Der Bann zuhause ist gebrochen
Frankfurt – 96: 4:1: WM-Held macht Hannover platt
Hannover 96 bleibt das Sorgenkind der Liga. Auch in Frankfurt gingen die Niedersachsen leer aus, unterlagen auch aufgrund einer schwachen ersten Hälfte mit 1:4 und warten folglich weiterhin auf den ersten Saisonsieg – auswärts hat 96 seit mittlerweile 16 Spielen nicht mehr gewonnen. Die Eintracht stellte zudem einen Klubrekord ein.

Frankfurts Coach Adi Hütter wechselte nach der 1:3-Niederlage in Gladbach gleich fünfmal. Torro, de Guzman, Rebic, Allan und Russ spielten für den angeschlagenen Abraham sowie Willems, Fernandes, Müller und Gacinovic (alle Bank). Russ führte die SGE in seinem 300. Bundesligaspiel als Kapitän aufs Feld und hoffte dabei auf seinen 100. Sieg im Oberhaus, während Vize-Weltmeister Rebic 2018/19 erstmals in der Startelf auflief.

Hannovers Trainer André Breitenreiter ließ auch rotieren. Im Vergleich zur 1:3-Heimniederlage gegen Hoffenheim kamen Albornoz, Felipe, Korb und Fossum für Ostrzolek, Wimmer (Rückenbeschwerden), Maina (muskuläre Probleme) und Bakalorz zum Einsatz.

Den landete der DFB-Pokalsieger aus Frankfurt mit dem ersten Saison-Heimsieg. Nach der gelungenen Generalprobe für das Europa-League-Spiel gegen Lazio Rom am kommenden Donnerstag schoben sich die Hessen mit sieben Punkten ins Mittelfeld der Tabelle vor. “Ich freue mich unheimlich”, sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter. “Es hat mir sehr gut gefallen, wie die Mannschaft für diesen Sieg gekämpft hat.”

Eintracht-Sieg in der Analyse: Viele Debüts, ein starker Kopf und der Rebic-Zauber

Beide Trainer vertrauten auf eine Fünferkette, die Eintracht spielte allerdings mit zwei Achtern (de Guzman/Allan), Hannover mit zwei Sechsern (Schwegler/Walace).

Rebic sorgte für gefährliche Aktionen, die bei Hannover 96 komplett fehlten – zum Ärger von Trainer Breitenreiter. Er sagte: “Jeder weiß, dass er ein Top-Stürmer ist. Aber wir haben es ihm auch zu einfach gemacht.” Zudem ergänzte er mit Blick auf die aggressiven Frankfurter: “Diese Körpersprache hätte ich mir von meinen Spielern auch gewünscht.

Bundesliga, 6. Spieltag Hertha – Bayern 2:0 (2:0)   Nürnberg – Düsseldorf 3:0 (1:0)   Schalke – Mainz 1:0 (1:0)   Stuttgart – Bremen 2:1 (1:0)   Wolfsburg – Gladbach 2:2 (1:1)   Hoffenheim – Leipzig 1:2 (0:0)   Leverkusen – Dortmund 2:4 (2:0)   Frankfurt – Hannover 4:1 (2:0)   Augsburg – Freiburg 4:1 (2:0) Die aktuelle Tabelle Den besseren Start erwischte die Eintracht, die hoch verteidigte und den Gegner früh störte. Frankfurt war die aktivere Mannschaft, machte viel Betrieb und hatte nach 18 Minuten die erste gute Chance des Spiels: Nach einer Ecke verfehlte ein Torro-Kopfball das Tor nur knapp. Das war für lange Zeit jedoch die einzige nennenswerte Möglichkeit.

Überragender Mann war Kroatiens Vize-Weltmeister Rebic. Bei seinem Startelfdebüt war der 25-Jährige an fast jeder gefährlichen Offensivaktion der Hausherren beteiligt und von Hannovers Abwehr nie in den Griff zu bekommen. “Ante ist ein unglaublich toller Spieler. Er hat uns sehr gut getan”, lobte Hütter den Auftritt des bulligen Angreifers.

Frankfurt diktierte Tempo und Rhythmus, kam aber trotz optischer Überlegenheit zu selten zu Abschlüssen – im finalen Drittel fehlte es an Genauigkeit. Und Hannover? Die 96er agierten abwartend, lauerten auf Konter, brachten nach vorne im gesamten ersten Durchgang aber gar nichts zustande. Aufgrund des Spielverlaufs überraschte es wenig, dass die Begegnung höhepunktarm blieb.

Mit nur zwei Punkten befinden sich die Niedersachsen schon frühzeitig in dieser Saison im Abstiegskampf, den sie in ihrer momentanen Verfassung kaum bestehen können. “Wir haben eine Phase, in der wir zu viele individuelle Fehler machen und zu leichte Gegentore bekommen. Wenn wir das nicht abstellen, wird es schwer”, stellte Breitenreiter fest.

