Trotz Zitterpartie: BVB glaubt weiter an die Meisterschaft - Westdeutsche Allgemeine Zeitung
FC Bayern vs. BVB: Die Chronologie eines Dauerzoffs
Die Leistung des BVB schien von einer fast greifbaren Furchtsamkeit geprägt zu sein. Aus Dortmund ist zu hören, Favre warne oft überdeutlich vor möglichen Gefahren.

Ein bisschen wirkte es so, als wollte Hans-Joachim Watzke mitteilen: Wenn hier sonst schon keiner Optimismus verbreitet, dann muss ich es wohl selber machen. Und so rief der Dortmunder Chef am Ende eines fußballerischen Grusel-Schockers die sofortige Umkehr der meteorologischen Verhältnisse an der Ligaspitze aus: “Die Mannschaft hat heute einen brutalen Druck gehabt. Aber der Druck wandert ab jetzt weiter: nach Süden.”

Dortmund gegen Düsseldorf. Der BVB hatte wirklich alles versucht, um sich vorzeitig den Vizemeistertitel zu sichern, es half nur nichts: Sie können immer noch Meister werden. Christian Pulisic traf zunächst in seinem letzten Heimspiel für den BVB, vorher hatte er nach seiner Verabschiedung geweint. Er geht zu Chelsea. Nach der Pause hatte Dortmunds zweiter Torhüter, Marwin Hitz, einen Aussetzer und patschte sich einen harmlosen Schuss ins Tor. Ausgleich. Delaney und Götze erhöhten bis zur 92. Minute auf 3:1, die Fortuna verschoss freundlicherweise noch einen Elfmeter und dezimierte sich durch ein hartes Foul von Bodzek selbst, er sah Rot. Eigentlich alles klar, doch auf den BVB ist Verlass. Julian Weigl, von Favre seit Längerem als Innenverteidiger aufgestellt, ließ Kownacki erst weglaufen, der traf in der 95. Minute zum 2:3. Dann senste Weigl über den Ball und die Fortuna bekam in der 96. Minute noch zwei weitere dickere Chancen. Arbeitsreiche Momente für Dortmunder Kardiologen waren das. Hätte die Fortuna ausgeglichen, wären die Bayern Meister gewesen, die gegen Leipzig nur unentschieden spielten. So aber wird zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder eine Meisterschaft am letzten Spieltag entschieden. Manche Kinder kennen das gar nicht. Es sind gar wieder Szenen wie 2001 möglich, als Schalke schon feierte, ehe die Bayern sie in der Nachspielzeit noch abfingen. Fragt sich nur, wer von beiden Meister der Herzen sein soll, wenn noch nicht mal jemand richtiger Meister sein will. 

Hätte Watzke die Wetterlage mit ihren Hoch- und Tiefdruckgebieten moderiert, es wäre glaubwürdiger gewesen. Aber nach dem erzitterten 3:2 – gegen zuletzt nur noch zehn Spieler von Fortuna Düsseldorf – hatte Dortmunds Geschäftsführer offenbar schnell erkannt, dass Fußballer Kampfansagen hören wollen. Auch dann, wenn sie nicht allzu realistisch sind.

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Die um den Champions-League-Platz vier. Um den zanken sich drei Teams: Leverkusen und Gladbach haben 55 Punkte, Frankfurt 54. Die Eintracht war wie erwartet platt und müde und musste zu Hause gegen Mainz eine 0:2-Niederlage hinnehmen. Gladbach ließ Nürnberg beim 4:0 keine Chance und Leverkusen gegen Schalke zwei Punkte liegen. Bayer war viel, viel besser, hatte aber sogar Glück, dass Schalke einen Elfmeter vergab. Ihnen selbst wurde hingegen ein recht eindeutiger verweigert. Die Eintracht muss am letzten Spieltag nach München und kann dort ihrem Ex Niko Kovač die Meisterschaft versauen und sich selbst in die Champions League schießen. Gladbach spielt da auch eine Rolle, sie haben den BVB zu Gast, der gewinnen muss, um noch an den Bayern vorbeizukönnen. Und Leverkusen spielt bei der Hertha. Ein selten gewordener Satz, aber das wird ein aufregender letzter Spieltag.

