Wenn es um Sex geht, gehe ich über Leichen
Urteil in Essen: Hohe Haftstrafen für junge Männer nach Gruppenvergewaltigungen
Marie* war 16 Jahre alt, als die jungen Männer sie nacheinander vergewaltigten. Das war so schrecklich. Das werde ich nie vergessen, sagte die junge Frau an einem nicht öffentlichen Verhandlungstag aus. Sie sei vollkommen machtlos gewesen. Sie habe seither die unerträglichen Bilder vor Augen.

Bei der Urteilsverkündung am Mittwochmorgen stehen nicht nur die Täter im Vordergrund. Der Vorsitzende Richter Volker Uhlenbrock spricht in Saal N 0.001 des Landgerichts Essen viel über die Opfer der fünf Vergewaltiger, die auf der Anklagebank sitzen. Mehrere Mädchen haben ausgesagt und ihr Leid geschildert. Sie wurden brutal zum Geschlechts- und Oralverkehr gezwungen. Die Schmerzen im Unterleib blieben tagelang.

Die psychischen Verletzungen sind nach Monaten noch nicht verheilt. Sie haben immer wieder Albträume und Flashbacks, einige machen eine Traumatherapie, manche brechen tagsüber zusammen, sie haben lange in der Schule gefehlt. Die 17-jährige Carla* hat ihr Abitur nicht geschafft. Es ist alles nicht mehr wie vorher, sagte sie im Prozess. Eine andere erzählte: Die ersten Tage danach waren so schlimm, dass ich gar nicht mehr wusste, ob ich noch leben wollte.

Die Angeklagten schauen vor sich auf den Tisch. Ob sie ihre Taten wirklich bereuen, ist schwer zu sagen. Das Gericht hält die vorgetragenen Entschuldigungen bei einigen von ihnen für glaubhaft. Es gibt auch andere Eindrücke am Tag des Urteils: Bevor die Verhandlung beginnt und das Urteil gesprochen wird, ist zu sehen, wie sich einer von ihnen, Dean L., immer wieder zum Zuschauerbereich hinten im Saal dreht und Bekannte angrinst. Das Gesicht des 19-Jährigen war bundesweit in den Medien zu sehen, als er zur Fahndung ausgeschrieben worden war. Die Ermittler sind ihnen auf die Spur gekommen, als eines der Opfer Anzeige erstattete.

Das Gericht verhängt unterschiedliche Haftstrafen, vier davon nach Jugendstrafrecht. Sie reichen von drei Jahren und neun Monaten bis zu sechs Jahren und drei Monaten. Der fünfmonatige Prozess hat offenbart, wie verroht und skrupellos die heute 17- bis 24-Jährigen vorgegangen sind, welch gestörtes Verhältnis zur Sexualität sie haben und wie groß ihre Verachtung für Frauen ist. Wenn es um Sex geht, geh ich über Leichen, schrieb einer über sein Smartphone an die Komplizen.

In WhatsApp-Gruppen mit den Namen Spinnen GE und Skorpion MC 1 % haben sie die Vergewaltigungen geplant und nach den Taten noch damit geprahlt. Ich bin der Skorpion der Skorpione, brüstete sich einer. Ein anderer schrieb: Wir sind keine Gentlemen. Wir sind alle kleine Wichser. Die Ermittler stießen auf zahlreiche Nachrichten, die sich auf sexuelle Handlungen beziehen und in denen die Opfer aufs Übelste herabgewürdigt werden. Der Ton sei selbstherrlich und frauenverachtend, sagte Richter Uhlenbrock. Die Taten seien abscheulich.

Insgesamt sieben Fälle zwischen 2016 und 2018 hat das Gericht verhandelt, in einem von ihnen wurde das Verfahren eingestellt. Wir machen Skorpion. Wir haben eine neue Taktik, schrieb einer der Täter im Chat. Sie waren auf eine bestimmte Vorgehensweise gekommen: In verschiedenen Zusammensetzungen luden die selbst ernannten Skorpione junge Mädchen einzeln zu einer Fahrt ein, erweckten den Eindruck, dass sie ausgehen und eine Shisha-Bar besuchen wollten. Tatsächlich fuhren sie zu abgelegenen Orten in Essen und Gelsenkirchen und nahmen dem Mädchen das Handy ab.