Ein Aufbäumen der Hannoveraner war danach nicht zu erkennen, vielmehr blieb Frankfurt am Drücker und legte noch vor dem Halbzeitpfiff nach: Haller tankte sich gegen zwei Gegenspieler durch, der Ball kam zu Rebic, der Sorg abschüttelte und Esser keine Chance ließ – 2:0 (45.+1).

Nach der vierten Bundesliga-Niederlage in Serie fällte André Breitenreiter ein vernichtendes Urteil. “Es gibt nichts schön zu reden: Das war nicht gut genug für die Bundesliga”, sagte der Trainer von Hannover 96 über den desolaten Auftritt des Tabellenletzten beim 1:4 (0:2) gegen Eintracht Frankfurt.

Breitenreiter reagierte, brachte mit Weydandt und Wood zum Seitenwechsel frische Offensivleute und erhöhte so das Risiko – Füllkrug und Walace blieben draußen. Und die Niedersachsen kamen schwungvoller aus der Kabine, waren nun selbst um offensive Akzente bemüht, kamen aber nur zu einigen Standards, die wirkungslos verpufften.

Frankfurt schaute sich das an, lauerte auf Konter und schlug nach 59 Minuten eiskalt zu: Haller gewann einmal mehr ein wichtiges Kopfballduell und schickte Rebic auf die Reise, der Sorg stehen ließ, anschließend Anton abschüttelte und mit Übersicht querlegte zu de Guzman, der nur noch ins leere Tor einschieben musste – 3:0.

Damit war die Messe gelesen. Frankfurt schaltete anschließend in den Verwaltungsmodus, kontrollierte das Geschehen aber weitgehend nach Belieben. Die Hannoveraner, bei denen Muslija noch zu seinem Bundesliga-Debüt kam, blieben zwar bemüht, allerdings auch weiterhin völlig harmlos. Bezeichnend: Bis zur 85. Minute gab es keinen einzigen wirklich gefährlichen Abschluss der Gäste.

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Der erste war dann aber auch gleich drin – und es war ein Zusammenspiel der Einwechselspieler: Weydandt schickte Wood auf rechts, der anschließend präzise zu Muslija flankte. Dieser fackelte nicht lange, zimmerte den Ball aus zentraler Position in die Maschen zum 1:3 und markierte so in seinem ersten Spiel gleich sein erstes Tor. Das letzte Wort hatten aber die Hausherren, denn kurz vor Schluss schickte de Guzman den eingewechselten Jovic steil. Der Serbe bedankte sich und traf überlegt ins lange Eck zum 4:1-Endstand.

Für die SGE war es der fünfte Sieg in Folge gegen die Roten, was gleichbedeutend mit der Einstellung eines Vereinsrekords war – fünf Siege in Folge gelangen den Hessen zuvor nur gegen Duisburg (2000-2008), Dresden (1993-1995), Kaiserslautern (1972-1974) und Hertha BSC (1963-1968). Mehr als ein netter Nebenfakt dürfte das aber nicht für die Hessen sein, denen schon wieder eine englische Woche bevorsteht: Am Donnerstag kommt Lazio Rom im Rahmen der Europa League in die Commerzbank-Arena 21 Uhr. Hannover empfängt erst am Samstag (15.30 Uhr) den VfB Stuttgart.

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Dass sich Sébastien Haller auch diesmal nicht in die Torschützenliste eintragen konnte, ist nicht nur angesichts von vier anderen treffsicheren Frankfurtern zu verkraften. Der französische Angreifer war am Sonntag trotzdem Dreh- und Angelpunkt, er bereitete zwei Tore vor, war an der Entstehung eines weiteren direkt beteiligt und kann nach sechs Punktspielen bereits sieben Scorerpunkte verbuchen. Beim 1:0 gewann Haller das entscheidende Kopfballduell gegen Hannovers Kapitän Waldemar Anton, beim 2:0 setzte er sich im Angriff gegen gleich zwei 96er durch und kurz vor dem 3:0 ließ er sich auch von Felipe die Lufthoheit nicht nehmen. “Haller ist ein guter Fixpunkt”, fasste es NDicka zusammen. Oder um es anders auszudrücken: Ein Stürmer sollte offensichtlich nicht nur an seinen eigenen Toren gemessen werden.

Frankfurts Ante Rebic (25) steht nach seiner Fußverletzung bei der WM im Sommer erstmals in der Startelf, macht beim 4:1 gegen 96 ein ganz starkes Spiel. Mit seiner robusten und intensiven Spielweise erzielt er das 2:0 selbst, bereitet das 3:0 vor.

