Großeinsatz wegen giftiger Blausäuredämpfen
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Bei einer Überhitzung in der Firma Balluff in Neuhausen ist am Freitag Gas ausgetreten, bei dem es sich um Blausäuredämpfe handelte. 19 Mitarbeiter sind in Krankenhäuser eingeliefert und stationär aufgenommen worden.

Neuhausen – Bei einer Überhitzung in der Firma Balluff in Neuhausen (Kreis Esslingen) sind am Freitagvormittag unter anderem Blausäuredämpfe ausgetreten. Laut der Polizei wurden 19 Mitarbeiter mit Beschwerden in Krankenhäuser eingeliefert und stationär aufgenommen. Bei weiteren rund 200 Personen bestand zunächst der Verdacht, sie könnten die giftige Substanz eingeatmet haben. Sie wurden vor Ort von Ärzten und dem Rettungsdienst untersucht und versorgt. Die Dämpfe seien gegen 9.30 Uhr durch die Überhitzung in einem Härteofen entstanden, ausgetreten und über die Lüftungsanlage in dem mehrstöckigen Gebäude der Firma verbreitet worden. Als erste Mitarbeiter über Beschwerden klagten, wurde der Rettungsdienst verständigt und in der Folge wurde der Betrieb für Sensortechnik evakuiert.

Alle betroffenen technischen Anlagen der Firma seien vorsorglich abgeschaltet worden. Zur Ursache für die Überhitzung und Entstehung der Dämpfe hat der Arbeitsbereich Gewerbe und Umwelt des Polizeipräsidiums Reutlingen die Ermittlungen vor Ort aufgenommen. Die Höhe des Sachschadens stehe noch nicht fest.

Das mittelständische Unternehmen Balluff ist auf die Entwicklung von Sensoren und Systemen für Wegmessung, Identifikation, Objekterkennung und Fluidmessung spezialisiert. Die im Jahr 1921 gegründete Firma beschäftigte im vergangenen Jahr rund 3600 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist in 68 Ländern weltweit vertreten. Es verfügt über 37 Tochtergesellschaften und Vertretungen mit Produktion, Vertrieb und Entwicklung.

Auch in einem Chemiebetrieb in Grenzach-Wyhlen (Kreis Lörrach) ist am Freitag blausäurehaltiger Dampf ausgetreten. Nach ersten Erkenntnissen war es in einem Großbehälter durch eine chemische Reaktion zu einem Temperaturanstieg gekommen, wie die Polizei mitteilte. Das Gebäude sei geräumt worden, die Feuerwehr habe den Dampf mit Wasser niedergeschlagen. Ein Beteiligter wurde kurz vom werkseigenen Sanitätern behandelt. Schaden sei nicht entstanden. Ein Messtrupp der Feuerwehr gab schnell Entwarnung. Eine Gefahr für die Umwelt und die Bevölkerung habe nicht bestanden. Die Ursache des Unglücks war zunächst nicht bekannt.

Vergiftung Blausäure ist die wässrige Lösung des Cyanwasserstoffs. Inhalative Cyanid- oder auch Blausäurevergiftungen treten in erster Linie im gewerblichen Bereich oder aber auch bei Bränden auf. Beim Einatmen einer hohen Dosis der gasförmigen Blausäure oder bei einer oralen Vergiftung mit Cyanwasserstoff werden die betroffenen Menschen sofort bewusstlos. Die Moleküle der Blausäure werden extrem schnell über die Lunge und die Schleimhäute aufgenommen.

Symptome Typische Anzeichen für eine Vergiftung mit Blausäure sind Atemnot und ein Bittermandelgeruch der Luft beim Ausatmen. Die Betroffenen leiden zudem unter Schwindel, Erbrechen, Ohnmacht und Kopfschmerzen. Charakteristisch ist die rosige Hautfarbe, die die Betroffenen trotz der Atemnot haben. Wegen der Vergiftung können die Körperzellen den Sauerstoff nicht mehr verwerten und er geht ungenutzt in das venöse Blut über. Es kommt zu einer hellroten Färbung der Haut.

Wirkung Im Körper wirkt das Cyanid-Ion der Blausäure toxisch. Es gelangt entweder über die Lunge oder oral in den Körper und wird in Cyanwasserstoff transformiert. Dieser gelangt über den Blutweg zu den Körperzellen und zu den Mitochondrien, die innerhalb der Zellen für die Energiegewinnung zuständig sind. Innerhalb der Mitochondrien hemmt Blausäure die Atmungskette. Die Körperzellen können somit keinen Sauerstoff mehr verarbeiten und ersticken innerlich.

Großeinsatz der Feuerwehr Viele Verletzte bei Gasunfall in Firma in Neuhausen teilen auf Whatsapp teilen auf Facebook teilen auf Twitter teilen auf Google+ teilen per Mail teilen In Neuhausen auf den Fildern (Kreis Esslingen) hat es am Freitag einen Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungskräften gegeben. Nachdem Gas ausgetreten war, mussten über 200 Personen behandelt werden.

In einer Firma für Sensortechnik ist nach Angaben der Polizei am Freitag ein Härteofen überhitzt. Zunächst war von einem kleineren Brand gesprochen worden. In der Folge entwickelten sich giftige Dämpfe, die über die Raumluftanlage im ganzen Haus verteilt wurden. Als erste Mitarbeiter über Unwohlsein klagten, wurde die Feuerwehr alarmiert.

Die Polizei sprach von 19 Personen, die verletzt ins Krankenhaus kamen. Etwa 200 weitere Mitarbeiter wurden vor Ort von Ärzten und dem Rettungsdienst versorgt. Für Anwohner bestand laut Behörde keine Gefahr. Die Polizei wollte sich nicht festlegen, um welchen Gefahrstoff es sich handelte. Die Feuerwehr habe Blausäure-Dämpfe gemessen, hieß es.