Fridays for Future: Was die Demonstranten in Essen fordern - Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Fridays For Future gegen RWE: Meine Damen und Herren, bitte lassen Sie Frau Neubauer zu Ende reden
Konflikt der Generationen bei der Hauptversammlung des Energieversorgers RWE in Essen: Am Freitag kam es zu einem Schlagabtausch zwischen der Schüler-Protestbewegung Fridays for Future und dem Stromkonzern. Fridays for Future-Aktivistin Luisa Neubauer hatte von den Kritischen Aktionären Rederecht erhalten – und nutzte das für eine Generalabrechnung mit dem Konzern. Nicht bei allen Anwesenden kam das gut an. Einmal wurde ihr kurz das Mikrofon abgedreht.

Neubauer machte den RWE-Aktionären schwere Vorwürfe: Kein Konzern in ganz Europa trägt mehr Verantwortung für die Klimakrise als RWE. Die RWE-Anteilseigner verkauften ihre Verantwortung für ein paar Cent Rendite. Die Aktionäre dürften sich nicht zu schweigenden Komplizen von Konzernchef Schmitz machen, kritisierte die 23-Jährige. Wer nach 2030 noch ernsthaft plane, Kohle zu verstromen, hat nicht verstanden, in welcher Krise wir sind, kritisierte Neubauer.

Und das tat Neubauer, die mit Hilfe der bei RWE vertretenen kritischen Aktionäre Rederecht bei der Hauptversammlung erhalten hatte. “Kein Konzern in ganz Europa trägt mehr Verantwortung für die Klimakrise als RWE”, hielt sie den Aktionären im Saal vor. Die RWE-Anteilseigner verkauften “ihre Verantwortung für ein paar Cent Rendite”. Die Aktionäre dürften sich nicht zu schweigenden Komplizen von Konzernchef Schmitz machen. Wer nach 2030 noch ernsthaft plane, Kohle zu verstromen, “hat nicht verstanden, in welcher Krise wir sind”, kritisierte Neubauer. “Wie können Sie das vor mir und meiner Generation verantworten.” 

RWE: Boss lobt Klima-Aktivistin in den Himmel – dann geht die auf Aktionäre los

Die Kohleenergie nach 2030 hat keine Zukunft. Sie ist geklaut. Von uns. Und Sie sind die Dealer, so die Aktivistin. Zwischenzeitlich ging das Mikrofon Neubauers aus – offenbar, weil sie ihre Redezeit überschritten hatte. Kurz kam Unruhe im Saal auf. Dann erfolgte eine Durchsage: Meine Damen und Herren, bitte lassen Sie Frau Neubauer zu Ende reden.

Zuvor hatte Rolf Martin Schmitz, 61, Vorstandschef des größten deutschen Braunkohle-Verstromers, das Wort. Schmitz versuchte es mit Lob für die Schüler, die aus mehreren Städten nach Essen gekommen waren und vor der Halle für mehr Klimaschutz demonstrierten – um anschließend durch die Innenstadt zur RWE-Zentrale zu ziehen. Klima- und Umweltschutz seien Herausforderungen für alle Generationen, sagte Schmitz. Ich finde es daher gut, dass sich viele Schülerinnen und Schüler dafür interessieren. Es lohne sich, für den Klimaschutz seine Stimme zu erheben.

Die Hauptversammlung des Energieversorgers RWE hat sich zu einem Schlagabtausch zwischen der Schüler-Protestbewegung “Fridays for Future” und dem Stromkonzern entwickelt. Auf der einen Seite: Rolf Martin Schmitz, Vorstandschef des größten deutschen Braunkohle-Verstromers. Seine Gegenspielerin: Luisa Neubauer, Studentin, talkshowerfahrenes Gesicht der Klimaschutz-Bewegung “Fridays for Future” in Deutschland und Organisatorin der Proteste in Berlin.

Schon bald werde der Konzern bei den erneuerbaren Energien zu den internationalen Marktführern gehören, betonte Schmitz. Ermöglichen soll das ein Milliardendeal mit dem Konkurrenten E.on, der RWE schlagartig zur Nummer drei bei den erneuerbaren Energien in Europa und weltweit zur Nummer zwei bei Windkraft auf See machen würde. Kein Unternehmen setzt so konsequent auf Umbau, warb Schmitz für seinen Kurs.