Apropos Hütter: Der Übungsleiter hatte sein Team vor der Partie förmlich wachgerüttelt. “Wir sind unter Druck und müssen punkten”, sagte der 48-Jährige noch am Freitag. Und: “Ich möchte eine Mannschaft sehen, die sich besser präsentiert als in Mönchengladbach.” Hat sie. Hütter forderte, seine Profis lieferten – und machten gegen ein Hannover, das sich in entscheidenden Phasen als nicht konkurrenzfähig präsentierte, vieles richtig. Dazu gehörte unter anderem die richtige Balance zwischen hohem Pressing und einer guten Staffelung der Abwehrreihen, aber auch Dinge wie ein klares Torschussverhältnis (15:4) oder der bessere Zweikampfwert (52 Prozent). Hütters Ansprache hat ganz offensichtlich gewirkt.

Die 96-Defensive gegen den wuchtigen Rebic komplett überfordert. Felipe (erstmals seit März in der Startelf), Kapitän Anton und Sorg verlieren fast jeden wichtigen Zweikampf gegen den Stürmer.

Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass der Österreicher auch in den kommenden Tagen nach den richtigen Worten suchen wird. Am Donnerstag (21 Uhr) kehrt mit der Gruppenphasen-Partie gegen Lazio Rom nach rund viereinhalb Jahren die Europa League in die Frankfurter Arena zurück. Vor dem Auftakt bei Olympique Marseille hatten die Hessen mit 1:3 in Dortmund verloren, das 2:1 an der französischen Mittelmeerküste gilt in diesem Frühherbst für viele als Spiel mit Wendepunkt-Charakter. Anschließend präsentierte sich die Eintracht auch gegen Leipzig über weite Strecken mehr als ordentlich. Und diesmal? Dürfte es mit einem 4:1 gegen Hannover im Rücken noch entspannter in die nächste Englische Woche gehen.

Der Franzose ist jetzt an acht der zehn Frankfurter Saison-Treffer beteiligt (3 Tore, 5 Assists) und so gemeinsam mit Marco Reus (BVB) der Top-Scorer der Bundesliga.

Viel Rotation und eine verletzungsbedingte Maßnahme: Gleich drei Eintracht-Profis kamen gegen Hannover zu ihrem Startelfdebüt in dieser Saison: Rebic (was sich mehr als angedeutet hatte), der Brasilianer Allan (schon eher eine Überraschung) und Marco Russ. Der 33 Jahre alte Routinier rückte für den an Adduktorenproblemen leidenden David Abraham in die Abwehrkette und übernahm zudem dessen Kapitänsbinde. Doch damit nicht genug an “ersten Eintracht-Malen”: Youngster NDicka – 19 Jahre jung – erzielte sein erstes Profi-Tor überhaupt, und auch für de Guzmán war es im 22. Einsatz der Premieren-Treffer in der Bundesliga. Irgendwie passend zum ersten Heimsieg der Saison.

Die beiden Stürmer sind nur einmal zu bremsen: In der Nachspielzeit der ersten Hälfte gehen versehentlich die Rasensprenger an – danach ist Pause.

Zwei Jahre lang hat Eintracht es geschafft, nie in die Nähe des Abstiegskampfs zu geraten. Gegen Hannover muss ein Heimsieg her!

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Als einziges Team der Liga ist der Deutsche Meister von 1938 und 1954 noch ohne Saisonsieg. 96 bleibt Tabellenletzter – nach der Leistung vom Sonntag nicht unverdient.

Beim Heimsieg der Frankfurter Eintracht gegen Hannover 96 gibt es zahlreiche Premieren, einen höchst mannschaftsdienlichen Torjäger und einen gefeierten Startelf-Rückkehrer. Eine Zusammenfassung in fünf Punkten.

Karlsruhe-Neuzugang Florent Muslija (20) macht nach seiner Einwechslung in seinem ersten Bundesliga-Spiel das 1:3 (86.).

Doppelt bitter: Stürmer Niclas Füllkrug (25) bleibt zur Pause in der Kabine, war vorher mit dem rechten Fuß umgeknickt. Eine genaue Diagnose steht noch aus.

36. Minute: Hannover kriegt den Ball nicht weg, Haller setzt sich gegen Anton durch und legt in die Mitte wo Bebou Ndicka aus den Augen verliert – der junge Abwehrmann trifft mit links ins Tor.

45. + 1 Minute: Hannover verteidigt wie eine Schülermannschaft. Anton und Felipe desolat gegen Haller, Sorg wird von Rebic wie ein Jugendspieler abgeräumt. Der Vize-Weltmeister ist frei durch und macht das 2:0.

59. Minute: Rebic führt Hannover vor. Setzt sich gegen Sorg und Anton durch, legt dann quer auf de Guzman – 3:0.