So wütete das Unwetter im Kreis Esslingen
Ticker: Großes Aufräumen nach Sturmtief “Fabienne”
Das Unwetter Fabienne hat Nordbayern am späten Sonntagnachmittag mit großer Wucht getroffen. Heftiger Starkregen und Sturmböen haben teils schwere Schäden verursacht. In Würzburg wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 137 Kilometer pro Stunde gemessen. Das Sturmtief war am Nachmittag von West nach Ost gezogen und hat dabei zwischen Aschaffenburg und Weiden eine Schneise der Verwüstung hinterlassen – abgedeckte Häuser, entwurzelte Bäume, gesperrte Straßen und Bahnstrecken sowie unterbrochene Stromleitungen. Allein das Polizeipräsidium Mittelfranken zählte 1100 wetterbedingte Einsätze.

In Oberfranken hat der Sturm sogar ein Menschenleben gekostet. Auf einem Campingplatz in Ebrach im Landkreis Bamberg stürzte ein Baum um und begrub eine Spaziergängerin unter sich. Die 78-Jährige starb noch an der Unglücksstelle. Etliche weitere Menschen wurden im Sturmgebiet verletzt. In Freudenberg im Landkreis Amberg-Sulzbach musste eine Frau mit Glassplittern im Gesicht ins Krankenhaus gebracht werden, nachdem ein Ast die Windschutzscheibe ihres Autos durchschlagen hatte. Im vom Unwetter stark betroffenen Erlangen kam ein Mann mit dem Schock davon, als ein Baum auf seinen Wohnwagen krachte. Auch eine Erlanger Autofahrerin blieb unverletzt, als ihr Wagen von einem Baum getroffen wurde. Leicht verletzt wurden dagegen sechs Menschen in Lippertshofen (Neumarkt in der Oberpfalz), als ein etwa acht Meter langes Stück des Kirchweihbaumes abbrach und auf das Festzelt fiel.

Flieger, Züge, Pkw stehen still:”Fabienne” fegt über Deutschland hinweg

In einigen Orten tobte der Sturm besonders heftig. In Schönaich im Landkreis Schweinfurt wurden etwa 35 Gebäude schwer beschädigt, und in Stadelschwarzach im Landkreis Kitzingen wurde der komplette Dachstuhl des Turms der katholischen Kirche heruntergerissen. Die für Franken typische Echter-Haube landete im Garten eines Nachbarn. In Pegnitz wehte der Sturm das Dach einer Brauerei auf die Bundesstraße B 2.

In Tschechien führte "Fabienne" zu Stromausfällen. Am Montag waren den Energieversorgern zufolge noch rund 70.000 Haushalte ohne Strom, in der Nacht waren es doppelt so viele gewesen. Bei Olomouc (Olmütz) im Osten des Landes wurden zwei Menschen verletzt, als ein Baum auf ihr Wochenendhaus fiel, wie die Agentur CTK berichtete. In der Schweiz traf "Fabienne" laut Agentur SDA vor allem den Flugverkehr. An den Flughäfen Zürich, Basel und Genf gab es am Sonntagabend bei fast allen Starts und Landungen deutliche Verspätungen.

Auf vielen Bahnstrecken fuhren wegen umgestürzter Bäume und Oberleitungsschäden keine Züge mehr. Regionale Schwerpunkte waren dabei laut Deutscher Bahn Frankfurt, Darmstadt, Würzburg und Nürnberg. Die ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt war am Abend wieder befahrbar. Auf einigen Regionalstrecken kam es am Montag noch zu Beeinträchtigungen.

In weiten Teilen Süd- und Mitteldeutschlands wurden Straßen wegen des Unwetters gesperrt. In Sachsen war vor allem der Erzgebirgskreis betroffen. "Anrufer berichteten uns von einem Tornado", sagte ein Sprecher der örtlichen Feuerwehr. Hausdächer seien weggeflogen, ein Gebäude habe gestützt werden müssen und gelte als einsturzgefährdet. Vier Rinder starben im Osterzgebirge, als eine Stromleitung zerriss und auf ein Feld fiel.