 Bis RWE ein grüner Stromproduzent wird, ist es aber noch ein weiter Weg. Insgesamt verfügte RWE Ende vergangenen Jahres europaweit über eine Erzeugungskapazität von knapp 42 Gigawatt. Nach der geplanten Zerschlagung der eigenen Tochter Innogy und der Übernahme des Grünstroms von Eon wird RWE eine Kapazität an Erneuerbaren von 9 Gigawatt verfügen. Pro Jahr sollen künftig weitere 2 bis 3 Gigawatt hinzukommen.

Bis RWE ein grüner Stromproduzent wird, ist es aber noch ein weiter Weg. Insgesamt verfügte RWE Ende vergangenen Jahres europaweit über eine Erzeugungskapazität von knapp 42 Gigawatt. Nach der geplanten Zerschlagung der eigenen Tochter Innogy und der Übernahme des Grünstroms von E.on wird RWE über eine Kapazität an Erneuerbaren von neun Gigawatt verfügen. Pro Jahr sollen künftig weitere zwei bis drei Gigawatt hinzukommen.

“Fridays for Future” fordert, ein Viertel der Kohlekraftwerke bereits bis zum Ende dieses Jahres abzuschalten und bis 2030 ganz aus der Kohleverstromung auszusteigen. Die Kohlekommission der Bundesregierung hatte das Kohle-Aus für 2038 empfohlen. 

Deutlich kritisierte der Vorstandschef die laut ihm weiter andauernden Angriffe auf Polizisten und Mitarbeiter von RWE im Hambacher Forst. Als es zu Gelächter von Demonstranten kam, sagte Schmitz: Das ist nicht zum Lachen. Das möchte ich hier ausdrücklich betonen.

RWE trage in Europa die Hauptverantwortung für den Klimawandel, sagt “Fridays for Future”-Frontfrau Luisa Neugbauer – ausgerechnet auf der Hauptversammlung des Unternehmens. Ein Affront gegen Konzernchef Schmitz.

Kritik zu hören bekam Schmitz aber auch von ganz anderer Seite. Winfried Mathes von der Sparkassentochter Deka Investment warf dem Konzernchef vor, mit seinem langen Beharren auf der Abholzung des Hambacher Forsts RWE einen Reputationsschaden zugefügt zu haben. Deka werde für die Nichtentlastung des Vorstands stimmen, kündigte Mathes an. Das solle ein Anreiz sein, damit Schmitz RWE möglichst schnell in eine kohlefreie Zukunft führe.

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Einen Aufstand der Aktionäre, die beim Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer dem Vorstand spektakulär die Entlastung verweigert hatten, musste Schmitz aber nicht befürchten. Dafür sorgen schon Kursgewinne, die RWE im vergangenen Jahr zum zweitbesten Dax-Titel gemacht hatten, wie Thomas Deser von Union Investment lobte. Und Aktionärsvertreter Thomas Hechtfischer freute es, dass Schmitz mit den erwarteten Milliarden-Entschädigungen für Kraftwerke offenbar einen Weg gefunden habe, aus Kohle Gold zu machen.

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Lob kam auch von den Kommunen, die noch immer rund ein Fünftel der RWE-Anteile halten. Anders als in früheren Jahren gebe es angesichts der gestiegenen Dividende wenig zu kritisieren, meinte deren Vertreter Ernst Gerlach.

Proteste von Umweltschützern gehören seit Jahren zu Hauptversammlungen des Energieriesen. Weil das Aktionärstreffen diesmal auf einen Freitag fällt, meldete sich die Protestbewegung Fridays for Future direkt vor den versammelten RWE-Eignern zu Wort.

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Neubauer machte den RWE-Aktionären schwere Vorwürfe: Kein Konzern in ganz Europa trägt mehr Verantwortung für die Klimakrise als RWE. Die RWE-Anteilseigner verkauften ihre Verantwortung für ein paar Cent Rendite. Die Aktionäre dürften sich nicht zu schweigenden Komplizen von Konzernchef Schmitz machen, kritisierte die 23-Jährige. Wer nach 2030 noch ernsthaft plane, Kohle zu verstromen, hat nicht verstanden, in welcher Krise wir sind, kritisierte Neubauer.

Die Kohleenergie nach 2030 hat keine Zukunft. Sie ist geklaut. Von uns. Und Sie sind die Dealer, so die Aktivistin. Zwischenzeitlich ging das Mikrofon Neubauers aus – offenbar, weil sie ihre Redezeit überschritten hatte. Kurz kam Unruhe im Saal auf. Dann erfolgte eine Durchsage: Meine Damen und Herren, bitte lassen Sie Frau Neubauer zu Ende reden.

