Borussia Dortmund: Da geht mehr | ZEIT ONLINE - ZEIT ONLINE
Bundesliga: Gladbach – Dortmund 0:2: Nur Verlierer beim BVB-Sieg
Sprach da noch ein Gewinner? Weil der 2:0-Sieg seiner Elf in Gladbach bedeutungslos war, gab Lucien Favre Auskunft darüber, wie er die ganze Saison einordnete. Favre bemühte sich, auf die löbliche Tatsache zu verweisen, dass der BVB bis Anfang der zweiten Halbzeit des letzten Spieltags im Meisterrennen lag. Das war tatsächlich lange niemandem mehr gelungen. Dennoch wirkte er gequält, weil alle im Raum wussten, dass eine große Chance vertan wurde. Favre hätte seine erste Trophäe in Deutschland gewinnen können.

Sein Gegenüber Dieter Hecking strahlte auch nicht gerade. Zwar qualifizierte sich Mönchengladbach erstmals seit drei Jahren für den Europapokal. Das rettet ihn aber nicht vor der Entlassung und tilgt nicht die Enttäuschung, die die Saison verursachte. Vor ein paar Monaten hätte das Duell der zwei Borussen-Teams auf ein Endspiel um die Meisterschaft hinauslaufen können. Doch beide konnten das Niveau der Hinrunde nicht halten. Und so saßen dort zwei geknickte Trainer, während hinter ihren Rücken auf einem TV-Bildschirm die Feierbilder aus München liefen.

Der Dortmunder Sieg in Gladbach zeigte erneut zweierlei: Der BVB ist eine gute Mannschaft, kann dank seiner Offensive viele Gegner schlagen. Und er hätte dieses Jahr Meister werden können. Ein Spitzenteam ist der BVB trotzdem nicht, dafür war auch die Leistung gegen Gladbach lange zu wacklig.

Bereits in der ersten Halbzeit unterwanderten die Dortmunder wieder einmal die Erwartungen. Favres Elf agierte übervorsichtig auf dem Feld, ließ sich oft tief in die eigene Hälfte fallen. Gladbach, das die meisten seiner Heimspiele zuletzt verloren hatte, war viel aktiver. Dortmund hingegen wirkte nicht wie eine Mannschaft, die noch Meister werden kann, erst Recht, als die Gladbacher Fans die Führung der Münchener wild und hämisch bejubelten – und das nach jedem Bayern-Tor.

Dortmund benötigte ein wenig Glück, um den Rückstand zu vermeiden und in Führung zu gehen. Die erste gute Chance verwandelte Jadon Sancho noch kurz vor der Halbzeit. Vielleicht war der Ball sogar zuvor im Aus. Die Bilder konnten nicht belegen, ob er mit vollem Durchmesser die Linie überschritt. Der Assistent und der Videoschiri entschieden auf Nein, Referee Manuel Gräfe überstimmte sie nicht.

Die zweite Halbzeit lief anders. Gladbach versank in Lethargie und der BVB zeigte nun, was er drauf haben kann. Speziell das Tor zum 0:2 rief das in Erinnerung. Mario Götze passte auf Jadon Sancho, der auf Christian Pulisic, der auf Marco Reus: Tor. Das ging viel zu schnell für die Gladbacher Abwehrreihe. Es war eins dieser wunderbaren, schönen Dortmunder Tore.

Dortmund gewann wieder einmal auf eine so typischer Weise für das Team. Nicht die Spielanlage machte den Unterschied. Sondern die Tatsache, dass der BVB die Momente nutzte. Die Dortmunder können dank ihrer vielen Talente im Angriff viele deutsche Mannschaften schlagen, ohne besonders gut spielen zu müssen.

Sollte Borussia Dortmund am Samstag die deutsche Fußballmeisterschaft gewinnen, erwartet die Stadt zu den Feierlichkeiten rund 200.000 Besucher. Der seit langem vorbereitete und fast fünf Kilometer lange XL-Autokorso soll am Sonntag um 14.09 Uhr vom Gelände der Westfalenhütte starten und eine Stunde später am Borsigplatz als “Epizentrum der Fankultur” ankommen, teilten Stadt, Polizei und Feuerwehr am Mittwoch in Dortmund mit. Dann werde der Konvoi inklusive einem Großtruck mit der Mannschaft weiter durch die Innenstadt rollen und gegen 18.00 Uhr am Ziel Hoher Wall eintreffen.

Schon in der erfolgreichen Hinrunde gewann der BVB auf ähnliche Art. Das Team siegte oft knapp – durch Glück. Man denke an das 4:3 gegen Augsburg, das 2:1 in Mainz, auch das 3:2 gegen die Bayern. In der Rückrunde hatte die Elf hier und da mal Pech, ein paar Verletzungen erschwerten zudem den Titelkampf. Das ist aber nicht die alleinige Erklärung. 42 Punkte erreichte Dortmund in der ersten Hälfte der Saison, aber nur 34 in der zweiten, bei 26 Gegentoren. 8 Punkte weniger, das ist der Unterschied zwischen meisterlich und ganz okay.

