studentin ist eine der deutschen Galionsfiguren von Fridays for Future.  In der Tat muss jetzt die Politik liefern, was sie schon lange verspricht. Die politischen Hausaufgaben nicht zu machen, ist nämlich wie Schuleschwänzen: auf Dauer inakzeptabel.

Politische Unterstützung bekommen die jungen Demonstranten von SPD, Grünen und Linken. SPD-Vorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel bezeichnete die Kundgebungen als richtigen und wichtigen Weg. "Es sind die Kinder und Jugendlichen, die morgen die Konsequenzen dessen tragen müssen, was wir heute versäumen", betonte er.

Die Grünen im Landtag riefen dazu auf, die Forderungen der Jugendlichen endlich ernst zu nehmen und danach zu handeln.

Apropos Sorgerecht: Die Erwachsenen sind in diesem Spiel die entscheidenden Akteure. Die Schüler erleben sich als ohnmächtig und nutzen eines der wenigen Druckmittel, das sie überhaupt haben. Sie wollen Aufmerksamkeit und – eine andere Politik. Eine, die den Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel angeht.

Update, 15. März, 14:00 Uhr: Nach Einschätzung der Polizei Frankfurt sind zurzeit um die 6000 Demonstranten in der Innenstadt lautstark unterwegs. Der erste Zwischenstopp des Zuges ist bei der Alten Oper Frankfurt. Die Proteste laufen derzeit friedlich ab, es gab keine Zwischenfälle.

Weiter Eindrücke von der #FridaysForFuture #Demo aus #Frankfurt! Hammer es sind echt viele #Menschen!#HambiBleibt #Endcoal #ClimateStrike #Klimawandel pic.twitter.com/i7FkBZPvQI

Von den Erwachsenen erwarte die Bewegung nicht, dass sie der Jugend Hoffnung spende, schrieben Thunberg und ihre Mitstreiter. "Wir wollen, dass ihr in Panik geratet und handelt. Wir wollen, dass ihr euch anschließt." Konkret müsse schnell weltweit der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas organisiert werden. Subventionen für diese Art "schmutziger Energie" gehörten abgeschafft, stattdessen müsse viel mehr Geld in erneuerbare Energien fließen. Auf Plakaten bei Protesten in Deutschland hieß es unter anderem: "Wir lernen nicht für eine zerstörte Zukunft" oder "Fehlstunden verkraften wir, Klimawandel nicht". Andere hatten Schilder dabei mit Aufschriften wie "Die Dinos dachten auch, sie hätten Zeit", "Wäre die Welt eine Autofirma, hättet ihr sie längst gerettet" und "Die Zeit rennt, ihr pennt".

Update, 15. März, 13:00 Uhr: "Stop denying – Earth is dying!" Diese und viele weitere Plakate füllen mittlerweile die Frankfurter Innenstadt. Seit 12 Uhr laufen die Proteste gegen die derzeitige Klimapolitik. Es ist ein globaler Streik, der heute nicht nur Schülerinnen und Schüler sondern auch Studenten auf die Straße gerufen hat. 

Ein proppevoller Opernplatz mit tausenden Schüler*innen, die für Ihre Zukunft kämpfen. Wunderbar! #FridaysForFuture #FridaysForFutureFrankfurt #Frankfurt #Klimastreik #climatestrike pic.twitter.com/qs3DXb5kVd

Politik 15.03.19 "Fridays for Future" Zehntausende Schüler streiken in ganz Deutschland Symbolfigur der Protestwelle ist die 16-jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg, die seit August 2018 immer freitags für einen beherzteren Kampf gegen den Klimawandel demonstriert statt zur Schule zu gehen. Sie ist inzwischen zu einer Ikone für Klimaschützer rund um die Welt geworden. In vielen Städten hielten Demonstranten Schilder mit dem Spruch "make the world Greta again" in die Höhe. Thunberg, die zusammen mit Tausenden Mitstreitern in Stockholm protestierte, bescheinigte den Regierungen weltweit zu wenig Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderwärmung. Anstatt zu handeln, vergeudeten Politiker allerorten Zeit, sagte die 16-Jährige am Rande einer Demonstration vor dem Reichstag. 

