Tausende Schüler bei Fridays For Future in Düsseldorf - NRZ
Weltweit Schüler-Demos am Freitag: Deutsche finden Klima-Proteste gut
Teilen Weiterleiten Tweeten Weiterleiten Drucken Ein buntes Bild bot sich am Freitag in Düsseldorf: Hier wurde eine Pappmaché-Figur der schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg aus dem Rosenmontagszug reaktiviert. Der Motivwagen von Jacques Tilly zeigt die 16-jährige Streik-Ikone, die der Elterngeneration die Ohren lang zieht. Die Schüler sattelten die Figur auf einen Anhänger um. Statt von einem Diesel-Fahrzeug – wie im Rosenmontagszug – wurde er von einem Elektrowagen gezogen, den ein Carsharing-Anbieter zur Verfügung gestellt hatte.

Die Organisatoren sprachen von mehr als 8000 Teilnehmern, die Polizei vor Ort schätzte die Zahl auf 6000 bis 7000. Erwartet waren ursprünglich weniger als die Hälfte der Demonstranten. Sie zogen vom Rathaus über den Grabbeplatz, ein Stück die Kö entlang bis vor den Landtag. Dort hielten die Vorsitzende der Landtags-Fraktion der Grünen, Monika Düker, und Carsten Löcker, verkehrspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion der SPD, eine Rede. Ich bin mir sicher, alle in der Politik haben uns heute gehört, sagte Lukas Mielczarek (19), der die Fridays for Future-Ortsgruppe Düsseldorf vertritt.

Den Auftakt machten am Morgen Tausende Schüler in Neuseeland. Allein in dem Pazifikstaat waren gut 30 Demonstrationen geplant. Auch in Tokio, Hongkong, Brisbane, Sydney und anderen Städten gingen zahlreiche Schüler auf die Straße. Weltweit sind 1700 Kundgebungen und Schülerstreiks angekündigt, in Deutschland rund 200.

Weltweite Proteste: Schüler streiken in mehr als hundert Ländern für Klimaschutz

Die Freitagsdemos sind umstritten, weil viele Schüler die Schule schwänzen. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erklärte, sie begrüße das politische Engagement der Schülerinnen und Schüler. Ich finde es gut, wenn junge Menschen bereit sind, für ihre Ziele auf die Straße zu gehen. Das Demonstrationsrecht setze aber die Schulpflicht nicht außer Kraft. Die Schulen könnten das Thema Klimaschutz im Unterricht oder im Rahmen von Projekttagen aufgreifen. Um persönlich mit den Initiatoren der Klimastreiks ins Gespräch zu kommen, habe sie die Landesschülervertretung und Vertreter von Fridays for Future zu einem Meinungsaustausch ins Ministerium eingeladen, sagte sie.

Am Donnerstag waren die Ortsgruppen in Düsseldorf und Wuppertal von Fridays for Future noch beunruhigt: In den sozialen Medien kursierte die Nachricht über ein Schreiben der Bezirksregierung Düsseldorf, das Lehrer dazu auffordern soll zu dokumentieren, welche Schüler an den Protesten teilnehmen. Dass Lehrer die Namen der teilnehmenden Schüler an die Bezirksregierung weiterleiten, sei nicht gefragt, sagte Jessica Eisenmann, Sprecherin der Bezirksregierung. Sie sollten die Schüler nur zählen, um mögliche Hilfestellungen besser planen zu können. Hintergrund sei eine Bitte der Polizei Wuppertal, die die Größe der Demos besser einschätzen wollte. Das Schreiben richtete sich nur an Wuppertaler Schulen.

Es ist eine Protestwelle für mehr Klimaschutz, und das rund um den Erdball: Hunderttausende Jugendliche demonstrieren an diesem Freitag in mehr als hundert Staaten unter dem Motto “Fridays for Future” für drastische Schritte gegen die Erderwärmung.

Aber auch an Düsseldorfer Schulen sorgten sich die Schüler um mögliche Sanktionen. So kursierte am Comenius-Gymnasium wohl das Gerücht, die Streikenden seien von Geldstrafen bedroht. Eine Mitarbeiterin der Schule bestritt das: Es gab lediglich eine Unterrichtung der Schüler darüber, dass die Schulpflicht vorgehe, und ein unentschuldigtes Fehlen im Unterricht Folgen haben kann.

