Rivale: Paris soll Europas Finanzplatz werden
Rivale: Paris soll Europas Finanzplatz werden
nEs ist eine von vielen Zutaten, die dabei helfen soll, Paris zum größten Finanzplatz Europas zu machen. So hat Frankreich letzte Woche am Berufungsgericht Paris eine internationale Kammer für Handelssachen eingerichtet, wo Verhandlungen auf Englisch geführt werden können. Die Regierung wolle Frankreich als Wirtschaftsstandort attraktiver machen und dabei sei das Rechtssystem ein Vorteil, der hervorgehoben werden müsse, meint Justizministerin Nicole Belloubet. Immerhin buhlt Paris nach dem Brexit-Votum der Briten um Unternehmen und internationale Investoren. Das Thema hat für Präsident Emmanuel Macron oberste Priorität.

Sicher, Paris ist nicht die einzige Stadt, die nun die Brexit-Flüchtlinge aus der Londoner City umwirbt. Doch die französische Hauptstadt gehe dabei mit Abstand am aggressivsten vor, urteilen Experten. In Frankreich gebe es eine wahre landesweite Teamarbeit, um möglichst Vorteile aus dem Ausscheiden der Briten zu ziehen, berichtet Jeremy Browne, der Sonderbotschafter der Londoner City bei der Europäischen Union (EU). In Deutschland dagegen werde das Thema Frankfurt und den dortigen Behörden überlassen. Die deutsche Seite trete viel zurückhaltender auf, erklärte jüngst auch Wolfgang Fink, der Deutschland-Chef von Goldman Sachs. „Macron setzt sich machtvoll für Paris ein, er macht eine sehr gute Kampagne.“

Man kann digitale Konzerne ins Land holen, auch wenn man sie besteuert. Frankreich wünscht sich, dass die im Frühling vorgestellten Besteuerungspläne der EU-Kommission konkret und ehrgeizig ausfallen. Der Steuerertrag muss in Zukunft einen wichtigen Teil der öffentlichen Einnahmen Europas ausmachen und sich in Milliarden rechnen. Wir wünschen uns, dass das Kriterium der Besteuerung nicht die Werbung, sondern der Umsatz ist. Es sei denn, die OECD findet ein besseres Kriterium.

So lud das junge Staatsoberhaupt im Januar 140 Firmenchefs im Vorfeld des Wirtschaftsforums in Davos ins Schloss von Versailles ein, darunter die bekannten Banker Lloyd Blankfein von Goldman Sachs und Jamie Dimon von JP Morgan. Macron ist davon überzeugt, dass die Attraktivität eines Standorts auch von Symbolen abhängen kann, von Entscheidungen, die manchmal irrational sind. Nur zu gut hat er in Erinnerung, dass die von seinem Vorgänger François Hollande zu Beginn der Amtszeit beschlossene vorübergehende 75-Prozent-Steuer auf Gehälter von mehr als einer Million Euro im Ausland zum Symbol für die unternehmensfeindliche Haltung französischer Politiker wurde. Später wurde die Abgabe sang- und klanglos eingestampft.

Die Einladung nach Versailles ist nicht die einzige Veranstaltung, mit der Macron für den Standort Frankreich warb. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Mai stellte seine Regierung Banken eine Reihe von Erleichterungen in Aussicht – etwa für Lohnsteuerzahlungen im oberen Gehaltssegment und die schrittweise Senkung der Körperschaftsteuer von 33,3 auf 25 Prozent. Im Dezember dann initiierte er den One Planet Summit, bei dem die Finanzierung der Klimapolitik im Mittelpunkt stand. Denn Macron will Paris nicht nur zum wichtigsten Finanzplatz Europas, sondern auch zur weltweiten Hauptstadt der grünen Finanzwirtschaft machen.

Die Franzosen können darauf verweisen, dass Paris eine lange Tradition als Standort für Aktien- und Anleihenhandel hat. Im 19. Jahrhundert war die Seine-Stadt die wichtigste Börsenplatz auf dem Kontinent.