Dortmunds Leistung auf dem Spielfeld schien dagegen von einer fast greifbaren Furchtsamkeit und Passivität geprägt zu sein. Von einer kaum erklärlichen Angst vor einem Gegner, der zwar schon gegen den FC Bayern und Leipzig achtbare Unentschieden geholt hatte, aber dessen Klasse sich doch in Grenzen hält. Trainer Lucien Favre dagegen hatte die Fortunen vorab zu Titanen aufgebaut. Dortmund führte trotzdem durch ein Tor von Christian Pulisic, kassierte durch einen Torwartfehler von Marwin Hitz das 1:1, ehe Thomas Delaney und Mario Götze auf 3:1 erhöhten. Das war aber noch nicht alles: Gegen dezimierte Fortunen wurde schließlich mit schlotternden Beinen ein 3:2 ins Ziel gerettet.

Watzkes Appell war trotzdem nicht an den Haaren herbeigezogen. Tatsächlich erwartet am kommenden Samstag jeder, dass die Bayern ihr letztes Saisonspiel gewinnen – oder zumindest nicht verlieren. Ein Punkt reicht den Münchnern gegen Frankfurt, egal was Dortmund parallel in Mönchengladbach gelingt. Frankfurt und Gladbach kämpfen am letzten Spieltag allerdings selbst im Fernduell darum, den letzten freien Champions-League-Startplatz zu ergattern. So könnte die Angst vor dem Versagen doch noch einmal blitzschnell die Seite wechseln und nach München weiterwandern – so weit jedenfalls die Theorie des Dortmunders Watzke.

Tatsächlich aber ist der Glaube gering, dass sich der Trend bei den Borussen im letzten Spiel noch dreht. Denn zur Rechnung vom angeblichen Saisonfinale am letzten Spieltag gehört ja ein Sieg des BVB zwingend dazu. Die neun Punkte Vorsprung, die Dortmund in der Hinrunde kurzzeitig auf die Bayern hatte, sind aber ja gerade deshalb dahin geschmolzen, weil die Dortmunder – absurderweise genau seit jenen Zeiten – immer weniger Zutrauen in die eigene Stärke hatten. Das war in der Rückrunde wie die Muster einer Wetterkarte zu lesen: Gegen starke Gegner (beim 0:5 gegen die Bayern, beim 0:3 gegen Tottenham in der Champions League) ebenso wie gegen mittelmäßige wie Düsseldorf, Nürnberg, Augsburg oder Schalke.

Anstatt den eigenen Profis von ihren Stärken vorzuschwärmen, so hört man, warne Favre oft überdeutlich vor den Gefahren. Es mag zu viel Nostalgie mitschwingen, wenn in dieser Rückrunde in BVB-Zirkeln so oft wie nie zuvor vom früheren Dortmunder Trainer Jürgen Klopp die Rede war. Was dessen Ansprache bewirken kann, war jüngst beim 4:0 seines FC Liverpool gegen den FC Barcelona im Champions-League-Halbfinale zu bestaunen. Klopps Menschenfängerei wirkte Wunder.

Plagiatsvorwürfe, Darlehens-Streit oder das Aufregerthema Transfers. Zwischen Bayern und Dortmund kracht es immer wieder. SPORT1 blickt auf den Dauerzoff der Erzrivalen.

Zum ersten Mal seit zehn Jahren entscheidet sich die Meisterschaft in der Bundesliga erst am letzten Spieltag. Und schon jetzt hat das leise Säbelrasseln der Protagonisten begonnen.

Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke schießen sich verbal so langsam ein. “Wir hatten brutalen Druck. Der Druck wandert jetzt weiter Richtung Süden. Bayern kann alles verlieren, wir können alles gewinnen, gab Watzke am Samstag zu Protokoll. 

Salihamidzic konterte im Sportstudio: “Alles können die nicht gewinnen. Sie können nur die Meisterschaft gewinnen, im Pokal sind sie ja schon raus.” Zu einem Jubelfoto des BVB aus der Kabine fügte Brazzo an: “Am Ende wird abgerechnet. Mal sehen, wer nächste Woche die Fotos aus der Kabine twittert.”

Zuvor hatte wiederum Watzke über eine mögliche Meisterfeier der Münchner gelästert. “70 Prozent der Deutschen drücken gefühlt Dortmund die Daumen. Wenn die Meisterfeier auf dem Marienplatz stattfindet, kommen 3000 Leute plus 1500 Touristen, die gucken: Was ist denn da los?

Auch das ließ die Gegenseite nicht unkommentiert. “Herr Watzke hat sich schon letzte Woche bei mir nicht beliebt gemacht. Ich bin kein Fan der großen Schnauze”, moserte Salihamidzic

Es sind nicht die ersten Giftpfeile, die hin und her fliegen. Zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund mangelt es schon lange nicht an Aufregern. SPORT1 zeigt die Chronologie der Auseinandersetzungen.