Heidenheim nach 4:3 in Duisburg ohne Aufstiegschance - Schwäbische
MSV Duisburg: Dustin Bomheuer mit kuriosem Eigentor
Von den eigenen Fans ausgepfiffen und die Lizenz für die 3. Liga noch nicht gesichert: Der MSV Duisburg muss nach dem feststehenden Abstieg aus der 2. Liga einen Scherbenhaufen aufkehren.

Duisburg (dpa/lnw) – MSV-Profi Moritz Stoppelkamp weinte und die Fans des MSV Duisburg verabschiedeten ihre Mannschaft mit hemmungslosen Pfiffen und "Absteiger"-Rufen. Nach dem Abstieg des Traditionsclubs aus der 2. Fußball-Bundesliga, die nach der 3:4 (1:2)-Niederlage am Sonntag gegen den 1. FC Heidenheim nicht mehr abgewendet werden kann, ging es im Duisburger Stadion emotional zur Sache. "Es ist bitter, wenn man vor den eigenen Fans steht und ausgepfiffen wird. Wir haben uns das selbst zuzuschreiben", sagte Duisburgs Angreifer Havard Nielsen.

Dabei stand der MSV in der Rückschau gut aufgestellt da. Vergangene Saison schloss die Mannschaft aus dem Kohlen-Pott als 7. der 2. Bundesliga so gut ab wie seit 2010 nicht – und das als Aufsteiger. Bis auf Torhüter Mark Flekken (zum SC Freiburg) blieben alle Leistungsträger aus der Vorsaison. Zusätzlich kamen gestandene Zweitligaprofis wie Richard Sukuta-Pasu (damals 97 Spiele im Unterhaus auf dem Konto) oder John Verhoek (155), dazu Perspektivspieler wie der zuvor vereinslose Yanni Regäsel (Hertha BSC, Eintracht Frankfurt) oder Sebastian Neumann (Würzburger Kickers) aus der 3. Liga. Außerdem wichtig: Manager Ivica Grlic zahlte keine Ablösesummen, holte die meisten Spieler quasi zum Nulltarif. Ein wichtiger Faktor für den Verein, den bis heute Verbindlichkeiten plagen.

Die 17. Saison-Niederlage hat den vierten Absturz des MSV in die Drittklassigkeit nach 1986, 2013 und 2016 perfekt gemacht. Die Duisburger verspielten unter anderem durch ein Eigentor von Verteidiger Dustin Bomheuer, der den Ball völlig unbedrängt aus kurzer Entfernung zum zwischenzeitlichen 2:3 (58. Minute) ins Duisburger Tor köpfte, vor dem abschließenden Saisonspiel am nächsten Sonntag beim Hamburger SV ihre letzte Chance auf den Klassenverbleib.

Die ersten vier Ligaspiele nach Saisonbeginn gingen allesamt verloren, Anfang Oktober musste Coach Ilia Gruev (wird nun Co-Trainer bei Werder Bremen) gehen. Sein Nachfolger Torsten Lieberknecht stieg zwar spektakulär mit einem 2:1-Sieg in Köln ein, den Absturz konnte aber auch er nicht auffangen. Der Kader, der nur wenige Monate zuvor noch eine Prise Aufstiegsluft geschnuppert hatte, fiel jetzt auseinander. Verhoek traf kein einziges Mal ins Tor, spielte sich dafür eine miserable kicker-Durchschnittsnote von 4,7 zusammen. Sukuta-Pasu traf immerhin ein Mal, flüchtete aber im Winter nach China. Regäsel musste zwischenzeitlich seine Teilnahme am Trainingsbetrieb einklagen. Und Neumann konnte wegen diverser Verletzungen nicht mithelfen.

Die Fans hatten ihr Urteil schnell gefällt: Den Gang der Mannschaft zehn Minuten nach dem Abpfiff in die Kurve quittierten die Anhänger mit einem lauten Pfeifkonzert. "Wir haben die Gewissheit, dass wir abgestiegen sind. Das ist ein harter Tag", meinte MSV-Coach Torsten Lieberknecht.