Seit die Briten vor 19 Monaten für den Austritt aus der EU gestimmt haben, machen französische Delegationen der Londoner City regelmäßig ihre Aufwartung. „Tired of the fog? Try the frogs!“, warb eine aggressive Werbekampagne des Pariser Büroviertels La Défense. Eine Art Retourkutsche für die Äußerungen des früheren britischen Premierministers David Cameron. Denn er hatte 2012 erklärt, er rolle französischen Konzernen den Teppich aus, wenn sie vor dem Steuerregime des damaligen Präsidenten François Hollande flüchten wollten.

Es ist meine Aufgabe, das solide Wachstum Frankreichs auszunützen, um den Unternehmen die Schaffung neuer Jobs zu ermöglichen. Auch deshalb müssen wir das Sparkapital in Richtung der Klein- und Mittelunternehmen umleiten. All das setzt viel Zeit voraus. Wir brauchen Geduld. Die Franzosen müssen uns mindestens zwei Jahre geben. Ausserdem wurden 2017 in der Privatwirtschaft 264’000 Stellen geschaffen.

In ihrem Bestreben, für Paris zu werben, schießen jedoch auch französische Politiker manchmal über das Ziel hinaus. So spottete Valérie Pécresse, die Präsidentin der Region Île-de-France, über die mangelnde Attraktivität Frankfurts als Stadt. „Wann haben Sie Ihren Partner das letzte Mal zu einem Wochenende nach Frankfurt eingeladen?“, fragte sie. Der Großraum Paris dagegen sei für sein reichhaltiges Kulturangebot, die Qualität der Gastronomie, seine gute medizinische Versorgung und das Bildungsangebot bekannt.

Im Gegensatz zu Paris hielten sich Berliner Politiker bei dem Rennen um Londons Banken lange zurück. Einer der ersten, wenn nicht sogar der erste Beitrag in dieser Richtung findet sich jetzt im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Darin heißt es: „Angesichts des bevorstehenden Austritts Großbritanniens aus der EU wollen wir den Standort Deutschland für Finanzinstitute attraktiver gestalten.“ Konkret will man den Kündigungsschutz für hoch bezahlte Banker lockern. So soll ausländischen Banken die Sorge genommen werden, dass sie nach einem Umzug von London nach Frankfurt ihre gut verdienenden Händler und Berater nicht mehr so einfach wie gewohnt loswerden.

Es ist eines unserer Ziele, dass Paris der grösste Finanzplatz Europas wird. JP Morgan, Bank of America oder Goldman Sachs wollen ihre französischen Niederlassungen ausbauen. Und dann will Frankreich auch in der so wichtigen «grünen Finanz» eine Schlüsselrolle spielen.

Grundsätzlich will die Bundespolitik aber weiterhin den Vertretern des Finanzplatzes Frankfurt und dem Land Hessen die Lobbyarbeit überlassen. Die unterscheidet sich vom Ton her deutlich vom aggressiven Auftreten Frankreichs. Bewusst, wie eine im Januar vom Wirtschaftsforschungsinstitut Sheffield Political Economy Research Institute veröffentlichte Studie ergab.

Wir werden sie noch beschleunigen, und zwar im Bereich der Berufsbildung und -lehre. Mitte April werde ich zudem ein Gesetz für das Wachstum und die Umwandlung der Firmen vorlegen, denn anders als etwa in Deutschland sind viele zu klein, um im Ausland zu reüssieren.

Man habe bereits vor dem Brexit-Votum vereinbart, keine aggressiven Marketingstrategien einzusetzen, erklärte ein Vertreter der Frankfurter Finanzplatzlobby den Autoren der Studie. „Wir wollten nicht laut und aggressiv sein“, sagte ein anderer. „Und ich denke, dass das eine gute Strategie war.“ Paris dagegen sei bei seinem Bestreben, Firmen anzulocken, sehr aufdringlich und populistisch aufgetreten.

Wir sind dafür – sofern sie auf europäischer Ebene entsteht. Und das ist möglich! Ich glaube nicht, dass sie für Frankreich ein Attraktivitätsnachteil wäre. Meinen europäischen Kollegen sage ich: Habt keine Angst, für eure Werte einzustehen!