Trotz des nasskalten und ungemütlichen Wetters hat sich die Bockenheimer Landstraße vor dem Uni Campus Bockenheim sehr gut gefüllt. Mittlerweile sind die Demonstranten bereits auf ihrer geplanten Route durch das Westend in Richtung Altstadt unterwegs. Wir zeigen die ersten Eindrücke, Bilder und Videos. Der erste Zwischenstopp des Zuges ist bei der Alten Oper Frankfurt.

"Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut" #fridaysforfuture #frankfurt pic.twitter.com/FXPxi2sstr

Politik 02.03.19 Schwänzen für den Klimaschutz Barley und Merkel unterstützen Schülerproteste Unterstützung bekommt die ursprünglich von jungen Leuten initiierte Bewegung auch aus anderen Generationen. So haben rund 20.000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Stellungnahme unterzeichnet, um dem Anliegen der Klimabewegung Nachdruck zu verleihen. Auch Eltern stellen sich mit "Parents for Future" an die Seite der Jugendlichen. Sie bitten unter anderem darum, auf Schulverweise oder andere disziplinarische Maßnahmen zu verzichten, wenn Schüler für Proteste dem Unterricht fernbleiben.

Wow, richtig viele SchülerInnen und mächtig Lärm zum #FridaysForFuture in #Frankfurt. Supporte euch vom Bürofenster aus! pic.twitter.com/k93Bd9LqAC

In Neuseeland, wo die ersten Proteste weltweit anliefen, sagte die 18-jährige Koordinatorin Sophie Handford: "Wir sind die, die diese Erde erben werden. Wir verdienen es, darüber mitreden zu dürfen, welche Art von Zukunft wir haben werden." Auch in Rom strömten Tausende Schüler zu den Kaiserforen und forderten lauthals einen Wechsel in der Klimapolitik. Dabei skandierten sie vor der historischen Kulisse und bei strahlendem Sonnenschein Sprüche wie "Wir haben nur einen Planeten" oder "Wir sind der Wandel".

Update, 15. März, 09.22 Uhr: Glaubt man den Initiatoren der hessischen "Fridays for Future"-Proteste, könnte es heute Nachmittag in der Frankfurter Innenstadt ziemlich voll werden. Die Aktivisten rechnen mit rund 10.000 Teilnehmern. Die Polizei wird den Demonstrationszug begleiten und rät im Zeitraum von 12 bis 17 Uhr den Innenstadtbereich – vor allem mit dem Auto – zu meiden. "Es wird immer wieder zu kurzfristigen Einschränkungen im Verkehr kommen", heißt es vonseiten der Pressestelle. Es sei ratsam, im Zeitraum der Proteste öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

In einem Beitrag im britischen "Guardian" schrieb Thunberg zusammen mit anderen jugendlichen Organisatoren der Initiative "Fridays For Future": "Diese Bewegung musste kommen, wir hatten keine Wahl." Das "etwas sehr falsch läuft" hätten ihnen die jüngsten Wald- und Buschbrände etwa in Schweden und den USA sowie die Überschwemmungen und Dürreperioden in Australien und Deutschland gezeigt. Die Erderhitzung nannten sie die "größte Gefahr, der die Menschheit jemals gegenüber stand".

Offiziell sind für die Fridays for Future"-Proteste in Frankfurt 2600 Menschen bei der Frankfurter Polizei angemeldet worden, so die Pressesprecherin weiter. Falls tatsächlich dreifach so viele Menschen an der Demo teilnehmen sollten, sei man vorbereitet.

Auch in Indien beteiligten sich insgesamt einige hundert Schüler in der Hauptstadt Neu Delhi sowie weiteren Städten. In Gurugram, einem Vorort von Neu Delhi, trug ein Mädchen einen Kittel, auf dem "Ich will nicht ersticken" stand. Neu Delhi und Gurugram (früher Gurgaon) gehören laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO zu den 13 Städten mit der schlimmsten Feinstaubbelastung weltweit – alle 13 liegen in Nordindien.