Mehrere Behörden warnten am Montag davor, Parks und Wälder in den nächsten Tagen zu betreten. Die Bayerische Schlösserverwaltung hat die Hofgärten in Ansbach, Würzburg und Veitshöchheim sowie den Schlossgarten Aschaffenburg wegen Aufräumarbeiten vorübergehend geschlossen.

Zahlreiche Bäume stürzten im Süden Deutschlands auch auf Bahngleise und Oberleitungen, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte. Der Verkehr war stundenlang eingeschränkt. In Stuttgart, München, Nürnberg, Regensburg und Basel stellte die Bahn Hotel-Züge bereit, um gestrandete Fahrgäste unterzubringen. Am Montag waren fast alle Hauptstrecken wieder frei. Es war aber weiter mit Verspätungen zu rechnen.

Am Tag nach dem Durchzug von Sturmtief "Fabienne" hat Sachsen mit den Folgeschäden zu kämpfen. Vielerorts laufen Aufräumarbeiten, der Bahnverkehr rollt wieder an. Wir halten Sie im Ticker auf dem Laufenden.

Im Osterzgebirge ist wegen des Sturms eine Mittelspannungsleitung zerrissen und auf ein Feld gefallen. Wie die Feuerwehr Glashütte mitteilte, sind dadurch vier Rinder zu Tode gekommen. 150 Haushalte seien etwa anderthalb Stunden ohne Strom gewesen.

Die Einsatzkräfte rund um Dresden zählten in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge aufgrund des Sturms 23 Einsätze. Nach Angaben der Feuerwehr waren es sieben in Dresden und im Raum Meißen drei. Mehrere Fahrzeuge seien durch herabfallende Äste getroffen worden. Verletzt wurde niemand.

In Tübingen wurden fünf Gäste eines Restaurants durch umherfliegende Glassplitter verletzt, weil eine Windböe die Eingangstür so heftig zuschlug, dass diese zerbrach. Glück hatte eine Familie im Landkreis Karlsruhe, wo ein Baum die Windschutzscheibe ihres Autos durchbohrte und das komplette Armaturenbrett auseinanderriss. Alle Fahrzeuginsassen erlitten nur leichte Verletzungen.

Das Tierheim “Waldfrieden” in Stollberg im Erzgebirge hat nach dem Unwetter einen Hilferuf per Facebook-Post gesendet. Auf dem Areal seien am Sonntagabend binnen weniger Minuten fast alle Bäume entwurzelt oder umgeknickt worden. Es gebe weder Strom noch Wasser, das Telefon sei ausgefallen und die Zufahrt zum Heim war blockiert. “Wir benötigen dringend Hilfe bei der Beseitigung der Sturmschäden”, schrieb die Leitung des Tierschutzvereins Stollberg und Umgebung.

Auf einem Campingplatz in Bayern erschlug ein umstürzender Baum eine 78 Jahre alte Frau, wie die Polizei im Landkreis Bamberg mitteilte. Sie starb noch am Unglücksort. In Baden-Württemberg wurde ein vierjähriger Junge lebensgefährlich verletzt. Eine Orkanböe hatte in Epfenbach eine große Buche auf das Auto kippen lassen, in dem er saß.

Nach dem Durchzug des Sturmtiefs ist auch das Tierheim Waldfrieden in Stollberg dringend auf Hilfe angewiesen. Auf Facebook bitten die Mitarbeiter um Hilfe jeglicher Art.

In München schlug in der Nacht ein Blitz in der Nähe des Bahnhofs Feldmoching in die Oberleitung ein und stoppte eine S-Bahn. Rund 125 Reisende wurden von Feuerwehr und Bundespolizei aus dem Zug geholt. Weitere Einschränkungen im Bahnverkehr gab es am Montag unter anderem noch auf den Stecken Nürnberg-Stuttgart und Nürnberg-Regensburg.