Bisher scheint der Ansatz Frankfurts aufzugehen, denn die meisten der von Banken angekündigten Stellenverlagerungen entfallen auf die Main-Metropole. Paris folgt erst an zweiter Stelle. Macron und seine Mitstreiter müssen sich mit symbolischen Siegen trösten. So gelang es ihnen im November, die Europäische Bankenaufsicht (EBA) von London nach Paris zu lotsen. Bei der Abstimmung im Europäischen Rat in Brüssel setzte sich die französische Hauptstadt gegen Frankfurt und Dublin durch.

Man spielt nicht mit dem Wechselkurs. Er ist kein Spielzeug in der Hand der Politiker, sondern ein Spiegel der nationalen Wirtschaftsrealitäten. Ich habe sehr genau hingehört, als Donald Trump sagte, ein starker Dollar sei im Interesse der USA.

Dass es sich bei der EBA um eine eher kleine Behörde mit nicht einmal 200 Mitarbeitern handelt, schien im Moment des Jubels keine Rolle zu spielen – und auch nicht, dass die eigentliche Kontrolle der Banken in Europa ohnehin Aufgabe der Europäischen Zentralbank (EZB) ist, die ihren Sitz bekanntlich in Frankfurt hat.

Sehr viel wertvoller als die EBA ist eine andere Trophäe, um die Paris und Frankfurt derzeit noch rangeln: das sogenannte Euroclearing. Darunter versteht man das lukrative Geschäft zur Abwicklung von Derivategeschäften in Euro. Auch das ist bislang eine Londoner Domäne, an der viele Arbeitsplätze hängen. „Lassen Sie uns am Finanzplatz unterhaken und das Euroclearing in die stärkste Volkswirtschaft Europas, nach Deutschland, holen“, sagte unlängst Theodor Weimer bei einem seiner ersten Auftritte als neuer Vorstandschef der Deutschen Börse. Der Ausgang ist offen.

Die französische Hauptstadt will dank des Brexit London als europäisches Finanzzentrum ablösen, sagt der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire im Interview.

Macron kämpft bei seinem Mühen um Banken und Börsengeschäfte auch mit der Vergangenheit. Frankreich hatte unter Ex-Präsident Hollande einen denkbar schlechten Ruf als Standort für Unternehmen. Dies muss Macron nun wieder wettmachen, um die französische Wirtschaft anzukurbeln.

Die Sicht ausländischer Investoren auf Frankreich zumindest scheint sich seit seiner Wahl verbessert zu haben. So haben sich die ausländischen Direktinvestitionen laut vorläufigen Schätzungen der Welthandels- und Entwicklungskonferenz der UN (UNCTAD) in Frankreich im letzten Jahr mit 50 Milliarden Dollar nahezu verdoppelt. Auch die meisten anderen Wirtschaftsindikatoren haben sich seit Macrons Antritt verbessert.

Es handelt sich um eine Korrektur, da einzelne Aktive zweifellos überbewertet waren. Diese Reaktion ist keine Überraschung.

Und doch ist Frankreich noch nicht zurück, so wie Macron es gerne hätte. Letztes Jahr ist das Handelsbilanzdefizit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone um rund 29 Prozent auf 62,3 Milliarden Euro gestiegen. Damit Frankreich im Welthandel wieder eine Rolle spielen kann, bedarf es mehr als schöner Worte und Werbeveranstaltungen für den Standort. Dafür müssen französische Unternehmen wieder wettbewerbsfähiger werden.

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Emmanuel Macron hat Frankreich in den letzten Monaten viele Reformen verordnet und der ramponierten Nation damit neuen Glanz verliehen. Ökonomen rechnen für 2018 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent.

Sicher, Paris ist nicht die einzige Stadt, die nun die Brexit-Flüchtlinge aus der Londoner City umwirbt. Doch die französische Hauptstadt gehe dabei mit Abstand am aggressivsten vor, urteilen Experten. In Frankreich gebe es eine wahre landesweite Teamarbeit, um möglichst Vorteile aus dem Ausscheiden der Briten zu ziehen, berichtet Jeremy Browne, der Sonderbotschafter der Londoner City bei der Europäischen Union (EU). In Deutschland dagegen werde das Thema Frankfurt und den dortigen Behörden überlassen. Die deutsche Seite trete viel zurückhaltender auf, erklärte jüngst auch Wolfgang Fink, der Deutschland-Chef von Goldman Sachs. „Macron setzt sich machtvoll für Paris ein, er macht eine sehr gute Kampagne.“