Die weltweite Protestwelle hat begonnen: In Neuseeland, Australien und Asien haben Tausende Schüler für den Klimaschutz gestreikt. Am Vormittag wollen ihnen Jugendliche in Dutzenden deutschen Städten folgen.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Sigrid Beer, hat einen Brandbrief an die NRW-Schulministerin geschrieben.

Von Melbourne bis Madrid, von Kapstadt bis Köln: Am Freitag haben bei einem weltweiten Aktionstag Hunderttausende Schüler für mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz demonstriert. Kundgebungen unter dem Motto "Fridays For Future" gab es in fast allen europäischen Metropolen, darunter in Rom, Paris, London, Wien sowie in Kopenhagen und Stockholm. Auch in Dutzenden deutschen Städten gingen Jugendliche und ihre Unterstützer auf die Straße statt zur Schule – die Veranstalter schätzen ihre Zahl bundesweit auf rund 300.000. Allein in Berlin nahmen laut Polizei 15.000 bis 20.000 Menschen teil. Die Veranstalter sprachen von rund 25.000 Teilnehmern. Auch in Köln und München waren nach Polizeiangaben jeweils mehr als Zehntausend auf den Beinen.  Rund um den Globus waren mehr als 2000 Kundgebungen und Schülerstreiks in mehr als 120 Staaten angekündigt, hierzulande rund 200. Die Kernforderungen: ein schnelles Aus für die klimaschädliche Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, keine Subventionen mehr für diese "dreckigen" Energieträger, mehr Investitionen in erneuerbare Energien aus Windkraft und Sonne.

Der Münsteraner Rechtswissenschaftlers Tristan Barczak empfiehlt, demonstrationsfreudige Schüler ernst zu nehmen und auf Zwangsmaßnahmen zu verzichten.

Von den Erwachsenen erwarte die Bewegung nicht, dass sie der Jugend Hoffnung spende, schrieben Thunberg und ihre Mitstreiter. "Wir wollen, dass ihr in Panik geratet und handelt. Wir wollen, dass ihr euch anschließt." Konkret müsse schnell weltweit der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas organisiert werden. Subventionen für diese Art "schmutziger Energie" gehörten abgeschafft, stattdessen müsse viel mehr Geld in erneuerbare Energien fließen. Auf Plakaten bei Protesten in Deutschland hieß es unter anderem: "Wir lernen nicht für eine zerstörte Zukunft" oder "Fehlstunden verkraften wir, Klimawandel nicht". Andere hatten Schilder dabei mit Aufschriften wie "Die Dinos dachten auch, sie hätten Zeit", "Wäre die Welt eine Autofirma, hättet ihr sie längst gerettet" und "Die Zeit rennt, ihr pennt".

Ihr Kommentar wird nun gesichtet. Im Anschluss erhalten Sie eine E-Mail von uns. Bitte beachten Sie, dass es bei einem großen Kommentaraufkommen zu längeren Wartezeiten kommen kann. Wir sichten die Kommentare werktags zwischen 09 und 22 Uhr. Samstags und sonntags sind wir in der Regel von 10 bis 18 Uhr für Sie da.

Nach Ansicht des CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor sollten die Proteste erst nach dem Unterrichtsende beginnen. "Politisches Interesse der Schüler finde ich immer gut. Dem können sie aber auch in ihrer Freizeit nachgehen", sagte der 26-Jährige der "Heilbronner Stimme". Ähnlich äußerte sich CDU-Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im "Spiegel". Vergangene Woche hatte jedoch nach Kanzlerin Angela Merkel auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Schülerproteste begrüßt. Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer, eine 22-jährige Studentin, kündigte im SWR einen weiteren großen Protest für den 24. Mai an, "wenn wir die Europawahl zur Klimawahl machen werden und massivst auf die Straßen gehen in ganz Europa, um direkt vor den Wahlen allen Parteien richtig Angst zu machen".

Unser Community-Dienst ist am Samstag ausnahmsweise nicht besetzt. Wir öffnen den Kommentarbereich wieder am Sonntag. Wir freuen uns, wenn Sie dann wie gewohnt mit uns diskutieren.

