Gesünder für ein paar Cent mehr?
Essen in der Schule: Gesünder für ein paar Cent mehr?
Frisches Gemüse, Fisch und ein Obstsalat: Ein gesundes Menü wie dieses steht viel zu selten auf dem Speiseplan deutscher Schulkantinen. Forscher fanden nun heraus: Es würde kaum etwas kosten, das zu ändern.

Kinder essen in deutschen Schulen noch immer zu ungesund. Dies hat eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ergeben. Dabei müssten die Schulen im Durchschnitt nicht viel mehr Geld ausgeben, um den Kindern ein besseres Mittagessen zu bieten.

In einer Grundschule, in der 200 Essen ausgegeben werden, betrüge der Unterschied laut Modellrechnungen nur vier Cent pro Mahlzeit. Laut der Studie zahlen die Eltern im Durchschnitt 3,50 Euro pro Schulmahlzeit.

Schulessen: Warum der Staat bei der Schulverpflegung versagt

Vier Cent könnte man durch mehr Effizienz in den Kantinen einsparen, etwa durch einen geringeren Energieverbrauch. Zudem könnten Essen günstiger angeboten werden, wenn mehr Kinder in der Schule zu Mittag essen würden. Je mehr Essen bestellt würden, umso günstiger können Schulen sie anbieten.

Gesundes Essen an Schulen muss keine Frage des Geldes sein. Bereits für wenige Cent mehr pro Gericht könnten sich Schüler besser ernähren. Das ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Dienstag auf dem Bundeskongress Schulverpflegung in Berlin vorstellten.

Konkret würde das für die Schulen bedeuten, dass die gesamte Essenssituation attraktiver gestaltet werden müsse. Damit mehr Schüler zum Mittagessen in die Kantinen gingen, müssten beispielsweise entsprechend einladende Räumlichkeiten geschaffen werden. Sei die Kantine ein Ort, an dem die Kinder sich wohlfühlten – ohne Lärm, mit der Möglichkeit, sich beim Essen auch zurückzuziehen – dann würden vielleicht mehr Kinder das Angebot wahrnehmen. In vielen Schulen sei das bisher nicht der Fall.

Eine weitere Maßnahme könne es sein, die Einnahme der Mahlzeiten verbindlich zu machen. Auch das sei bisher häufig nicht so. Doch wenn alle Kinder zum Essen kommen müssten, gäbe es womöglich automatisch auch mehr Abnehmer.

Doch wie gesund ist das Schulessen zur Zeit? Klöckner wolle nicht den Stab brechen über die, die sich überhaupt um die Ernährung der Kinder bemühen. Die Qualität habe aber bislang selten eine Rolle gespielt, kritisierte die Ministerin.

Die deutschen Kommunen bezuschussen die Ausgabe von Schulverpflegung derzeit mit bis zu 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) bezeichnete das finanzielle Engagement der Gemeinden als “enorme Leistung”. Vielen Eltern und Verantwortlichen sei dies womöglich gar nicht bewusst.

Immer mehr Kinder essen in den Schulen zu Mittag. Dabei ist die Qualität oft unzureichend. Die Minister Julia Klöckner und Jens Spahn wollen das ändern.

Ihr Ministerium werde die Kommunen künftig noch stärker dabei unterstützen, in Schulen gesundes Essen anzubieten. Der Bund will demnach mehr Beratungsstellen einrichten und seine Mittel dafür ab 2019 auf zwei Millionen Euro pro Jahr verdoppeln, erklärte Klöckner.

Für die Studie kontaktierte das Forscherteam insgesamt 1072 Essensanbieter und 488 Schulträger aus allen Bundesländern. Ermittelt wurden die Speisepläne der jeweiligen Schulen, Lebensmittelpreise, Lieferkosten, Personalkosten und Betriebskosten. Eine Mahlzeit sei gesünder, so die Forscher, wenn die Schulen sich an den Qualitätsstandards der DGE orientierten.

Eigentlich mangelt es nicht an Empfehlungen für gesundes Schulessen: Bolognese-Soße aus Linsen oder Quinoa statt Pommes. Die Umsetzung ist dennoch nach wie vor katastrophal. Warum eigentlich?

Klöckner warb für die flächendeckende Anwendung der DGE-Standards an allen Schulen. “Wenn nur ein einstelliger Centbetrag den Unterschied macht, dann darf es keine Ausreden mehr geben”, erklärte sie. Es gehe um eine “Investition in die Gesundheit unserer Kinder.”

Im Jahr 2007 hatte die DGE erstmals Qualitätsstandards veröffentlicht. Sieben Jahre später ergab eine Studie im Auftrag des Bundesernährungsministeriums, dass das Essen in Schulen noch immer häufig nicht gesund genug sei. Nur jeder fünfte Schulspeiseplan entsprach zum Beispiel der DGE-Empfehlung von höchstens zweimal pro Woche Fleisch.

Lecker soll Schulessen sein. Und für Ernährungsministerin Klöckner auch gesund. Das gehe mit nur ein paar Cent mehr. Sie stützt sich auf eine Studie, die auch zeigt: Bei den Kantinen kommt es auf die Größe an.