Du musst mit uns allen ficken, sonst kommst du nicht mehr nach Hause, soll einer gesagt haben. Sie verlangten Geschlechts- und Oralverkehr, drohten in einigen Fällen mit Gewalt, dass sie ihr den Arm brechen und sie grün und blau schlagen würden, wenn sie nicht mitmache. Entweder du machst das, oder ich schlage dich kaputt, schrie Antonio H. einmal genervt.

Ein Opfer wehrte sich vehement. Sie schlug, schrie und drohte, sie werde es den Sinti-Familien erzählen, aus der die Täter stammen. Die Männer ließen von ihr ab und brachten sie wieder nach Hause. Andere Opfer hatten keine Chance. Besonders brutal war Gianni H. Jetzt bin ich dran, soll er einmal unbeeindruckt gesagt haben, obwohl das Mädchen kurz zuvor schon mehrfach vergewaltigt worden war, obwohl sie weinte und flehte, weil sie starke Schmerzen im Unterleib hatte. Das Weinen und Flehen der Mädchen, ihr Bitten und ihr Würgereiz half ihnen nicht, sagte der Vorsitzende Richter.

Uhlenbrock macht deutlich, dass Gianni der Schlimmste gewesen sei: Sie mussten immer noch einen draufsetzen und haben als Letzter gestanden. Deshalb habe er mit sechs Jahren und neun Monaten die höchste Haftstrafe bekommen.

Die Taten sind widerwärtig, doch der Richter warnt in der Urteilsbegründung vor einer Dämonisierung der Verurteilten: Wir mussten über schwere Straftaten junger Menschen urteilen, Menschen, keine Monster. Er stellt auch selbstkritisch die Frage, ob die Strafen gerecht und angemessen seien. Das kann man nicht mit einem Ja und nicht mit einem Nein beantworten. Die Verurteilten können in Revision gehen und das Urteil in nächsthöherer Instanz anfechten. Sie hätten das Recht dazu, sagte der Richter abschließend, doch er mahnte, dass dies das Leid der Opfer verlängern könnte: Der Leidensweg war schon lang genug.

Unter einem Vorwand lockten sie Schülerinnen ins Auto und vergewaltigten diese anschließend an abgelegenen Orten. Nun kommen alle fünf Täter ins Gefängnis.

0 Anzeige Marie* war 16 Jahre alt, als die jungen Männer sie nacheinander vergewaltigten. Das war so schrecklich. Das werde ich nie vergessen, sagte die junge Frau an einem nicht öffentlichen Verhandlungstag aus. Sie sei vollkommen machtlos gewesen. Sie habe seither die unerträglichen Bilder vor Augen.

Bei der Urteilsverkündung am Mittwochmorgen stehen nicht nur die Täter im Vordergrund. Der Vorsitzende Richter Volker Uhlenbrock spricht in Saal N 0.001 des Landgerichts Essen viel über die Opfer der fünf Vergewaltiger, die auf der Anklagebank sitzen. Mehrere Mädchen haben ausgesagt und ihr Leid geschildert. Sie wurden brutal zum Geschlechts- und Oralverkehr gezwungen. Die Schmerzen im Unterleib blieben tagelang.

Die psychischen Verletzungen sind nach Monaten noch nicht verheilt. Sie haben immer wieder Albträume und Flashbacks, einige machen eine Traumatherapie, manche brechen tagsüber zusammen, sie haben lange in der Schule gefehlt. Die 17-jährige Carla* hat ihr Abitur nicht geschafft. Es ist alles nicht mehr wie vorher, sagte sie im Prozess. Eine andere erzählte: Die ersten Tage danach waren so schlimm, dass ich gar nicht mehr wusste, ob ich noch leben wollte.

Die Angeklagten schauen vor sich auf den Tisch. Ob sie ihre Taten wirklich bereuen, ist schwer zu sagen. Das Gericht hält die vorgetragenen Entschuldigungen bei einigen von ihnen für glaubhaft. Es gibt auch andere Eindrücke am Tag des Urteils: Bevor die Verhandlung beginnt und das Urteil gesprochen wird, ist zu sehen, wie sich einer von ihnen, Dean L., immer wieder zum Zuschauerbereich hinten im Saal dreht und Bekannte angrinst. Das Gesicht des 19-Jährigen war bundesweit in den Medien zu sehen, als er zur Fahndung ausgeschrieben worden war. Die Ermittler sind ihnen auf die Spur gekommen, als eines der Opfer Anzeige erstattete.