Politik 15.03.19 "Fridays for Future" Zehntausende Schüler streiken in ganz Deutschland Symbolfigur der Protestwelle ist die 16-jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg, die seit August 2018 immer freitags für einen beherzteren Kampf gegen den Klimawandel demonstriert statt zur Schule zu gehen. Sie ist inzwischen zu einer Ikone für Klimaschützer rund um die Welt geworden. In vielen Städten hielten Demonstranten Schilder mit dem Spruch "make the world Greta again" in die Höhe. Thunberg, die zusammen mit Tausenden Mitstreitern in Stockholm protestierte, bescheinigte den Regierungen weltweit zu wenig Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderwärmung. Anstatt zu handeln, vergeudeten Politiker allerorten Zeit, sagte die 16-Jährige am Rande einer Demonstration vor dem Reichstag. 

Hunderttausende Jugendliche haben am Freitag weltweit für einen radikalen Kurswechsel hin zu mehr Klimaschutz demonstriert. Kundgebungen unter dem Motto Fridays For Future gab es in europäischen Metropolen wie Rom, Wien, Warschau, London und auch in Dutzenden deutschen Städten.

Nordhorn Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut, skandierten am Freitagmittag viele Schüler in der Nordhorner Innenstadt. Auf Plakaten waren Forderungen zu lesen wie Stoppt den Klimawandel, Rettet die Erde und Verkehrswende jetzt. Um 12 Uhr hatten sich die Jugendlichen auf dem Marktplatz getroffen, um sich an den weltweiten Protesten unter dem Motto Fridays for Future zu beteiligen.

Unter anderem in Berlin, Köln, Dresden und Stuttgart zogen Tausende Schüler, Studenten und Unterstützer mit Plakaten durch die Straßen. Rund um den Globus waren mehr als 2000 Kundgebungen und Schülerstreiks in mehr als 120 Staaten angekündigt, in Deutschland rund 200.

Es ging zwar ums Klima, aber auch das Wetter war zu Beginn der Demonstration ein beherrschendes Thema. Der Wetterdienst hatte Sturm angekündigt, dicke Regenwolken zogen vorbei. Aber letztlich hatten die Teilnehmer Glück, es blieb zunächst trocken. Und trotz der schlechten Wettervorhersage kamen viele Demonstranten. Die Polizei sprach von 1500 Teilnehmern – vor allem Schüler, aber auch einige Ältere reihten sich ein.

▶︎Bundesweit haben am Freitag nach Schätzungen der Veranstalter mehr als 300 000 Demonstranten an den Protesten teilgenommen.

FAQ: Dilemma für Eltern und Lehrer: Schulpflicht verbietet Streiks

Hierzulande schließen sich den Protesten auch immer mehr Eltern an, auch Großeltern wurden gesichtet. Fakt ist: Die Schülerproteste der Fridays for Future-Bewegung bekommen aus der Bevölkerung überwiegend Zuspruch.

Düsseldorf: Mehr als 10.000 Teilnehmer: Hier rollt der Greta-Wagen von Tilly durch Düsseldorf

Das geht aus dem ZDF-Politbarometer hervor. Nach der am Freitag veröffentlichten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen finden 67 Prozent der Befragten die Demonstrationen der Schüler gut, auch wenn sie in der Unterrichtszeit stattfinden.

Die deutsche Klimaschutz-Aktivistin Luisa-Marie Neubauer spricht bei der Fridays for Future-Demonstration in Berlin.

32 Prozent sprechen sich dagegen aus. Lediglich die Anhänger der AfD sind mit 67 Prozent mehrheitlich gegen den Protest.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut“, rufen etwa 280 Schüler, als sie heute Mittag vor dem Rosentor für den Klimaschutz demonstrieren. In der Kaiserstadt ist es die erste Veranstaltung der Initiative „Fridays for Future“, für die freitags weltweit Schüler auf die Straße gehen. „Es gibt keinen Planeten B“ und „Klimaschutz statt Kohleschmutz“ steht auf etlichen Plakaten, mit denen die Schüler um die Marktkirche ziehen. Sie wollen sich gegen die internationale Klimapolitik engagieren und für den Kohleausstieg einsetzen.

