Freiburg und Düsseldorf: Dass dieses Remis egal ist, ist ein großer Erfolg für beide Vereine - SPIEGEL ONLINE
SC Freiburg – Fortuna Düsseldorf LIVE: 1:1 Zehn Freiburger beenden Pleitenserie
Im Spiel zwischen dem SC Freiburg und Fortuna Düsseldorf ging es sportlich um nichts mehr. Das ist am 32. Spieltag umso bemerkenswerter, gehörten die beiden Klubs doch zu den Abstiegskandidaten.

Der SC Freiburg wusste dank der 1:3-Niederlage des VfB Stuttgart am Samstag schon vor dem Anpfiff gegen Fortuna Düsseldorf, dass er auch in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen wird. Fortuna Düsseldorf hat diese Sicherheit schon etwas länger, der Aufsteiger hatte bereits 40 Punkte gesammelt.

Obwohl der Aufsteiger – wie schon gegen Bremen – gut in die Partie kam, durften die Gastgeber zuerst jubeln: Grifo war im Strafraum-Duell mit Raman zu Boden gegangen, der “Gefoulte” verwandelte den überzogenen Strafstoß selbst zum 1:0 (9.). Die Fortuna sammelte sich einige Minuten und schlug nach rund einer halben Stunde zurück – Kownacki hatte auf der linken Seite zu viel Platz und drosch den Ball von der Unterkante der Latte zum Ausgleich in die Maschen (30.).

Kownackis Hammer zu wenig – zehn Freiburger bleiben cool

Im direkten Duell ging es deshalb sportlich um nichts mehr, passenderweise wurden mit dem 1:1 (1:1)-Unentschieden die Punkte geteilt. Die Tore erzielten Vincenzo Grifo mit einem verwandelten Foulelfmeter (9. Minute) und Dawid Kownacki, der mit einem sehenswerten Linksschuss unter die Latte ausglich (31.).

Diesmal zeigte der Treffer beim Sport-Club, der aufgrund der VfB-Niederlage am Vortag in Berlin den Klassenerhalt schon eingetütet hatte, Wirkung. Düsseldorf ließ den Ball laufen und erspielte sich klarere Vorteile, ließ allerdings Konsequenz in der letzten Aktion vermissen. Mit dem Remis ging es in die Halbzeit.

Die Freiburger stoppten mit dem Remis ihre Negativserie, zuvor hatte der SC vier Spiele in Folge verloren. Dabei waren die Gäste über weite Strecken das aktivere Team, die Fortuna spielte nach dem Platzverweis für Jannik Haberer (47.) sogar lange in Überzahl. Zu einem Sieg reichte es trotz einiger guter Torchancen nicht, was Trainer Friedhelm Funkel angesichts der Rückeroberung des zehnten Tabellenplatzes verschmerzen kann.

Freiburgs Coach Christian Streich änderte seine Startelf im Vergleich zum 1:2 in Leipzig auf zwei Positionen: Koch und Gondorf ersetzten Nico Schlotterbeck (Bank) und Abrashi (Gelbsperre). Zudem kehrten nach wochen- beziehungsweise monatelanger Verletzungspause die Angreifer Petersen und Sallai zurück ins Aufgebot.

Schon vor dem Spiel hatte sein Gegenüber Christian Streich viel Lob für Funkel geäußert. Der Düsseldorfer Klassenerhalt wäre vor allem dank des “sehr erfahrenen und extrem hungrigen” Trainers zustande gekommen. Funkel hat mittlerweile 794 Pflichtspiele als Coach absolviert, damit ist er der erfahrenste aktive Trainer der Bundesliga. Streich selbst stand in der Bundesliga bereits 218 Mal für Freiburg an der Seitenlinie.

Viel änderte das nicht. Düsseldorf war wie schon vor der Halbzeit die tonangebende Mannschaft, tat sich gegen nun tieferstehende Gastgeber aber viel schwerer. Mehr als ein Distanzschuss von Zimmermann (51.) und eine gute Gelegenheit für Hennings (66.) frei vor Schwolow kamen nicht heraus.

Beide Mannschaften galten vor der Saison als mögliche Abstiegskandidaten. Freiburg hält sich seit Jahren in der Bundesliga, obwohl der Verein einen klaren Standortnachteil hat. Düsseldorf stieg erst vor dieser Saison auf und hat einen Kader, dem kaum ein Experte den Klassenerhalt zugetraut hatte.

SC Freiburg – Fortuna Düsseldorf 1:1 (1:0) 1:0 Grifo (9./Foulelfmeter) 1:1 Kownacki (31.) Freiburg: Schwolow – Koch, K. Schlotterbeck, Heintz – Höfler – Frantz (72. Sallai), Haberer, Gondorf, Günter – Höler (81. Niederlechner), Grifo. Düsseldorf: Rensing – Zimmermann, Ayhan, Hoffmann, Suttner – Raman, Stöger, Bodzek (68. Morales), Kownacki (73. Lukebakio) – Karaman (82. Fink), Hennings. Schiedsrichter: Welz Gelbe Karten: Hoffmann, Morales, Fink Gelb-Rot: Haberer (47./wiederholtes Foulspiel) Zuschauer: 24.000

Anfang Januar sah man Christian Streich im Presseraum des Freiburger Stadions sehr vehement den Kopf schütteln. Menschen mit gutem Gehör meinen sogar ein “Wahnsinn” vernommen zu haben. Sich ausführlicher zum Thema zu äußern, verbat damals die Branchenetikette. Es gilt schließlich als dickes Tabu, sich in die inneren Angelegenheiten konkurrierender Vereine einzumischen. Was Streich von der Posse hielt, die sich damals bei Fortuna Düsseldorf um die Vertragsverlängerung von Friedhelm Funkel abspielte, war dann ja auch ohne längere Ausführungen offensichtlich. Und als kurz darauf klar war, dass dort nicht der Trainer, sondern der Sportdirektor Robert Schäfer den Kürzeren ziehen würde, hat sich Streich ja auch noch mal deutlich geäußert. Und zwar im eigenen Trainerzimmer, wie er am Donnerstag rückblickend verriet. “Das gibt noch mal einen brutalen Schub”, habe er seinen Kollegen gesagt. “Das ist für Düsseldorf wie gemalt und gibt neue Energien.”

Den Klassenerhalt hat der SC Freiburg seit gestern sicher. Dennoch wollen die Breisgauer gegen Fortuna Düsseldorf nach zuletzt vier Niederlagen in Serie in die Erfolgsspur zurückkehren. 

Streich versteht sich auffallend gut mit vermeintlichen Oldschool-Trainern wie Bruno Labbadia, Jupp Heynckes oder eben Funkel. Möglicherweise, weil er deren über Jahrzehnte nachgewiesenes Durchhaltevermögen in einer Branche bewundert, die ihm nach wie vor oft hysterisch überdreht vorkommt. Ganz sicher aber, weil er alle drei als kollegial und uneitel erlebt. Wer Streich dieser Tage fragt, ob man Funkel Unrecht getan hat, als man ihm ein Image als jobhoppendes Trainerfossil anheftete, erntet dann auch einen Blick, als habe er gerade nach dem Aggregatszustand von Wasser gefragt. “Aber klar”, sagte Streich am Donnerstag. “Wenn jemand so lange in der Bundesliga Trainer ist, zwei Mal je fünf Jahre bei einem Verein war und immer wieder geholt wurde – wie kann so jemand nicht besondere Qualitäten haben?”

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