In der Rückrunde ging der Glaube an die eigene Stärke abhanden, nicht komplett, aber schleichend. Der Glaube war schon zu Klopp-Zeiten das wichtigste Pfund dieses Vereins, auch damals lebte der BVB nicht von seiner Feinmechanik, sondern seiner Leidenschaft.  Tiefpunkt in diesem Jahr war der lasche Auftritt in München im April, als Dortmund mit fünf Treffern heimgeschickt wurde.

Hatte sich das Team vom Naturell Lucien Favres anstecken lassen, der manchmal in die Kameras blickt wie ein Rehkitz, das im Scheinwerferlicht erscheint? Und der vorzeitig das Titelrennen aufgab, woraufhin er von seinen Vorgesetzten korrigiert wurde? Favre war schon als zaudernder Typ bekannt, bevor er nach Dortmund wechselte.

12.55 Uhr: Reus und Co. gehen spazierenAm Samstag müssen die Spieler von Borussia Dortmund in Mönchengladbach antreten. Die Nacht davor verbrachte man allerdings in Düsseldorf: Vor dem Fernduell mit dem FC Bayern um die Meisterschaft nächtigte der aktuelle Tabellenzweite im Fünf-Sterne-Hotel “Hyatt” am Medienhafen. Dort kehrt regelmäßig auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ein, wenn Spiele oder Trainings in der Region anstehen. Vor der Kracherpartie spazierten die BVB-Spieler am Samstagvormittag durch die Stadt, dann ging es mit dem Teambus in Richtung Mönchengladbach. 11:59 Uhr: BVB-Helden wünschen den Dortmundern Glück

Ein Problem war aber auch seine strategische Leistung. Mit überraschenden Aufstellungen lag Favre oft daneben. Im Hinspiel gegen die Bayern im November tauchten Julian Weigl und Mario Götze plötzlich in der Startelf auf, die bis zu dem Zeitpunkt keine große oder gar keine Rolle gespielt hatten. Dortmund wurde erst dann gleichwertig, als er beide auswechselte. Am Ende stand ein 3:2-Sieg, der das seltsame Experiment überdeckte.

Sollte Borussia Dortmund am Samstag die deutsche Fußballmeisterschaft gewinnen, erwartet die Stadt zu den Feierlichkeiten rund 200.000 Besucher. Der seit langem vorbereitete und fast fünf Kilometer lange XL-Autokorso soll am Sonntag um 14.09 Uhr vom Gelände der Westfalenhütte starten und eine Stunde später am Borsigplatz als “Epizentrum der Fankultur” ankommen, teilten Stadt, Polizei und Feuerwehr am Mittwoch in Dortmund mit. Dann werde der Konvoi inklusive einem Großtruck mit der Mannschaft weiter durch die Innenstadt rollen und gegen 18.00 Uhr am Ziel Hoher Wall eintreffen.

Meisterwunder bleibt aus: Enttäuschung und Stolz beim BVB

Weil die Bayern Frankfurt (5:1) abschießen, verpasst Dortmund trotz des 2:0 in Gladbach die Meisterschaft. Der BVB muss sich damit zum sechsten Mal in der Bundesliga-Historie mit dem Vize-Titel zufrieden geben.

Der FC Bayern muss sein Bundesliga-Finale ohne Nationaltorhüter Manuel Neuer bestreiten. “Manuel hat gute Fortschritte gemacht. Die Wade hält. Er ist auf dem Weg der Besserung, aber wird am Wochenende nicht spielen”, sagte Trainer Niko Kovac am Donnerstag in München. Damit fällt Neuer nach seinem Muskelfaseriss in der Wade das sechste Pflichtspiel des deutschen Fußball-Rekordmeisters nacheinander aus. Der Kolumbianer James Rodríguez muss nach seinen muskulären Problemen gegen Eintracht Frankfurt auch zuschauen. 

BVB-Kapitän Marco Reus (29) bei Sky: Es war deutlich mehr drin, wir haben es aus meiner Sicht in den letzten Spielen gegen Schalke und Bremen verpasst. (…) Uns hat die Erfahrung und die Gier in den entscheidenden Momenten gefehlt, noch einmal eine Schippe draufzulegen. Es war nicht der Abschluss, den wir uns erhofft haben. Aber trotzdem haben wir eine tolle Saison gespielt.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke geht voller Zuversicht ins Fernduell mit dem FC Bayern München um die deutsche Meisterschaft. “Meine Hoffnung wird jeden Tag größer. Ich bin selber ganz verwundert, weil ich eigentlich ein Skeptiker bin”, sagte der Chef von Borussia Dortmund am Mittwoch bei der Auszeichnung des Deutschen Fußball Botschafters in Berlin. “Ich habe das Gefühl, dass wir vor großen Dingen stehen. Ich kann es auch nicht erklären.”

Frust auch bei den Fohlen! Gladbach bleibt im achten Heimspiel in Serie ohne Sieg, rutscht auf Platz fünf ab und verpasst somit die Champions League.

Der FC Bayern München ist zum siebten Mal in Folge deutscher Meister. Mit 5:1 deklassierten die Münchner Eintracht Frankfurt, das sich knapp in die Europa League retteten.