Zuvor hatte Rolf Martin Schmitz, 61, Vorstandschef des größten deutschen Braunkohle-Verstromers, das Wort. Schmitz versuchte es mit Lob für die Schüler, die aus mehreren Städten nach Essen gekommen waren und vor der Halle für mehr Klimaschutz demonstrierten – um anschließend durch die Innenstadt zur RWE-Zentrale zu ziehen. Klima- und Umweltschutz seien Herausforderungen für alle Generationen, sagte Schmitz. Ich finde es daher gut, dass sich viele Schülerinnen und Schüler dafür interessieren. Es lohne sich, für den Klimaschutz seine Stimme zu erheben.

Luisa Neubauer Das ist kein Schwänzen Schon bald werde der Konzern bei den erneuerbaren Energien zu den internationalen Marktführern gehören, betonte Schmitz. Ermöglichen soll das ein Milliardendeal mit dem Konkurrenten E.on, der RWE schlagartig zur Nummer drei bei den erneuerbaren Energien in Europa und weltweit zur Nummer zwei bei Windkraft auf See machen würde. Kein Unternehmen setzt so konsequent auf Umbau, warb Schmitz für seinen Kurs.

Bis RWE ein grüner Stromproduzent wird, ist es aber noch ein weiter Weg. Insgesamt verfügte RWE Ende vergangenen Jahres europaweit über eine Erzeugungskapazität von knapp 42 Gigawatt. Nach der geplanten Zerschlagung der eigenen Tochter Innogy und der Übernahme des Grünstroms von E.on wird RWE über eine Kapazität an Erneuerbaren von neun Gigawatt verfügen. Pro Jahr sollen künftig weitere zwei bis drei Gigawatt hinzukommen.

Deutlich kritisierte der Vorstandschef die laut ihm weiter andauernden Angriffe auf Polizisten und Mitarbeiter von RWE im Hambacher Forst. Als es zu Gelächter von Demonstranten kam, sagte Schmitz: Das ist nicht zum Lachen. Das möchte ich hier ausdrücklich betonen.

Kritik zu hören bekam Schmitz aber auch von ganz anderer Seite. Winfried Mathes von der Sparkassentochter Deka Investment warf dem Konzernchef vor, mit seinem langen Beharren auf der Abholzung des Hambacher Forsts RWE einen Reputationsschaden zugefügt zu haben. Deka werde für die Nichtentlastung des Vorstands stimmen, kündigte Mathes an. Das solle ein Anreiz sein, damit Schmitz RWE möglichst schnell in eine kohlefreie Zukunft führe.

Einen Aufstand der Aktionäre, die beim Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer dem Vorstand spektakulär die Entlastung verweigert hatten, musste Schmitz aber nicht befürchten. Dafür sorgen schon Kursgewinne, die RWE im vergangenen Jahr zum zweitbesten Dax-Titel gemacht hatten, wie Thomas Deser von Union Investment lobte. Und Aktionärsvertreter Thomas Hechtfischer freute es, dass Schmitz mit den erwarteten Milliarden-Entschädigungen für Kraftwerke offenbar einen Weg gefunden habe, aus Kohle Gold zu machen.

Lob kam auch von den Kommunen, die noch immer rund ein Fünftel der RWE-Anteile halten. Anders als in früheren Jahren gebe es angesichts der gestiegenen Dividende wenig zu kritisieren, meinte deren Vertreter Ernst Gerlach.

Proteste von Umweltschützern gehören seit Jahren zu Hauptversammlungen des Energieriesen. Weil das Aktionärstreffen diesmal auf einen Freitag fällt, meldet sich auch die Protestbewegung “Fridays for Future” direkt vor den versammelten RWE-Eignern zu Wort. Und Klima-Aktivistin Luisa Neubauer nimmt kein Blatt vor den Mund.

Die Hauptversammlung des Energieversorgers RWE hat sich am Freitag zu einem Schlagabtausch zwischen der Schüler-Protestbewegung "Fridays for Future" und dem Stromkonzern entwickelt.

Auf der einen Seite: Rolf Martin Schmitz (61), Vorstandschef des größten deutschen Braunkohle-Verstromers. Seine Gegenspielerin: Luisa Neubauer (23), Studentin, talkshowerfahrenes Gesicht der Klimaschutz-Bewegung "Fridays for Future" und Organisatorin der Proteste in Berlin.

Schmitz versuchte es mit Lob für die Schüler, die aus mehreren Städten nach Essen gekommen waren und vor der Halle für mehr Klimaschutz demonstrierten – um anschließend durch die Innenstadt zur RWE -Zentrale zu ziehen.