Borussia Dortmund: Irre! Macht diese Szene den BVB zum Meister? - Derwesten.de
Dortmunds Einbruch gegen Mainz: “Wir haben es einfach über uns ergehen lassen”
Dortmunds Torwart Roman Bürki hat schon während der desolaten zweiten Hälfte gegen Mainz Alarm geschlagen. Er habe die Kollegen angeschrien – vergebens. Trainer Favre hatte auch seinen Anteil am Einbruch.

Den Weg zum Ziel versperrt der FC Bayern. Das ist schon beängstigend genug, daher dürften die Profis des BVB eigentlich froh darüber sein, dass sie wie ihre Rivalen aus München die Füße hochlegen dürfen, wenn Europas Eliteliga spielt. Es ist ja auch so schon anstrengend genug, für den Kopf wie für den Körper.

Dass sie zum Beispiel Sokratis wegen seiner limitierten fußballerischen Fähigkeiten weggeschickt haben, verstehe ich einerseits voll und ganz. Andererseits wäre er einer gewesen, der das Spiel gegen Mainz, auch das gegen Bayern, beruhigt hätte. Der gesagt hätte: Jetzt ist mal gut, Jungs, jetzt hört mal auf Papa – im doppelten Sinne.

Sogar das Spiel gegen Mainz 05, eine Mittelklassemannschaft der Bundesliga, wurde nach einer 2:0-Pausenführung im eigenen Stadion zur Strapaze. “Ich weiß nicht, wie lange es noch gut gegangen wäre”, sagte Roman Bürki. Der Torwart des BVB sorgte dafür, dass es überhaupt gut ging. Er war der Einzige, der in einer wilden Schlussphase wusste, was er tun sollte und musste. Nur dank seiner herausragenden Leistung blieb es beim 2:1-Erfolg.

“Es hat sich angefühlt, als wäre Mainz mit zwei Mann mehr auf dem Platz”, klagte Bürki über die Schlussphase, in der sämtliche Systeme beim BVB zusammenbrachen, mit Ausnahme des Torwarts. “Wir haben es einfach über uns ergehen lassen.” Mehrfach habe er seine Kollegen angeschrien, sie sollten wieder aggressiver in die Zweikämpfe gehen, mutiger nach vorne rücken. Schlussendlich musste er jedoch feststellen: “Da kam keine Reaktion. Wir haben einfach nur hinten gestanden.”

An Jadon Sancho kannst du das, was mit Dortmund passiert ist, auch gut festmachen: Von dem war gegen Bayern nichts zu sehen, bei allem überbordenden Talent, das er hat. Gegen Bayern wirkte er wie ein verspieltes Kind, das auf die Erwachsenen trifft, die ihm sagen: heute nicht.

Bürki fasste den Plan, in den kommenden Tagen “mal wieder mit den Jungs zu reden”. Ob es ein körperliches Problem gewesen sei, wolle er fragen. Oder ob irgendetwas “nicht klar war”.

Und da stellt sich bei allem Lob, das die Dortmunder sich für ihre Einkaufspolitik mehr als verdient haben, schon die Frage, ob da nicht doch noch etwas mehr Mischung aus Talent und Erfahrung her müsste, gerade in der Defensive. Darüber werden sie jetzt nachdenken.

Auf Letzteres deutete vieles hin. Nachdem der Mainzer Trainer Sandro Schwarz in der Pause von einem 5-3-2-System auf ein 4-4-2 mit einer Raute im Mittelfeld umgestellt hatte, sah plötzlich die Mittelklassemannschaft aus Mainz wie ein Tabellenführer aus. Zum zweiten Mal in acht Tagen wurde der BVB dominiert, dass es ihm fast ein bisschen peinlich sein musste. Dieses Mal, anders als beim 0:5 in München, nur eine gute halbe Stunde, aber eben gegen Mainz.

“Das Problem war, dass unsere Außenverteidiger oft gegen zwei Gegner spielen mussten”, sagte BVB-Trainer Lucien Favre. Vor allem Abdou Diallo am linken Ende der Viererkette war der Leidtragende, denn die Mainzer kamen auf ihrer rechten Seite zu vielen gefährlichen Angriffen. Doch Favre reagierte erst spät, wechselte mit dem zuvor mehrere Wochen verletzten Maximilian Philipp einen Offensivspieler ein, der für Stabilität in der so gefährdeten Zone sorgen sollte. Der Versuch einer Reparatur aber misslang, es wurde sogar noch schlimmer.