Greta Thunberg wurde als Initiatorin von Fridays For Future für den Friedensnobelpreis nominiert. Die Demo findet in 105 Städten statt.

Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut, rufen etwa 280 Schüler, als sie heute Mittag vor dem Rosentor für den Klimaschutz demonstrieren. In der Kaiserstadt ist es die erste Veranstaltung der Initiative Fridays for Future, für die freitags weltweit Schüler auf die Straße gehen. Es gibt keinen Planeten B und Klimaschutz statt Kohleschmutz steht auf etlichen Plakaten, mit denen die Schüler um die Marktkirche ziehen. Sie wollen sich gegen die internationale Klimapolitik engagieren und für den Kohleausstieg einsetzen.

Symbolfigur der Protestwelle ist die 16-jährige schwedische Schülerin Greta Thunberg, die seit August 2018 immer freitags für einen beherzteren Kampf gegen den Klimawandel demonstriert statt zur Schule zu gehen.

Eine der Organisatorinnen in Goslar ist die 19-jährige Frauke Nickel, die im vergangenen Jahr ihr Abitur am Christian-von-Dohm-Gymnasium abgeschlossen hat. Auf die Straße geht sie aus der Überzeugung, dass sie der letzten Generation angehört, die etwas für das Klima tun kann. „Ich frage mich, wovon ich im Jahr 2050 leben soll, wenn wir die Erde kaputtmachen“, erklärt Nickel.

Sie ist inzwischen zu einer Ikone für Klimaschützer rund um die Welt geworden. In vielen Städten hielten Demonstranten Schilder mit dem Spruch Make the world Greta again in die Höhe – angelehnt an den Wahlkampfslogan von US-Präsident Donald Trump Make America great again (Macht Amerika wieder groß).

Viele Schulen hierzulande erlauben ihren Schülern die Teilnahme an den Protesten. Vielerorts kommen Lehrer sogar mit ihren Klassen zu den Demos.

Die Bewegung wächst und wächst: Das wird groß, ist sich der 15-jährige Linus, einer der Organisatoren der Klima-Demos in Berlin , sicher. Langsam kommt an, dass das hier kein kurzfristiger Trend, sondern etwas Langfristiges ist, das Folgen hat.

Greta hat durch ihre stoische Haltung gezeigt, wie ein junger Mensch mit einem Lächeln im Gesicht auf einen eklatanten gesellschaftlichen Missstand aufmerksam machen kann. Die jungen Leute in Deutschland haben das geradezu wie ein Signal aufgenommen und sind durch ihr Vorbild inspiriert worden, es ihr gleich zu tun, so Hurrelmann zu BILD.Der Experte hält es für möglich, dass die Bewegung weiter wächst: Die jungen Leute halten ihre Demonstrationen jetzt schon seit drei Monaten durch. Wenn das noch einmal drei Monate so weitergeht, dann haben wir eine politisierte junge Generation, die sich auf allen Ebenen in die Politik einmischen wird.

▶︎ Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rät den vielen Schülern, ihre Proteste in die Freizeit zu verschieben. Demonstrationen außerhalb der Schulzeit würden dem Anliegen sicherlich noch einmal eine ganz neue Durchschlagskraft verleihen und ihr ernsthaftes Engagement untermauern, argumentierte Altmaier.

▶︎ FDP-Chef Christian Lindner: In der Unterrichtszeit sollten sie sich lieber über physikalische und naturwissenschaftliche sowie technische und wirtschaftliche Zusammenhänge informieren.

Und weiter: Ich bin für Realitätssinn. Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.▶︎ Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) widersprach. Ich finde es gut, dass diese angeblich so unpolitische Generation den Mund aufmacht und auf die Straße geht, sagte sie der Bild am Sonntag.▶︎ Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) begrüßten die Schülerproteste für mehr Klimaschutz ausdrücklich.

▶︎ Die Bundesregierung will das laufende Jahr nach Angaben von SPD-Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles zum Klimajahr machen. Auch angesichts der Schülerdemos für mehr Klimaschutz freue sie sich, dass die GroKo das Thema bei ihrem Spitzentreffen am Vortag zur Chefsache gemacht habe, sagte Nahles am Freitag in Berlin.