Kein Spiel wie jedes andere
Trainer Pal Dardai: Hertha gegen Hertha – das verstehe ich nicht
Doch, doch, um Sport geht es auch – aber eher am Rande. Noch immer bestimmt der Konflikt mit Teilen der eigenen Anhängerschaft die Agenda bei Hertha BSC. Pal Dardai fordert jetzt ein rasches Ende des Streits, am Donnerstag sagte der Trainer des Bundesliga-Achten: “Herthaner gegen Herthaner, das verstehe ich nicht. Ich hoffe, dass eine schnelle Lösung kommt. Umso schneller, umso besser – das Thema soll in der Kabine nicht zum Störfaktor werden.”

Er habe “kein Hörgerät für die Kabine”, erklärte Dardai. “Aber bestimmt diskutieren die Jungs auch in der Kabine über das Thema. Wichtig ist, dass die Ruhe zurückkehrt, weil Hertha seit dreieinhalb Jahren sehr erfolgreich ist.”

Die Berliner Ultra-Gruppierung “Hauptstadtmafia” hatte kurz vor dem Anpfiff ihr 15-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei brannten die Fans Pyrotechnik ab. Die Polizei entschied sich daraufhin, das Banner der Gruppierung zu entfernen. Das ist den Ultras jedoch heilig, weshalb sie es verteidigen wollten und sich mit den Polizisten anlegten. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, die Fans nutzten die Plastik-Stangen ihrer Fahnen und Feuerwerkskörper.

Von Ruhe ist der Klub derzeit weit entfernt. Der Konflikt nimmt stattdessen immer groteskere Züge an. Am Mittwochabend hatte sich der Dissens mit Teilen der Fans nochmals zugespitzt. Die Fanhilfe Hertha B.S.C. erstattete Anzeige gegen Geschäftsführer Michael Preetz wegen “Beleidigung und übler Nachrede”. In einer vom Förderkreis Ostkurve veröffentlichten Erklärung hieß es, man sei es “allen verletzten Herthanern schuldig, uns gegen die herabwürdigenden Anfeindungen und falschen Anfeindungen der Geschäftsführung zu wehren”.

Die Geschäftsführung von Hertha BSC verurteilte das Verhalten der Ultras mit den Worten: “Das ist ein Tag, der dem Fußball und unserem Verein schadet.” Die Fanhilfe kritisierte daraufhin den Polizeieinsatz als “vollkommen überzogen”. Für Preetz war jene Kritik wiederum “abenteuerlich”. Den Hertha-Fans wurden für das Spiel gegen RB Leipzig am vergangenen Samstagabend Banner und Fahnen verboten.

Hertha BSC: Eigene Fans zeigen Geschäftsführer Michael Preetz an

Zudem hieß es in der Erklärung, dass Personen, die bei der Auseinandersetzung in Dortmund bei Herthas Auswärtsspiel vor zwölf Tagen Verletzungen davontrugen, die Berliner Rechtsanwaltskanzlei Lau & Meyer mit der Einreichung von Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen des Polizeieinsatzes beauftragt hätten. Michael Preetz hatte nach den Vorkommnissen in Dortmund von “einer Katastrophe und einer ganz bitteren Stunde für den Fußball und für Hertha BSC” gesprochen. Bei den Auseinandersetzungen waren nach Polizeiangaben 45 Menschen verletzt worden. Die Berliner Anhänger bewerteten den Polizeieinsatz als unverhältnismäßig.

Als Reaktion auf die Randale von Dortmund hatte Hertha vor einer Woche vorm Heimspiel gegen RB Leipzig (0:3) Banner, Blockfahnen und Doppelhalter im Stadion verboten. Die Folge war ein Stimmungsboykott der Ostkurve – und eine fast bizarre Atmosphäre im Stadion.

Nun kam es zu der besagten Pressemitteilung der Fanszene. “Wir sind es allen verletzten Herthanern schuldig, uns gegen die herabwürdigenden Anfeindungen und falschen Anschuldigungen der Geschäftsführung von Hertha B.S.C. zu wehren”, heißt es dort. Eine Antwort des Vereins gab es noch nicht.

Das Verhältnis zwischen der Führungsetage des Bundesligisten und den einflussreichsten Ultra-Gruppierungen ist seit längerem auch wegen der von Klubseite massiv forcierten Digitalisierung immens belastet, mittlerweile ist es auf einem Tiefpunkt angekommen. Damit die Ultras an einem geplanten Runden Tisch teilnehmen können, hatte die Geschäftsführung zuletzt ein Vorgespräch zur Bedingung gemacht. Die Ultras lehnten das ab, ihre führende Gruppierung, “Die Harlekins”, hatte auf ihrer Homepage erklärt: “Anstatt die Chance zu ergreifen, bei einem Runden Tisch verschiedene kritische Themen zu diskutieren, geht die Geschäftsführung mit dieser Erpressung mal wieder auf Konfrontation.” Ein Ende der Eiszeit scheint nicht in Sicht. Bei dem Runden Tisch von Geschäftsführung und mehreren Fan-Gruppierungen, der für diesen Donnerstagabend geplant ist, werden die Ultras fehlen.

