Freiburg-Düsseldorf (15.30 Uhr) - Die Trainer jedes Jahres - Süddeutsche.de
Fortuna Düsseldorf fährt zum Lieblingsgegner SC Freiburg
Christian Streich und Friedhelm Funkel zeigen in Freiburg und Düsseldorf, welchen Wert Konstanz haben kann. Und: Sie mögen einander sehr.

Anfang Januar sah man Christian Streich im Presseraum des Freiburger Stadions sehr vehement den Kopf schütteln. Menschen mit gutem Gehör meinen sogar ein “Wahnsinn” vernommen zu haben. Sich ausführlicher zum Thema zu äußern, verbat damals die Branchenetikette. Es gilt schließlich als dickes Tabu, sich in die inneren Angelegenheiten konkurrierender Vereine einzumischen. Was Streich von der Posse hielt, die sich damals bei Fortuna Düsseldorf um die Vertragsverlängerung von Friedhelm Funkel abspielte, war dann ja auch ohne längere Ausführungen offensichtlich. Und als kurz darauf klar war, dass dort nicht der Trainer, sondern der Sportdirektor Robert Schäfer den Kürzeren ziehen würde, hat sich Streich ja auch noch mal deutlich geäußert. Und zwar im eigenen Trainerzimmer, wie er am Donnerstag rückblickend verriet. “Das gibt noch mal einen brutalen Schub”, habe er seinen Kollegen gesagt. “Das ist für Düsseldorf wie gemalt und gibt neue Energien.”

Zur Erinnerung: Die Fortuna hatte nach einem Saisonstart, der exakt so schwach war wie man das dem No-Budget-Team auch zugetraut hatte, gerade die Spiele gegen Dortmund, Freiburg und Hannover gewonnen, als Schäfer in der Winterpause auf die Idee kam, mit der verweigerten Vertragsverlängerung eine Trainerdiskussion vom Zaun zu brechen, die er nicht nur verlor, sondern die ihn letztlich im April auch den Job kostete. Dass ein Team, das gerade ins Rollen gekommen war und bei dem sich alle maßgeblichen Spieler für den Trainer ausgesprochen hatten, noch mehr zusammenwachsen würde, wenn der Coach bleiben darf, war Streich also im Gegensatz zu Schäfer bewusst. Weshalb ihn der Höhenflug der Fortuna mit ihren sieben Rückrundensiegen auch nicht wundert. “Sie haben vorher schon gut gespielt. Und jetzt stimmen die Ergebnisse. Die gewinnen nicht 1:0 gegen Gladbach, die gewinnen 3:0. Die gewinnen nicht 1:0 gegen Werder, die gewinnen 4:1.” Dank schneller Einzelspieler und dank einer Taktik, die genau darauf ausgerichtet ist, die optimal in Szene zu setzen. Eine Taktik, die Funkel erdacht und umgesetzt hat.

Dabei sind es nicht Funkels taktische Kniffe, die Streich so für “den Friedhelm” einnehmen. Die beiden mögen sich schlicht und einfach. Funkel, der 1991 sein erstes Bundesligaspiel als Trainer coachte und Streich, der länger als jeder andere beim gleichen Verein aktiv ist und seit 2011 als Freiburger Cheftrainer fungiert, fühlen in vielen Dingen ähnlich. Und auch wenn die beiden altersmäßig weiter auseinander liegen (53 und 65) als viele glauben mögen, spricht doch oft eine gewisse Altersgelassenheit aus den Aussagen beider Trainer. So zum Beispiel, wenn sie sich auffallend distanziert über manch jungen Kollegen äußern, dem mal wieder zugeschrieben wird, dass er den Fußball gerade revolutioniere.

Streich versteht sich auffallend gut mit vermeintlichen Oldschool-Trainern wie Bruno Labbadia, Jupp Heynckes oder eben Funkel. Möglicherweise, weil er deren über Jahrzehnte nachgewiesenes Durchhaltevermögen in einer Branche bewundert, die ihm nach wie vor oft hysterisch überdreht vorkommt. Ganz sicher aber, weil er alle drei als kollegial und uneitel erlebt. Wer Streich dieser Tage fragt, ob man Funkel Unrecht getan hat, als man ihm ein Image als jobhoppendes Trainerfossil anheftete, erntet dann auch einen Blick, als habe er gerade nach dem Aggregatszustand von Wasser gefragt. “Aber klar”, sagte Streich am Donnerstag. “Wenn jemand so lange in der Bundesliga Trainer ist, zwei Mal je fünf Jahre bei einem Verein war und immer wieder geholt wurde – wie kann so jemand nicht besondere Qualitäten haben?”