Bis zu 4500 Essen landen in den Kantinen von ländlichen Schulträgern durchschnittlich mittags auf dem Tisch. In Großstädten kommen die Träger sogar auf bis zu fast 23.500 Mahlzeiten – pro Tag. Das ergab eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Bundesernährungsministerin Julia Klöckner und Gesundheitsminister Jens Spahn nahmen die Erhebung zum Anlass, um sich für ein gesünderes Essensangebot in den Schulen auszusprechen. Und das muss laut den CDU-Politikern auch gar nicht teuer sein – nur vier Cent mehr pro Essen würden reichen.

Klöckner pochte auf die “Investition in die Gesundheit unserer Kinder” und forderte: “Wenn nur ein einstelliger Cent-Betrag den Unterschied macht, dann darf es keine Ausreden mehr geben.” Darum wolle der Bund die Verpflegung in Schulen ab dem kommenden Jahr stärker fördern – mit zwei Millionen Euro pro Jahr, laut Klöckner doppelt soviel wie bisher.

Derzeit subventionieren die Kommunen die Versorgung der Schüler nach Angaben der DGE mit bis zu 1,2 Milliarden Euro. Die Verpflegung werde damit im bundesweiten Durchschnitt finanziell zur Hälfte von den Kommunen getragen, wobei die Studie pro Mahlzeit einen durchschnittlichen Preis von 3,50 Euro veranschlagt.

Das Angebot in den Schulkantinen soll aus Sicht der DGE mehrere Standards erfüllen: Getreide, Kartoffeln, Gemüse und Salat sollen täglich auf dem Speiseplan stehen, mindestens einmal pro Woche zudem Fisch und maximal zweimal pro Woche Fleisch oder Wurst.

Für die aktuelle Studie wurden bundesweit rund 1000 Essensanbieter sowie mehr als 480 Schulträger angefragt, laut DGE gaben jedoch nur 126 Anbieter Auskunft zu Lieferkosten und Leistungsumfang. Der Großteil der befragten Schulträger waren öffentlich. Insgesamt waren die befragten Träger bundesweit für fast 8200 Schulen zuständig, darunter rund 200 Ganztagsschulen.

In der Studie stellt sich auch heraus, dass die Größe der Kantine eine große Rolle spielt, was den Preis des Essens betrifft. Je größer die Kantine, desto günstiger können die Mahlzeiten angeboten werden. Die DGE legte ihrer Erhebung nicht nur die Kosten für den Einkauf der Lebensmittel zugrunde, sondern für den gesamten Betrieb einer Schulkantine – also auch für Personal, Betriebskosten und für die Wartung der technischen Ausstattung.

Hierbei spiegelt sich die Kantinengröße in vor allem zwei Faktoren wider: Der Preis für das Schulessen und auch die Qualität der Mahlzeiten kann dadurch beeinflusst werden. Vor allem die Personalkosten schlagen als hoher Ausgabenposten zu Buche. Nur knapp 29 Prozent der Schulträger bekommen etwa das Personal an der Essensausgabe durch die Kommunen gestellt, knapp ein Drittel der Träger zumindest in einem Teil der betriebenen Kantinen. Rund 38 Prozent der Schulträger finanzieren das Personal selbst. Auch die Betriebskosten schultern mehr als die Hälfte der Träger selbst.

Um die Kosten auszugleichen, müssen gerade kleine Kantinen den Preis dementsprechend anpassen: Müssen weniger als 100 Kinder versorgt werden, kostet eine Mahlzeit laut DGE im Durchschnitt bis zu 7,46 Euro – ohne staatlichen Zuschuss. Besuchen mehr als 600 Kinder oder Jugendliche zur Mittagszeit die Kantine liegt der Preis durchschnittlich nur bei 3,57 Euro.

Und auch im Einkauf müssen kleine Kantinen kalkulieren. So greifen Schulträger, die Kantinen mit bis zu 100 Mahlzeiten betreiben, beim Wareneinkauf kaum auf Bio-Lebensmittel zurück. Insgesamt gaben knapp 56 Prozent aller Träger bundesweit an, auch Bio einzukaufen. Im Durchschnitt liegt der Anteil an Bio-Lebensmitteln beim Schulessen bei 18 Prozent. Denn Bio kostet: Nach Berechnung der DGE könnten die Ausgaben für den Wareneinkauf um mehr als 80 Prozent ansteigen, wenn ein Schulträger sein komplett dafür angesetztes Budget für Bio-Produkte ausgibt.

Trotzdem rät die DGE zu mehr Bio beim Schulessen. Und hier kommt die Cent-Rechnung zum Tragen, die auch Klöckner und Spahn anführen. Eine Quote von 20 Prozent Bioanteil in Kantinen würde die Preise für das Essen nur minimal in die Höhe treiben – im einstelligen Cent-Bericht, errechnet auch die Studie. Zudem schlägt die DGE die bessere Vernetzung von Schulen vor, gerade im ländlichen Raum und mit kleineren Kantinen, um eventuell einen gemeinschaftlichen Betrieb zu ermöglichen.