Was Dortmund gegen Bayern passiert ist, spielt da eine Rolle. So ein 0:5 kannst du nicht einfach wegstecken, da passiert etwas mit dir, wenn du vom direkten Konkurrenten zu Hackfleisch gemacht wirst – gerade als junge Mannschaft.

Favre hatte in den vergangenen Wochen häufiger mit personellen Entscheidungen danebengelegen, auch bei Wechseln. Von einem so anerkannten Trainer wie ihm werden jedoch Lösungen erwartet, auch und gerade wenn es um taktische Probleme geht. Insofern hing auch der Fußballlehrer durch, sagte noch: “Am Ende zählt nur das Ergebnis.”

Das Positive ist, dass sie das Spiel gegen Mainz dann doch noch gewonnen haben, obwohl es so gelaufen ist. Wenn es ihnen gelingt, sich daran aufzurichten, dann haben sie noch eine Chance im Titelkampf – ansonsten nicht.

Das mag rückblickend korrekt sein. Doch beim Blick Richtung Saisonziel Meisterschale und Restprogramm wird ein solcher Fatalismus nicht ausreichen. Das weiß auch Marco Reus. “Je weniger Spiele es noch sind, desto mehr wird es auch eine Sache des Kopfes”, sagte der Kapitän, der steif und fest behauptete, die schwache Leistung in der zweiten Halbzeit habe “gar nichts” mit dem 0:5 in München zu tun gehabt. Eine schlüssige Erklärung fehlte allerdings auch ihm. Eine “Mischung aus allem” sei es gewesen, die zu zittrigen Füßen und belasteten Köpfen geführt habe.

Phänomene, die den Dortmundern kaum gefallen werden, die aber nun mal auch zu einem engen Kampf um die Meisterschaft gehören. Da wird jeder Tag guttun, an dem sich Körper und Geist ausruhen können.

2:1 gegen Mainz! Ein Zittersieg für den BVB, weil Dortmunds Keeper Roman Bürki (28) mit seinen Monsterparaden in der Nachspielzeit die drei Punkte rettet!

Gegen Mainz hat sich dieser Saisonverlauf in den zwei Halbzeiten gut widergespiegelt: Erst hat alles gut funktioniert, auf einmal fällt das Gegentor und – ach du Schande.

Nach dem Spiel ist der Torwart angefressen, sagt zu BILD: Eigentlich müsste man mit einigen Spielern sprechen, was sie sich dabei gedacht haben. Wir sind in keinen Zweikampf mehr reingekommen. Das kann nicht sein. Man hatte teilweise den Eindruck, dass Mainz zwei Mann mehr auf dem Platz hatte …

Eine Woche nach dem 0:5-Debakel bei den Bayern gewinnt Dortmund 2:1 gegen Mainz! Und ist dank Doppelpack von Sancho wieder Spitze.

Gemischte Gefühle bei Bürki! Er ist sauer, aber auch froh über seine Leistung. Es ist schön, wenn man sich als Torwart auszeichnen und helfen kann, das Spiel zu gewinnen.

Klartext auch von Marco Reus (29) auf Sky: Es war natürlich nicht unser Plan, dass Roman uns hier in einem Heimspiel die drei Punkte rettet. Die zweite Halbzeit war einfach schlecht, das müssen wir sagen.

Nochmal der BVB-Kapitän: Keine Ahnung, warum wir da nicht mehr Fußball gespielt haben. Wir haben uns viel zu wenig bewegt und hatten ganz, ganz wenige Torchancen – für mich in der zweiten Halbzeit unerklärlich.

Bürki hat in 28 Bundesliga-Spielen 34 Gegentore kassiert. 8-mal blieb er ohne Gegentreffer, Platz 6 unter den Bundesliga-Torhütern. Was die gehaltenen Torschüsse angeht, liegt Bürki (86) auf Platz 11.

Durch den Sieg ist der BVB zwischenzeitlich an der Tabellenspitze. Die Bayern können heute (15.30 Uhr, Sky und im BILD-Liveticker) mit einem Sieg gegen Düsseldorf wieder vorbeiziehen.

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