Erstmeldung, 14. März: Frankfurt – Seit Wochen demonstrieren weltweit Schüler und auch Studierende für den Klimaschutz. Diesen Freitag setzen die Veranstalter noch eine Schippe drauf. Hessenweit sind Großdemonstrationen geplant – Frankfurt wird, alle

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut“, rufen etwa 280 Schüler, als sie heute Mittag vor dem Rosentor für den Klimaschutz demonstrieren. In der Kaiserstadt ist es die erste Veranstaltung der Initiative „Fridays for Future“, für die freitags weltweit Schüler auf die Straße gehen. „Es gibt keinen Planeten B“ und „Klimaschutz statt Kohleschmutz“ steht auf etlichen Plakaten, mit denen die Schüler um die Marktkirche ziehen. Sie wollen sich gegen die internationale Klimapolitik engagieren und für den Kohleausstieg einsetzen.

Für Frankfurt werden, nach Einschätzung der Schülervertretung, Zehntausende in der Innenstadt erwartet. Die Demo-Route könnte zeitweilig für Verkehrsbehinderungen in der Frankfurter sorgen.

Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut, rufen etwa 280 Schüler, als sie heute Mittag vor dem Rosentor für den Klimaschutz demonstrieren. In der Kaiserstadt ist es die erste Veranstaltung der Initiative Fridays for Future, für die freitags weltweit Schüler auf die Straße gehen. Es gibt keinen Planeten B und Klimaschutz statt Kohleschmutz steht auf etlichen Plakaten, mit denen die Schüler um die Marktkirche ziehen. Sie wollen sich gegen die internationale Klimapolitik engagieren und für den Kohleausstieg einsetzen.

Fridays-Aktivist Jakob Blasel:”Herr Lindner hat einiges nicht verstanden”

Die große Frage, die immer wieder im Raum steht, ist die Berechtigung des Schuleschwänzens für den Klimaschutz – viele Politiker sehen keine Toleranz in dieser Beziehung und pochen auf unentschuldigte Fehlstunden, so auch der Hessische Kultusminister, wie fnp berichtete.

Schüler demonstrieren für Klimaschutz

Los geht der Protest Nahe des Uni-Campus Bockenheim an der Bockenheimer Warte. Die Demonstranten ziehen dann in Richtung Frankfurter Innenstadt über die Bockenheimer Landstraße, weiter geht es über den Reuterweg, anschließend in Richtung Bremer Straße, dann über die Eschersheimer Landstraße, Eschersheimer Tor, Große Eschenheimer Landstraße, über die Hauptwache, die Zeil, die Liebfrauenstraße, über die Neue Kräme zum Römerberg. 

Eine der Organisatorinnen in Goslar ist die 19-jährige Frauke Nickel, die im vergangenen Jahr ihr Abitur am Christian-von-Dohm-Gymnasium abgeschlossen hat. Auf die Straße geht sie aus der Überzeugung, dass sie der letzten Generation angehört, die etwas für das Klima tun kann. Ich frage mich, wovon ich im Jahr 2050 leben soll, wenn wir die Erde kaputtmachen, erklärt Nickel.

Der Protest-Marsch durch Frankfurt startet um 12 Uhr und wird insgesamt rund drei Stunden dauern – inklusive des Demozuges durch die Frankfurter Innenstadt. Geplant sind außerdem unter anderem auch Kundgebungen in Kassel, Marburg, Gießen, Wetzlar, Wiesbaden und Darmstadt.

Die Lehrer-Gewerkschaft GEW hat die Schulen in Hessen dazu aufgerufen, den für Freitag (15. März) geplanten Klimaschutz-Protesttag nicht zu sanktionieren. "Das Bildungssystem soll nicht nur Kenntnisse in schulischen Fächern wie Mathematik, Rechtschreibung oder Fremdsprachen vermitteln", sagte Vorsitzende Maike Wiedwald am Donnerstag in Frankfurt. Es müsse in der Schule immer auch darum gehen, junge Menschen "an eine mündige Teilhabe an der Gesellschaft heranzuführen".

