Feine Sahne Fischfilet kommen zu den Dresdner Filmnächten 2019
Feine Sahne Fischfilet: Punkrock mit einer klaren Botschaft
Die Band Feine Sahne Fischfilet hat am Samstag in der Stuttgarter Porsche-Arena gespielt. Trotz wachsamer Sicherheitsbedingungen gab es in erster Linie ein feines Konzert.

Stuttgart – Keine besonderen Vorkommnisse: ist das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen für ein Konzert? Im Falle der mecklenburg-vorpommerschen Band Feine Sahne Fischfilet erst einmal ein gutes. Am Samstagabend in der Stuttgarter Porschearena gibt es an den Einlasskontrollen Dienst nach Vorschrift, keinerlei Beunruhigung und erst recht passieren nicht so schlimme Dinge wie jüngst die Bombendrohung beim Chemnitzer Konzert der Band.

Dass die Sitzplätze abgehängt bleiben, war von vornherein klar, hat dazu am Sonntag im Nachhinein Matthias Mettmann gesagt, der Geschäftsführer des Konzertveranstalters, der Stuttgarter Agentur Chimperator. 3300 Besucher sind gekommen, das ist eine stattliche Zahl. Auf die Frage, ob besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden sind, reagiert er mit den Worten, dass er darum eigentlich kein größeres Bohei machen möchte. Wir waren einfach gut vorbereitet, sagt Mettmann, er erwähnt noch, dass sich der Veranstalter mehr Gedanken als üblich gemacht habe, es aber auch wirklich keinerlei besondere Vorkommnisse gegeben habe.

Die Musik der Band ist zur Zeit schwer angesagt, der – unverschuldete – Hype um das abgesagte Konzert im Dessauer Bauhaus hat sein Übriges getan, auch daher ist der Zuschauerzustrom nachvollziehbar.

Das Konzert selbst gestaltet die Band sehr ordentlich und, wenn man das so sagen darf, auch ohne weitere Zwischenfälle. Der Sänger Jan Monchi Gorkow würzt es mit jeder Menge politisch korrekte Ansagen, die Band serviert dazu ordentlich heruntergespielter Punkrock der ganz alten Schule.

Feine Sahne Fischfilet klingt nach gut abgehangenem westdeutschem Punkrock aus den achtziger Jahren, erwähnte unsere Zeitung jüngst bei einem Interview mit Monchi Gorkow en passante. Ich bin Jahrgang 1987 und aus Ostdeutschland, antwortete Gorkow darauf selbstbewusst. Auch damit hat er selbstverständlich Recht, umso mehr verwundert, dass Feine Sahne Fischfilet so heftige Aggressionen entgegenschlagen. Deutsche Punkbands aus den Achtzigern, genannt seien nach Belieben Toxoplasma, Canalterror oder die bis heute fortexistierenden Slime, hatten weitaus drastischere Verse im Repertoire, sie wurden natürlich als linksextremistisch gebrandmarkt, aber dass es um sie näheres öffentliches Aufheben gegeben hätte? Nö.

Die Band rackert sich seelenruhig durch ihr Repertoire, knapp zwei Stunden lang, bei allen etwaigen Bedenken im Vorfeld kommt einem die Musik trotz – wir reden nun einmal von Punkrock – der ihr innewohnenden Härte wie ein langsamer, ruhiger Fluss vor. Die Stimmung im Saal ist prima, alles also bestens. Was bleibt, ist das Unbehagen darüber, dass ein ganz normales Konzert einer Band überhaupt ein Politikum darstellt.

Diese Frage muss man stellen. Allerdings weder an die Zuschauer noch an die deutsche Zivilgesellschaft. Die Band hat mit den Vorwürfen zu leben, sich vielleicht nicht immer mit beiden Beinen auf dem Boden des Grundgesetzes bewegt zu haben. Einige Andersdenkende sollten indes nachdenken, wo die Grenzen der Toleranz liegen. Neben einem guten und hörenswerten Konzert ist es auch deshalb gut, dass die Band Feine Sahne Fischfilet dieses Konzert gegeben hat.

Stuttgart  Feine Sahne Fischfilet begeisterten in der Porsche-Arena. Neben Politik ging es um Heimat, Freundschaft und Zusammenhalt.

"Ich kann immer noch nicht singen, und spiel´jetzt bei Rock am Ring". Diese Zeilen aus dem programmatischen Titel "Alles auf Rausch" beschreiben sehr gut, wie sich Feine Sahne Fischfilet gerade fühlen müssen. Waren die Punkrocker von der Ostsee bis vor kurzem nur einschlägigen Kreisen ein Begriff, ist die Band zum Politikum geworden.

Einerseits unverschuldet, weil erst die Absage eines Konzerts in Dessau durch das Bauhaus Feine Sahne Fischfilet bundesweite Aufmerksamkeit verschafft hat. Andererseits versteht es die Band, diese Aufmerksamkeit für sich zu nutzen. "Das ist hier ist unsere Zeit" singen sie − wohlwissend, wie flüchtig Ruhm sein kann.

Nimmt man das Konzert am Samstag in Stuttgart, das wegen der großen Nachfrage von den Wagenhallen in die Porsche-Arena verlegt wurde, zum Maßstab, dürften Feine Sahne Fischfilet noch eine ganze Weile die deutsche Punkrock-Szene bereichern.

Das Sextett legt einen furiosen knapp zweistündigen Auftritt hin, der keine Wünsche offen lässt. Die Fans in der gut gefüllten Porsche-Arena, die Tribünen waren bis auf wenige Plätze gegenüber der Bühne abgehängt, tanzen Pogo, liegen sich in den Armen und sind bis in die hinteren Reihen erstaunlich textsicher. Und immer wieder fliegt Bier durch die Luft, vor allem, weil Sänger Monchi ständig Plastikflaschen in die Menge wirft − Billigbier vom Discounter, weil ihm die "Schweinepreise" in der Halle (fünf Euro) überhaupt nicht gefallen.

Die Liedauswahl ist erste Sahne, schon nach den ersten beiden Stücken "Zurück in unserer Stadt" und "Alles auf Rausch" gibt es kein Halten mehr. Rampensau Monchi, der sich den Gesang mit Gittarist Christoph Sell teilt, ist in Hochform, und die beiden Trompeter Jacobus North und Max Bobzin drücken dem eingängigen Punkrock ihren unverwechselbaren Stempel auf. Und natürlich kommt bei aller Bierseligkeit auch die Message nicht zu kurz. In Liedern wie "Solange es brennt", "Angst frisst Seele auf" oder "Suruç" beziehen Feine Sahne Fischfilet klar Stellung gegen Rechtsextremismus und Nationalismus, und Monchis zum Teil sehr persönliche Ansagen zeigen, dass die Band das auch ernst meint.

Neben Politik geht es den Jungs von der Ostsee immer auch um Heimat, Freundschaft und Zusammenhalt. Und so wirken auch Monchis Liebeserklärung an seine Eltern "Niemand wie ihr" und das schlagermäßige "Wo niemals Ebbe ist" keine Sekunde peinlich, sondern unterstreichen vielmehr die Authentizität dieser fantastischen Band, von der man noch viel hören wird.