Frankfurt wie im Rausch
Luka Jovic greift nach den Sternen
Eintracht Frankfurt scheint aktuell nicht aufzuhalten zu sein. Gegen Schalke 04 stand am Ende ein deutlicher 3:0-Heimerfolg – der achte Sieg aus den jüngsten neun Pflichtspielen. Offensiv konnten sich die Hessen abermals auf ihr Angriffstrio um Doppeltorschütze Luka Jovic verlassen. Sportvorstand Fredi Bobic setzte nach Spielende zu einer Lobrede auf den Serben an.

Es waren Jovics Saisontore acht und neun, mit denen der Angreifer den Heimsieg gegen Schalke für die Eintracht nach der Pause auf den Weg brachte. Beim 1:0 ließ er zunächst Benjamin Stambouli aussteigen und vollendete anschließend trocken ins lange Eck (61.). Beim 2:0 vollstreckte Jovic nach Vorarbeit von Filip Kostic humorlos aus elf Metern (73.). Mit neun Treffern führt der 20-Jährige die Torjägerliste der Bundesliga nun allein an.

Hütter funktionierte den als charakterlich schwierig geltenden Flügelstürmer Filip Kostic zum mannschaftsdienlichen Linksverteidiger um. Er baute von Beginn auf den hochtalentierten, aber unerfahrenen Evan NDicka in der Innenverteidigung. Und er hatte zu guter Letzt den Mut, seine wuchtige Angriffs-“Büffelherde” Haller, Jovic und Rebic zusammen aufs Feld zu schicken. Zur Erinnerung: Die drei sind keine Neuzugänge, spielten aber im auf Defensive ausgelegten Konzept von Vorgänger Kovac keine gemeinsame Rolle. Dem Unterhaltungswert ist die jetzige Ausrichtung in jedem Fall zuträglich.

Eintracht-Trainer als stiller Star: Der Hütter der Büffelherde

Weil Jovic zudem die Vorarbeit zu Sebastien Hallers 3:0 (80.) leistete, kommt der Angreifer in den jüngsten sechs Bundesliga-Spielen auf starke 13 Scorerpunkte (neun Tore/vier Assists). “Seine Entwicklung ist absolut sensationell”, setzte Sportvorstand Bobic nach Spielende gegenüber “Sky” zu einer Lobrede auf den Serben an. “Er war bei Benfica irgendwo in der Versenkung verschwunden, war in der zweiten Mannschaft – gefühlt schon in der dritten”, blickte Bobic zurück. “Aber wir haben uns an seine Jugendzeit in Belgrad erinnert, wo er überragend war.”

Die Rückschläge folgten auf dem Fuß: Supercup-Watschn gegen die Kovac-Bayern, peinliches Pokal-Aus bei Regionalligist Ulm. Dazu hatte Hütter nur begrenzten Einfluss auf die von Sportvorstand Fredi Bobic und Kaderplaner Ben Manga vorangetriebene Personalpolitik. Die ominöse Trainingsgruppe 2, mit ausgemusterten und später wieder begnadigten Profis wie Marc Stendera oder Marco Fabián, war ebenfalls nicht Hütters Idee. Doch der Neue, der nach dem Schweizer Meistertitel mit YB Bern den Schritt in die Bundesliga wagte, trug die Entscheidungen nach außen klaglos mit.

„Wenn er jetzt noch begreift, dass er manchmal noch ein paar Meter mehr machen muss, dann geht er Richtung Weltklasse.“SGE-Sportvorstand Fredi Bobic über Jovic

Noch etwas hat sich im Vergleich zur zweifelsohne höchst erfolgreichen Kovac-Ära geändert: Hütter hält seine Spieler an einer etwas längeren Leine. Allzu strikte Regeln, mit denen sich Kovac aktuell auch bei den Bayern nicht nur Freunde macht, gehören der Vergangenheit an. “Der Unterschied ist, dass die Arbeit unter Kovac noch intensiver war. Dafür kommuniziert Hütter etwas mehr mit den Spielern”, beschrieb Abwehrchef Hasebe die menschlichen Stärken des neuen Coachs. Damit schafft es der Österreicher, auch die Reservisten bei Laune zu halten.

Im Sommer 2017 kam Jovic aus Lissabon, erzielte in seiner ersten Bundesliga-Saison acht Tore. Diese Marke hat er nun nach elf Spieltagen bereits übertroffen. “Er ist ein unfassbarer Bock-Spieler”, beschreibt Bobic den Angreifer. “Wenn er jetzt noch begreift, dass er manchmal ein paar Meter mehr machen muss, dann geht er Richtung Weltklasse.”

Auch Trainer Adi Hütter hatte für Jovic ein Sonderlob parat. “Luka hat mal wieder gezeigt, dass er vor dem Tor eine Granate ist”, wird der SGE-Coach auf der Vereinswebsite der Eintracht zitiert. Der 48-Jährige war mit dem Spiel seiner Mannschaft rundum zufrieden. “Wir haben über 90 Minuten gesehen in der Höhe verdient gewonnen”, analysierte Hütter. “Es hat Spaß gemacht, den Jungs zuzuschauen, wie sie weiter nach vorne agiert und es dann später zu Ende gespielt haben.”