So lud das junge Staatsoberhaupt im Januar 140 Firmenchefs im Vorfeld des Wirtschaftsforums in Davos ins Schloss von Versailles ein, darunter die bekannten Banker Lloyd Blankfein von Goldman Sachs und Jamie Dimon von JP Morgan. Macron ist davon überzeugt, dass die Attraktivität eines Standorts auch von Symbolen abhängen kann, von Entscheidungen, die manchmal irrational sind. Nur zu gut hat er in Erinnerung, dass die von seinem Vorgänger François Hollande zu Beginn der Amtszeit beschlossene vorübergehende 75-Prozent-Steuer auf Gehälter von mehr als einer Million Euro im Ausland zum Symbol für die unternehmensfeindliche Haltung französischer Politiker wurde. Später wurde die Abgabe sang- und klanglos eingestampft.

Taumelnder Ex-Gigant Die gefährliche Verzwergung der Deutschen Bank Anzeige Die Einladung nach Versailles ist nicht die einzige Veranstaltung, mit der Macron für den Standort Frankreich warb. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Mai stellte seine Regierung Banken eine Reihe von Erleichterungen in Aussicht – etwa für Lohnsteuerzahlungen im oberen Gehaltssegment und die schrittweise Senkung der Körperschaftsteuer von 33,3 auf 25 Prozent. Im Dezember dann initiierte er den One Planet Summit, bei dem die Finanzierung der Klimapolitik im Mittelpunkt stand. Denn Macron will Paris nicht nur zum wichtigsten Finanzplatz Europas, sondern auch zur weltweiten Hauptstadt der grünen Finanzwirtschaft machen.

Ihr Budgetdefizit müssen die Franzosen noch in den Griff bekommen. Seit der Finanzkrise liegt das Minus im Staatshaushalt beharrlich über drei Prozent Quelle: Infografik Die Welt

Die Franzosen können darauf verweisen, dass Paris eine lange Tradition als Standort für Aktien- und Anleihenhandel hat. Im 19. Jahrhundert war die Seine-Stadt die wichtigste Börsenplatz auf dem Kontinent.

Seit die Briten vor 19 Monaten für den Austritt aus der EU gestimmt haben, machen französische Delegationen der Londoner City regelmäßig ihre Aufwartung. „Tired of the fog? Try the frogs!“, warb eine aggressive Werbekampagne des Pariser Büroviertels La Défense. Eine Art Retourkutsche für die Äußerungen des früheren britischen Premierministers David Cameron. Denn er hatte 2012 erklärt, er rolle französischen Konzernen den Teppich aus, wenn sie vor dem Steuerregime des damaligen Präsidenten François Hollande flüchten wollten.

In ihrem Bestreben, für Paris zu werben, schießen jedoch auch französische Politiker manchmal über das Ziel hinaus. So spottete Valérie Pécresse, die Präsidentin der Region Île-de-France, über die mangelnde Attraktivität Frankfurts als Stadt. „Wann haben Sie Ihren Partner das letzte Mal zu einem Wochenende nach Frankfurt eingeladen?“, fragte sie. Der Großraum Paris dagegen sei für sein reichhaltiges Kulturangebot, die Qualität der Gastronomie, seine gute medizinische Versorgung und das Bildungsangebot bekannt.

Im Gegensatz zu Paris hielten sich Berliner Politiker bei dem Rennen um Londons Banken lange zurück. Einer der ersten, wenn nicht sogar der erste Beitrag in dieser Richtung findet sich jetzt im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Darin heißt es: „Angesichts des bevorstehenden Austritts Großbritanniens aus der EU wollen wir den Standort Deutschland für Finanzinstitute attraktiver gestalten.“ Konkret will man den Kündigungsschutz für hoch bezahlte Banker lockern. So soll ausländischen Banken die Sorge genommen werden, dass sie nach einem Umzug von London nach Frankfurt ihre gut verdienenden Händler und Berater nicht mehr so einfach wie gewohnt loswerden.