Das Gericht verhängt unterschiedliche Haftstrafen, vier davon nach Jugendstrafrecht. Sie reichen von drei Jahren und neun Monaten bis zu sechs Jahren und drei Monaten. Der fünfmonatige Prozess hat offenbart, wie verroht und skrupellos die heute 17- bis 24-Jährigen vorgegangen sind, welch gestörtes Verhältnis zur Sexualität sie haben und wie groß ihre Verachtung für Frauen ist. Wenn es um Sex geht, geh ich über Leichen, schrieb einer über sein Smartphone an die Komplizen.

In WhatsApp-Gruppen mit den Namen Spinnen GE und Skorpion MC 1 % haben sie die Vergewaltigungen geplant und nach den Taten noch damit geprahlt. Ich bin der Skorpion der Skorpione, brüstete sich einer. Ein anderer schrieb: Wir sind keine Gentlemen. Wir sind alle kleine Wichser. Die Ermittler stießen auf zahlreiche Nachrichten, die sich auf sexuelle Handlungen beziehen und in denen die Opfer aufs Übelste herabgewürdigt werden. Der Ton sei selbstherrlich und frauenverachtend, sagte Richter Uhlenbrock. Die Taten seien abscheulich.

Siegaue-Vergewaltigung Er wollte Geschlechtsverkehr. Einen tieferen Sinn gibt es nicht Anzeige Insgesamt sieben Fälle zwischen 2016 und 2018 hat das Gericht verhandelt, in einem von ihnen wurde das Verfahren eingestellt. Wir machen Skorpion. Wir haben eine neue Taktik, schrieb einer der Täter im Chat. Sie waren auf eine bestimmte Vorgehensweise gekommen: In verschiedenen Zusammensetzungen luden die selbst ernannten Skorpione junge Mädchen einzeln zu einer Fahrt ein, erweckten den Eindruck, dass sie ausgehen und eine Shisha-Bar besuchen wollten. Tatsächlich fuhren sie zu abgelegenen Orten in Essen und Gelsenkirchen und nahmen dem Mädchen das Handy ab.

Du musst mit uns allen ficken, sonst kommst du nicht mehr nach Hause, soll einer gesagt haben. Sie verlangten Geschlechts- und Oralverkehr, drohten in einigen Fällen mit Gewalt, dass sie ihr den Arm brechen und sie grün und blau schlagen würden, wenn sie nicht mitmache. Entweder du machst das, oder ich schlage dich kaputt, schrie Antonio H. einmal genervt.

Ein Opfer wehrte sich vehement. Sie schlug, schrie und drohte, sie werde es den Sinti-Familien erzählen, aus der die Täter stammen. Die Männer ließen von ihr ab und brachten sie wieder nach Hause. Andere Opfer hatten keine Chance. Besonders brutal war Gianni H. Jetzt bin ich dran, soll er einmal unbeeindruckt gesagt haben, obwohl das Mädchen kurz zuvor schon mehrfach vergewaltigt worden war, obwohl sie weinte und flehte, weil sie starke Schmerzen im Unterleib hatte. Das Weinen und Flehen der Mädchen, ihr Bitten und ihr Würgereiz half ihnen nicht, sagte der Vorsitzende Richter.

Uhlenbrock macht deutlich, dass Gianni der Schlimmste gewesen sei: Sie mussten immer noch einen draufsetzen und haben als Letzter gestanden. Deshalb habe er mit sechs Jahren und neun Monaten die höchste Haftstrafe bekommen.

Die Taten sind widerwärtig, doch der Richter warnt in der Urteilsbegründung vor einer Dämonisierung der Verurteilten: Wir mussten über schwere Straftaten junger Menschen urteilen, Menschen, keine Monster. Er stellt auch selbstkritisch die Frage, ob die Strafen gerecht und angemessen seien. Das kann man nicht mit einem Ja und nicht mit einem Nein beantworten. Die Verurteilten können in Revision gehen und das Urteil in nächsthöherer Instanz anfechten. Sie hätten das Recht dazu, sagte der Richter abschließend, doch er mahnte, dass dies das Leid der Opfer verlängern könnte: Der Leidensweg war schon lang genug.