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Normalerweise wägt ein Funktionär eines Bundesligisten seine Worte in der Nachlese eines Spiels sorgsam ab, doch an diesem bemerkenswerten Sonntagabend griff Axel Hellmann dann gleich mal ganz nach oben ins Regal. Der 47-Jährige adelte einen seiner Spieler, den jungen Mann mit der Nummer acht auf dem Rücken, den Ballermann der Liga, Luka Jovic. „So einen Spieler“, hob der Vorstand an, „habe ich bei Eintracht Frankfurt noch nie gesehen.“ Und es ist schon ein paar Tage her, seit Axel Hellmann sein Herz an die Eintracht verlor, der Jurist stand schon als kleiner Bub zu seligen Waldstadion-Zeiten im G-Block. Lange her. 

Die Frankfurter sind nicht müde zu kriegen und ringen den FC Schalke auch in dieser Höhe verdient mit 3:0 nieder. Mit dem Sieg rücken die Hessen auf den vierten Rang vor.

Inzwischen ist die Eintracht acht Spiele ohne Niederlage. Vor der Saison hätte das den Hessen wohl kaum jemand zugetraut, war doch nach Trainerwechsel und mit Doppelbelastung fast schon der Abstieg besiegelt. Seit der geglückten Relegation am Ende der Saison 2015/16 hat Bobic Mannschaft und Klub einem Facelifting unterzogen, es geht steil bergauf. Mit dem zuvor nie für möglich gehaltenen Pokalerfolg haben sich die Eintracht-Verantwortlichen in den Geschichtsbüchern verewigt. 

Luka Jovic, der noch immer erst 20 Jahre junge Stürmer, greift so ein bisschen nach den Sternen, die Torschützenliste der Bundesliga führt er an, am Sonntag steuerte er seine Treffer acht und neun bei, dabei hat er nur neun von elf Partien gemacht, sechsmal stand er nur in der Startelf. Doch Tore schießt er trotzdem am Fließband, zu den neun in der ersten Liga kommen noch deren drei in der Europa League. Den FC Schalke 04 erlegte der Serbe gestern Abend mit den Treffern zum 1:0 und 2:0 beinahe im Alleingang, er stellte die Weichen für den hart erkämpften, aber letztlich verdienten 3:0-Erfolg. 

Die Eintracht und ihre Fans – eine ganz besondere Beziehung. Bobic und Kollegen pflegen deshalb eine gute Beziehung zu den Anhängern, speziell zu den Ultras. Das erweckt neue Kräfte, die wiederum die Mannschaft beflügeln. Die Europa-League-Duelle werden zelebriert, jedes einzelne, als wäre es ein Finale. Nach Marseille reisten tausende Eintracht-Fans, obwohl sie sich nicht einmal in Fan-Bekleidung in der Stadt zeigen durften. 

„Luka macht einen unglaublich tollen Job“, sagte Trainer Adi Hütter. „Vor dem Tor ist er eine Granate, er ist ein absoluter Knipser.“ Das kann man so sehen, das muss man so sehen. 

In Nikosia feierte Frankfurt ein Heimspiel gegen Apollon Limassol. Nach einer Eingewöhnungsphase ist auch Trainer Adi Hütter vom Fanfieber infiziert. Nach dem Sieg gegen Limassol feierte er in der Kurve. "Die Fans haben darauf gewartet, dass ich mal in die Kurve gehe, heute hat das gepasst", sagte der Österreicher. "Ich merke, dass ich mehr und mehr in Frankfurt ankomme, und die Fans mich schätzen."

Der serbische Nationalspieler hat diesen Instinkt in die Wiege gelegt bekommen, er hat das Näschen – und er hat die Klasse.

Jovic, den die Eintracht am Saisonende von Benfica Lissabon kaufen wird, hat das, was man im Fußball etwas unschön den Killerinstinkt nennt, er braucht nicht viele Chancen, er ist da, wenn er gebraucht wird.

Gegen Schalke 04 etwa war er es, der die erste wirklich hochkarätige Chancen für die Hessen auf den Schlappen bekam, er hätte den Ball auch weiter passen können, zu Sebastien Haller etwa oder zu Ante Rebic.

Doch der Serbe entschied sich dazu, es alleine zu machen. Er umkurvte noch mal schnell Benjamin Stambouli und zog dann mit links ab, die Kugel sauste wie an der Schnur gezogen ins entfernte Toreck (61.). Ein Klassetor. Und auch beim 2:0 war er eiskalt, die Hereingabe von Filip Kostic nahm er direkt und jagte den Ball hinein ins Netz (73.). Erste Sahne, auch Trainer Hütter schnalzte mit der Zunge. „Wie er den nimmt – sensationell.“