Wie schon häufig in dieser Saison agierte der Tabellenletzte auch gegen Heidenheim vor 14 392 Zuschauern überaus fehlerhaft in allen Mannschaftsteilen. Robert Glatzel (27.), Denis Thomalla (37.) und Niklas Dorsch (82.) nutzten die Duisburger Defizite in der Defensive zu Heidenheimer Toren. Moritz Stoppelkamp (33.), Bomheuer (51.) und Lukas Daschner (81.) trafen für den MSV.

MSV-Präsident Ingo Wald hatte sich bereits vor dem Match festgelegt, dass Trainer Lieberknecht und Sportdirektor Ivica Grlic auch für die kommende Saison in der sportlichen Verantwortung bleiben. "Gemeinsam mit ihnen müssen wir wieder darauf konzentrieren, Kampfgeist und Willen zu harter Arbeit zu hundert Prozent in den Fokus zu stellen. Wir müssen und wollen noch enger zusammenrücken", erklärte Wald. "Ich verspüre Lust, das wieder aufzubauen", erläuterte Lieberknecht.

Nach der 3:4-Niederlage gegen den 1. FC Heidenheim ist der Traditionsverein aus Duisburg-Meiderich auch rechnerisch nicht mehr zu retten. Zwar signalisierte der größte Sponsor “Schauinsland-Reisen” zuletzt, an Bord zu bleiben. Doch die Zukunft der Zebras ist ungewiss. Auch, weil die Verantwortlichen seit dem Sommer vergangenen Jahres einen Fehler an den nächsten reihten und aufkommende Probleme nicht in den Griff bekamen.

In diesem Jahr starteten die Duisburger nach einem überraschenden siebten Platz in der Vorsaison katastrophal. Nach nur zwei Punkten aus den ersten acht Spielen wurde der beliebte Aufstiegs-Trainer Ilja Gruew Anfang Oktober entlassen. Nachfolger Lieberknecht, der Braunschweig in zehn Jahren Amtszeit zuvor bis in die Bundesliga geführt hatte, begann direkt mit einem 2:1 beim Tabellenführer 1. FC Köln. Aus den zurückliegenden 19 Spielen holte der MSV aber nur noch drei Siege. Der Abstieg war die logische Konsequenz.

Dazu gesellten sich Kapriolen abseits des Sports. So wurde Linksverteidiger Kevin Wolze im Wintertrainingslager kurzerhand als Kapitän rasiert. Gerrit Nauber zu befördern war verständlich, doch Wolze derart zu schädigen, fuhr der mit nur wenigen Köpfen ausgestatteten MSV-Mannschaft Schaden zu. Ohnehin beschäftigte sich die Mannschaft mehr damit, sich selbst zu zerfleischen, als für den Klassenerhalt zu arbeiten.

Für den MSV wird die Rückkehr in den Zweitklassigkeit keine Selbstverständlichkeit. Die Lizenz für die 3. Liga ist keineswegs gesichert. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte sie nur unter der Auflage erteilt, dass eine Finanzierungslücke geschlossen wird.

Wald verweist auf positive Signale von Partnern, die sich mit dem Verein weiter identifizieren. "Aber es bedarf ehrlicherweise intensiver Arbeit, diese Signale jetzt so umzusetzen, dass wir bis zum 28. Mai die Bedingungen des DFB für die 3. Liga erfüllen können", sagte Wald. Schon in der Saison 2012/2013 wurde den Meiderichern die Lizenz für die 2. Liga entzogen.

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▶︎ 58. Minute: Eine Feick-Flanke köpft Glatzel auf den Duisburger Kasten, Torwart Wiedwald und Schnellhardt können den Ball vor der Linie halten, ehe Dustin Bomheuer (28) diesen völlig unbedrängt aus einem Meter Entfernung ins eigene Netz köpft. Keeper Wiedwald ist chancenlos.

Besser macht es der Innenverteidiger dagegen in der 51. Minute, als er nach einer Ecke per Kopf das zwischenzeitliche 2:2 erzielt.

Bomheuer hat am Toreschießen nun wohl richtig Gefallen gefunden – blöd nur, dass sein zweiter Treffer den Weg ins eigene Tor gefunden hat.

Durch die Niederlage steigen die Zebras direkt in die 3. Liga ab. In Erinnerung bleibt aber vor allem das kuriose Bomheuer-Eigentor…