Was andere Bildungsinstitutionen dazu sagen und ein Pro und Contra können Sie auf fnp hier nachlesen.

In Erfurt wurde auf dem Anger demonstriert. Foto: Marco Schmidt Im Mittelpunkt des dichten, kreisrund formierten Pulks blieb ein kleiner Freiraum, aus dem heraus einzelne Kinder ihre Statements durch ein Megaphon riefen. Aber es waren nicht nur Erfurter, die hier für Klimaschutz und gegen den verantwortungslosen Umgang der Erwachsenen mit de Erde und Umwelt protestierten. Emma (15) ist mit ihrer Freundin Josephine aus Gotha bzw. Friedrichroda nach Erfurt gekommen, weil bei ihnen nicht so viel los ist.

Lesen Sie auf fnp.de* auch: „Fridays for Future“: Luisa Neubauer (22) ist die deutsche Greta Thunberg

Jena : In Jena kamen ungefähr 700 bis 800 Demonstranten, der Großteil waren Schüler. Vom Holzmarkt zog der Demonstrationszug bei leichtem Regen durch die Innenstadt vor die Friedenskirche, von dort über die Johannisstraße auf den Ernst-Abbe-Campus, auf dem weitere Kundgebungen stattfanden. Die Demonstranten legten gemeinsam eine Schweigeminute ein. Der Transporter von Lothar König mit Musik und Tontechnik wurde von Schülern über die ganze Strecke hinweg an Seilen gezogen.

Hunderttausende Jugendliche haben am Freitag weltweit für einen radikalen Kurswechsel hin zu mehr Klimaschutz demonstriert. Kundgebungen unter dem Motto Fridays For Future gab es in europäischen Metropolen wie Rom, Wien, Warschau, London und auch in Dutzenden deutschen Städten.

Mit Plakaten, Transparenten und lauten Sprechchören zogen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Gera , aber auch dem Landkreis Greiz und darüber hinaus durch die Innenstadt zum Geraer Rathaus, wo sie mehr Bemühungen für den Klimaschutz und ganz konkret die Umsetzung des Geraer Klimaschutzkonzeptes forderten. Dazu wurde gestern zur Demo auch ein Einwohnerantrag der Geraer Piratenpartei initiiert.

Unter anderem in Berlin, Köln, Dresden und Stuttgart zogen Tausende Schüler, Studenten und Unterstützer mit Plakaten durch die Straßen. Rund um den Globus waren mehr als 2000 Kundgebungen und Schülerstreiks in mehr als 120 Staaten angekündigt, in Deutschland rund 200.

Weimarer Jenaplanschüler berichteten, dass sie für die Kundgebung zumindest eine Freistunde bekommen haben. Auch Goethe-, Schiller- und Humboldtgymnasiasten, Waldorf- und Bertuchberufsschüler gaben sich zu erkennen. Ich glaube, noch nie haben für das Thema Klimaschutz so viele Menschen in Weimar demonstriert, sagt Valentin vom Organisationsteam. In zwei Wochen kommen wir wieder.

▶︎Bundesweit haben am Freitag nach Schätzungen der Veranstalter mehr als 300 000 Demonstranten an den Protesten teilgenommen.

There is no Plan B neben einem traurigen Eisbären – viele Plakate waren in den vergangenen Tagen entstanden. Alle mit der Botschaft, endlich die Klimapolitik grundsätzlich zu ändern. Und als plötzlich viel Bewegung in die Ansammlung kommt, erschallt der Slogan Wer nicht hüpft, der ist für Kohle. Nach dem Demonstration zogen die jugendlichen noch laufstark zum Domplatz.

Hierzulande schließen sich den Protesten auch immer mehr Eltern an, auch Großeltern wurden gesichtet. Fakt ist: Die Schülerproteste der Fridays for Future-Bewegung bekommen aus der Bevölkerung überwiegend Zuspruch.