Unabhängig von den Problemen mit Teilen der Fan-Szene: Auch das Spiel am Samstag bei Fortuna Düsseldorf (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) ist nach den Vorkommnissen im Relegationsrückspiel 2012, das als Skandalspiel in die Geschichte einging, emotional aufgeladen. Das seinerzeit mehrfach unterbrochene Spiel endete 2:2, Hertha stieg ab. Der Einspruch des Klubs gegen die Spielwertung wurde vom Sportgericht später abgewiesen, mehrere Spieler – auf Berliner Seite Levan Kobiashvili, Christian Lell, André Mijatovic und Thomas Kraft – wurden gesperrt, Kobiashvili nach einem Angriff gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark sogar bis Ende Dezember 2012.

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Der damalige Hertha-Trainer Otto Rehhagel (“Kobiashvili ist der fairste Spieler seit dem Zweiten Weltkrieg.”) sagte seinerzeit in der Verhandlung vorm Sportgericht, er habe sich während des Platzsturms in Düsseldorf an die Bombennächte im Zweiten Weltkrieg erinnert gefühlt, die er mit seinen Eltern in einem Essener Bunker verbracht habe. Auf die Nachfrage des Gerichts, ob er Angst gehabt habe, antwortete Rehhagel mit dem legendär gewordenen Begriff: “Halbangst.”

Der Streit zwischen der Geschäftsführung von Hertha BSC und den Ultras geht in die nächste Runde. Die Fanhilfe der Berliner zeigte nun die Polizei an – und den eigenen Manager.

Pal Dardai, der an jenem Mai-Abend 2012 zu Hause vorm Fernseher saß, will sich vor der Rückkehr an die Stätte des Skandalspiels “mit der Vergangenheit nullkommanull beschäftigen”. Er sagte am Donnerstag: “Wenn ich ehrlich bin, hat das von beiden Seiten damals nicht gut ausgesehen. Es war eine komische Situation, aber ich war nicht dabei. Ich will das nicht mehr so hochhängen, das ist Vergangenheit. Wir haben genug Probleme hier, die Düsseldorfer auch. Das Wichtigste ist, dass wir uns auf Fußball konzentrieren.” Der Hinweis klang in diesen in und um Hertha sehr unruhigen Herbst-Tagen noch ein bisschen angebrachter als sonst.

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Der Fußball-Dauerkonflikt zwischen Hertha BSC und Teilen seiner Fans verschärft sich weiter. Eine Fangruppierung kündigt an, gegen Klubmanager Michael Preetz Anzeige zu erstatten. Grund sind die Krawalle beim Bundesligaspiel in Dortmund.

Mit einem Runden Tisch will Fußball-Bundesligist Hertha BSC den Konflikt mit einem Teil der Anhänger am Donnerstag entschärfen. Vorab sorgt aber eine andere Fan-Gruppe mit Anzeigen gegen die Polizei in Dortmund und Hertha-Manager Michael Preetz für neue Brisanz. Die Fanhilfe Hertha B.S.C. kündigte in einer vom Förderkreis Ostkurve veröffentlichten Erklärung als Reaktion auf die gewaltsamen Vorkommnisse beim Spiel bei Borussia Dortmund (2:2) mehrere Anzeigen. Die Ultras hatten zuvor ein Gespräch mit der Geschäftsleitung des Berliner Fußball-Bundesligisten abgelehnt.

Die Fanhilfe, die sich als eine Abteilung des Förderkreis Ostkurve um die Unterstützung von Herthanern kümmert, welche im Zusammenhang mit Spielen in Konflikt mit der Polizei oder Justiz geraten sind, sieht viele Fans als Opfer des Polizeieinsatzes im Dortmunder Stadion und berichtete von zahlreichen verletzten Berliner Anhängern. Eine Rechtsanwaltskanzlei sei mit der Einreichung von Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen des Polizeieinsatzes beauftragt worden, heißt es in der Erklärung.

Bei den Auseinandersetzungen waren am 27. Oktober nach Polizeiangaben 45 Personen verletzt worden. Hertha hatte die Übergriffe von Berliner Fans auf die Polizei scharf verurteilt. Man könne die Vorkommnisse nur deutlich missbilligen: "Sie schaden Menschen sowie unserem Verein im Ansehen und finanziell. Noch schlimmer verhält es sich hinsichtlich der Gewaltszenen gegenüber der Polizei. Das ist nicht hinnehmbar und wir werden alles unternehmen, um die Verantwortlichen zu identifizieren."

Manager Preetz hatte von einer "Katastrophe" gesprochen und betont: "Ein möglicherweise unverhältnismäßiger Einsatz der Polizei rechtfertigt keine Gewalt." Die Fanhilfe Hertha B.S.C. reagiert nun mit einer Anzeige gegen Preetz wegen Beleidigung und übler Nachrede.