Dortmund-Tatort Inferno: Der Krankenhaus-Alltag sieht anders aus - Ruhr Nachrichten
Tatort: Sex-Unfall beim Dortmund-Krimi
Angetreten ist der Tatort in Dortmund einmal mit dem Versprechen auf folgenübergreifende Serialität. Das ist bei der beliebten Krimireihe kein leichtes Unterfangen, weil die einzelnen Episoden in größerem zeitlichem Abstand gesendet werden. Übrig geblieben ist vom Seriellen in Dortmund mittlerweile nur noch das Trauma des Protagonisten – der Schmerz eines Polizisten, der Frau und Kind verloren hat.

In Inferno (WDR-Redaktion: Frank Tönsmann) wird dieses Trauma wieder einmal hervorgekramt. Faber (Jörg Hartmann) schläft schlecht, weil er die Bilder von Frau und Kind nicht aus dem Kopf bekommt. Aus dem privaten Stress weckt ihn die Arbeit – der Fall führt diesmal in ein Krankenhaus, in dem eine Ärztin tot aufgefunden wurde. Die Ermittlungen wirken relativ konzentriert (Drehbuch: Markus Busch), wobei es die üblichen Verdächtigen (Kolleginnen, Gatte) alle nicht in die erste Reihe zieht. Beziehungsweise: Es scheint, als wollten die Ermittler sich nur zögerlich festlegen.

Murot in Hessen Keine Angst vor dem Pianisten! Ob am Klavier oder am Maschinengewehr – Ulrich Tukur als Kommissar Murot ist fast immer eine Sensation. Fast immer: Die Nummer mit den Gauklern in der Zirkus-Folge “Schwindelfrei” von 2013 war wirklich übel, dafür war die Tarantino-meets-Truffaut-Folge “Im Schmerz geboren” 2014 ein absolutes Meistwerk der Reihe. Eine angenehme Abwechslung ist es, dabei zuzuschauen, wie sich Ulrich – Hoppla, jetzt komm ich – Tukur als LKA-Mann Felix Murot durch die Handlung singt, tanzt und musiziert. Oder eben auch mal mit der Schnellfeuerwaffe für Ordnung sorgt. Großes Thriller-Kino. Läuft, wann immer Tukur mal Lust auf einen “Tatort”-Dreh hat.

Schwester Lexi (Lisa Jopt) etwa qualifiziert sich eigentlich durch eine gewisse Exzentrik, weil sie in einem Pappkarton in der Klinik verletzte Tiere hält, rückt dann aber aus dem Fokus des Interesses, um am Schluss doch etwas mit dem Fall zu tun zu haben. So werden die ganze Zeit Informationen gewälzt und Sachen rausgefunden, aber spannend ist das nur zu nennen, wenn man darunter versteht, dass am Filmende halt jemand als Mörder präsentiert werden muss.

Faber, Bönisch, Dalay und Kossik in Dortmund Die Kranken: Jörg Hartmann schluckt als Peter Faber reichlich Pillen und schlägt Toiletten kaputt. Anna Schudt als Kollegin Martina Bönisch steigt mehr zum Frustabbau als zum Lustgewinn mit Callboys und Staubsaugervertretern ins Bett. Aylin Tezel als Nora Dalay und Stefan Konarske als Daniel Kossik haben schon gemeinsam auf Streife und im Bett zusammen geschwitzt – würden aber niemals das L-Wort benutzen. Zwei Folgen im Jahr. Eines der wenigen TV-Reviere mit stringenter Figurenentwicklung. Die Elite des deutschen Fernsehkrimis. Stefan Konarske ist inzwischen ausgestiegen und wurde durch Rick Okon (“Das Boot”) ersetzt.

Die auffälligste Gestalt, die Inferno für die Täterschaft im Angebot führt, ist der Chef der Notaufnahme: Doppeldoktor Norstädter (Alex Brendemühl). Der ist für Faber auch deshalb interessant, weil er dem Kommissar dessen derangierten Zustand (die Einnahme von Psychopharmaka) auf den Kopf zu diagnostizieren kann. So verbindet sich für den Polizisten die Suche nach dem Mörder mit der Hoffnung auf Erlösung.

Voss und Ringelhahn in Franken Die Fremden: Felix Voss ist ein verirrtes und verschlossenes Nordlicht mit Vorliebe für Techno-Exzesse, Paula Ringelhahn machte noch zu Mauerzeiten aus dem Osten rüber, weil sie an Freiheit und Demokratie glaubte. Jetzt ermitteln die beiden Kommissare, die überhaupt nicht zueinanderpassen, in einer Gegend, in der sie zudem noch deplatziert wirken. Eine reizvolle Grundsituation. Einmal jährlich gehen Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel als ungleiches Paar im Hinterland von Unter-, Mittel- und Oberfranken auftreten. Hinrichs hatte zuvor schon in einer BR-Episode als Ermittler-Kauz Gisbert für Furore und verliebtes Publikum gesorgt.

Das Finale findet in Norstädters Haus statt und ist folglich halb Therapie, halb Verhör. Faber weiß mittlerweile ums Motiv. Der Doppeldoktor ist, wie bei problematischen Ärztinnen und Ärzten im ARD-Sonntagabendkrimi weit verbreitet, ein Hochstapler, der sich ohne Abschluss mit gefälschten Zeugnissen auf seinen Posten gelogen hat.

Warum Norstädter deswegen nicht einfach verhaftet und vernommen werden kann, ist eine Frage, mit der sich Fabers kraftmeiernd-leidende Ermittlungsperformance nicht aufhält – so wirkt es doch viel dramatischer! Es ist angesichts dieser Form der Rätsellösung kein Zufall, dass Faber als der große Täterrollennachspieler in die Geschichte des ARD-Sonntagabendkrimis eingehen wird. Wenn er in das Verbrecher-Ich hineingeht gelangt der Kommissar in einen übersinnlichen Zustand, er durchlebt dann eine Art Rausch, der ihn zur Aufklärung führt. 

Nach dem letzten Dortmund-Tatort tobte ein Zoff mit dem Oberbürgermeister. Der fand seine Stadt zu düster dargestellt. Und jetzt?

In dem neuen Fall Inferno sehen wir am Sonntag, wie tödlich es in einem Dortmunder Krankenhaus zugeht.

Tiere im Schwesternzimmer, eine riesige Zahl Überstunden, eine Tasse mit Klinik-Logo – all das gab es im Dortmund-Tatort Inferno. Aber auch in Wirklichkeit? Wir machen den Faktencheck.

DER FALL: Im Ruheraum der Notaufnahme liegt die Internistin – und zwar tot. Nur in Unterwäsche und mit Plastiktüte über dem Kopf.Mord oder Sex-Unfall? Fetisch-Fans versuchen durch Fast-Ersticken den Kick zu kriegen.

Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann, 49) probiert die Tüten-Nummer vor der verdutzten Kollegin Bönisch (Anna Schudt, 45) aus. Sein Kommentar: Immer die gute alte Missionarsstellung ist auf Dauer auch öde …

Die verheiratete Frau Doktor hatte ein Verhältnis in der Klinik. Mit einem Pfleger? Mit dem Chefarzt? Und der betrogene Ehemann ist ziemlich wütend …

Am Ende gibts den typischen Faber-Alleingang mit krachendem Finale!Dortmunds OB kann zufrieden sein.