Die Züge der Vogtlandbahn fahren seit dem Mittag wieder fahrplanmäßig. Jörg Puchmüller von der Vogtlandbahnsagte MDR SACHSEN, es werde noch kleine Verspätungen geben, bis sich die Umläufe wieder stabilisiert haben. “Wir hatten insbesondere im Raum Lengenfeld/Zwickau eine Sperrung, die bis heute Vormittag angedauert hat, mit mehreren großen Bäumen, die auf die Gleise gefallen sind.” Wo kein Zug fahren konnte, hatte man einen Busnotverkehr eingerichtet.

Eine Tote und mehrere Verletze: Das ist eine erste Bilanz des Sturmtiefs “Fabienne”. Vielerorts müssen sich Menschen vor umstürzenden Bäumen in Sicherheit bringen. Bei der Bahn und im Flugverkehr gibt es massive Einschränkungen.

Nach dem gestrigen Unwetter müssen sich Reisende der Citybahn weiter auf Einschränkungen einrichten. Wie das Unternehmen mitteilte, sorgen umgestürzte Bäume, Stromausfälle und Schäden an den Fahrleitungen für Behinderungen. So blieben die Strecken Chemnitz – Stollberg und Stollberg – Oelsnitz voraussichtlich den ganzen Tag über gesperrt. Den Angaben nach fahren Busse im Schienenersatzverkehr. Im Regionalverkehr Westsachsen gibt es demnach erhebliche Verspätungen, vor allem zwischen EIlenfeld und Zschocken. Hirschfeld und Voigtsgrün könnten derzeit gar nicht angefahren werden.

Besonders betroffen von Sturmtief “Fabienne” war die Region rund um Stollberg. Oberbürgermeister Marcel Schmidt sagte MDR SACHSEN, es habe von einem großen Industriegebiet das Dach samt Dachstuhl runtergerissen. “Wir haben 600 Haushalte ohne Strom. Bäume mit einem Stammdurchmesser von zwei Metern wurden einfach umgeknickt. Auf das Amtsgericht hat es das Dach vom Rathaus geworfen. 25 Quadratmeter des Daches am Rathaus sind komplett runtergerissen. Wir sind jetzt dabei Straßen, Wege, die ganze Infrastruktur wieder in Gang zu bringen. Die Stromversorgung soll bis zum Abend wieder hergestellt sein.”

Nach dem Durchzug des Sturmstiefs Fabienne ist die Bahnstrecke zwischen Lengenfeld und Zwickau noch blockiert. Wie die Länderbahn mitteilte, fielen dort besonders große Bäume auf die Gleise. Die Beräumung soll im Laufe des Tages abgeschlossen werden.

Die Aufräumarbeiten in den betroffenen Kommunen sind im Gange. Neben Stollberg und Thalheim ist vor allem der Zwönitzer Ortsteil Brünlos mit 1.300 Einwohnern betroffen. Dort führte das Sturmtief zu einem Stromaufall. Die Schule in Brünlos fällt heute aus. Wie Bürgermeister Wolfgang Triebert sagte, solle die Stromversorgung bis zum Abend wiederhergestellt sein.

In Sachsen ist es wegen des Unwetters am Sonntag auf den Strecken der Länderbahn zu Zugunfällen gekommen. Es wurde aber kein Mensch verletzt, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Die Aufräumarbeiten sind den Angaben zufolge noch nicht abgeschlossen. Bei der Vogtlandbahn habe es noch Sperrungen von Abschnitten gegeben. Dort sei ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet worden. Keine Einschränkungen gebe es mehr auf den Strecken des Trilex in Ostsachsen.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN: MDR SACHSENSPIEGEL | 24.09.2017 | 19:00 Uhr MDR SACHSEN – Das Sachsenradio | ab 05:00 Uhr in den Nachrichten

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Bestimmt ist die Bahnstrecke Lengenfeld Zwickau gemeint.Lengefeld kann nicht stimmen. Wäre zu erwarten, dass man es mir der regionalen Berichterstattung genauer nimmt.[Danke für den Hinweis,Viele GrüßeIhre MDR.de-Redaktion]