Bei der zeitgleich in Düsseldorf stattfindenden Pressekonferenz äußerte sich derweil der derart Gepriesene nicht weniger herzlich über den Kollegen. Und das schon bevor überhaupt ein Journalist die erste Frage stellen konnte. Das von Pressesprecher Kai Niemann in den Raum geworfene Stichwort “Freiburg” genügte, um Funkel lossprudeln zu lassen: “Ich bin immer sehr gerne dort, weil es dort eine sehr angenehme Atmosphäre ist. Dort wird man auch von den gegnerischen Fans sehr freundlich aufgenommen, eine gute Leistung des Gegners wird akzeptiert”, sagte er und wurde dann grundsätzlicher: “Was die Freiburger seit Jahrzehnten aus ihren Mitteln machen, ist beachtlich. Und Christian ist einfach ein fantastischer Trainer und Mensch, mit dem es Spaß macht, sich zu unterhalten.”

Nicht auszuschließen allerdings, dass die erste echte Unterhaltung am Sonntag erst weit nach Schlusspfiff stattfinden wird. Der SC, der zuletzt vier Spiele am Stück verlor, will schließlich endgültig den Klassenerhalt feiern. Mit gewohnt emotionalem Coaching auf der Freiburger Trainerbank ist also zu rechnen – inklusive energischer Gesten Richtung Gästetrainer. Dem ist das allerdings “völlig egal”, wie Funkel erklärte. “Ich weiß, wie er das meint. Und nach dem Spiel ist eh alles vergessen.”

Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken Das Spiel Nach sechs sieglosen Spielen in Folge, darunter aber die beiden Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach und den FC Bayern (jeweils 1:1), will der SC Freiburg am Sonntag (15.30 Uhr) gegen Fortuna unbedingt wieder einen Sieg holen. Rein rechnerisch kann der Sportclub sogar noch auf den drittletzten Platz rutschen, der in die Relegation gegen den Abstieg führt. Die Wahrscheinlichkeit ist bei drei ausstehenden Partien und einem Vorsprung von acht Punkten aber unwahrscheinlich. Mit einem Sieg wollen die Gastgeber endgültig alle Zweifel beseitigen.

Die aktuelle Form Freiburg hat sechs Partien nicht gewonnen (wie Hertha BSC) und ist damit die erfolgloseste Mannschaft der jüngsten sechs Spieltage (zwei Punkte, 4:15 Tore). Aus den vergangenen vier Partien in Mainz (0:5), bei Werder Bremen (1:2), gegen Borussia Dortmund (0:4) und in Leipzig (1:2) gab es für den SCF zudem keinen einzigen Zähler und 2:13 Treffer. Der jüngste Auftritt bei der 1:2-Niederlage in Leipzig dient den Freiburgern aber als Mutmacher, denn dort lag lange eine Überraschung in der Luft. Schon nach der Niederlage in Bremen hatte Freiburgs Coach Streich gesagt: Es war alles okay, aber wir gewinnen halt mal wieder nicht. Auch da hatten die Freiburger eine ansprechende Leistung gezeigt.

Fortuna gewann dagegen drei der jüngsten sechs Partien (3:1 gegen Borussia Mönchengladbach, 2:1 bei Hertha BSC, 4:1 gegen Werder Bremen) – und verlor dreimal (2:5 beim VfL Wolfsburg, 1:4 gegen den FC Bayern, 1:3 bei Mainz 05).

Die personelle Lage Freiburg fehlen Florian Kath, Roland Sallai (beide Leistenoperation), Lukas Kübler (Sprunggelenkbruch), Amir Abrashi (Gelbsperre), Manuel Gulde (Muskelfaserriss), Tim Kleindienst (Meniskus-Operation) und Philipp Lienhart (Gehirnerschütterung). Fraglich sind Luca Waldschmidt (Knieprobleme) und Nils Petersen (Muskelfaserriss).

Stärken und Schwächen Beide Mannschaften habe ihre Stärken im Konterspiel, überlassen dem Gegner gerne den Ballbesitz. Fortuna (42 Prozent Ballbesitz) und der SCF (43) gehören mit dem 1. FC Nürnberg (42) zu den drei Mannschaften mit den niedrigsten Spielanteilen in der Liga.