Aufnahmerituale in Flensburg: Staatsanwaltschaft ermittelt - NDR.de
SG Flensburg-Handewitt: Perverses Aufnahmeritual bei Nachwuchsakademie
Mit einer Rohrzange sollen Jugendliche den Neuankömmlingen in der Handball-Jugendakademie in Flensburg die Brustwarzen umgedreht haben. Das gewalttätige Aufnahmeritual soll es mindestens acht Jahre lang gegeben haben – von 2008 bis 2016. Nach Informationen des NDR Schleswig-Holstein ermittelt die Staatsanwaltschaft Flensburg in der Sache.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Flensburg bestätigte NDR Informationen, dass am Montag Vertreter der Behörde in der Akademie waren. “Es handelte sich nicht um eine Hausdurchsuchung, sondern um eine Klärung des Sachverhaltes. Die Ermittlungen laufen gegen Unbekannt wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung”, sagte Oberstaatsanwältin Stephanie Gropp am Dienstag.

Ihr Sohn wurde von anderen Jugendlichen in der Nachwuchsakademie der SG Flensburg-Handewitt misshandelt. Jetzt äußern sich die Eltern und beklagen, wie der Verein mit ihnen umgegangen ist.

Die Flensburger Staatsanwaltschaft hat nun auf die Berichterstattung des SPIEGEL reagiert. “Wir können bestätigen, dass wir ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen Körperverletzung eingeleitet haben”, sagt Stephanie Gropp, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der zuständige Dezernent habe am Montag die Nachwuchsakademie aufgesucht, um die entsprechenden Personalien zu klären. Es handelte sich dabei, so Gropp, nicht um eine Hausdurchsuchung. “Es geht zunächst darum, den Sachverhalt zu klären.”

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Folter-Vorwürfen an Handball-Akademie der SG Flensburg-Handewitt

Am Wochenende hatten “Der Spiegel” und NDR Schleswig-Holstein berichtet, dass es an der Jugendakademie in Flensburg mindestens acht Jahre lang das brutales Aufnahmeritual gegeben hat. Eines der zahlreichen Opfer war Ole B. Im März 2016 wurde er von drei Jugendlichen festgehalten, ein vierter drehte ihm die Brustwarzen mit einer Zange um.

Ole B. verließ die Akademie im Dezember 2016 und musste sich psychologisch behandeln lassen, er spielt heute kein Handball mehr. Das Ritual soll jahrelang an der Akademie stattgefunden haben. Die Akademieleitung erklärte, von diesen Ritualen erst im März 2016 erfahren zu haben, den Vorfall gründlich aufgearbeitet und Präventionsmaßnahmen ergriffen zu haben.

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In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL wird der Fall von Ole B. beschrieben, der im Spätsommer 2015 in die Talenteschmiede der SG Flensburg-Handewitt zog, um sich dort ausbilden zu lassen. Im März 2016 sei an ihm das sogenannte Zangen-Ritual vollzogen worden, bei dem Mitspieler seine Brustwarzen malträtierten.

Der damals 15-jährige Ole B. vertraute sich seinen Eltern nach dem Ritual an und erzählte, was passiert war. Die Eltern beschwerten sich bei der Akademieleitung. Die versuchte, den Fall aufzuarbeiten und sprach mit den Kindern und den Eltern. Die Akademie gab Anfang 2016 in einem Elternbrief zu, dass es dieses Ritual gab. Auf eine Anzeige verzichteten die Eltern von Ole B. und auch die Verantwortlichen der Akademie damals.

Im Handball-Nachwuchsleistungszentrum der SG Flensburg-Handewitt sollen Jugendliche mit einer Rohrzange gequält worden sein. Der Vorfall beschäftigt nun die Behörden.

Die Eltern fühlten sich von der Akademieleitung unter Druck gesetzt und sagten dem NDR Schleswig-Holstein, dass nach ihrem Empfinden die Verantwortlichen ihnen einen “Maulkorb” verpassen wollten. Sie bezogen sich auf ein Dokument, dass der Anwalt der Akademie verfasste. Darin heißt es, dass die Akademie von einer “Weiterverfolgung” der Forderungen absehe, wenn die Akademie “nicht mehr Gegenstand negativer Äußerung” werde. Wenn also Familie B. öffentlich zu den Vorfällen schweige.