Die Fohlen zu Beginn das bessere Team. Auch dank der Anzeigetafel! Eigentlich sollten die Ergebnisse auf den anderen Plätze nur alle 15 Minuten angezeigt werden. Änderte sich nach fünf Minuten! Da wurde das 1:0 der Bayern durch Coman (4.) angezeigt. Gladbach in der Folge stark, Traoré (12.) trifft nur die Latte.

Kurios: Nach 27 Minuten vermeldet Gladbach auf der Video-Wand das vermeintliche 2:0 durch Gnabry angezeigt. Dass der Schiri das Tor nach Video-Studium zurücknimmt, wird erst vier Minuten später durchgesagt. Nicht die feine Art…

Aktuell gibt es nur eine mögliche Konstellation, in der Verfolger Borussia Dortmund den FC Bayern noch überrunden würde: Die Münchner unterliegen "dahoam" gegen Eintracht Frankfurt; Borussia Dortmund siegt auswärts bei der anderen Borussia in Mönchengladbach. Bei allen anderen Spielausgängen hätte der Rekordmeister bei zwei Punkten Vorsprung und dem um 17 Treffer besseren Torverhältnis die Nase vorne. Für die Münchner wäre der Titelgewinn übrigens eine Premiere: Noch nie haben sie in ihrer Arena den Meistertitel errungen. Die bis dato letzte Meisterschaft im eigenen Zuhause feierten sie im Jahr 2000 – damals noch im Olympiastadion.

45. Minute: Langer Ball von Delaney links raus auf Reus. Dessen Hereingabe wird abgeblockt. Im zweiten Versuch schaufelt er die Kugel zu Sancho, der aus acht Metern trifft. 1:0 für den BVB! Oder nicht? Video-Schiri Dankert meldet sich aus dem Kölner Keller. Gräfe überprüft die Szene an der Seitenlinie – und gibt den Treffer!

Zwei Bundesligisten qualifizieren sich sicher für die Gruppenphase, nämlich der Tabellenfünfte und der -sechste. Der Siebte geht in die Europa-League-Qualifikation. Gladbach und Leverkusen können nicht mehr aus den Top Sieben fallen. Eintracht Frankfurt wäre mit einem Punkt in München sicher in der Europa League, der VfL Wolfsburg mit einem Sieg in Augsburg.

Auf den TV-Bildern sieht es jedoch eher so aus, als sei der Ball vor Reus zweiter Flanke im Aus gewesen. Belegen lässt es sich aber nicht…

Die Titelentscheidung fällt am letzten Spieltag – wie zuletzt in der Saison 2008/2009. Damals lag der FC Bayern mit 64 Zählern zwei Punkte hinter dem VfL Wolfsburg. Die "Wölfe" um die Top-Offensive Dzeko, Grafite und Misimovic führten nach 26 Minuten mit 3:0 gegen Bremen und machten mit einem 5:1-Sieg die Meisterschaft perfekt.

Als Frankfurt und München nach dem Wechselt ausgleicht, wird der Treffer nicht durchgesagt. Durch den Jubel aus dem BVB-Block ist aber klar: Ein Tor trennt Dortmund jetzt von der Meisterschaft.

Im Duell mit dem BVB hat sich der Rekordmeister in einem furiosen Schlusspurt in der Liga durchgesetzt. Nach einer Krise im Herbst hatten die Bayern zwischenzeitlich sogar neun Punkte Rückstand auf den bis Dato unangefochtenen Tabellenführer aus Dortmund. Trotz der schwachen Leistungen der Mannschaft und der öffentlichen Kritik an Kovac hielten die Bayern an ihrem Coach fest und sie sollten Recht behalten.

Daraus wird aber nichts! Weil die Bayern gegen Frankfurt nichts anbrennen lassen. Daran ändert auch der 17. Saisontreffer von Reus (54.) nicht.

Der Torschütze: Beim 1:1 kam die Hoffnung zurück, aber wer am Ende oben steht, hat es verdient. Von daher: Gratulation!”

In der Rückserie patzte der BVB mehrfach und der FC Bayern fand unter Kovac wieder zu alter Stärke zurück und spielte sich im Ligaendspurt in einen regelrechten Rausch. Von den letzten 13 Ligaspielen gewannen die Bayern zehn, drei endeten Unentschieden. Die letzte Niederlage in der Bundesliga kassierten die Bayern Anfang Februar gegen Bayer Leverkusen.

BVB-Keeper Roman Bürki nach der Partie schon mit der Kampfansage für die kommende Saison: Wir haben sehr viele junge Spieler, die noch nicht so viele Titel gewonnen haben. Vielleicht haben wir daraus gelernt und können es im nächsten Jahr besser machen. Wir greifen voll an!

Dann auch mit Thorgan Hazard? Nach 75 Minuten nimmt Gladbachs scheidender Trainer Hecking den möglichen BVB-Neuzugang vom Platz. Der Belgier, der wohl für rund 30 Mio Euro nach Dortmund wechselt, wird mit Pfiffen verabschiedet.