Vor dem Landgericht Essen wird eine Gruppenvergewaltigung im Ruhrgebiet verhandelt: Die Aufnahme zeigt einen der Angeklagten während eines Prozesstages im Juli.

Sie nannten sich Skorpione. Jetzt verbergen vier der fünf Männer ihr Gesicht vor den Kameras, hüllen sich in dunkle Kapuzenpullis, einer geht unter einem großen schwarzen Tuch. Ein vier Monate langer Prozess ist an diesem Montag zu Ende gegangen: Das Landgericht Essen hat die fünf Männer aus dem Ruhrgebiet zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt, weil sie – in unterschiedlichen Besetzungen – mehrere Schülerinnen vergewaltigt haben. Skorpion machen, nannten sie das.

Im vergangenen Winter verabredete sich je einer der Männer mit einem Mädchen zu einem Date. Er holte sie mit dem Auto ab, nach und nach stiegen seine Kumpels zu, alle zwischen 17 und 24 Jahre alt. Als es dunkel wurde, fuhren sie in ein Waldstück südlich von Essen, wo sich das Opfer kaum auskannte.

Unter einem Vorwand nahm ein Täter dem Mädchen das Handy ab. Erst nötigten die Männer sie: “Du musst mit uns allen ficken, sonst kommst du nicht mehr nach Hause.” Dann wurde gedroht: Grün und blau schlagen wollten die Männer ihr Opfer, wenn sie sich nicht fügte.

Die längste Jugendstrafe, sechs Jahre und drei Monate Haft, muss der 19-jährige Gianni H. antreten. Er gestand vier Vergewaltigungen und eine versuchte Tat erst an einem der letzten Prozesstage. Der 24-jährige Enrico F. muss drei Jahre und neun Monate lang ins Gefängnis, wegen einer Vergewaltigung. Die anderen Strafen liegen dazwischen.

In der Regel berichtet die SZ nicht über ethnische, religiöse oder nationale Zugehörigkeiten mutmaßlicher Straftäter. Wir weichen nur bei begründetem öffentlichen Interesse von dieser im Pressekodex vereinbarten Linie ab. Das kann bei außergewöhnlichen Straftaten wie Terroranschlägen oder Kapitalverbrechen der Fall sein oder bei Straftaten, die aus einer größeren Gruppe heraus begangen werden (wie Silvester 2015 in Köln). Ein öffentliches Interesse besteht auch bei Fahndungsaufrufen oder wenn die Biografie einer verdächtigen Person für die Straftat von Bedeutung ist. Wir entscheiden das im Einzelfall und sind grundsätzlich zurückhaltend, um keine Vorurteile gegenüber Minderheiten zu schüren.

Obwohl die Kammer damit unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft bleibt, ist lautes Schluchzen im Zuschauerraum zu hören, als der Richter das Strafmaß verkündet. Richter Volker Uhlenbrock sagt noch, dass sich nicht alle Täter “gleich gruselig verhalten” hätten.

Das Strafmaß sei angemessen, sagt Richter. Das Jugendstrafrecht, nach dem vier der fünf Angeklagten verurteilt werden, sieht höchstens Haftstrafen von zehn Jahren vor. Und die Täter, deutsche Staatsbürger bulgarischer Abstammung, die während ihrer Taten auch Sinti gesprochen haben, damit die Mädchen sie nicht verstehen, haben keine schwerwiegenden Vorstrafen.

Aber sie brüsteten sich in ihrer Whatsapp-Gruppe “Scorpions MC 1%” mit den Taten. “Es zeigt das völlig frauenverachtende, selbstherrliche Bild”, sagte Uhlenbrock. Die Ermittler hatten einen Großteil der Übergriffe rekonstruiert, indem sie die Chatverläufe auswerteten.

Der Richter listet noch einmal auf, “welches Leid bis heute diesen jungen Frauen zugeführt wurde”. Die Opfer, alle 16 bis 18 Jahre alt, berichten von Albträumen, Zusammenbrüchen nach den Taten, manche konnten monatelang nicht zur Schule gehen. Noch kann Revision gegen das Urteil eingelegt werden.

Der Richter sagt, dass es den Frauen aber zu wünschen wäre, wenn die juristische Aufarbeitung nun zu Ende ginge. “Der Leidensweg der Opfer war schon lang genug.”