Grundsätzlich will die Bundespolitik aber weiterhin den Vertretern des Finanzplatzes Frankfurt und dem Land Hessen die Lobbyarbeit überlassen. Die unterscheidet sich vom Ton her deutlich vom aggressiven Auftreten Frankreichs. Bewusst, wie eine im Januar vom Wirtschaftsforschungsinstitut Sheffield Political Economy Research Institute veröffentlichte Studie ergab.

Man habe bereits vor dem Brexit-Votum vereinbart, keine aggressiven Marketingstrategien einzusetzen, erklärte ein Vertreter der Frankfurter Finanzplatzlobby den Autoren der Studie. „Wir wollten nicht laut und aggressiv sein“, sagte ein anderer. „Und ich denke, dass das eine gute Strategie war.“ Paris dagegen sei bei seinem Bestreben, Firmen anzulocken, sehr aufdringlich und populistisch aufgetreten.

Bisher scheint der Ansatz Frankfurts aufzugehen, denn die meisten der von Banken angekündigten Stellenverlagerungen entfallen auf die Main-Metropole. Paris folgt erst an zweiter Stelle. Macron und seine Mitstreiter müssen sich mit symbolischen Siegen trösten. So gelang es ihnen im November, die Europäische Bankenaufsicht (EBA) von London nach Paris zu lotsen. Bei der Abstimmung im Europäischen Rat in Brüssel setzte sich die französische Hauptstadt gegen Frankfurt und Dublin durch.

Dass es sich bei der EBA um eine eher kleine Behörde mit nicht einmal 200 Mitarbeitern handelt, schien im Moment des Jubels keine Rolle zu spielen – und auch nicht, dass die eigentliche Kontrolle der Banken in Europa ohnehin Aufgabe der Europäischen Zentralbank (EZB) ist, die ihren Sitz bekanntlich in Frankfurt hat.

Sehr viel wertvoller als die EBA ist eine andere Trophäe, um die Paris und Frankfurt derzeit noch rangeln: das sogenannte Euroclearing. Darunter versteht man das lukrative Geschäft zur Abwicklung von Derivategeschäften in Euro. Auch das ist bislang eine Londoner Domäne, an der viele Arbeitsplätze hängen. „Lassen Sie uns am Finanzplatz unterhaken und das Euroclearing in die stärkste Volkswirtschaft Europas, nach Deutschland, holen“, sagte unlängst Theodor Weimer bei einem seiner ersten Auftritte als neuer Vorstandschef der Deutschen Börse. Der Ausgang ist offen.

Macron kämpft bei seinem Mühen um Banken und Börsengeschäfte auch mit der Vergangenheit. Frankreich hatte unter Ex-Präsident Hollande einen denkbar schlechten Ruf als Standort für Unternehmen. Dies muss Macron nun wieder wettmachen, um die französische Wirtschaft anzukurbeln.

Emmanuel Macron muss bei Investoren erst das Vertrauen wiederherstellen, dass sein sozialistischer Vorgänger Hollande zerstört hatte Quelle: dpa

Die Sicht ausländischer Investoren auf Frankreich zumindest scheint sich seit seiner Wahl verbessert zu haben. So haben sich die ausländischen Direktinvestitionen laut vorläufigen Schätzungen der Welthandels- und Entwicklungskonferenz der UN (UNCTAD) in Frankreich im letzten Jahr mit 50 Milliarden Dollar nahezu verdoppelt. Auch die meisten anderen Wirtschaftsindikatoren haben sich seit Macrons Antritt verbessert.

Die Konjunktur in der zweitgrößten Euroland-Volkswirtschaft zieht deutlich an Quelle: Infografik Die Welt

Und doch ist Frankreich noch nicht zurück, so wie Macron es gerne hätte. Letztes Jahr ist das Handelsbilanzdefizit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone um rund 29 Prozent auf 62,3 Milliarden Euro gestiegen. Damit Frankreich im Welthandel wieder eine Rolle spielen kann, bedarf es mehr als schöner Worte und Werbeveranstaltungen für den Standort. Dafür müssen französische Unternehmen wieder wettbewerbsfähiger werden.

Auslöser für das Börsenbeben ist die Zinsangst – vor allem in den USA. Aber ist die Sorge berechtigt? Bernd Meyer, Chefstratege bei Berenberg, erklärt, welche Fehler Anleger jetzt vermeiden sollten.