Das Otto-Schott-Gymnasium unterstützt die Aktion nicht. Schüler Pascal Koch , 17, sagt: Wir finden die Haltung unserer Schule uns streikenden Schülern gegenüber respektlos. Es ist doch die pure Ironie, wenn wir im Unterricht das Thema Klimaschutz behandeln und dann nicht zur Demo dürfen. Es falle in der Woche so viel Unterricht aus, da käme es doch nicht auf die zwei Stunden an.

Das geht aus dem ZDF-Politbarometer hervor. Nach der am Freitag veröffentlichten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen finden 67 Prozent der Befragten die Demonstrationen der Schüler gut, auch wenn sie in der Unterrichtszeit stattfinden.

32 Prozent sprechen sich dagegen aus. Lediglich die Anhänger der AfD sind mit 67 Prozent mehrheitlich gegen den Protest.

Klimastreik in SH – “Fridays for Future”: 15.000 waren dabei

Greta Thunberg wurde als Initiatorin von Fridays For Future für den Friedensnobelpreis nominiert. Die Demo findet in 105 Städten statt.

Symbolfigur der Protestwelle ist die 16-jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg, die seit August 2018 immer freitags für einen beherzteren Kampf gegen den Klimawandel demonstriert statt zur Schule zu gehen.

Sie ist inzwischen zu einer Ikone für Klimaschützer rund um die Welt geworden. In vielen Städten hielten Demonstranten Schilder mit dem Spruch Make the world Greta again in die Höhe – angelehnt an den Wahlkampfslogan von US-Präsident Donald Trump Make America great again (Macht Amerika wieder groß).

Viele Schulen hierzulande erlauben ihren Schülern die Teilnahme an den Protesten. Vielerorts kommen Lehrer sogar mit ihren Klassen zu den Demos.

Die Bewegung wächst und wächst: Das wird groß, ist sich der 15-jährige Linus, einer der Organisatoren der Klima-Demos in Berlin , sicher. Langsam kommt an, dass das hier kein kurzfristiger Trend, sondern etwas Langfristiges ist, das Folgen hat.

Greta hat durch ihre stoische Haltung gezeigt, wie ein junger Mensch mit einem Lächeln im Gesicht auf einen eklatanten gesellschaftlichen Missstand aufmerksam machen kann. Die jungen Leute in Deutschland haben das geradezu wie ein Signal aufgenommen und sind durch ihr Vorbild inspiriert worden, es ihr gleich zu tun, so Hurrelmann zu BILD.Der Experte hält es für möglich, dass die Bewegung weiter wächst: Die jungen Leute halten ihre Demonstrationen jetzt schon seit drei Monaten durch. Wenn das noch einmal drei Monate so weitergeht, dann haben wir eine politisierte junge Generation, die sich auf allen Ebenen in die Politik einmischen wird.

▶︎ Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rät den vielen Schülern, ihre Proteste in die Freizeit zu verschieben. Demonstrationen außerhalb der Schulzeit würden dem Anliegen sicherlich noch einmal eine ganz neue Durchschlagskraft verleihen und ihr ernsthaftes Engagement untermauern, argumentierte Altmaier.

▶︎ FDP-Chef Christian Lindner: In der Unterrichtszeit sollten sie sich lieber über physikalische und naturwissenschaftliche sowie technische und wirtschaftliche Zusammenhänge informieren.

“Fridays for Future”: Schüler-Demos für den Klimaschutz

Und weiter: Ich bin für Realitätssinn. Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.▶︎ Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) widersprach. Ich finde es gut, dass diese angeblich so unpolitische Generation den Mund aufmacht und auf die Straße geht, sagte sie der Bild am Sonntag.▶︎ Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) begrüßten die Schülerproteste für mehr Klimaschutz ausdrücklich.

▶︎ Die Bundesregierung will das laufende Jahr nach Angaben von SPD-Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles zum Klimajahr machen. Auch angesichts der Schülerdemos für mehr Klimaschutz freue sie sich, dass die GroKo das Thema bei ihrem Spitzentreffen am Vortag zur Chefsache gemacht habe, sagte Nahles am Freitag in Berlin.