Jahrelang soll das schmerzhafte Ritual an der Handball- Akademie stattgefunden haben, berichteten “Der Spiegel” und der NDR. Konkret seien neue Jugendspieler so bei ihrer Aufnahme an die Akademie gequält worden. Nun hat sich die Staatsanwaltschaft Flensburg eingeschaltet. “Aufgrund der medialen Berichterstattung haben wir ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Tatvorwurfs der gefährlichen Körperverletzung eingeleitet”, bestätigte Stephanie Gropp, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der DW. “Die Ermittlungen stecken aber noch in Kinderschuhen.” Die Einzelheiten des Sachverhalts sollen nun zusammengetragen werden, es fehlen noch Namen und detaillierte Angaben zum Geschehen. Eine Anzeige sei bisher nicht eingegangen. Aufgrund der Berichterstattung soll geprüft werden, ob es auch weitere Fälle von Folter an der Akademie gab. “Wir wollen die Vorwürfe möglichst vollumfänglich aufklären”, sagte Gropp.

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Das damalige Anwaltsschreiben war laut Akademieleitung aber eine Reaktion auf einen vorangegangenen Hinweis des Rechtsanwalts der Familie B. Dieser schrieb, dass er bisher vermieden hätte, “Informationen an die Öffentlichkeit weiterzugeben”. Die Akademie hielt das damals für die “Androhung einer öffentlichen Eskalation” und hielt mit einem Schreiben dagegen. Nach langen Überlegungen stimmten die Eltern schließlich dem Deal zu. Auch auf Anraten von Psychologen, die Ole schnell in Behandlung nehmen wollten.

Ein junger Handballer hatte im Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” über Folterrituale an der Kaderschmiede der SG Flensburg-Handewitt berichtet. “Wenn du dich wehrst, tut es noch mehr weh”, habe ein anderer Junge nach Aussage des mutmaßlichen Opfers Ole B. gesagt, der schwere Vorwürfe erhebt: Man habe mit einer Rohrzange seine Brustwarzen malträtiert, während Mitspieler ihn festhielten. Das alles sei im März 2016 geschehen, und er habe sich danach in psychologische Behandlung begeben.

Die Handball-Jugendakademie ist eigenständig, wird aber finanziell aus dem Umfeld vom Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt unterstützt.

Im “Spiegel” hatte Ole B. von Hilflosigkeit und Wut berichtet, die er nach der Folter empfunden habe: “Einmal saß ich verzweifelt auf dem Sofa und habe zu meiner Mutter gesagt: Am liebsten würde ich da hochfahren, ein Messer nehmen und alle abstechen. So ohnmächtig habe ich mich gefühlt.”

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Wie das Magazin Spiegel und der Sender NDR berichten, soll es in der Nachwuchsakademie der SG Flensburg-Handewitt mindestens acht Jahre lang (2008–2016) ein brutales Aufnahme-Ritual gegeben haben.

Unvorstellbar: Neuen Spielern sollen die Brustwarzen mit einer Rohrzange umgedreht worden sein. Der Vorgang sei in der Akademie Zangen-Ritual genannt worden.

Am Sonntag hatte der Trainer von Jahn Regensburg dem 1. FC noch eine heftige Klatsche verpasst. Einen Tag später wird Achim Beierlorzer als neuer Spielleiter des “Effzeh” für die kommende Bundesligasaison vorgestellt.    

Der Spiegel nennt einen 15-jährigen Jugendlichen, auf den sich im März 2016 drei bis vier Kollege gestürzt hätten und dann mit der Rohrzange bearbeitet hätten. Das Opfer hätte eineinhalb Jahre nach seinem Beitritt die Talentschmiede wieder verlassen, soll sich anschließend in psychologische Behandlung begeben haben.

Eine Sprecherin des Bundesligisten bestätigte den Vorfall: Wir verurteilen den beschriebenen Vorfall aufs Schärfste und bedauern diese Vorkommnisse sehr.

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft, leitete ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen Unbekannt ein. Als nächstes sollen potenzielle Zeugen ermittelt und vernommen werden, allerdings sei eine Identifikation der Verantwortlichen nach Klub-Angaben nicht zweifelsfrei möglich. Um wie viele Fälle es geht, sei laut Flensburgs Oberstaatsanwältin Stephanie Gropp, ebenfalls noch unklar.Unmittelbar nach dem Bekanntwerden vor rund drei Jahren habe Flensburg begonnen, die Vorgänge aufzuklären. Es sei ein umfangreicher Maßnahmenkatalog erstellt und umgesetzt worden.

Akademie-Geschäftsführer Lewe Volquardsen: Seit dem Vorfall im Jahre 2016 sind keine weiteren Vorfälle bekannt geworden.